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zraphen und Urkunden. Ferner befanden sich in dem Museum zahlreiche Reliquien und Andenken an polnische Könige rann ein Kupserstichkabinett von 28,000 Stücken und ein Münzkabinett von 17,000 Münzen, 43,600 Medaillen und 500 Banknoten, ferner eine Bildergalerie von 1034 Gemäl- den. darunter von Cannalete, Giorgiono u. o.
Tcr Zar vor der Kriegserklärung. Die „Coburger Zeitung" erfährt über die Vorgänge in den letzten Julitagen in Petersburg folgendest
„In Zarskoje Selo haben in den letzten Tagen des Juli zwischen dem Zaren und dem Großfürsten Nikolaj Nikolaje» witsch heftige Auseinandersetzungen stattgesunden. Es mutz festgestellt werden, daß der Zar unter allen Umständen gewillt war, den Frieden zu erhalten. So konnte er denn auch ehrlichsten Herzens noch am 31. Juli dem deutschen Kaiser das feierliche Wort geben, daß „Rußland" keinen Krieg wünsche. Mit dem Zaren hatten mehrere Großfürsten, denen die behagliche Ruhe und das friedlich-sorglose Leben wertvoller ist als ein Krieg mit sehr ungewissem Ausgang,, fer- »er auch der Ackerbauminister Kriwoschin, der sehr einflußreiche Fürst Trubetzkoj und nicht zulehc d>r > Zarin alles versucht, die von dem egoistischn Großfürsten Nikolaj Nikolaje- witsch geführte Kriegspartei von den schweren Folgen eines kriegerischen Konflikts mit Deutschland zu überzeugen. Inzwischen ordnete Großfürst Nikolaj ohne Wissen des Zaren die Mobilisierung der Armee an. Er war es auch, der mit der ihm ergebene» Hofbeamtenschaft dafür sorgte, daß der Zar noch mehr von der Außenwelt abgeschlossen und in Unkenntnis über die wirklichen militärischen Zustände im Reiche gehalten wurde. Als das russische Heer bereits den Vormarsch angetreten hatte, erzwang er vom Zaren mit der unwahren Behauptung, daß die Deutschen bereits in Polen einniarschiert seien und deutsche Agenten eine Neoolution zur Vernichtung des Zarentums und des ganzen Kaise.hiu- ses angezettelt hätten, den Mobilmachungsbefehl, der dann a»ch — unser Gewährsmann sagt „schwereii Herzens" — er- teilt worden ist."
Die Verantwortlichkeit des Zaren wird durch diese Darstellung nicht im mindesten eingeschränkt. Aus mancher Erfahrung mußte er wissen, daß er von Ministern u. Hof- beamten schamlos belogen wurde. Bevor er daher dem Deutschen Kaiser jene falschen Erklärungen abgab, hätte er sich unbedingt der vollen Wahrheit versichern müssen, was selbst für den russischen Zaren keine Unmöglichkeit ist.
Rnsiische Offiziere berauben ihre eigene Kriegskasse. Zu der von uns veröffentlichten Notiz, „Russische Offiziere und Soldaten berauben ihre eigene Kriegskasse" erfahren ivir noch, daß die russischen Gefangenen übereinstimmend ange- geben haben, es hätten sich vornehmlich russische Offiziere an dem Raub beteiligt.
Alis dkl Welt des Islams.
Afghanistan gegen Indien. Konstantinopel, 1. Olt. tim hiesiges Blatt gibt die Meldung des offiziösen afghanischen Organs „Aradjulah BarusaOhan" wieder, nach welchem der Emir von Asghanistan eine Streitmacht von etwa 400000 Mann regulärer Truppen unter dem Oberbefehl seines Bruders Racr Ullah Khan mit dem Austrage entsandt Hab«, die Stadt Feschawar, den Schlüssel Indiens, zu besetze», und eine andere aus 300 000 Mann bestehende afghanische Streitmacht unter dein Vesehl des Thronfolgers Narec Jere gegen Rußland.
Die Türkei bleibt fest. Konstantinopel, 1. Oktober. Die Botschafter der Ententemächte üben starke Druckmittel aus die P s o r t e aus, um diese zur O e s s n u n g der Dardanellen zu bewege»! bisher erfolglos. Die englische und französische Flott«, die sich gestern von den Dardanellen bis Tc- ttedvs zurückgezogen, hat sich heute noch weiter westlich entfernt. — Der „Tanin" schreibt: Vom heutigen Tage an gehören die Kapitulationen der Geschichte an. Andererseits können wir versichern, daß die Pforte beschlossen hat, den neuen Zustand in einem liberalen von Mäßigung und Entgegenkommen beseelten Geiste zu handhaben, um den Fremden in der Türkei den Uebergang zu erleichtern.
Der Khcdioe gibt uicht «ach. Das Vorgehen Englands gegen den Khediocn Abbas wird hier allgemein als eine arge Verletzung der türkischen Souveränität über Aegypten ausge- saßt. In diesem Sinne erhielt auch gestern der englische Botschafter, Louis Mallet, aus der Pforte einen unzweideutigen Bescheid: er ging dahin, daß der Khedive, einer Forderung seines Souveräns entsprechend, in Konstantinopel blei- hen werde.
Hurra!
In der gestrigen Abhandlung über den Ursprung des Wor- at „Hurra" ist versehentlich keine Korrektur vorgenommen «orden und infolgedessen einige unliebsame Druckfehler stehen geblieben. Ilm den Sinn des Aussatzes nicht zu beeinträchtigen, geben wir ihn nochmals wieder.
Der Forderung, die Sie in Ihrer Nummer 228 erheben, »die deutsche Sprache von unnötigem sremdländischem Zeug zu reinigen", darf des Dankes aller guten Deutschen sicher sein. Länger als ein Dierteljahrhundcrt kämpft der deutsche Sprachverein unermüdlich für die Durchsetzung dieser Forderung. „Adje" oder gar „Adjö" zu beseitigen, dafür sollte sich jeder Deutsche und jede Deutsche etnsetzen. Wenn es aber dann je ißt. vor allem fei auch das „tatarische" Hurra zu bekämpfen, » enthält dieser zweite Teil Ihrer Ausführungen einen sprech- «schichtlichen Irrtum. Der Ausrus „Hurra" ist nämlich l ut deutsch. Er ist nichts anderes als die Besehlssorm eines »mischen Zeitworts „Hurren" mit angeführtem langen a. Die Bedeutung des Zeitworts „Hurren" ist „sich schnell bewegen, eilen" und die Besehlssorm ohne Anfügung findet sich in einer berühmte» Stelle von Bürgers Lenorc „Und hurre, hurre, shopp, hop» hopp, gings fort in sausende« Salopp". Die Anfügung der tönenden ü.im langtönenden Ruf. ^ur Bersteckung
«eue Tageszeitung. Freitag, den 2. Oktober l«li
des ausklingenden Schalles ist eine durchaus altdeutsche Gewohnheit: als eine so von der Befehlsform abgeleitete Form sei hier nur auf „holla" hingewiesen, das nichts anderes ist, als ein verlängertes „hol", (so ruft man heute noch am Rhein den Fährmann vom anderen Ufer an) vom Zeitwort „holen". „Hurra", das sowohl auf der ersten wie aus der zweiten Silbe betont vorkommt, ist also ein kerndeutsches Wort, das Franzosen, Engländer und Russen (dort heißt's urS, mit dem Ton aus dcr letzten Silbe) erst von uns entlehnt haben. Es hat die sieghafte Bedeutung „eilig, drauf und dran". Dieser Sieges- rus möge unseren Feinden noch recht oft in die Ohren gellen, wenn unsere wackeren Feldgrauen mit ausgepflanztem Seitengewehr zum letzten Sturme ausspringen. Und auch seiner in Heereskrcisen ja schon lange üblichen Verwendung an Stelle des gegen des klingenden „Hurrah" stets stumps und gepreßt tönenden „Hoch" möchte ich warm das Wort reden.
Prof. Gebhard.
Nachschrift der Schrlstleitung: In dem Eigen- schajtswort: „Hurtig", das vielfach von unserer Landbevölkerung gebraucht wird und ebenfalls „schnell, eilig" bedeutet, kommt die Wurzel „hurren" auch deutlich zum Ausdruck. Bekannt dürfte sein, daß der althessische Kriegsruf „Schurr i" gelautet hat.
Ans der Hermat.
* Frankfurt a. 9)1., 2. Okt. Die Masseuse Emilie Ploch hatte von der Polizei in Frankfurt a. M. die Erlaubnis zum Betriebe einer Badcanstalr erhalten. Diese wurde auch in Betrieb gesetzt und zwar derart, daß bald darauf die Badeanstaltsinhaberin wegen Kuppelei in ihrer Badeanstalt begangen zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Nun hielt es aber auch der Polizeipräsident in Frankfurt an der Zeit, diesen lukrativen Betrieb einzustellen und erhob deshalb beim Bezirksausschuß Wiesbaden Klage auf Entziehung der Erlaubnis. Dieser Klage wurde heute stattgegeben.
* Frankfurt a. M., 2. Okt. Ein Zweigverein des Deutschen Vereins für Sanitätshunde wurde für die Provinz Hessen- Nassau, für das bayerische Unterfranken und für das Eroßher- zogtum Hessen mit dem Sitz in Frankfurt gebildet. Den Ehren- vorsitz des Zweigvercins hat dcr Kommandierende General des 18. Armeekorps, Freiherr v. Eall, übernommen. — Dcr Nutzen gut ausgebildeter Sanitätshunde im Feltze ist durch die Erfahrungen dieses Krieges mit 12 Sanitätshunden beim Earde- korps erwiesen. Zahlreiche Verwundete, die durch die Sanitätsmannschaften bei Nacht und Nebel usw. nicht rechtzeitig gesunden werden und so einem traurigen Tode verfallen könnte», wurde» durch die Hilfe der Hunde ihren Angehörigen und dem Daterlande erhalten.
* Frankfurt a. M., 2. Okt. Die preußische, bayerische, sächsische und württembergische Heeresverwaltung wollen der Förderung des deutschen Viehstandes Rechnung tragen. Die deutsche Landwirtschaft hat bekanntlich in der letzten Zeit zur Erleichterung der Fleischversorgung sich in großem Umfange der Schweinezucht gewidmet, insolgedessen gegenwärtig an Schweinen ein überreiches Angebot vorhanden ist. Diese günstige Konjunktur wollen sich jetzt die deutschen Heeresverwaltungen zu Nutze machen, indem sie in ihren eigenen Konservenfabriken und den privaten Unternehmungen, die für den Heeresbedarf Lieferungen erhalten, vorwiegend Schweinefleisch verarbeiten lassen. Auf diese Weise erzielt die Heeresverwaltung günstige Einkaufsbedingungen für ihre Vorräte und die Landwirtschaft findet Absatz für ihre Schweinezucht, sodaß deren Rückgang infolge gänzlicher Unrentabilität vermieden wird. Die vorwiegende Verwendung von Schweinefleisch für den Heeresbedarf hat zugleich eine Schonung unserer Rindvichbestände zur Folge die im Interesse unserer Volksernährung erwünscht ist. — Wie wir hören, sind von der preußischen Heeresverwaltung in Mainz bereits große Einkäufe von Schweinen bewerkstelligt worden.
Starkenburg.
* Landwirtschaftskammer für das Eroßh. Hessen. Die Land- wirtschaftskammer, welche, wie bereits früher bekannt gemacht, den Ankauf von landwirtschaftlichen Erzeugnissen für die Heeresverwaltung durchführt, nimmt Angebote auf Hafer, Roggen, Wiesenheu und Roggenstroh entgegen. Alle Interessenten, welche diese Erzeugnisse anzubieten haben, wollen sich mit Preisangaben an die Landwirtschastskammer in Darmstadt, Rheinallee g wenden.
* Darmstadt, 2. Okt. Die Darmstädter Väckerinnung hat die ihrer Vereinigung angehürenden Meister mit 3 und die bei
den Innungsmitgliedern beschäftigten Gehilfen, welch« zu den
Waffen gerufen wurden, mit je 2 Anteilen bei dcr hessischen Kriegsvcrsicherung aufnehuien lassen und beschlossen, die Koste» hierfür zu tragen.
* Eberstadt b. Darmstadt, 2. Okt. Die Bürgermeisterei gibt
bekannt, daß sie einige, ihr bekannte Klage» über Mißstände in Bezug auf die Verpslegung und einzelne schlechte Quartier« der einquartierten Truppe», näher untersuchen werde. Sie müßte bedauern, wenn die Klagen berechtigt erschienen, wird sich aber veranlaßt sehen, cinzuschreiten und die Namen dcr betreffende» Ouarticrgeber in der Zeitung veröffentlichen, wenn die Klagen begründet sind.
• Lampertheim, 2. Okt. Hier haben sich die Landwirt« gegenüber den Metzgern, welche schlechte Preise für die Schweine zahlten, dadurch geholfen, daß sie ihre Schweine selbst schlachteten. Als dann die Metzger abschlugen, gingen die Landwirte bis zu 00 Pfg. herunter und sollen hierbei immer noch bessere Geschäfte mache», als wenn sie ihre Schweine den Metzgern liefern.
Aufruf an die Kurtrufpitler.
Von einem hiesigen angesehenen israelitischen Mitbürger geht uns folgende Mahnung zu:
Ein jeder trägt dazu bei, die Not dieser Kriegszeit zu lindern. Hinter dem Namen ans den Sammellisten findet sich hier und da der Vermerk: „Spielpartie" oder „Skatge- winn". Doch bisher nur vereinzelt. Es wäre aber an der Zeit, die Gesamtheit der Kartenspieler in Deutschland zur Wohltätigkeit zu mobilisieren, damit auch sie sich eine Act freiwillige Kriegssteuer auferlegen. Viele nehmen jetzt zu einem Spiele die Zuflucht, um der Sorge und auch dem zu andauernden Politisieren für einige Stunden zu entfliehen.
Beim Spiel gibt man seinen Gedanken eine andere Richtung, eine Skatpartie hilft über bange Stunden hinweg. Man sollte aber das angenehme mit dem nützlichen verbinden. Diejenigen, die nur des Vergnügens halber Karten spielen, sind schlechte Patrioten. Vollends ist cs verwerflich, wenn man gar des Gewinnes wegen spielen wollte. Der Name „Spieler" mit verächtlichem Beigeschmack bezieht sich auf solche, die beim Spiel was verdienen wollen. Wenn aber das Spiel eine Unterhaltung sein soll, so soll man sie, wie heutzutage alles übrige, in dr» Dienst der gute» Sache des Vaterlandes stellen. Darum ergeht an alle Kartenfpieler der Ruf, den Gewinn für die Kriegsfürsorge, für die Frauen und Kinder der Wehrmänner und für die Arbeitslosen a b - rugeben«
Frankfurter Wetterbericht.
Voraussage: Wolkig, meist trocken, keine Tempcraturver, änderung, nordwestliche Winde.
Wie sorgt der Staat für die Hinterbliebenen gefallener Krieger? Die Frage ist in dieser Zeit Gegenstand besonderen Interesses, vor allem möchten aber die Hinterbliebenen selbst wissen, auf welche Hilfe sie in ihrer plötzlichen Notlage rechnen können. Mit nachbarlichem Rat ist es gerade in diesem Punkte schlecht bestellt, hat doch die lange Friedenszeit uns jahrzehntelang solche ernste Kriegssragen serngehalten. Es dürste deshalb angebracht sein, daraus hinzuweifen, daß das gesamte Militär Hintcrbliebenengesctz für nur 80 Pfg. im Druck zu haben ist (Verlag Gerhard Stalling in Oldenburg i. E.) und zwar mit klaren Erläuterungen und Beispielen nach den kriegsministeriellen Ausführungsbestimmungen versehen. Das Gesetz gibt in seiner Abteilung „Kriegsoersorgung" ausführlich Bescheid. führt u. a. für jeden einzelnen Dienstgrad, vom General und Admiral bis zum Gemeinen, für die Hceresbcamten, die auf den Kriegsschauplätzen verwendeten Personen der freiwilligen Krankenpflege usw. die Rente auf, die der Staat den Witwen und Waisen unseren den Heldentod gestorbenen Vaterlandsverteidigern gewährt. Es kann nur empfohlen werden, sich aus dem Heftchen Rat zu holen.
Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsches, Friedberg: für den Anzeigenteil: K. Sch m i d t. Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung", A. G., Friedberg i. H.
Nachruf.
Am 24. Seplember starb den Heldentod für Kaiser und Reich unser 1. Kommandant
Heinrich Friedrich Bär
Res. SDluit. Kol. Nr. 47, XVIII. Res. Armee Korps.
Wir werden dem pflichttreuen und liebenswürdigen Kameraden ein ehrendes Andenken bewahren.
Erotz-Karben, den 2. Oktober 1914.
Las KinnuMi nni) der Vorstand der Fmivilligkil Ktmulthr:
I. 21.: Höhr.


