Ausgabe 
12.1.1915
 
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Ein englisches Arbeiterblatt gegen das Zarentum.

Der englische Labor Leader veröffentlicht einen Artikel, in dem er sagt, die russischen Blätter sprächen davon, daß die fünf verhafteten Mitglieder der Duma vor ein Kriegsgericht gestellt würden. Die Nowoje Wremja behaupte zwar, daß die Mitteilung verfrüht und die Voruntersuchung noch nicht abgeschlossen sei. Der Labor Leader sieht hierin aber lediglich eine Bestätigung der Tatsache, daß wirklich die Absicht bestehe, die fünf Duma⸗ mitglieder vor das Kriegsgericht zu schleppen. Das heiße nicht mehr und nicht weniger, als daß die sozialistischen Mit⸗ glieder der zweiten Duma zu einem langsamen To de in den Kerkern verurteilt würden, wenn das Kriegs⸗ gericht nicht gleich zur Todesstrafe übergehe. Ein Zivilgericht dagegen könne höchstens zu einer Gefängnisstrafe schreiten, und der Ausschluß der Oeffentlichkeit bei dem Kriegsgerichts⸗ verfahren werde es unmöglich machen, daß jemals die Welt erfahre, was hinter den Türen des Kriegsgerichts vorgegangen sei. Das Blatt fügt dieser Mitteilung hinzu:

Sollte es denn wirklich erlnubt sein, daß die erwählten Ver⸗ treter des Volkes ohne irgend einen Schrei des Protestes in die Galeeren geschleppt werden? Wenn wir allein stehen in Groß⸗ britannien, um hiergegen zu protestieren, so sind Zeichen dafür vorhanden, daß die Arbeiter Rußlands nicht gesonnen sind, dieses letzte Verbrechen des Zarentums zu dulden, und in mehreren Fabriken Rußlands einschließlich der Putilow Waffen⸗ fabriken haben die Gewerkschaften ihve Proteste verbreitet.

Die französischen und belgischen Sozialistenführer aber bitten die russischen Genossen, doch ihren Frieden mit dem

Zaren zu machen und einig mit gegen die deutschen Klassen⸗

geuossen zu ziehen! Das enaglische Oberhaus zum Kriege. 160 W. T. B. meldet aus der letzten Sitzung des englischen Ober⸗ uses:

Lord Lucas erklärt namens der Regierung, daß es streng vermieden werden müsse, bei Besprechungen von militärischen Vorbereitungen Zahlen zu erwähnen. Wenn England wüßte, wieviel Mann in Deutschland aufgestellt und ausgebildet werden, so wäre das für die Verbündeten von der größten Bedeutung. Ebenso könnte schon die Angabe einer einzigen Zahl für Deutschland Wert besitzen. Alles, was gesagt werden könne, sei, daß das Kriegsamt trachte, die Ausrüstung mit der Rekrutierung imm Einklang zu er⸗ holten. Das geschehe gegenwärtig, und um mit der beschleunigten Rekrutierung Schritt zu halten, mache das Kriegsamt enorme Anstrengungen, um für Ausrüstungsgegenstände zu sorgen. Die hierfür geschaffene Organisation gewinne schnell an Umfang. Der Einwand, daß Churchill Zahlen angegeben habe, sei nicht ganz zutreffend: Churchill habe nur in seinen Rekrutierungsveden gesagt, daß, wenn die nötige Zahl von Menschen aufgebracht werden könnte, 25 Armeekorps aufgestellt werden sollten; er habe damit einen Wunsch ausgedrückt.

Lord Selborne sagte: Deutschland hat gezeigt, daß es die wunderbarste Kampfmaschine besitzt, über die jemals eine Nation verfügt hat. Die Aufgabe, die den Verbündeten obliegt, ist außerordentlich ernust und schwierig: das sollten die Engländer voll einsehen. Deutschland hat den Vorteil der zentralen Lage und des einheitlichen Kommandos. Deshalb ist es nötig, daß wir für eine vollstän⸗ dige und dauernde strategische Zusammenarbeit zwischen uns und den Verbündeten Sorge tragen, sowohl auf politischem als auch auf militärischem Gebiete. Wenn das freiwillige Rekrutierungs⸗ sustem nicht genug Menschen liefert, müssen wir zur allge⸗ meinen Wehrpflicht schreiten. Dieser Fall muß entsprechend früh vorbereitet werden, damit nicht ein nationales Chaos eimtritt.

Der Lordkanzler sagte, die Aufgabe Englands in diesem Kriege decke sich nicht ganz mit der der Verbün⸗ deten. England müsse vor allem für die Herrschaft zur See sorgen. Es sei mit verhältnismäßig geringen Verlusten imstande gewesen, seine Vorherrschaft zu erhalben. Der Armeebedarf werde mit einer Geschwindigkeit hergestellt, die noch vor kurzem unerreich⸗ bar gewesen sei. Das gelte sowohl von den Explosipstoffen wie von den Geschossen und Gewehren. Die größte Wohltat des Krieges sei, daß er England seine Mängel einsehen gelehrt habe. Eine enge Fühlungnahme zwischen den Oberkommandierenden der verbündeten Länder sei unmöglich, die Stäbe seien jedoch in Fühlung und die Oberkommandierenden über die einzelnen Opera⸗ tionspläne unterrichtet. Es würden alle Anstrengungen gemacht, ohne Rücksicht auf die Kosten, den Deutschen eine den 42 Zenti⸗ . gleichwertige Waffe gegenüberzu⸗ tellen.

Lord Curzon sagte: Die Aufgabe, vor die England sich gestellt sehe, sei die größte seit Pestehen des Königreiches. Das Ober⸗ haus wünsche zu wisson, ob das Kriegsamt, das mit Arbeiten über⸗ bürdet sei, überhaupt Zeit gehabt habe, über die Vorbereitungen zur eventuellen Einführung der allgemeinen Waffe gegenüberzu⸗ zudenken.

Lord Crewe sagte, das Rekrutierungssystem, das einen Stillstand oder auch nur eine Entmutigung der britischen Exportindustrien mit sich brächte, würde auf den schließ⸗ lichen Erfolg der britischen Waffen ungünstiger einwirken, als wenn die Rekrutierung um einige Tausend Mann hinter den Er⸗ wartungen zurückbliebe. Die Rekrutierung in Irland sei trotz der unglücklichen Differenzen, die dort beständen, zufriedenstellend.

Das Haus vertagte sich sodann bis zum 2. Februar. Die Frage der Militärdienstpflicht in England.

Brüssel, 10. Jan.(T. U.) Am Silvesterabend fand im Buckingham⸗Palast unter dem Vorsitz des Königs Georg ein geheimer Kabinettsrat statt. worin die unerfreulichen Roekrutierungsergebnisse beraten wurden. Lord Kitchener sagte, die Notwendigkeit der Einführung des Militärzwangs werde sich nicht umgehen lassen. Seiner Ansicht schloß sich Winston Churchill an. Aber Asquith und Lloyd George wollen nach wie vor von dem unpopulären Vorschlage nichts wissen. Der Ministerrat kam zu keinem engültigen Entschluß.

Ein en lischer Gentleman.

Wie jetzt bekannt wird, hat der Gouverneur der englischen Goldküste bei Ausbruch des Krieges einen Aufruf erlassen, in dem es heißt:

Unter uns leben deutsche Untertanen, die das größte, einem kriegerischen Volke widerfahrende Mißgeschick trifft: bei Ausbruch des Krieges nicht im eigenen Lande sein zu können. Ich er⸗ innere Euch daran, daß mehrere von ihnen viele Jahre an der Goldküste lebten, die zum Wohle der Bevölkerung als Missio⸗ nare, Aerzte und Kaufleute arbeiten, daß manche von ihnen unsere persönlichen Freunde sind, und daß wir von allen Beweise von Güte und Beistand erfuhren. Sie haben Anrecht auf unsere Ritterlichkeit. Die Häuptlinge sollen unsere Untergebenen wissen lassen, daß sie es schwer bestrafen werden, wenn jemand von ihnen Gelegenheit sucht, die Leute zu beleidigen oder zu belästigen, die viele Jahre als unsere guten Freunde und Gäste unter uns lebten. Laßt uns die Wechselfälle des Krieges ruhig, geduldig und entschlossen, nach guter englischer Sitte ertragen, ohne eitle Ruhmredigkeit und feige Verzweiflung. Wenn Ihr in Zeiten der Pritfung Euch stark erweist, so wird Euer Ruf mächtiger sein, als er durch Jahre der Wohltat je werden könnte.

Geltreidenot in der Schweiz.

Der Berner Bund stellt fest, daß gegenwärtig nur noch für 23 Tage Getreide im Lande ist. Tausende von Wagen⸗ ladungen seien schwimmend, könnten aber infolge der Ver⸗ kehrsstockung ihr Ziel nicht erreichen. Der Bundesrat tue alles, um die Versorgung des Landes sicherzustellen.

Der Bundesrat hat beschlossen, daß die Einfuhr von Getreide und Getreideproduktion ausschließlich dem Bund vorbehalten sei. Die Maßnahme hat vorübergehenden Charakter für die Dauer des gegenwärtigen Krieges. Be⸗ zweckt wird damit eine Verminderung der Schwierigkeiten, die der Getreideeinfuhr nach der Schweiz entgegenstehen.

Neuwahl für Georg Weill.

Berlin, 10. Jan.(W. B. Nichtamtlich.) Nachdem das frühere Mitglied des Reichstaas Dr. Georg Weill seiner Staatsange⸗ hörigkeit durch Beschluß des Staatsministeriums in Elsaß⸗Loth⸗ ringen vom 3. Januar 1915 ver lustig erklärt und aufgehört hat, Deutscher zu sein, hat er seine Wählbarkeit zum Reichstage und also Sitz und Stimme im Reichstag verloren. Der Präsident des Reichstages hat infolgedessen den Stellvertreter des Reichskanzlers um Veranlassung einer Neuwahl in dem Wahlkreis des früheren Abgeordneten Dr. Weill ersucht.

Eine Mahnung an dos Eisenbahnpersonal.

Sämtlichen preußisch⸗hessischen Eisenbahnbeamten und Arbeitern ist eine neue Verfügung zugegangen, in der es heißt:In den Tageszeitungen ist bereits warnend darauf hingewiesen worden, welche unabsehbaren Folgen unbedachte Gespräche über Vorgänge auf dem Kriegsschauplatz, etwaige Absichten der Heeresleitung, Truppenbewegungen usw. haben können. Diese Warnung wird aber nicht überall beachtet. Es werden immer noch Unterhaltungen geführt, die fremden

Ohren erwünschte Gelegenheit geben, Nachrichten zu sammeln,

die für unsere Feinde von Interesse sind. Möchte N

jeder sich immer vergegenwärtigen, daß das Leben u deem

Väter, Brüder und Söhne auf dem Spiele steht, und

derartige leichtfertige Mitteilsamkeit Tausenden b

Soldaten das Leben kosten kann. Geflüchtete Kriegsgefangene,

In der Nacht vom 8. zum 9. Januar sind aus dem K fangenenlager Fort Zimmer bei Torgau die kriegsgefange französischen Offigiere Oberleutnant de Moustier vom 31. Kolon Infanterie⸗Regiment und Waharte vom 214. Infanterie⸗Regim entwichen. Das Signalement der beiden ist folgendes: de Moustie 1,70 Meter groß, schlank und schwarzen Schnurrbart: Waharte 10 Meter groß, hat kurzgeschorenes Haar und rötlichen Schnu und trägt wahrscheinlich blauen Pelerinemantel. Einer der beiden

spricht Deutsch. 2 1 An der belgischen Küste. Rotterdam, 11. Jan.(T. U.) Ueber die letzten Ope⸗ rationen an der belgischen Küste werden noch folgende Einzel. heiten gemeldet: Es regnete Tag und Nacht ohn Unterbrechung. Durch das schlechte Wetter werden die Operationen sehr erschwert. Auch die beabsichtig Offensive der Verbündeten gegen die Deutschen kommt in folge des schlechten Wetters nicht vorwärts. Dixmuiden b findet sich nach wie vor noch in den Händen der Deutsche Die Truppen der Verbündeten stehen auf der Westseite den Heer, wo sie sich in einem Häuserkomplex eingenistet haben, 1

Beide Teile haben sich an der Mer stark verschanzt und jede Ruine zu einem festen Bollwerk ausgebaut. 5

Eine Kampfpause im Osten.

Berlin, 11. Jan.(T. D.) Der Kriegsberichterstatter 9 te Berliner Tageblattes, Leonhard Adelt, meldet seinem Blat 900 aus dem k. u. k. Kriegspressequartier vom 10. Januar: 5 0

An der ganzen Front der verbündeten Truppen ist i E folge des schlechten Wetters ein Operationsstillstand einge Japan treten. Sogar in Nordpolen mußten die Deutschen ihr Vor. rücken einstellen. Die Stellungen sind in den letzten Tage 5 Aummt sehr stark ausgebaut worden, so daß Frontalangriffe ohm zwei lange Artillerieangriffe viel zu verlustreich sein würden. De Beause Kämpfe der letzten Tage haben zu einer Ausgleichung der deutsche vielfach gebrochenen Front geführt, an der sich nun die Gegner Mui zum Teil sehr nahe gegenüberliegen. Die Operationspaust bekommt den Truppen sehr gut. Seit 5 Monaten ist es die i erste Erholungspause, in der auch Waffen und Kriegsmateric 19 9 ausgebessert werden. Unter der Kälte haben die Truppen ab. 91 nicht viel zu leiden, wohl aber unter der Nässe, gegen die maß zum Or sich durch Ableitungsrohre zu schützen sucht. Die Stimmunz wie die Gesundheit der Truppen sind vorzüglich. 9 17

12 Kampflose Aufgabe Warschaus? din

Wien, 11. Jan.(J. U.) Wie polnische Blätter melden Leg, hatte der Oberbefehlshaber der russischen Armee, Groffürf Rais Nikolaus, eine längere Besprechung mit dem General Ruß Lonate Wie man sich in Warschau darüber erzählt, haben die russischen gehol Militärbehörden beschlossen, Warschau zu räumen e S0 bald die Deutschen die Beschießung der Stadt er zu öffnen sollten. Da muß man doch wohl ein Fragez auf de machen. Das A

Die russische Gerde zurückgezogen?

Ueber Sofia sind der Vossischen Zeitung zufolge sichere No richten bekannt geworden. daß das ganze russische Gardekorps, bisher in Polen operierte, vor den orthodoxen Weihnachten Petersburg beordert und durch Reservebrigaden r Man erklärt diese Eigenart daraus, daß in Petersburg grö Lolksb aufrührerische Bewegungen befürchtet würden, andererseits daran] Folke daß man das Gardekorps vor der drohenden Katastrophe auf jede M Kriegsschauplatz retten wolle vorzule Ein gelungener Durchbruch der Oesterreich 11

Budapest, 11. Jan.(T. U.) Pesti Hirlap meldet Sekret die Kämpfe aus den Karpathen, daß eine aus 1000 Man Camil bestehende Abteilung österreichisch-ungarischer Truppen voll e

einer russischen Uebermacht abgeschnitten wurde, so daß fee we 0 in Gefahr geriet, gefangen genommen zu werden. Es gelang! die he jedoch den Oesterreichern, sich glänzend durchzuschlagen nomm.

Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 156

Es wäre überflüssig gewesen, etwas darauf zu erwidern. Marstrand überließ sich der Leitung seines Führers, der trotz der dichten Finsternis rasch und sicher vorwärts schritt und keine Anstalt machte, sich Licht zu verschaffen. Er hatte ohne Zweifel feine Gründe dafür, und der mißtrauische Gefangene erriet diese. Afraja wollte ihm jede Kenntnis über sein Ge füngnis und dessen Aus- und Eingänge unmöglich machen. Er folgte geduldig und unterdrückte Fragen und Vorwürfe. denn was hätten diese ihm geholfen, da ein Messerstich oder ein Stoß hingereicht haben würde, ihn für immer los zu werden.

Lange Zeit wurde der Weg von beiden schweigsam fort⸗ gesetzt, und danach zu urteilen, mußten diese Gewölbe eine große Ausdehnung haben. Bald schienen es weite Hallen zu sein, bald enge Gänge. Ein paarmal streiften Kopf und Schultern des Dänen an der niedrigen Decke, und dann wieder hörte er aus dem Schall, daß eine viele Klafter hohe Wölbung über ihm sei. Zuweilen tappte er aufwärts, um an andern Stellen hinunter zu steigen, endlich aber glaubte er zu be⸗ merken, daß der schlaue Lappe ihn denselben Weg öfter machen lasse, um ihn noch mehr zu verwirren, und erst als er an⸗ nehmen mochte, es sei dafür genug geschehen, leitete er ihn durch einen schmalen, jäh abwärts führenden Spalt, aus welchem Marstrand plötzlich ein scharfer Zugwind entgegen wegte. Gleich darauf erblickte er über sich einen Stern. Er atmete auf, Himmel und Luft hatten ihn wieder. Die Dunkel⸗ heit der Nacht war jedoch noch immer groß. Zu beiden Seiten stiegen glatte Felswände auf, und bald wurde die Sohle der Schlucht, die sich fortgesetzt senkte, das Bett eines kleinen Wassers, dessen Rauschen man hören konnte, ohne es zu sehen. Endlich blieb nichts übrig, als in dies Gerinn hinabzusteigen und darin fortzuwaten, bis Afraja in einen anderen Spalt einbog und durch hohe Steine, Buschwerk, tiefe kleine Täler und verwachsene Schluchten endlich eines der moosigen und sumpfigen Fjelder erreichte. Hier drang das erste Morgen⸗

grau durch die Finsternis, aber vergebens suchte Johann zu erraten, wo er sei. Das Fjeld senkte sich wieder in das steile Talbett einer Elf, und als eine neue Höhe gewonnen war, ließen aufsteigende dichte Nebel nichts erkennen. Es wurde Tag,, doch diese Nebelwand ließ das Licht nicht ein. Grau und naß zog sie mit den Wanderern weiter, als habe Jubinal sie ausgesandt, um die Augen des Unfolgsamen mit Blind⸗ heit zu schlagen. Marstrand wußte nicht, woher er gekommen war und wohin er gehe, und schon öffnete er den Mund, um eine Frage zu tun, als eines jener Wunder geschah, die man im Norden nicht selten schauen kann. Die Nebel trennten sich und verschwanden mit ähnlicher Schnelle, wie der Vor⸗ hang einer Schaubühne aufgezogen wird. Der Wind faßte die bleifarbigen Dünste, löste sie auf oder warf sie in die tiefen Einschnitte des zerrissenen Landes, und plötzlich tat sich dies auf und zeigte die hohen Alpen und das rotglänzende Haupt des Kilpis; Felsenstirnen von langen rötlichen Schleiern eingehüllt und eine unermeßliche Menge großer und kleiner düstrer Jauren, Steinmassen und buschige von Sümpfen umringte öde Berggewinde.

Bei allem Schrecken dieser unermeßlichen Wüste sah sie dennoch in ihrem purpurnen Morgenkleide erhaben und schön aus. Am Himmel zog feuriges und blutig düsteres Gewölk, das seinen Wiederschein in allen Färbungen auf Gräser und Blüten, wie auf die Riesenköpfe des Gebirges drückte. Wie Kriegs- und Feuersgluten schien es an den Wänden des alten Söttersitzes aufzulodern, aber unheimlich mischten sich Schatten hinein, als werde ein schwarzes, ungeheures Tuch aus dem Himmel herabfallend langsam über die Erde aus⸗ gespannt. 5

Von welcher Seite er hergekommen war, und welches die Jaure sein könne, in deren Höhlen es ihm so seltsamlich er⸗ gangen, konnte Johann aber auch jetzt nicht herausfinden. Afraja hatte ihn so kreuz und quer geführt, und Nacht und Nebel hatten so mitgewirkt, daß er sich gestehen mußte, die Schatzkammer könne ebensogut der Kilpis sein, wie dieser setzt mehrere Stunden entfernt ihnen gerade gegenüber lag. Der alte Häuptling führte ihn diesem Ziele nun zu, und

noch immer schritt er schweigend voran, bis er plötzlich still

stand und auf seinen langen Stab gestützt in die Fern horchte. ö Wohin soll ich dir folgen, Afraja? fragte Marstrand. Zu der, die dich erwarten wird. Hörtest du nichts Nein, sagte Johann. Es war ein Schrei, murmelte Afraja. Hörst du noch nichts? Es war mir, als fiele ein Schuß, allein der Wind steh uns entgegen. Es kann Täuschung sein. Feder Eine der großen braunen Möwen mit weißer Brust, di von den Fjorden bis an die Seen hinaufziehen, flog schreiem gegen den Wind her, umkreiste ihre Köpfe und schwang sin höher und höher, bis sie mit ihrem klagenden wilden R wieder dieselbe Richtung nahm, aus welcher sie gekom war. Der Lappe sah ihr eine zeitlang nach.Wer f dich? sagte er dann.Bist du ein Bote Ayras, des finstem Gottes, der die Schlinge des Unglücks in seiner Hand häu den oder war es eine Seele, die mir ihren Scheidegruß bri Marstrand wunderte sich nicht über diese Frage.(. hatte von dem Aberglauben der Lappen gehört, nach weld 1 die Seele eines einsam Sterbenden in den Leib eines Tie fährt, um seinen Verwandten seinen Tod anzuzeigen, Jubinals Himmel sich ihr öffnet; allein er folgte unwill als er sah, daß Afraja, statt auf den Kilpis weiter ode schreiten, dem Fluge des Vogels folgte und ohne sich an f Ruf zu kehren oder seine Vorstellungen zu beachten, e sehr beschwerlichen Weg durch ein hochaufsteigendes voll Geröll und Blöcke nahm. Alle Lappen sind rüstige um ausdauernde Fußgänger, und selbst mit schweren N klimmen sie leicht die steilsten Höhen hinauf. Oefter sche sah Johann, daß diese anscheinend schwächlichen Männer darin den stärksten Küstenleuten zuvortaten, und auch 0 mal fand er, daß der alte Mann rüstiger und gelenkiger 1 wie er selbst. Er fühlte sich ermüdet, abgemattet, von da nächtlichen Abenteuern und von der mehrstündigen rung erschöpft, hungrig und durstig, während Afraj sich verdoppelt zu haben schien, so rasch eilten seine die scharfen Steine.. (Fortsetzung folgt.)

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