Ausgabe 
18.9.1914
 
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Nr. -1,

N««e Tageszeitung. Freitag. Len »8. September m*.

Seite a

»ehmer noch einige Beschränkungen auferlegt. Tie Beschlag- nähme von Benzin bleibt bestehen.

Wehrhaftmachung der Jugend.

TicHessische Schulkorrcspondenz" schreibt: Die Erfolge aus den Schlachtfeldern verdankt Deutschland seinem unver­gleichlichen Heer. Die Wochen seit Kriegrbeginn belehrten auch den größten Zweifler, daß wir in ihm die beste Schule zur Ent­faltung der Vollskrast haben, daß seine Organisation ein mit wunderbarer Genauigkeit und unfehlbarer Sicherheit arbeiten­der Mcnschenmcchanismus ist, wie er gleich vollkommen nir­gends zu finden ist. Wäre das deutsche Heer nicht so gut und so tüchtig, wie es sich jetzt in der Stunde der Rot erweist, so be­deutete das den Untergang des Vaterlandes. Die Erkenntnis dessen verlangt, daß sür die Zukunft noch opscrsreudiger, weil der Bedeutung alle sich bewußt sind, an der Ausgabe der Wchr- sähigmachung durch Kräftigung und körperliche wie geistige Ertüchtigung unseres Volkes gearbeitet wird. Das will der Aufruf zur Bildung von Jugendabtcilunzcn, die unsere Jugend zum inilitärischen Dienst vorbcreiten sollen, erzielen. Es wird darin zur Wehrhaftmachung unserer Jugend vom vollendeten 16. Lebensjahre an ausgcruscn. Wie dar junge Deutschland siihlt und denkt, das lehrt die gewaltige Zahl von Kriegsftei- ivilligcn. Nicht alle konnten beim Heer und der Marine Auf­nahme sinden, und doch soll durch Turnen, Marschübungen, Ucb- ung der Sinne, Gewöhnung zur Selbstbeherrschung, Ein- und Unterordnung auch jetzt schon ein gesunder Körper mit stähler­nen Nerven ein frischer lebendiger Geist geschaffen werden, die dem ipätcren Dienst im Heer und Marine zugute kommen.

Eine eiserne Zeit ist über uns gekommen. Tausende unse­rer bcgcisterungssähigcn Jungen werden sich einreihcn. Wohl

dem, der dabei sein kann! Heran, ihr Jungen alle, in Reih und Glied! Diesen Rus erheben besonders herzlich mit euere früheren Lehrer, die euch in den empfänglichsten Jahren eures Lebens sührcn und leiten dursten. Run gießt zur Tat um, was an Begeisterung und Hochsinn in euren Herzen schlummert und sicher in den letzten Wochen mit stürmender Gewalt in Wort und Lied sich drängte. Aber auch an euch Lehrer ergeht der Rust Heraus, zur Wehrhajtmachung der Jugend! Wie oft habt ihr in heiligen Feierstunden eure Jugend begeistert für des Vaterlandes Größe und seine Macht. Dieses Vaterland lümpsk um seine Eistenz. Jetzt und in Zukunst kann es nur bestehen, wenn es gesund und stark bleibt. Tausende von Leh­rern stehen mit den Volksgenosicn Schulter an Schulter vor dem Feind, Tausende, die daheim bleiben mußten, möchten an irgendeiner Stelle zugreisen. Die Gelegenheit ist da, ihr Leh­rer. Noch nie habt ihr euch dem Rufe des Vaterlandes ver­sagt. Stellt euch darum sofort als Leiter von Jugcndabteilun- gen zur Verfügung! - r j. ;') i

Heiteres aus ernster Zeit.

Abergläubische Gemüter werden finden, daß' das fran­zösische Kabinett deshalb voni Unglück verfolgt tverde, weil es 13 Mitglieder zählt. Die Antwort auf die Frage, warum Präsident Poincare mit seinen Portefeuilleministern so rasch der Hauptstadt den Rucken kehrt, ist aber schon in den Namen des Präsidenten und der Minister enthalten. Teüt inan sie in solgendcr Reihe und Stellung unterein­ander:

Malvy Vi viani DelcassÄ Thomson Ribot Sarrant Millerand Poincar6 Doumergue Briand David Augagneur Sembat

sa ergibt sich des Rätsels Lösung,' La chose perdue!

.Tic verlorene Lache.)

Seid Deutsch:

Das uute i'tehciide Flugblatt wird im ganzen Deutschen Reich verbreitet und in allen Städten werden Mauer- und Süni.n Anschläge des gleichen Inhalts angebracht aus Veran­lassung und auf Kosten einer Anzahl deutscher Vaterlands- freunde, die sich eins wißen mit ihren Landsleuten, daß die feit vielen Jahren geduldete Nichtachtung unserer Sprach- und Sitten durch Ausländer und Auslandsfrcund« endlich aufhört. Wir wolle» lein« Waren, gleichviel welchen Ursprungs, die fremdsprachliche Bezeichnungen tragen.

Wir wolle» keine Schokolade in Umhüllungen mit französischen Aufschriften. - '

wolle» keine Zigaretten in Schachteln mit der Aufschrift Eigarettes",Gold tipped" und allen mög­lichen anderen, ntchtdeutfchen Bezeichnungen, wollen keine Seist», Dustwäsier u. dergl. mit ftanzösischen und englischen Schilder» und Bezeichnungen. Wir -sollen leine Halsbinde», Hüte, Klridungsgegenstände u.

dergl. mit fremdsprachliche« Ausdrücke» wie Rouveaute",London Style",English Fa­shion",Chic" und ähnliches mehr.

: Bars, Restaurants, Eafes, Varietes, Nat­ion». Salon» de Mode, Eoiffure usw Ste­ins, Patisserie», Charcutiers, Menus, Di­ners, Soupers und ähnliche welsch« Bezeich­nungen mehr.

Wir verlangen, daß uns alle Waren in deutscher Ausmachung geliefert werden, wst wir auch dem Ausland unsere Waren mit Ausichriften und Bezeich­nungen in der Landessprache liefern.

Unsere Langmut und unsere Geduld hinsichtlich des Miß­brauchs fremder Sprachen sind schon lange aus eine harte Probe gestellt worden und durch das niederträchftge Verhalten gerade derjenigen Völker, die wir leider in bezug auf Kultur nicht nur als ebenbürtig, sondern viclsach sogar als vorbildlich ansahcn, endgültig und restlos erschöpft.

Die deutsche Sprache voran, wer mit uns Geschäfte ma­chen will!

Diele für das deutsche Volk.

Ans der Heimat.

* Friedberg, 18. Scpt. Wie im Inseratenteil ersichtlich sin. vei am kommenden Sonntag und Montag zu Gunsten des Ro­ten Kreuzes eine patriotische Veranstaltung statt. Zur Ausfüh­rung gelangt das vaterländische SchauspielFamilie Psannkuch oder Hesientrcue" aus den Befteiungskricgcn, verfaßt von Otto Müller, Landwirt in Grebendorf. Das Schauspiel, welches uns in die schwere Zeit der Frcmdherrschast zurückversetzt, welche be­sonders hart aus unserem Hesscnvolk ruhte, fand überall, nach uns vorliegenden Kritiken, eine äußerst beifällige Ausnahme. Der Theatergesellschaft des Herrn Direktors Breiholz, welcher das Festspiel bereits weit über hundcrtnial crsolgrcich ausgc- sührt hat, geht ein sehr guter Rus voran. Deshalb können wir schon im Interesse der guten Sache der Einwchncrschaft von Friedberg und Umgegend den Besuch bestens cmpsehlcn. Der Vorverkauf findet in der Buchhandlung von Karl Binder- nagcl, bei Ed. Oppenheimer Rachs. sowie im Saalbau statt und sind die Preise und alles übrige aus dem Inserat in heutiger Nummer zu ersehen.

* Echzell, 18. Sept. SB i r sammeln: Für Echzell ist cs die zweite Auflage, Bisies wird zum erstenmal hcrangczogen. Die Sendung geht unter Vermittlung des Roten Kreuzes an die Lazarette in Gießen. Wer Gelegenheit gehabt hat, einen Blick in diese großattigcn Anstalten zu tun, wer gesehen, was die Städter »eben starker ständiger Einquartierung in wcrk- tättger Hilfe tun, dem muß das Herz warm und die Hand leicht werden. Es werden nur Naturalien, Kartoffeln, Gemüse, Obst, Eier und dergl. gesammelt, auch Speck und Wurst. Die erste Hilfe ist die beste Hilfe. Turnei und Schüler werden an die­sem Tage pünktlich mittags 1 Uhr zur Stelle sein.

* Gieße», 18. Sept. Rechtsanwalt Kaufmann von hier, der freiwillig mit dem Landwehr-Regiment Nr. 116 ins Feld ge­zogen ist, ist bei den Kämpfen am 8. September aus sranzöst- schem Boden gefallen. Kaufmann, der im 40. Lebensjahre stand, war ein bekannter und angesehener Anwalt, sowie Füh­rer der nationalliberalen Partei im Wahlkreis Gießen, Grün­der der hiesigen Jugendwehr, Vorsitzender des Turnvereins und des Vereins der 116er.

* Gießen, 18. Sept. Der Musketier Fink von der 8. Komp. Infanterie-Regiments Rr. 118, der im Gefechte bei Anloy eine ftanzöfische Fahne eroberte, erhielt für diese Tat das Eiserne Kreuz. Der Vizefeldwebel Dutine von derselben Kompagnie desselben Regiments, der sich bei Anloy das Eiserne Kreuz 2. K laste erworben, hat am 10. September bei den Gefechten an der Marne mit einer Grupp« eine feindliche Batterie genom­men. Für diese Tat wurde der Vizefeldwebel zur Auszeichnung mit dem Eijcrnern Kreuz 1. Klaste bedacht

Hesten-Nasiau.

* Bad Homburg v. d. H., 17. Sept. (Zur Nachahmung empfohlen.) Die Firma Jacob Hirsch Sohn in Bad Hom­burg v. d. H. zahlt allen ihren verheirateten Angestellten, welche zur Fahne einberufen wurden, während des Krieges 25% ihres seitherigen Verdienstes weiter. Außerdem he­ben dieselben, auf Kosten der Firma in der seitherigen Lohn- klaffe bei der Krankenkasse weitergesührt.

" Wiesbaden, 18. Sept. Während der letzten Truppentrans­porte sind von Soldaten Munition und Waffen aus dem Felde ihren Angehörigen mitgcbracht worden. Dem Artilleriedepot Kastel sind bereits zwei französische scharse Arttlleriegeschoste mit Zündern übergeben worden. Es wird darauf hingewiesen, daß mit der Aufbewahrung solcher Geschosse eine erhebliche Ge­fahr sür Leben und Gesundheit verbunden und im übrigen der Besitz von Sprengstoffen- und Körpern ohne polizeiliche Er­laubnis mit Strafe bedroht ist. Also weg mit solchen Tro­phäen !

* Wiesbaden, 18. Sept. Der 28 Jahre alte Arbeiter Rud. Nett in Wiesbaden wurde auf seiner Arbeitsstelle, einer Kies­grube in der Nähe des Klosters Klarenthal von abrutschenden Erdmasten verschüttet. Mit schweren Quetschwunden am gan­zen Körper verbrachte man ihn nach seiner Wohnung.

* F. C. Wiesbaden, 15. Sept. Die Handelskammer Wiesbaden fordert die Jndusttiellen und Kaufleute ihres Bezirks kurzum alle zur Kamnier Wahlberechtigte» auf, in hervorragender Weise sich an den Zeichnungen auf die Kriegsanleihe zu beteiligen. Die Handelskammer selbst wird eine für ihre Mittel erhebliche Summe zeichnen. Mit 200MO Mark deutscher Reichsanleihe wird sich die Pro­vinz Oberhessen an den Zeichnungen auf die Kriegsanleihe beteiligen. Leutnant der Reserve Braun von den 81ern wurde wegen hervorragender Tapferkeit das Eiserne Kreuz verliehen. Di« Freie Vereinigung Wiesbadener Metzger und die Gewerbliche Vereinigung der Fleischer-Innung Bah Homburg und Oberursel brachten auf der heute in Wiesbaden abgehaltenen Häute- und Fellversteigernng zu­sammen 285 Ochsenhäute, 145 Bullenhäute, 149 Kuhhäute, 146 Rinbshäute, 3271 Kalbfelle, 1 Säugling und 213 Hani- melfälle zur Ausbietung. Bei den Fellangeboten zeigte sich bei der jetzigen writfchastlichen Lage überhaupt kein Inte­ressent. Bei den Häuten zeigte sich ein starkes Verlangen nach recken Häuten. Kuhhäute dieser Art stiegen bei Hont- bürg um 34 Pfg. pro Pfund, bei Rindshäuten sogar um &yf7yi P^i Ochsenhäuten um 6% Pfennig. Im übrigen hielten f«S tm große« und ganzen die Preise. Auf

Bullenhäute wurden wenn überhaupt Gebote erfolgten, niedrigere Gebote eingelegt gegen die letzte Auktton.

* Wiesbaden, 18. Sept. Der Landcsausschnß beschloß in

seiner in Wiesbaden abgehaltcnen Sitzung aus Antrag des Landeshauptmanns i» Rastau, Kreckel, zur Kriegsanleihe 15 Millionen zu zeichne» nnd zwar 1>J Millionen für den Bezirks. verband des Rcgicrungsbezirls Wiesbaden. 5 Millionen jiir die Nastauische Landcsbanl. y, Million sür die Nastauische Brand- vcrsicherungskaste, 6 Millionen sür die Nastauische Sparkasse, bei letzterer Zeichnung jedoch abzüglich der von Sparkastengläu- bigcr» zum Zweck der Beteiligung an der Kriegsanleihe abzu- hebenden Svarouthabcn.

* F. (5. Aus dem Rhringa», 14. Sept. I» Eltville, der einstigen Hauptstadt des Rheingaues ist man drauf und dran, eine Namenöndernng vorznnebmen nnd der Stadt ihren echt deutschen NamenElfeid" wieder zu geben. Vor ettva 110 Jahren wurde Elseld französisch in Eltville um­frisiert.

Starke,iburg,

Darmstadt, 18. Scpt. Die Darmjlädtcr Lehrer haben den Beschluß gefaßt, sich sür die Dauer des Krieges mit einem e. gelmäßige», monatlich abzusührendcn Beitrag an den Kricgs- gabcn zu beteiligen. Als Mindestleistung des einzelnen wer- den drei Prozent seines jeweilige» Monatsgehaltes betrachtet, von denen ein Prozent dem Roten Kreuz, zwei Prozent den Hinterbliebenen der Gefallene» zugute kommen sollen. In Wirklichkeit wird jedoch dieser Mindestsatz weit überschritten: die im ersten Monat abgelicsertc» Beträge bewegen sich zwi­schen fünf und fünszeh» Prozent, so daß allein von den Leh­rern und Lehrerinnen an den Darmstädter Volksschule» ei» Mvnatsbcitrag von nahezu 2566 Mark zusammenkoinuit.

SendunganLandstnrnr Männer

Auf Anfrage beim hiesigen Bezirlsloinmando wird uns inltgetcilt, daß ein Paket an einen Angehörigen des Lau: Infanterie-Bataillons Friedberg zu adressieren ist:

An

das Droßh. Bezirkskommand»

Friedberg (£>' ->

Zur Weiterbeförderung an 18. Armeekorps 25. Jnsaiiteric-Dioisio» Landsturm-Jnsanlcrie Bataillon ^-a-db., - ? Kompagnie Landsturmmann H......

Frankfurter Wetterbericht.

:l Wolkig, meist trüb, teilweise Niederschläge, kühl, schwächere Westwinde.

Die amtlichen Verlustlisten

liegen in unserem Geschäftszimmer zu Jedermanns Einsicht auf.

Wer nicht genau Bescheid weiß, wie die Adressen an Ange­hörige des Heeres (Truppenteil, Rcgiemnt, Kompagnie usw > bei Feldbriefcn anzugebcn ist, dem geben wir gerne Auskunft und sind bereit die Adressen zu schreiben.

Schristteitung derReuen Tageszeitung".

..Römerbrumeti '

Hervorragendes Tafclwassa ;

Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirschel. Friedberg: sür den Anzeigenteil: K. Schmidt. Friedberg. Druck und Verlag derNeuen Tageszeitung",

A. G., Friedberg i. H.

Von morgen tzamotng Mittag ab stehen in unseren Stallungen zirka 50 Stück

Oldenburger, Holsteiner

und schwere

wobei eine grosse Anzahl 3- und 4-jährige,

zum Verkauf.

friedberg.