Ausgabe 
16.9.1914
 
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tlmumer 317 _ Mittwoch, den Ni. September 1914 7. Iahrgnny

TieNeve ^.avesreilung" erscheint jeden Wertlag. Regelmäßige BeilagenDer Kauer aus Helfe»", ,.?ie Spinnstupe". Kemgepreis: Bei den Postanstallen vlerleljährUch Lik. 1,95 bei den Agenten monatlich 50 Pfg. Hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohn. Anteilen: Grund,eile 20 Pfa.» lolale 15 Pfg^ Anzeigen von auswärts werden durch Po tnachna'iinr erhoben Erfüllungsott Friedberg. Schriflleitung und Verlag Fttedberq (Hessen), Hanauer krage 12. Fernsprecher 48. Postscheck-Lonto Nr. 48 .»g. Amt Frankfurt a. M.

Andauernder Kamps in Frankreich.

Englands Verrat au Enropa. Rußland gesteht feine Niederlage ein. Finanzkrists in

Frankreich.

Mut und Zuversicht.

Tiefe Eigenschaften geziemen UNS, den in Ruhe und Sicher­heit Zurückgebliebenen, gerade jetzt doppelt, wo unser waitcres Herr tagtäglich unter Mühen «, Entbehrungen mit einem hart­näckigen Feinde ringt und dem Tode ins Angesicht schaut.

Unsere Sache steh« gut im Osten und im Westen, Es ist keine Pause in den kriegerischen Ercignisicn cingetretcn, son­dern nur eine Pause in der Berichterstattung, Gut Ding will Weile haben. Es war vorauszuschen, daß sich die Franzosen zu letzter Krastanstrcngnng ausrassen würden und daß sic nicht in einem halben Tage über den Hausen gerannt werden könnten, war eben so selbstverständlich. Es genügt für uns zu wissen, dag alle Berichte über französische und englische Erfolge erdichtet und erlogen sind. Unsere Sache steht günstig: aber unsere Heeresleitung ist nicht so schwatzhaft, datz sie jeden Einzclcrsolg bis über den Schellenkönig lobt und ihn in olle Lande verkündet.

Wir dürfen nicht nur zufrieden fein mit'dem, was wir feit k> Wochen erreicht haben. Nein, wir sollen Gott auf den Knicen danken für all' die Erfolge, die uns beschicdcn worden sind. Wir sollen auch mit Dank unserer Krieger gedenken, die mit Lottes Hilfe den Feind von unseren Grenzen fcrngehalten und ö.n Krieg ins Feindesland getragen haben im Westen und im Osten, denn auch im Osten ist es gelungen, den letzten Russen au» Deutschland zu weisen und Le» Krieg aus russischem Ge­biet fortzusetzcn.

Beispiellos ist der Sieg, der unter Führung des wackeren Kinde,Iburg unsere heldenmütigen Truppen in Ostpreussen er­rungen haben. Wie einst das Barbarcnhecr, des Xcrxes zu hundcrtlausendcn aus Asien gegen Europa gesandt hat, vor der Tapferkeit eines Leonidas und Themiftokles zerstoben ist, so sind die russischen Zarcnknechte wie die Spreu vor dem Winde gefegt worden vor ostpreussischem Heldenmut.

Nicht minder Grobes haben unsere Verbündeten in Ga­lizien geleistet. EinerDampfwalze" gleich, wie bezeichnen­der Weise die Engländer rühmten, sollten die halb- und ganz- asiatlschcn Hccrschaarcn Russlands allen Widerstand vor sich zermalmen und Oesterreich und Deutschland überfluten und zer­stören, Im heldenmütigen Kampse hat Oesterreichs Doppel­adler das russische Untier zum Stehen gebracht und sein weiteres Vordringen verhindert. Das ist gewiss ein Erfolg, der einem Sieg glcichkomml, wenn ihm nicht ausserdem die grosse Anzahl von Gefangenen und die ungeheure Kriegsbeute, die den Oestcr- reichcrn zusiel, bestätigen würden, Oesterreichs Krieger sehen den kommenden Ereignissen voll Zuversicht entgegen und halten weiterhin getreue Wacht im Osten.

Wenn noch etwas unsere» Akut und unsere Zuversicht heben soll, so ist cs die über alles Erwarten grosse Beteiligung an der Zeichnung für d i e Kriegsanleihe, Auch diese sreudigc Erscheinung kann sich nur gründen in der starken und jesten Siegesüberzeugung, die im deutschen Volke wurzelt, die aus Tatsachen gründet und überzeugt ist, Gott wird auch weiter helfen!

Tie Kriegslage.

WTB. Grosses Hauptquartier, 15. Scpt. Ter aus den, rechte» Flügel des WcsthccreS feit zwei Tagen siattsindrndc Kampf hat sich heute aus die nach Osten anschliessenden Ar­meen bis »ach Verdun hrra» auegedchnt. An einigen Sül- len de» ausgedehnte» Kampfscldcö waren bisher Teilersolge der deutschen Wasfcn zu verzeichnen. 2», übrigen steht die Schlacht »och.

Aus dem östlichen Kriegsschauplatz ordnet sich die Ar­mee von Hindenburg nach nbgcschlosic::cr Verfolgung.

In Lbcrschlesicu vcrbrritetc Gerüchte übrr drohende chciahr sind nicht begründet

Sirnrridir Kimpsc nm AnImiM.

Rotterdam. 15. Scpt. (fine amtliche belgische Mitteil­ung besagt, dass die belgische Antwerpen Armee sich »ach viertägigem Kamps vor dem übermächtigen Gegner aus Antlverpen zurückgczrgc» habe. Tic Verluste seien be­trächtlich gewesen und zeigte», dass der ficr erbittert pc* wese» sei.

Kampf in den Kolonien.

Berlin,. Scpt. Nach einer unbestätigten Reutern el- dung aus Livinastonia vom ll, Scpt. ist eine Abteilung der

deutsch ostafrikanischen Schutztruppe am 5. Scpt, in Nord-liiho- desia eingefallen und hat die Nicec-lassuug Abcicorn angegrif­fen. Der Angriff wurde zurückgcfchlagc». Am >i. Scpt, wurde wieder geschossen, ohne dass ein regelrechter Angriff crsolgle. Am 9. Scpt, crosfnctcn die Deutschen ein Feuer mit leich­ten Feldgeschützen, die durch Maschincngcschütze zum Schweigen gebracht wurden. Die Deutschen verlicsscn ihre Stellung, Sic bcsandcn sich in der Nacht 15 Meilen östlich vo» Abercorn, Leutnant Mac Carthy machte mit 90 Mann und einem Ma° schincngeschütz einen nächtlichen Eilmarsch und versalzte den Feind bis an die Grenze.

Eine weitere Rcutermeldung aus Nairobi vom 12, Scpt, berichtet über Kämpfe ait der Grenze von Deutsch-Ostasrika und Nyassaland, Eine bculschc Abteilung überschritt die Grenze bei Mohoru, besetzte Karungu und ruckt gegen Kisili vor. Eine andere dcutschr Abteilung, die nach Teavo zu Fuß vorgerückt war, hatte mit Truppe» aus Büro und Mtoto-Andei ein Ge­fecht, Einzelheiten find noch n cht bekannt. Zn Nairobi cin- getroffene verwundete englische Soldaten berichten, dass die Engländer im heftigsten Feuer deutscher Maschinengewehre gc- - standen und einen Bajonettangriff gemacht hätten, um die Maschinengewehre zu nehmen. Der Angriff sei jedoch miss glückt

172 Mann gerettet.

Berlin, 15, Scpt, Bei dem Untergang unseres kleinen KreuzersHela" wurden von der 191 Mann betragenden Be­satzung 172 gerettet und zwar von deutschen Schissen, Bon der Besatzung des englischen KreuzersPathjindcr" sind engli­schen Berichten zufolge 270 Mann uingckommen,

Slavonien vom Feinde frei!

Wien, 15. Eept, (Amtlich). Die über die Save eingebro- chciicn serbischen Kräfte sind überall zurückgeschlagen. Banat und Syrmien sind daher vollständig vom Feinde frei.

Der Stellvertreter des Chess des Ecneraljiabs:

v, Höfcr, Generalmajor.

(fnaianis unhmift fid) au Japan.

Amsterdam 15. Ccpt, Das angeseheneAlgcmecn Handelsblad" gibt folgendes als cssiziellcs Eomunique der deutschen Eesaudtjchast im Haag bekannte

Tic dcuische Gesandtschaft in Peking teilt amtlich mit' Fa pan bestätigte ossiziell der chinesischen Regierung den Ausbruch einer Revolution in Indien, Japan, durch - England um militärischen Beistand gegen Indien ersucht, hat gilfe zugesagt, aber unter schweren Bedingungen: freie

E i n w a n de r un g in den britischen Besitzungen am Stil­len Ozean, eine Anleihe ran 2V9 Millionen Dollar und freie Hand in Chi n a. England hat diese Bedingungen a n - jcntniii n."

England und Aegypten.

Genf, 1!, Scpt. De,» ständige Komitee der Iungägqpter >n Europa, das [eilten Sch in Genf hat, sandte am heutigen G,d.ultage des Einzugs der englische» Olkupationstruppcn in Kairo, die »ach kurzer Zeit zurüuzuziehe» Eladstone und Kö­nigin Viktoria feierlich rersprochcn haben, an den englischett Premierminister ein Pr.oiesticlcgramm, Dieses hebt hervor, dass die englische Regierung cnlrllstct sei über die Verletzung der Ncutrali. , Belgiens, oicje'tiigc Aegqpicus aber mit Füssen trete, das Land in den Krieg hincinziehe und zu leinem Ruin bciirage, Mau erinnert auch an das von England wiederholt abgegebene, nach immer uncrsülllc Verspreche», Aegypten seine Freiheit wicd.".zugeben.

jjrr C'öuia vsn paijrrn an frinr Arinkk.

M ii n ch c n , 14. Scpt. Die Korrespondenz Hosfmann mel- Dct: Gin von dem König am 11. September dem Kronprinzen

von Bayern mitgetciltcr Tagesbefehl wird vom Kriegsmini- ftcreum mitgetcilt:

Tagesbefehl! Meine braven Bayer.!! Voll Stolz und Freude i.bcr das heldenmütige Verhalten meiner Ar.nee b.tle ich. ^amtlichen Generalen, Offizieren, Untcroffizcrcn und"- i'.jchaftcn meine rolle uneingeschränkte Anerkenn­ung ui'.d ,-einen königlichen Dank auszufprechcn. Soldaten. C.'.re Taten verdienen, den besten kriegerischen Leistungen uiijcrcr Vorfahren an die Seite gestellt zu werden, und ge- rc.chen Euch zu unvergänglichem Ruhme. Diele und graste Erfolge sind bereits errungen, aber es werden noch schwere Kämpfe erforderlich sein, bis unsere Feinde, die frevelhaft uns angegriffen haben, niedergckämpft sind. Ich hege das feste Vertrauen zu Euch allen, dah Ihr in unerschütterlicher

Treue und Tapferkeit aushaltcn werdet bis zum siegreichen Ende des Krieges. Soldaten, meine besten Segenswünsche begleiten Euch. Gott der Allmächtige möge den Sieg dauernd an unsere Fahnen heften! Dies ist mein tägliches Herstes Gebet in dieser grasten, aber für uns alle schweren Zeit. Ge­geben in Lothringen am 11. September 1914. gez. Ludwig.

Ein deutscher Fürst!

Berlin. 13, Scpt, Ein Samariter der Berliner Etappen- kvlonne vom Rate» Kreuz hat dem Zentralburcau des Raten Kreuzes in Frantsurt a, M, folgende telcgrophijche Meldung über den Tod des Prinzen Ernst Ludwig von v! c i n > n . gen erstattet: Prinz Ernst Ludwig von Meiningen fiel an der Spitze seiner Truppen, von einer Kugel schwer gelrossen, Bon einem Samariter, der ihn auszunchmcn versuchte, erbat sich der Verwundete einen Schluck Wasser und überreichte ihm b,.nn ei­nen Zettel aus einem Feldnotizblock, der salzende Worte ent­hielt:Wenn ich aus dem Felde der Ehre für Deutschlands Grosse fallen sollte, so begrabt mich nicht in meiner Füslengrust, sondern scharrt mich in das Grab meiner tapferen Kameraden ein, Grüsst mir meine» Kaiser!"

Eine öi riegstat »aefclers.

Berlin, 15. Scpt. Eeneralscldmarschall Gras Hacseler wohnte in diesen Tage» dem Arrillcrickampf gegen ei» von den Franzosen stark besetztes Dorf bei,. Als in de» sciudlichen Stel­lungen das Feuer verstummte, schien cs wichtig, fcstzustellen, ob die Franzosen den Ort tatsächlich verlassen hätten, Graf Hacse­ler galoppierte nun, begleitet von eine,» Ordonnanzofjizier in las Dorf. Rur ein französischer Znjanterist war dort zurückge­blieben, dem der Gcncralscldmarschall in drohendem Tone zu> rief, sich zu ergeben. Der Franzose wurde von dem Gencral- seldmarschall persönlich gcsangcn genommen. Nachdem Graf Hacseler durch Ausfragcn feines Gefangenen die Rückzugsstel­lung der Franzosen fcstgestcllt hatte, übergab er ihn der kurz daraus im Dorfe eintrcffenden Ulanenpatrouille,

(Olurlt Krntfrr auf dein frlür der (flirr arfallrn.

DieKölnische Vollszcitung" meldet: Rach den Mitteilun­gen mehrerer in Brüssel cingcliejcrtcr verwundeter gefangener Lsfizierc ist im Krieg nun auch Oberst v, Reutter, vormals Kommandeur des 99, Insantcric-Rcgimcnts in Zaber», an der Spitz: des Grenadier Regiments Rr, l2 gefallen. Der Verstor­bene sand den Tod als Kommandeur desselben Regiments, ur dessen Spitze auch fein Vater im Jahre 1879 siel.

Rusiengreuel in Ostpreußen.

Berlin, 15. Scpt, (Amtlich), Auch für den Regierungs­bezirk Königsberg ist nunmehr eine Koinmissio» zur Fest- stclluiig des vötkerrcchtswidrigcn Auftreten» der Russe» einge­setzt worden, wie sie bereits für die Regierungsbezirke Alleu- stein und Gumbinnen besteht. Die Leitung der Kommission und die Berufung von Mitgliedern ist dem Regicrungspläsi- dentc» V 0 i> Königsberg übertragen. An diese Kommission wer­den baldigst alle Mrltcilungcn über Grausamkeiten und Ber- Wüstungen, die im Ncgicrungsbczirk Köiiigsbcrg voigckommcn sind, zu richten sein.

JJrotrii Mn dir faliriiru Srilhiildiaiinaru.

Kristiania, 14. Scpt. (SB. B. Nichtamtlich.) Der nor­wegische Gelehrte Hanns Aal veröffentlicht, wie schon fnrj ßcmclbet wurde, an der Spitze desTagbladct", das der Regierung nahe sicht, einen flammenden Protest gegen die im Auslände perbrciteten fatschen Bcschuldigiingeii über Tcutsch'and. Er beweist, dass während des Burenkr-eges der Zar dem dentsihcir Kaiser vorgcschlagen habe, das nii- blasste England anzugrcifen, was der Kaiser, ablchnte, eben­so. dass Tentschlnnd während des japanischen Krieges Russ- land nie'! in den Rücken siel, jonderi, Russland zu einem ehrenvollen Frieden vcrhals. Hätte der Il-aifer gewallt, hätte Teutichlavd daiirals dem Zarenrcick>e den Todcsstoss gegeben. Aal zitiert eine Rede des Kaisers vom 22. März 1905 i,i Bienicii. Jetzt fei Tcnlichland der Krieg aiifge- 'wring,,:, jeder rechtlich Denkende könnte das in allen Toku- menten vaaRussland, England und Frankreich stan­den fertig da und wollten de» Krieg. Frankreich iind Russ­land i i rschrittcn schon vor der Kriegserklärung die Grenze.

gier! schloss mit Frankreich einen Vertrag. Das Lnf- trcten D.. lid-lr r.1-3 gegen Belgien sei völkerrechtlich berech­tigt. A-I sch'iesst: In den letzten !> Jahren war kein Land so akr neigt gegen den Krieg mit anderen zivilisierten Na­tion a. Io klar darüber. dan tcinc Eroberungen auf den Knl-