Nr. 214
:mg mut Frankreich an der Spitze und die Begeisterung war, ,»glaublich im Lande, als französische Flieger einige Zeit lang
eile Rekorde behaupteten. — Dann bemächtigte sich deutsche G.ändlichkeit der Ausgabe und förderte nach einiger Zeit ruhiger ausdauernder Arbeit ohne begleitendes Geschrei und ohne Reklame in Presse und Oessentlichkeit, viele glanzende
überlegene Resultate,--und sofort flaute das Interesse für
sie Sache in Frankreich ganz kolossal ab. — Dieses Gebiet ist für Frankreich wohl auch schon soweit verloren, wenigstens was
Neuschaffungen und Verbesserungen betrifft:--es hat kein
Interesse mehr! — Wollte man nun wenigstens in solchen Fallen den wahren Sachverhalt den anderen oder doch sich selbst cingestehen, — nämlich: daß man durch die Erfolge der anderen. sich hat abschrecken lasien! — Aber nein, es heißt dann immer nur: „Wir Franzosen machen alle bedeutenden Erfindungen", sind aber schwach genug, sie uns vor der Rase wegnehmen zu lasien, von anderen, die dieselben dann kommerziell ausbeuten. — Wir allein haben den Erfindergeist, die andere» verstehen, uns schlau um die Fruchte unserer Arbeit zu
bringen.--Den Franzosen nach, ist das Diphtcrie-Serum
uon Roux, das Serum gegen die Havarie von Dogen entdeckt worden, das Telephon hat auch ein Franzose erfunden usw.: die Behring, Ehrlich, Reiß usw, waren nur schlaue Ausbeuter jranzösischen Genies!! Et Voile teilt!!J
Und nun der schlimmste Grund französischen Verfalls, — nämlich die absolute Disziplinlosigkeit, die allenthalben herrscht: >e äußert sich aus Schritt und Tritt, im öffentlichen und im jeschäftlichen Leben, wie auch im Staatswcsen, — Ist es nicht unvereinbar mit den elementarsten Ordnungsbegriffen, daß des Staatsoberhaupt, jeder Minister oder höhere Beamte öffentlich mit Ehrenbczeichnungen wie: filou, brigand, imbecile, vendre usw. (Schuft, Räuber, Dummkops, Verräter usw,) belegt werden kann! — Im Prozeß gegen Madame Caillaux vor wenigen Tagen kam in öffentlicher Gerichtssitzung etwas recht Bezeichnendes in dieser Hinsicht vor. — Dem Präsidenten Poin- care waren s. Zt. aus dem Ealmette'schen Nachlaß p-Lftische Schriftstücke s„la document vert") übergeben worden, — angeblich die Marokko-Affäre betreffend, und die für Madame Eaillaux resp. ihren Mann belastend waren und soll M. Poin- eare lebhaft für Ueberbringung dieser Schriftstücke gedankt haben. Die Regierung ließ aber im Verlause des Prozesies eine Lrklärung abgeben, diese Schriftstücke seien nicht authentisch und von keinerlei Belang. Daraufhin äußerte ein Belastungszeuge in seiner Aussage: „Entweder ist die Regierungserklärung lügenhaft, oder der Präsident Poincare ist „ein Dumm- !opf erster Güte": — so geschehen in öffentlicher Gerichtssitzung und ohne daß der Vorsitzende oder sonst Jemand irgendwie .»»griff!--
In Frankreich sicht jeder Einzelne kn sich selbst verkörpert „le peuple souverain": das selbstherrscherische Volk, — daher die absolute Abneigung irgendeine Autorität anzucrkennen, oder sich irgendwelcher Disziplin unterzuordnen. — Ein Volk aber, das so gänzlich bar aller Disziplin und Manneszucht ist, kann als Gegner auf dem Schlachtfelde kaum ernst zu nehmen fein.
Ein tandralttlalr gegen anmatzende Leanile.
Im schlesischen Kreise Waldenburg hat der Landrat von Zedlitz folgenden Erlaß an die Gemeindebehörden gerichtet: Es sind mir Klagen und Beschwerden darüber zu Ohren gekommen, daß Frauen, deren Ehemänner zur Fahne ein- berusen sind und daher die Familienunterstützung bei den Ortsbchörden beantragen, teilweise durch die betreffenden Angestellten der Gemeindebehörden in schroffer oder sonst unangemesicner Weise behandelt werden. Dieses Verfahren ist nicht geeignet, die bisherige Begeisterung und Opferwilligkeit in der Bevölkerung wachzuhaltcn und muß durchaus verurteilt werden. Ich spreche die dringende Erwartung aus, daß sämtliche mit der Bearbeitung von Familienun- terstützungssachcn befaßten Dienststellen im Kreise zu derartigen Klagen in Zukunft keinen Anlaß mehr geben, daß vielmehr die Anträge auf Unterstützung in wohlwollender Art und Weise geprüft und die Nachsuchenden, wohl meistens Frauen, in einem den jetzige» Derhältnisien angepaßten ruhigen Ton behandelt werden, ihnen auch bei Wohnungsund Mietstreitigkciten in weitgehendstem Maße mit Rat und Tat zur Seite gestanden und geholfen wird.
Die Mahnung ist sehr vernünftig.
Winterfeld;ng in Licht.
Die österreichischen Statthalter haben den Zeitungen folgende Mitteilung zugehen lasien: „Es liegt im Interesse der Nichiakriven und Landsturmpslichtigen, sowie des Personals der von der Armee gekauften und gemieteten Fuhrwerke, Tragtiere usw., mit einem Paar fester, gutpasiender, bequemer Schuhe (Stiesel, Opanken:, dann mit einer brauchbaren schafwollenen Weste mit Aermeln (Wolleibchen, Sweater) sowie mit warmen wollenen Socken, Wollhandschuhen, einer Schneehaube und einer warmen, nicht über l'A Kilogramm schweren Wolldecke (Kotze) einzurücken. Im Besitz der Nichtaktiven und Landsturmpslichtigen der Fußtruppen befindliche Schneeschuhe (Skier) samt Stock und Schneereifen sind gleichfalls mitzubrin- gc». Diese Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenstände bleiben >n> Eigentum der Mannschaft und werden ihr — soweit sie ieldbrauchbar sind — zu ihrer militärischen Bekleidung belasten. Für Fußbekleidungen, die mindestens gleichwertig mit den ö>arischen Schuhen befunden werden, wird der volle Preis eines Paares ärarischer Schuhe, bezw. Stiefel bar ausbezahlt. Die übrigen ieldbrauchbar befundenen vorerwähnten Beklci- bungs- und Ausrüstung-gegenstände werden auf Grund der ortsüblichen Preise nach Abschätzung des wahren Wertes bar vergütet. Die nichtaktiven Eagisten weiden gleichfalls ausge- jordcrt, entsprechende Winterausrüstung (bei den Fußtruppen auch Schneeschuh« und Schneereifen) sowie einen Rucksack mit- «ubringen."
„Zu enge Frust!''
(Geschehen im Rheinland.)'
Ein Sekundaner, sechzehn Jahr.
Steht im Beiirks-Gedräng —
Reue Tageszeuung. Samstag, den 12- September 1914
Der Stabsarzt sagt ihm klipp und klar:
„Die Brust ist viel- zu eng!"
„Für eine Kugel breit genug".
Sagt keck dä junge Schneuz,
„Und wenu es Gott im Himmel will.
Airch für ein Eisern Kreuz!"
Max B c w c r.
Wein Kriegsfreiwilliger.
In öcr „Kattowitzec Zeitung" hat ein Vater von feinem 17jährigen Sohn, der als Kriegsfreiwilliger eintrat, mit folgendem Gedicht Abschied genommen, das der Verbreitling würdig ist:
Noch einmal die Hand! — Nein, ich halte dich nicht, Du lieber, sonniger Junge.
Ich sch' dich, ich fühl' dich, ich spreche ja nicht,
Ich meift'rc die bebende Zunge.
Nun ziehst du dahin und ich bleibe zurück,
Muß ohne dich wciterlcbcn:
Ans den Augen leuchtet dir edelstes Glück,
Wie du selbst es uiir immer gegeben.
Du opferst dich willig dem Vaterland,
Du fürchtest den Tod nicht — nicht Wunden In dir ist ein heiliges Feuer entbrannt.
Das ich schaudernd Hab' initempfundcn.
Ich hielt dich, als Gott dich mir hatte gcscheiilr,
Als wollt ich dich nimnier lassen.
Heut halt' ich dich nicht, weil es Gott so gelenkt:
Ich kann es mit Mühe nur fassen
So zieh denn, mein Junge, von Siege zu Sieg.
Wie du hoffest in heißem Verlangen,
lind kehrst du heim aus deni heiligen Krieg,
Will mit Stolz ich dich zärtlich umfangen.
lind kehrst du nicht heim, dann klage ich nicht, Dann wart' ich voll Deniut im stillen,
Bis zum eigenen Tod, — bis zum jüngsten Gericht, lind füge mich Gottes Willen.
Wenn aber dann an dem jüngsten Tag Ter große Weckruf crklnngen,
Tann weiß ich, ist meine erste Frag'
Nach meinem geliebten Jungen.
„Deutsche Schrift."
Die „Aachener Post" brachte folgendes V-: G. dicht' Ruht aus, Ihr Diplomaten,
Ihr habt genug getan,
Jetzt treten wir Soldaten Statt Eurer machtvoll an.
Das Schreibzeug ist die Flinte Di« Feder ist vorbei,
Wir schreiben nicht mit Tinte,
Wir schreiben nur niit Blei.
Und was mit Blei wir schreibe: .
Tie Schrift ist echt, die sitzt,
Wird unauslöschlich bleiben:
Der Sttft ist zugespitzt
Was niemals dagewesen.
Das geht jetzt ganz famos.
Das „Deutsch" wird England lesen,
Ter Russe und Franzos'.
Da gibt's kein Wenn und Aber,
Das Blei schreibt wie noch nie,
Ist besser noch als Faber Und „made in Germany".
Leo M e y c r.
Heiteres ans ernster Zeit.
Unser Kriegsberichterstatter Vinzenz telegraphiert uns:
Nach Einsetzung des General-Feldmarschalls v. d. Goltz wurde sofort mit der Durchsuchung des Archivs für Völkerkunde im Museum zu Lüttich begonnen. Hierbei stellte es sich heraus, daß der belgische Löwe im Wappen v. Belgien bisher verkannt worden ist. Es hat sich nämlich herausgc- stellt, daß dies kein Löwe sondern eine Hyäne ist, wie dies auch von unseren Truppen, die das Biest nach kurzer Zeit meisterhaft dressiert haben, bestätigt worden ist. Das orhcr meisterhafte Gebiß ist infolge der ungewöhnlichen Nahrung, die es nur ungern zu sich nimmt und welche hauptsächlich aus Gemüse und zwar aus blauen Bohnen, besteht, schadhaft geworden. Die beiden gefährlichen Schneidezähne „Namur" und „Lüttich" sind faul geworden und sind durch einen operativen Eingriff eines unserer besten Chirurgen des Herrn Prof. v. Enimich herausgezogen worden, während der Stoßzahn „Antwerpen" bereits wackelt und durch einen kurzen Zug in nächster Zeit entfernt sein dürfte. Wie man uns mittcilt, wird dann die Hyäne durch eine kombinierte Kreuzung bald als Schoßhündchcn präsentiert werden. Die Nahrung die ihm dann vorgesetzt wird, dürfte es in der ersten Zeit nur widerwillig nehmen. Jedoch hofft man, daß es sich bald an alles gewöhnen wird. Vorläufig wird ihm dieses Futter uoch vorgekaut werden müssen. Die ganze Welt ist über diese einzig dastehende Art einer Verwandlung des aclürchtete» Löwcn-Hvänentiers erstaunt. Die
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Inhaberin dieses Tieres „Germania" soll, wie :m hären später einem Ruf an die Universität in Tokio (Japa-i) als Privatüozent folgen, um daselbst Proben ihres Können a». den dort vorkommenden gelben, schlitzäugigen Assen i-zu. legen, welche dann in Europa vorgezcigt werden sollen. Diese gelben Asse» sollen in Kiauffcho» sich den Magen vee- dorben habe,:, indem Sie einen seilen Bissen unrecht...' giger Weise verschlingen wolllen, den Sie jedoch nicht zu verdauen int Stande waren. Als Folge dieser Ueberlegenheit in der Dressur von Ungeziefer sind die in England auf,jetauchten Gesichter verschiedener Minister, die an sich schau sehr lang süid, .wch bedeutend mehr in die Länge gegangen. Wci- tere Mitteilungen unseres Berichtcrstetters folgen nach.
Die Schafe zur Nechtrn, die Böcke zur Linken ....
An das bekannte Bibclwort ans Matthäus 25, 33 wild man — so lesen wir in der „Franks. Ztg." — wohl erinnert wenn man von der klugen Musterung hört, die ein Heidelberger Professor dieser Tage unter den Damen hielt, die sich zur Dcrwundctcnpflcgc gcincldct hatten, und denen er Unterricht erteilen sollte. Er trat, lvic uns berichtet wird, vor die Schar der Versammelten und begann: „Meine Da- men! Diejenigen, welche sich der Pflege von Offizieren widmen wollen, bitte ich auf die linke Seite zii treten und die andern zur Rechten." Etwa sieben stellte» sich zur Linken des Arztes auf. An diese wendete sich der Professor zii- erst und sagte: „Sie köniicn nach Hanse gehen: für Tarnen die nur Offiziere pflegen wollen, haben wir feine Verwendung und die Unterrichtszeit ist für die anderen Taiiien vollständig in Anspruch genommen."
Ter Kenner. Ten jetzt wie Pilze nu§ der sicheren Erde schießenden Wirtshaus-Strategen widiiiet der Münch ner „Simplizissimus" folgenden satirischen Dialog „ans der Kleinstadt":
Der Kenner: Also Leut, jetzt ist es ganz klar, wie die G'schicht geht. Dorn druckt der Kronprinz Rnpprecht nei, oben drnck'n die andcrii rei, und von unten druck'» mir erst recht nei. Dem Franzos'» geht die Luft ans, er ist zerrieben.
Der Zweifler: Js scho recht, Herr Hingcrl, aber ob mies aushalt'n?
Der Kenner: Ob mir was aushalt'n?
Der Zweifler: Ich »icinc, die nnzchciirc Masse der Feinde . . .
Ter Kenner: Herr Klcinmaycr, wenn ich jcniand zerdrücke. dann ist nicht die Frage ob ich's aushaltc, sondern ob cr's aushall. Vcrstand'en?
Mehrere: JawvhlI Sehr guat! Bravo!
Der Kenner: Und --Herr Kleimnaycr — wenn Sie
eine Ahnung hält'», dann müßt » Sie sag'», daß es ganz genau so koiiimen is, wie ich g'sagt Hab . . .
Der Zweifler: Oho: Herr Hingerl! Sie hauiiii g'sagt zum Beispiel, daß der Japaner zu »ns hülst . . .
Der Kenner: I?
Ter Zweifler: Jawohl! Sie Hamm mir's aus der Kart'n zeigt, wo der Japaner in die Mandschurei eindringt.
Ter Kenner: Müßte, Hab i g'sagt. Verstengen Sie? Wo er eindringen inüßtc, wenn er a bissel an Griwisgrawis hätte verstengrn Sie? Daß er's nicht tut, beweist gar nix, als daß er eben keinen Griwisgrawis nicht hat. Versb'ngcn Sie?
Der Zweifler: Sic hab'n dciitlich g'sagt, der Niiss' iS verlor'n vor er a'fongt . . .
Der Kenner: Js er vielleicht nicht verlor'»?
Der Zweifler: Ja, aber weg'» bcni Japaner Hamm Cie g'sagt. . .
Der Kenner: Herr Klcinmaycr, der Japaner existiert nicht mehr für mich. Der Japaner existiert für keinen an- ständigen Menschen mehr.
Mehrere: Bravo I
Der Zweifler: Aber . . .
Der Kenner: Nix aber! Uebcc das ivied nicht »lehr g'sproch'n. — Also Cent, die strategische Lag is jetzt vollkom- inen klar. Vorn druckt unser Kronprinz Riwpcecht nei, oben druckt der deutsche Kronprinz rei, und von niit'n schieb'» mir erst recht nach . . . Frankreich ist zerdrückt . . .
Warni» wir's verstehen.
A. : Tie Deutschen verstehen den Krieg besser als di« Franzosen I
B. : Kilnststück! Nachdem er ihnen siebenmal erklärt worden istl
Kalkstickstoff-Marlrtbericht.
Im Interesse der glatten Abwicklung der Geschäfte gibt die Verkaufsvcrcinigung für Stickstoffdünger G. :». b. H., Berlin, bekannt, daß sie für alle Abrufe von Waggonladungen von 5,000 Kg. aufwärts, welche bis zum 15. Okt. zur Herbstdüngung in Berlin einlaufcn, eine Sondervergütung von Mk. 30.— per 10,000 Kg. gewährt.
Außerdem bleiben die nachstehenden bereits früher bc- kaniit gegebenen Sondervergütungen bestehen wie folgt: für Abrufe im November Mk. 35.— für Abrufe im Dezember Mk. 30.— für Abrufe im Januar Mk. 25.— per 10.000 Kg.
Die jeweiligen Abrufe müssen bis zum 20. der betreffenden Monate cingehen. >?.'i t
Bei dieser Gelegenheit sei noch einmal darauf hinge» lvicscn, daß der Bezug der hochprozentigen A-Sfflare, (17 22%) sich besonders in diesem Jahre empfiehlt, da die Herstellung der niedrigprozentigen Ware längere Zeit in Anspruch nimnit als die der hochprozentigen und da sich außerdem der St'ckstoss in der A-Ware wesentlich billig^ stelli als in der tz'-ehaltslage B. ,


