Nummer 223
Mittwoch, den 2^ Siplember litt 4.
7. Jahrgang
ene Tageszeitim
Dic „1Ir»r wageszeitung" erscheint zeden Werltag. Regelmäßige Bcilageir „Der Kauer IUI» Hessen", „Die Sptnnssube". A»i«>vprria: Bei de» Postanstalteil vicrieliay:Iich Mk. I,uä bei den Agenten monatlich 50 Pfg. Hinzu tritt Postgebühr oder Trägcrlohn. Anzeige» : Erundzeile 20 Pfg„ lokale 15 Psg, Anzeigen von auswärts werden durch Po ina hu ,):»-' erhoben Erjllllungsort Friedberg. Kchriftleitnng und Derlag Fricdberg (Hessen), Hanauerstraße 12. Fernlprccher 48. Postscheck-Conto Nr 4559, Timt Frankfurt o. M.
Ein Hurra für unsere Flotte!
Drei englische Kreuzer in den Grund gebohrt. — Der Kreuzer „Emden" in bengalischem Meerbusen. — Die Kathedrale von Reims.
Vit (fiirtlänkr brhotnuirn nnlmflottf ?«Ipärrn!
J,i der englijchc» Zeitung „Wcstniinster-Gazctte" vcr- össentlicht ein hoher Secofsizier eine Betrachtung, in der natürlich der englischen Flotte die pflichtschuldige Bewunderung gezollt wurde. Daneben aber bespricht er die Tätigkeit der deutschen Flotte, deren geheimnisvolle Tätigkeit, ihm besonders zu schassen macht:
Die deutsche Flotte arbeitet mit geheimnisvollen Mitteln, die wir alle wohl kennen, jetzt aber erst in ihrer vollen Wirkung fühlen. Unsere Schisse fahren still und ruhig über die Sec. Plötzlich bersten sic auseinander und sie verschwinden. Wir sprechen immer nur von Minen und Minen und Minen. Auch diese vollsllhrcn ihr grausanics Werk. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die Unterseeboote Tkutfch- lands hart an der Arbeit ist. Die Engländer sind unstreitig die Herren des Meeres. Was nützt das aber, wenn Deutschland sich zum Herrn des Meeresgrundes macht? Der Kanipf unter der See und der Kamps hoch in den Lüsten zeigt Deutschland als Meister. Die Waffen, die in diesein Kampf erst sozusagen die Feuertaufe erhalten, sind vorder- Hand fast ausschließlich zu Waffen Deutschlands geworden . . . . . Ter große Ncbenerfolg dieser geheimnisvollen Tätigkeit deutscher Kampfmittel trägt nun aber die Nervosität ins Land, in das Heer und in die Marine.
Sehr schnell haben diese englische Befürchtungen einen neuen Untergrund gesunden. Heute erhalten wir die herzerfrischende Botjchast, daß deutsche Uutcrsceboootc, über deren Zahl wir nichts wissen, in der Nordsee drei englische Panzerkreuzer in den Grund gebort haben. Das ist ein Klang der das Herz erfreut! Keine kleine Schiffe sind es, die der Tatkraft unserer blauen Jungen erlegen sind, große Kreuzer, von denen jeder mit 26 Geschützen, darunter 2 großen Kalibers und 755 Mann Besatzung bewaffnet ist. Das war der Anfang und wir hoffen bestimmt, daß unser „weitläufigen" Vettern noch weitere und recht unange- nehinc Erfahrungen mit unserer Flotte inachen werden.
Neben dieser stolzen Waffentat wird bekannt, daß der deutsche Kreuzer „Emden" im fernen Asien saubere Arbeit geleistet hat. Er hat im bengalischen Meerbusen einen kühnen Strcifzng unternommen und eine ganze Anzahl englische Tanipfer aufgebracht und versenkt. Ter „Daily Telegraph" schätzt den durch die „Emden" angerichteten Scheiden Englands auf 15 Millionen Mark. Der Erfolg der deutschen Schiffe wäre noch größer gewesen, wenn nicht ein italienischer Dampfer verräterischer Weise eine Anzahl englischer Schiffe gewarnt hätte.
Vom Kriegsschauplatz in Frankreich liegen heute keine Nachrichten vor, wohl ein Zeichen, daß dort die Ereignisse ihren günstigen Gang nehmen.
Englische Zlachrichien.
Berlin, 23. Lcpt. (W. T. B.) Ans London wird am 22. Tcptcmbcr amtlich gemeldet: Tcntjchc Unterseeboote schossen in der Nordsee die englischen Panzerkreuzer „A b o n k i r", „H o g « c" und „C r c s s i" in den Ernnd. Eine beträchtliche Anzahl Mannschaften wurden durch herbeigeeilte Kriegsschiffe und holländische Dampfer gerettet.
Dem Wolffbüro wurde von amtlicher Stelle mitgeteilt, dah die Bestätigung vor: deutscher Seite noch nicht erfolgen kann, da die Unterseeboote infolge der Entfernung die Meldung noch nicht erstatten konnten. Aus anderen Quellen wird bekannt, da» der Zu sammcnsto» zwischen 6 und 8 Uhr früh, 20 Seemeilen nordwestlich Hoeck van Holland stattfand. Aboukir sank zuerst durch ein Torpedo getroffen. Holländischer Dampf.r „Flora" brachte 287 Uebcrlebende nach Jmoiden.
Tic versenkten Panzerkreuzer wurden 1900 gebaut, sir haben jeder 12 200 Tonnen Waffcrverdränanng, eine Bcstncknng von
zwei 23,4 Etm., zwölf 15 Etm. und zwölf 7,0 Etm. lHeschntzcn und Maschine» von 21 000 Pfcrdckräften, je 755 Mann Besatzung.
Wie der Kreum „Emden" nrlifitftf.
Kalkutta, 22. Scpt. Die Offiziere und Mannschaften der von dem Kreuzer „Emde n" in der Bai von Bengalen versenkten britischen Schiffe sind gestern nachmittag hier angekom men. Sie äußerten sich anerkennend über die ihnen von de» deutschen Ossiziercn erwiesene Höflichkeit. Der Strciszug des Kreuzers „Emden" begann am 10. September. An diesein Tage nahm er den Dampfer „In du«", der durch Gcschützscuer zum Sinken gebracht wurde, nachdem die Besatzung aus die „Emden" übergesührt worden war. Al, der Kreuzer aus die Höhe der Bai kam, sing er alle drahtlosen Nachrichten aus. welche die Abfahrten aus dem Hasen meldeten und kannte in- solgedessen die Lage sämtlicher Schisse in der Bai. Am 11. September sichtete die „Emden" den Dampfer „Loo", übernahm seine Besatzung und versenkte ihn. Der Dampscr „K a b i n g a" wurde in der Nacht zum 12. September genommen und zwei Stunden später der Dampfer „K i l l i n". Während derselben Nacht wurden d»ci andere Schisse gesichtet, jedoch nicht verfolgt. Am Mittag des 12. September nahmen die Deutschen den Dampfer „D i p l o m a t", der später versenkt wurde. Dann wurde der ttalienischc Dampscr „L a r u a n o" angehalten, aber an demselben Tage wieder srcigelassen. Aus seinem Rückwege warnte der Dampscr mehrere andere Schisse, welche zurllcksuh- ren und so der Kaperung entgingen. Am 14. September nahm die „Emden" den Dampscr „Tratbock" und versenkte ihn durch eine Mine. Die Besatzungen sämtlicher erbeuteten Schisse wurde» dann an Bord eines Fahrzeuges gebracht, das den Befehl erhielt, nach Kalkutta zu fahren. Zwei deutsche Schisse begleiteten es bis innerhalb 75 Meilen von der Mündung des Hooghly.
Die Schlacht bei b hatcau-Thierry
London, 22. Scpt. „Daily News" melden aus Chateau Thierry vom 10. September: Gestern tobte ein wütender Kampf. Angrisfe fanden tags und nachts statt. Die deutsche Jnsantcric wogte unaufhörlich gegen die Stellungen der Engländer und Franzosen. Die Angrisi« waren eine Erholung gegen den entnervenden Grauathagcl, der von den Hügeln kam, wo die Anwesenheit der Deutschen nur durch den auf- steigenden Rauch der Geschütze wahrnehmbar war. Die deutschen Kanoniere machen Fortschritte und bestimmen die Schußweite mit außerordentlicher Genauigkeit. Gestern siel eine Granate in das englische Hauptguarilcr, wo stc eine vollständige Verwüstung anrichtctc. Der Stab kam mit dem Leben davon. Die Verbündeten hatten schreckliche Verluste. Sic ocinichtclen drei deutsche Geschütze. Das Feuer auf ois Vcrschanzungcn war so hesiig, daß cs in den Feldhospiiülern unmöglich war, die Toten und Verwundeten wegzuholen.
Die Kathedrale zu Reims.
Berlin, 22. Sept. Tic sran-iüschc Negierung scheute leider nicht vor einer verleumderischen Entstellung der Tatsachen zurück, wenn dieselbe bchaunlct, daß dcuische Truppen ohne m>- litürischc Notwendigkeit den Ton, non Reims zur Zielscheibe eines systematischen Boinbardemcnts machten. Reims ist ein- Festung, die von den Franzosen noch in den letzten Tagen mit allen zur Versügung stehenden Mitteln ausgcbaut worden ist und zur Bertcidigung ihrer jetzigen Stellung benutzt wird. Bei dem Angriff aus diese Stellung wurde das Bombardement von Reims zur Notwendigleit. Die Vcsehle waren erteilt, die berühmte Kathedrale zu schonen. W:nn cs trotzdem wahr sein sollte, daß bei dem durch de» Kamps hcrvorgcrusencn Brand von Reims auch Sie Kathedrale gelitten hat, was wir zur Zeit nicht sestzustcllcn vermögen, so würde das niemand mehr bedauern wie wir. Die Schuld allein tragen aber die Franzosen, die Reims als Festung zum Stützpunkt ihrer B-rteidigungsstcl- lung machten. Wir müssen energischen Protest gegen die Verleumdung erheben, daß deutsche Truppen ous Zerstörungswut ohne dringendste ßboiweudigkeit Dcnlk- Ict der Geschichte und Architektur zerstören.
Urteile des Auslandes.
London, 22. Scpt. Die dcuischscindliche „Times" meidet aus Paris: Theoretisch wurde das Bombardement von Reims durch dis französische Artillerie hcrausgesordcrt, vre in der Stadt ausgestellt war und das deutsche Gcschützscuei kläiiig erwiderte. lkranröstslbe Soldaten laaertcn in üen
Slraßcn, in der Hauptstraße bcsand sich ein Artillcriepark, da hinter lag Infanterie.
Stockholm, 22. Scpi. „Siockholms Dagblad' lritt oen Verdächtigungen Dclcasscs und der „Daily Mail" cntgeg-.i. wonach die Deutschen die Rcimscr Krönungslirchc absichtlich beschossen hätten. Das schwerische Blatt nennt die Behaupt»»,! widersinnig und weist durauj hin, daß die Deutschen doch nicht das von ihnen selbst darin angelegte Lazarett mutwillig beschösse» hätten. — Es zeigt sich deutlich, daß der Presse der neutralen Länder die sorlgcsctzicn unerwicscnen Greuelgeschichte» über die „deutschen Barbaren" gründlich verleidet sind.
Zürich, 22. Scpt. Die „Neue Züricher Zeitung" sindet warme Traucrwortc für den Verlust der Kathedrale von Reims, sagt aber, es muß mit allem Nachdruck der Aussassnuo «ntgegengetrete» werden, daß die Kathedrale absichtlich von- deutschen Heer unter Kanonen genommen worden wäre. Daß auch die französische Regierung in ihrem Protest diese Aussas- sung sich ancignct und keck behauptet, einzig aus Zerstorungs- sticht hätten die Truppen die Kathedrale einer systematische» Beschießung untcrzogcii, ändert an der osscnsichtlichcn Unrichtigkeit dieser Behauptung nichts. In dieser Beziehung tonnen wir uns unbedingt aus Mitteilungen des Gcneralstabs verlos- sen. Es ist also daran sesizuhalten: Die französischen Truppen selbst haben nichts getan, das Ariillcricjcucr von Reims abzu- lcnkcn. Vom Feinde aber diese Rücksicht zu erwarte», wär- doch recht naiv.
4,4 Milliarden!
Für die Kriegsanleihe sind bis fetzt 4.4 Milliarden gezeichnet worden.
Das „Reue Wiener Tageblatt" schreibt: Der glänzende
Erfolg der Kriegsanleihen in Deutschland läßt als zweifellos erscheinen, daß der Sieg der deutschen Massen nicht nur durch Eisen, sondern auch durch Gold verbürgt ist. Der Ricscncrsolg der Anleihen ist geeignet, in der ganzen Welt das größte Aufsehen zu erregen und die strotzende wirtschaftliche Gesundheit Deutschlands augcnsällig zu beweisen. Die siiianziclle Mobi- lisicrung ist ebenso rasch und vollkommen geglückt wie die der militärischen Etrcitkrästc. Das Blatt schließt: Der Erfolg der Kriegsanleihen ist eine Taljache, die auch den Feinden zu dcn- kcn geben wird. Die englische Kalkulation wird durch die gezeichneten nahezu 5 Milliarden gründlich über den Haufen geworfen: und sollte cs wilkiich daraus ankommen, daß nur derjenige siegt, der die letzte Milliarde ausbringt, so wird e» sicherlich eher Dcutschlaud als das großmäulige England sein.
Die „Neue Freie Presse" betont, daß ein solche; sinanziel- lcs Mochteujgcbot und eine solche titancnhasie Muskelstärlr bisher iivch niemals vorgelomnien seien. Dieses Aujraisen mag zugleich auch unbewußt die Antwort aus die silberne,! Kugeln des englischen Schatzranzlcrs sein. Die Zeichnung von über vier Milliarden ist eine neue Kriegserklärung an Eng - land, das sich vermaß, bamii zu prahlen, daß derjenige siege» werde, der die längere Börse habe. Das Ereignis ist in seiner Art so groß, wie das Bollbringen der deutschen Armee in Franl reich. -- Die „Zpit" nennt die rasche Unterbringung der Rie- senanleihc einen Cesolg, der in dem europäischen Finauzge- sthästc ohne Beispiel sei. — Das „Deutsche Bolksblatt" sagt: Der Ersolg der Zeichnung aus die deutschen Kriegsanleihen ist nicht hoch genug Niizuschlagen. Er ist einem glänzenden Siege gleich zu achten und wird auch den wahnwitzigsten sranzösischen, englischen und russischen Chauvinisten als ein Beweis dafür gelten, daß das Vertraue» des deutschen Volkes aus seine im Felde stehenden Heldcvsöhne sclseiiscst ist.
LtticilileWchie! pldini dem Kaiser uni) dem littjötz üttt talifrlaiiD.
Hannover, 2" - : „Deutsche Bolkszeilung" oer»
rsfenilicht an d.r Sp- Blattes folgenden Telegramm-
Wechsel zwischen d .n ... .r und dem Herzog von Cumbcr- land: „In ernster schw>. >r Zeit gedcnle ich hier Deines Geburtstages mit den ausr.ästigsten Wünschen für Dein und der Deinigcn Wohl. Galt der Herr, der schon so Großes für uns getan, wolle >n Gnaden wei.cr Mil unseren tapscrcn Truppen sein und uns schließlich den Sieg über alle Feinde verleihen. Tu wirst stolz fe>n aus Tciucn Sohn, der das Ciscrue Kreuz wohl verdient hat. Herzlichen Gruß an Thyra. Wilhelm." — „Sr. Majestäat den Kaiser, Großes Hauptquartier. Ties bewegt und herzlich gerührt durch Dein so überaus gnädiges Gedenken meiner Person in dieser erhebenden Zeit bitte ich Dich, meinen innigsten, ticsgcjühliestcn Dank dafür cntgcgcnnehmen zu wollen. Ich bin siolz und hochbeglückt durch die gnädige Mitteilung, daß nein Cohn im Kampfe für Deutschlands Ehre und Ru a nck das Eiserne Kreuz erwerben durste. Möge


