Beilage zur „Neuen Tageszeitung".
I Samstag, den 19. September 1014. l 7, Jahrgang
Aus meiner Dorfkirche.
Philippe! 2, ii. 1—4. Ist nun bei euch Ermahnung In Ehr ist», ist Trost der Liebe, ist Gemeinjchast der Geister, ist herzliche Liebe unb Barmherzigkeit, jo erfüllt meine Freube, das, ihr eines Sinnes feib. gleiche Liebe habt, einmütig unb einhellig jeib. Nichts tut burch Zank ober eitle Ehre, jonbern burch Demut achte einer ben andern höher, benn sich selbst, unb ein jeglicher sehe nicht auf bas Seine, sondern auch aus bar. was bes andern ist.
Liebe Gemeinde!
Da brausten an den Grenze» und in Feindesland tdmpfen unb bluten unsere deutschen Soldaten, unsere Brüder von unserem Blut. Da brausten aus de» Echlachtselder» baut unser Herrgott ein neues Haus für unser deutsches Bolk. Es ist ein schmerzhaftes Bauen, ein Bauen, bas uns bis ins Blut schneidet. bas uns die Tränen aus den Auge» treibt! Aber wir dürse» uns darüber nicht beschweren, der Mann am Kreuz auf Golgatha zeigt es uns zu deutlich, bast unser Herrgott es von jeher so gehalten hat, bast er seine gröhten und schönsten und stärksten Häuser gebaut hat mit dem Blut und den Schmerze» der Menschen, davon werben sie fest und haltbar, davon bekommen sie Halt und Grund in den Gewisse»! Denkt euch ein Mann rsl hinausgezogen in den heilige» Krieg. Zurürlgelassen hat er ein Kind, Sohn ober Tochter: und wie es grast und gröster wirb, so hört es: für dieses dein Baterland, für da» Dorf, in dem du wohnst, für bas Haus, bas dir gehört, ist dein Bater im Krieg gewesen, hat gekämpst und geblutet, hat vielleicht gar oasür bas Leben gelassen. Must es solchem Kind nicht sein, als sei dies Vaterland, dies Vaterbors und Vaterhaus ein heilig Stück, ein Stück, an bei» des Vaters Schweist unb Blut klebt, ein Stück, bas es nicht dürfe untergehe» lasten, wenn es nicht schwere Sünde gegen seines eigenen Vaters Andenken auf sein Gewisten labe» will? Seht, so baut der Herrgott in diesem Krieg mit dem Blut unserer Soldaten uns ein Haus: ein
Haust bas uns heilig sein must, ein Haus, für bas wir einmal rinstehen und arbeiten müsten mit aU' unserer Siebe unb aller unserer Krast, solange noch ein Funken in uns ist von beut scher Art, denn unserer Brüder Blut hat dieses Haus gebaut! Hub bas gilt nicht nur für später, liebe Gemeinde, bas gilt schon seht. Erinnert euch daran, wie unsere Kirche gebaut wurde: Wer fremd hierher kam, der sah den Rohbau in die
Höhe steigen, aber während da alle» sichtbar die Mauer wuchs, so ging sogleich in den Werkstätten der Schreiner und Schmiede die Arbeit im Stillen an, die der Fremde nicht sah, der vor beiging, und die doch so nötig war wie der Rohbau: die Innen ausjlattung. Seht, so ists heute. Drauste» aus den Schlachtsel- bern da baue» unsere Soldaten unter Gottes Leitung bas ge waltige Haus für unser Volk, aber wenn bann der Krieg aus ist, und sie heimkomme», bann sollen sie nicht sagen bürsen: wir haben euch bas Haus gebaut, aber ihr habts leer und kalt gelosten, bast man darin friert und keinen Ruheplast findet zum Niebersitzen: Nein, bann solle» sie sinben, bast wir es innen ivarm und gemütlich gemacht haben zum Ausruhen in Friede i'.id Liebe! Das sind wir denen schuldig, die zurückkommen
und erst recht denen, die nicht zurückkommen, dast sie's wisten dürfen, wir haben den Unseren ein warme» Haus bauen helfen! >»■ - ' ,
Die da brausten baue» mit Blut und Eisen, und der Bauherr ist: Gott! Aber wer ist unser Bauherr und womit bauen wir? Ich denke unser Bauherr ist derselbe wie brausten der: der bas Hau» baut, must auch wisten, wozu er'» baut, er i,»ust auch sagen, wie', drinnen aussehen soll, sonst gibt'» ein halbe» Ding Das ist sehr wichtig, und wir müsten» uns ernstlich merken: Da» weist heute jedermann im deutschen Volk,
bast da brausten aus de» Schlachtfeldern Gott waltet, bast e r bas Haus baut! Aber dann sollte doch auch jeder wisten: Gott baut da» Haus sicher nicht: bast wir Menschen mit unserer
Sünde es daun verderben sollte», sondern dast sein heiliger Geist darin eine Wohnstätte finde! Und darum must gelten: Wie unsere Soldaten brausten da» Haus bauen mit Gottes Kraft, so wollen wir daheim es warm und lieblich machen mit Gottes Geist!
Liebe Gemeinde! Wie wunderschön spricht Gotte» Geist zu uns in dem Bibelwort, das wir vorhin gehört haben. Es ist, als wolle er uns Anweisung gebe», wie wir das Haus, bas Gott »ns baut, einrichte» sollen, als wolle er uns Antwort ge ben auf unsere zweite Frage, womit wir bauen sollen. Ja, er gibt die Antwort: Unsere Soldaten baue» mit Blut und Eise», wir aber daheim, wir wollen einrichten mit Demut und mit Liebe: „Nichts lut burch Zank oder eitle Ehre, soiider» durch Demut achte einer de» andere» höher, denn sich selbst, und ein jeglicher sehe nicht aus das Seine, sonder» auch aus da», was des aiideru ist."
Zank und eitle Ehre: wie gut haben wir doch in unserem Vaterland diese Dinge in ben letzten Jahren kennen gelernt! Manchmal de» Streit, dast man in einem Haus, de» Namen des anderen nicht zu erwähne» traute: und meist, wenn man fragte, dann war's, weil jeder meinte, der andere habe ihm nicht geling Ehre angeto»! Wie eijerjuchtig sind jo viele gewesen, bast nicht beim Nachbar etwas bester sei» sollte, als bei ihm selber! Heute ist das >a, Gott sei's getzaiikt, weggesegt von der Sorge »nb Not des Krieges! Aber es darf auch nicht wiederkommen. Delikt euch doch nur, iiiisere Soldaten brausten müstte» sich sagen: für all' das, was wir hier sür unsere Daheimgebliebenen tun, haben die keine» anderen Dank, als bast sie weitermachen in dem alten hästliche» und kleinlichen Streit und Neid und Eifersucht! Wie miistte ihnen ein solcher Gedanke das Bluten und Sterbe» verbittern! Nein Demut und Liebe soll uns letzt führen! Wir wollen aufhöre» nur an bas Unsere zu denken, an unsere Ehre und unseren Geldbeutel, wir wolle» lerne» von unseren Brüdern im Feld, zu tun, was sie tun: Dast wir Ehre »nb Leben einsetzen sür die anderen! Habt ihr nicht ge lesen, wie sich zum Kriege alle Offiziere und Freiwillige unter junge Führer gestellt, ohne nach ihrer Ehre zu fragen: Das Va terland brauchts, haben sie gejagt! Wir wolle» von ihnen lerne»: Es must wieder dahin kommen: bast es in Deutschland als eine Schande gilt, bei einer Arbeit an seine Eitelkeit oder an sein Verdienst zu beuten, must dahin kommen, bast wieder nur der »>as gilt, der seine Arbeit richtig machen will, so wie
man iie macht für Mensche», die man lieb hat: I» Demut einer sür den andern arbeite», nicht an sich selbe.' denken, sondern an die Brüder, das ist Gottes Wille, bas ist deutsche Art. so wollen wir's halten im neuen Haus. Amen.
Deutsche Kriegsbriefe.
Von unserem Kriegsberichterstatter. *)
VIII.
Ein.' der schönste» »riegSepisodeo von 1*70 Uhu imi- jtreihg die teeunabme von Eperuah durch II ha tierische Ulanen. Den Brrive» war die Zeit ans Vorposten >n lang geworden. und so braclsen sie eine-; schönen Morgen? unlci der Führung eines Kaiiierade», der die Stadt zii fonnen vorgab. als Patrouille nach dem berühmten Cliainpagiier- orte auf, der »ach den offiziellen Meldunge» noch von den Franzose» beseht sein sollte, Anfs Gratewahl ritten die ! l in die Stadt hinein, fliegen vor der Präfektur ab >i,id rr- klarte» dei» Bürgermeister, dast er ihr Gefangener sei »nb die Stadtschlüssel beranSgebe» sollte. Vergebens rief der ängstliche Bürgermeister nach der Wache. Sie batte die gefürchteten Ulanen nur vo» weitem gesehen, »nb sckiou war sie auf ii»d d>won. Also blieb dem Herrn Maire nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zii »lache» und den II die (tzewalt über die Stadt cin)nrniiii|fti. Nachdem der Führer die Schliissel der Stadt mit grapst ikiscber Miene in Empfang genomme« batte, erbat er sich da-; Wort lind machte de» Vorschlag, ihm »ach der „Brasserie Moser" zu folgen. Denn da habe er bi» vor ganz kurzer Zeit als Branbnrsckle gearbeitet, und mau werde dort geioist dei» Johann lso biest der Brave mit Voriiaiiien) eine» küble» Trunk nicht Verweigern, ziiiiial er ja jeht Herr der Stadt Eperuah sei. Aber es lvar garnicht nötig, dast Jobanii Aii,t und Würde'» geltend machte, denn die eheiualige» Kollegen bewirtete» seine Sckxir ohne weiteres und ivaren voll Stolz über seine Kriegslast Jolsanii aber hatte sich inzwischen seitlvarts in die Büsche geschlagen und zog die Glocke eines HaiiseS, in dem feine Liebste mit Namen Loifo» bedienstet ivar. Zn feinem Schmerz wollte sie Voii de»i so plötzlich verscklwundenen Sckiatz nichts mehr wissen, jo eindringlich dieser ihr auch klar zu madjen suchte, dast er damals mit der Einberiifungsordre gefolgt sei und als Königlich Bayr- rijcher lila» dock, gewist noch eine Viel bessere Figiir midie denn als Bränburscktzt. Dast er i»zwisck>en auch iioch die Stadt Eperuah sür das de»tsck>e Vaterland annektiert balle, konnte er ihr nicht mehr erzähle», den» sie hatte entrüstet, wie sie lilin einmal lvar, die Tür wieder ziigelvorseii, »nb so mustte Johann auf de» schönste» Augenblick dieses ereignisreichen Tages, die Wiedcrerobernng seiner Loifo», verzichten. lind troh der Belobigring, die er für seinen (i li-
•) Genehmigung zur Veröffentlichung erteilt am ll Sept 1914 Z. A. bes Ehefs des Generalstabs des Feldheeres lgez > v Rohrscheibt, Major tm Groste» Generalsiab.
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