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solchen weltgeschichtlich einzig dastehenden Ereignissen frei gemacht, sogar auf die Gefahr hin in der wir heute alle für eine kurze Zeit schwebten bei einem Ausfall der Be­satzung der wichtigsten Feste am jenseitigen Maasufer in die Feiierlinic zu kommen. Und noch etwas möge mir zu te- merken gestattet sein. Wir stehen trotz aller freudigen und sich fast überstürzenden Ereignisse doch erst am Anfang des Krieges mit dem westlichen Nachbar. Wir haben glücklicher Weise noch keinen einzigen Rückstoß anszuhalten g 'hobt, noch keinen größeren Fehlschlag unserer Operationen erlebt und müssen somit erst noch erweisen, daß wir auch dann nicht gleich den Mut pcrlicrcn werden, wenn es wider Er­warten auch einmal schief gehen sollte. Da erscheint cS wohl doppelt wichtig, daß sich auch der Berichterstatter, der an der Quelle sitzt, trotz aller großen und erhebenden Ein­drücke nach Möglichkeit zurückhält, damit in jenen Augen­blicken nicht das zuviel Gesagte den Rückschlag um !o fühl­barer macht.

Wieder war es zu nachtschlafender Zeit, als unsere Au­tomobile sich zur Reise nach Verdun anschickten. Diesmal hatte ich den eben erst unter allerlei Fährnissen aus Siid- rnßland zurückgekchrten Schlachtenmaler Professor Unge­witter zum Fahrtgenossen, dessen großes DioramaDer Ucbcrgang bei Eaub" noch vor wenigen Wochen den Ber­linern die große Zeit vor 100 Jahren näherbrachte, ohne daß sie auch nur eine Ahnung von der viel größeren und unmittelbar bevorstehenden hatten.

Im Großen Hauptquartier hatten wir das Vergnügen, dem Generalstabsches aus seinem Morgenspaziergang zu begegnen, nachdem ich ihm Tags zuvor schon einmal ganz allein durch einen Zufall in die Arme gelaufen war. Das Gefühl absoluter Ruhe und Sicherheit, das von ihm ausgeht, überträgt sich sicht­bar auch auf seine ganze Umgebung, die gewiß kein kleines Vergnügen daran gehabt haben mag, als ich urplötzlich infolge eines Mißverständnisies in das Allerheiligste einbrach und nicht gleich im Bilde war. Aber mit echt Moltke'scher Strategie hals mir die Exzellenz selbst in der liebenswürdigsten Weise, und ich hatte die Genugtuung, zu konstatieren, daß meine frühe­ren Angaben über die ruhige und bestimmte Arbeit des Großen Ecneralstabs in keiner Weise einer Remcdur bedürfen. Nach­dem die letzten Instruktionen für unsere lange Fahrt entgegen- genommcn waren, ging es im 7l>-Kilometer-Tempo zum Tore hinaus, dieselbe Strecke entlang, die wenige Tage vorher der Kaiserliche Automobilzug nach den Schlachtfeldern bei Longwq und, in das Kronprinzliche Hauptquartier passiert hatte. Auch unser Weg führte zunächst durch Luxemburg und Belgien nach der französischen Erenzfeste Longwq, die gegen Ende August ge­fallen ist, nachdem schon in den Tagen vorher die kronprinzliche Armee einfach um sie herummarschiert war. Auf die heftigen Kämpfe, die auch hier unsere Truppen mit Franktireurbanden zu bestehen hatten, wies »ns eine Anzahl verbrannter Und zer­störter Häuser in den belgischen Dörfern Athus und Aubande hin, die wir zuerst passierte». Hier im Tal der vielbesungenen und auch von Goethe bei seiner Kriegsfahrt nach Longwq mehr­fach erwähnte» Chiers blüht heute eine große Berg- und Hüt­tenindustrie, und die aus aller Welt herbeigsströmtc Arbeiter­schaft sieht naturgemäß in der herangebrochenen Kriegsnot keine sehr angenehme Erscheinung. Doch sind die Leute bei Anfragen höflich und entgegenkommend, und in dem nächsten Städtchen, dem arg mitgenommenen Halanzq, sehe ich sogar meh­rere, die mit der Binde des Roten Kreuzes am Arm Sama- literdienste tun. Gleich hinter dem Orte liegen lg unserer schönsten Lastautomobile, die, mit Hafer beladen, kurz nach Be­ginn der Beschießung hier cintrasen und durch einen unglück­lichen Zufall in Brand gerieten. Hoch oben wird nunmehr Longwq sichtbar. Aber während Longwq Haut ganz zerschos­sen erscheint und sogar der schönste Baumbestand total vernich­tet ist, haben die großen Hüttenwerke in Longwq Bas fast gar- nicht gelitten, ein Zeichen, wie sorgsam unsere Geschütze vom ersten Augenblick der Beschießung a» aus die Höhenbesestigun- gen selbst eingestellt waren. In Halanzq liegt ein riesiger Hausen französischer und auch einige deutsche Tornister, Waffen »nd Munition vor der Maiso» communale ausgcftapelt. Unsere bra en Landwchrleute sortieren die Sachen mit pe' cnüjcher Genauigkeit und ich sah, wie einer von ihnen mit einer Post­karte. die er in einem Tornister gesunden hatte, zum Feldpost- brieskasten hiniibcrging und diesen letzten Gruß eines vor Longwq Gefallenen a» die richtige Adresse beförderte. Jenseits Longwq finden sich die ersten Schützengräben der Franzosen. Sie sind sehr bequem, aber nicht praktisch angelegt und schon nach kurzer Zeit verlassen worden, da das Schußfeld nur ein begrenztes war. Sic sind mitten in Haferfeldern gegraben, auf denen die Ernte noch steht und vielleicht langsam dem Verder­ben cntgegengeht, wenn es nicht gelingen sollte, vielleicht einige der vielen französischen Gefangenen zu ihrer Einbringung an- zustcllen. Es wäre das nur eine kleine Gegenleistung für die ihnen von uns gewährte Verpflegung. Hoch über diesem krie­gerischen Bilde wiegen sich die schon langsam Hcrbstlaub zeigen­den wunderschönen Ardennenwäldcr, in denen es in diesem Jahre keine fröhlichen Auerhahnjagden der französischen Granseigneurs geben wird. In dem folgenden Orte Mufson, der ebenfalls halb ausgebrannt ist, fällt uns auf, daß ein wag­halsiger deutscher Kletterkllnstler an der Außenseite des ganz spitz zulausenden Turmes heraufgcklettert ist und dort die deutsche Fahne aufgcfteckt hat, die so leicht wohl niemand wie­der hcruntcrholen wird. Dann passieren wir Baranzq, das bis «uf zwei oder drei Häuser vernichtet ist und hinter seine» letz­ten Brandruinen Massengräber unserer Krieger aufweist, die hier einem wütenden Straßcnkampfe zum Opfer gefallen sind. Mit Entrüstung zeigen uns hier Soldaten unserer Ortswache wieder Geschosse mit abgescilter Spitze, die sie in den Patronen­taschen französischer Infanteristen gefunden haben. Wenig- Augenblicke später haben wir selbst Gelegenheit, inmitten eines nur halbaujgeräumtcn Schlachtfeldes französische Tornister und Patronentaschen zu öffnen, in denen wir »och die Patronen­päckchen, wie sie aus der Fabrik gekommen find, und den Sol­daten übergeben wurden.entdecken. Auch sie zeigen die abge- leillen Spitzen und nun bricht die Helle Entriistunq vor allem

9 («»t Tageszeitung. Samstag, den 12. September 1914.

bei den ausländischen Militärattachees durch, die bisher viel­leicht nur an die besonder« Niedertracht einzelner verbrecheri­scher Pioupious geglaubt hatten und nun mit uns erkennen müssen, daß wir es mit einer planmäßigen und bewußten Aus­rüstung der französischen Truppen mit diesen verderblichen Ee- fchosien zu tun haben. Auch hier finden wir lange Schützen­gräben in den umliegenden Feldern, von denen der größte Teil aber überhaupt nicht besetzt gewesen ist. Bedenklich für die Schützen ist der Umstand, daß zu Armstützen gewöhnliche Holzbrctter benutzt sind, die beim Aufschlagen feindlicher Ge­schosse splittern und den eigenen Leuten somit gefährlich wer­den konnten. Und weiter gehts durch Signeulx, wo am Bahnhof ebenfalls noch tüchtig unter den Tornistern und son­stigen, aus dem Wege gefundenen Ausrüstungsgegenständen der französischen Truppen durch unsere Landwehr aufgeräumt wird, nach Latour, wo wieder die Kirche hoch am Turm die deutsche Fahne zeigt und am Ausgang ein einzelnes Osfizicrsgrab un­sere Aufmerksamkeit fesselt. Im Kreise herum dehnen sich Massengräber, in die man Freund und Feind ohne Unterschied nach dem großen Ringen am 23. August gebettet hat. Dann kommt Virton, das letztere größere Städtchen an der belgisch- französischen Grenze, wo drei Eisenbahnlinien zusammenlaufen. Inmitten des kriegerischen Chaos liegt, obwohl unmittelbar an der Hauptstraße, jo doch fast unberührt, ein Nonnenklosterzur heiligen Lucio", mit dem ei» Pensionat für höhere Töchter ver­bunden ist. Nur eine Granate hat sich in die Mauer eingebohrt, hinter der noch vor kurzem junge Mädchen unschuldigen Träu­mereien nachginge», und-pe wirkt heute, wie sie so harmlos da- fitzt, mehr wie eine etwas MSb^Annchtskarte eines abgewiese­nen Liebhabers denn als verderbei/bringcndes feindliches Ge­schoß. Jetzt ist das Kloster dem Roten Kreuz unterstellt. Der große Bahnhof in Virton ist zwar ganz zerstört, und die Tele- graphenleitung nach allen Richtungen hi» durchschnitten. Doch das hindert einige deutsche Zugführer keineswegs mit unseren schweren Schnellzugsmaschinen die Strecke zu prüfen und dann lange Züge für den Verwundeten- und Gefangenentransport zufammenzustcllen. Jetzt wird mir auch mit einem Male klar, weshalb ich die letzicn Nächte vor meiner Abreise nach. Ems fortwährend die schönen tieuen Schnellzugsmaschinen der Hallenser Strecke erst einzeln, dann paarweise und schließlich in ganzen Zügen bei Nacht und Nebel aus dem Anhalter Bahnhof in Berlin ausrücken sah. O, dieser Eeneralstab! In Dam- picourt finden wir, wie in der ganzen Gegend, sormidable Ar­tilleriestellungen für einen energischen Verteidiger vor. Die sehr zahlreich vorhandenen Schützengräben sind hier nicht durch­laufend angebracht, sondern dem Gelände angepaßt und da sie zahlreich sind, so blieb kaum ein Winkel unbestrichen. Die Un­seren müssen also auch hier einen recht schweren Stand gehabt haben. Bekanntlich wurde die Besatzung von Montmedq bei einem Ausfall zur Ucbergabe gezwungen, fodaß die hoch über dem Tale ragende Feste überhaupt nicht beschossen zu werden brauchte. Dadurch ist ein kleines Juwel mittelalterlicher Fest­ungsbaukunst unsere» Tagen erhalten geblieben. Denn Mont- medy, die alte Hauptstadt der Grasen von Chiny und der Her­zoge von Luxemburg, besitzt gerade in der alten Feste und der herrliche», unmittelbar in sie eingebauten Barockkirche eine Sehenswürdigkeit, deren Zerstörung nach dem Untergang schon so vieler wertvollen Bauten und Kunstschätze infolge dieses Krieges doppelt schmerzlich gewesen wäre. Weithin rage» die Doppeltürm- der Festungskirche in di- an den Thüringer Wald gemahnende Landschaft hinein, und die Feste selbst mit ihren Zugbrücken und Laufgräben, den, schweren Fallgatter und dem zinncngekrönten Mauerwerk erinnert stark an die Wartburg. Unglaublich erscheint es fast, daß die Gegner gerade diese, gar- nicht ernsthaft verteidigte Stellung zu einem förmlichen Pro­viantmagazin ausgebaut haben. Zn hohe» und hellen kühlen Kellern fangen wir große Weinlägcr und daneben Taufende von Konservenbüchsen, Kisten mit Reis, Kaffee und anderen Kolo­nialwaren und Lebensmitteln, die jetzt fromme bayerische und württembergische Patres mit lustigem Augenzwinkern aus die Schultern luden und zu den Wagen des Roten Kreuzes auf dem Hofe hinuntertrugen, um ihren Kranken und Verwundeten damit ein Fest zu bereiten. Wie man uns erzählte, sind die Vorräte so reichhaltig, daß wir nicht nur unsere Truppen, son­dern auch das Rote Kreuz und die Lazarette in der näheren Umgebung aus Monate hinaus damit versorgen können. Ein besonderes Vergnügen war es für mich, hier oben in dieser luf­tigen Höhe Schwarzwälder Bauernwagen aus Hinterzarten, Totmoos, Lörrach und Waldktrch und daneben den Luxusauto­mobilen aus St. Blasien, Baden-Baden und Freiburg i. Br. wieder zu begegnen, nur daß heute nicht hochmütige Engländer, ruppige Russen und kalauernde Berliner drin faßen, sondern schwäbische und bayerische Landsleute, die der böse Franzmann ungcschossen hatte, und die nun den Lazaretten zugesllhrt wur­den. Mitten in dem geschäftigen Getriebe sah ich auch den Mann austauchen, der uns Journalisten, die bei den ersten Zeppclinaufstiegen in Manzell zugegen waren, als treuester Freund und Förderer des greifen Grafen bekannt geworden war, den Freiherr» v. Eemmingen, der jetzt hier die Sache des Roten Kreuzes führt. Furchtbar hat die Zivilbevölkerung der Feste, anscheinend schon unmittelbar nach dem Abzug der Be- sotzung, die doch auch zu ihrem Schutze marschierte, gehaust. Schränke und Sachen der Truppen sind geöffnet und, ebenso wie die Betten, durchwühlt worden. Auch hat man versucht, in die Prooianträttine einzudringen, um de» Eroberern zuvor­zukommen.Gott schütze mich vor meinen Freunden!"kön­nen die Franzosen auch hier ausruscn. Indem ich mich durch die wüste Unordnung hindurcharbeitctc, stößt mein Fuß an ei­nen Hausen Bücher und Papiere, die jemand aus einem Schranke herausgerissc» und dann als wertlos hingeworfcn hat. Ich hebe sie auf und finde zunächst ein ganzes Kompen­dium französischer Chansons, dann Notizbücher mit eingezeich- ncte» Noten und Liedern und schließlich sogar einige Gedichte mit Bleistift geschrieben. Wie schade, daß dieser sicherlich be­gabte Junge, der nun schon in einem Transportzug nach Deutsch­land sitzt, diese angesangene Sachen niemals wieder sehen wird. Und was wird die kleine Rouanefer-Modistin sagen, von deren Hand ich einen zierlichen Liebesbrief an ihren lieben braven Ortave unter den wild verstreuten Sachen fand! Ach. sie

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beide haben nie an einen Krieg mit Deutschland gedacht. Ihr,

Herzen waren ganz allein erfüllt von dem Gedanken an ei« baldiges Wiedersehen, trotzdem Octave so unvorsichtig gewesen war, ihr von einigen hübschen Tänzerinnen zu erzählen, die er am 14. Juli unten in der Stadt getroffen und als am Natio-

nalfcsttage nicht ungeküßt hatte Vorbeigehen lassen. Dafür re­vanchiert sie sich in ihrem Briese mit der Andeutung, daß in

Rouen noch einige junge Leute vorhanden seien, die für seine angebetete Marictte Interesse zeigten, und daß Octave daher sich seine Eskapaden doch etwas mehr überlegen solle. Nun, teuerste Mariette, diePrussicns" halt.:» deinen Octave in treuer Hut, und er wird dir »ach feiner Rückkehr wohl aus der Hand essen.

Paul Echweocr, Kriegsberichterstatter.

Ein wichtiger Gericht des belMe» («Sfldjäftö triigers in Petersburg.

Laut einer Beröfscntlichung derNordd. Allg. Ztg." wurde am 31. Juli in Berlin unter einer Deckadresse ein Bericht des belgischen Geschäftsträgers in Petersburg vom 30. Juli an den belgischen Minister des Aeußern zur Post gegeben. Der Brief wurde wegen des inzwischen cingetretencn Kriegszustandes von der Post nicht befördert, später zur Ermittelung des Absenders geöffnet und sodann wegen seine: politischen Bedeutung de.» Auswärtigen Amt zugcstellt. Der Bericht schildert die poli­tische Lage in Petersburg am 30. Juli und besagt u. a.:

Unbestreitbar bleibt nur, daß Deutschland sich hier ebenso sehr wie in Wien bemüht hat, irgend ein Mittel zu finden, um einen allgemeinen Konflikt zu vermei­den, daß cs dabei aber einerseits auf die feste Entschlossen­heit des Wiener Kabinetts gestoßen ist,- keinen Schritt zurück- zuwcichcn, und andererseits auf das Mißtrauen des Petersbur­ger Kabinetts gegenüber den Versicherungen von Oesterreich- Ungarn, daß es nur an die Bestrafung und nicht an eine Be­sitzergreifung Serbiens denke. Sasanow hat erklärt, daß es für Rußland unmöglich fei, sich nicht bereit zu halten und nicht zu mobilisieren, daß aber diese Vorbereitungen nicht gegen Deutschland gerichtet seien. Heute morgen kündet ein offiziel­les kommuniqne an die Zeitungen an, daß die Reservisten in einer bestimmten Anzahl von Gouvernements zu den Fahnen gerufen sind. Wer die Zurückhaltung der offiziellen russischen Communiques kennt, kann ruhig behaupten, daß überall m o - b i l gemacht wird.

Heute ist man in Petersburg fest davon überzeugt, ja, man hat sogar die Zusicherung, daß England Frankreich beistehen wird. Dieser Beistand fällt ganz außerordentlich ins Gewicht und hat nicht wenig dazu beigctragen, der Kriegspar­tei Oberwasser zu verschaffen. Die russische Regierung ließ in den letzten Tagen allen Serbien freundlichen und Oesterreich feindlichen Kundgebungen freien Lauf und versuchte in keiner Weife, sic zu ersticken. Heute früh um 4 Uhr wurde die Mo­bilisierung bekanntgegeben.

Die russische Marine ist von der Verwirklichung ihres Er­neuerungs- und Reorganisationsplanes noch so weit entfernt, daß mit ihr wirklich kaum zu rechnen ist. Darin eben liegt der Grund, warum die Zusicherung des englischen Beistandes z» große Bedeutung gewonnen hat. Jegliche Hoffnung auf ein« friedliche Lösung scheint dahin zu sei»! das ist die Ansicht der diplomatischen Kreise."

DieNordd. Allg. Ztg." bemerkt gegenüber der verleum­derischen Erklärung unserer Feinde, durch Deutschlands schrof­fes, jede Verständigung unmöglich machendes Verhalten zum Kriege gezwungen zu fein, daß das vorliegende Dokument als Beweis dafür wertvoll sei, daß man in den diplomatischen Krei­sen Petersburgs noch am 30. Juli, also zwei Tage qpr der deut­schen Mobilmachung, die Ueberzcugung hatte, Deutschland habe sich in Wien wie in Petersburg die größte Mühe gegeben, den österreichisch-serbischen Konflikt zu lokalisieren und den Ausbruch eines allgemeinen Weltbrandes zu verhindern. Das Blatt inacht daraus aufmerksam, England habe durch die Zusicherung, cs werde in einem etwaigen Kriege nicht neutral bleiben, fon dein Frankreich gegen Deutschland beistehen, der russische» Kriegspartei den Rücken gestärkt und damit wesentlich zur Provozierung des Krieges bcigetragen. Schließlich sei dieses Dokument auch noch deshalb von Interesse, weil sein Verfasser die Versicherungen Rußlands, nur in einzelnen Gouvernements würden die Truppen zu den Fahnen gerufen, eine allgemeine Mobilmachung finde aber nicht statt, für Schwindel hält.

110 eilttlit lirfuif in finrm Regiment.

Staffel. 11. Gef>t. Nicht weniger als 110 Eiserne Kreuze 2. Klasse sind an die tapferen Angehörigen des hier und in Arolsen gainisonierenden Infanterie-Regiments von Wit- tich (3. Knrhessisches N. 83) verliehen worden. Ossiziere und Mannschaften haben sich bei dein Sturm ans Lüttich in Belgien ausgezeichnet. Obenan steht der Oberst des Regiments Graf Moltke. Dann folgen: Major v. Winter- feld, 0 Hanptleute, 3 Oberleutnants, 12 Leutnants, davon 6 Reserveleutnants, 5 Feldwebel, 15 Unteroffiziere und Sergeanten und 65 Einj.-Freiwillige und Musketiere. Dem Hiiegerleutnant Seehagen ist siir gute Dienstleistungen in' Elsaß das Eiserne Kreuz verliehe» worden.

Der jüngste Soldal.

Ter jüngste Soldat der deutschen Armee dürste wohl jetzt der Mittelschüler Rudolf Jäckel ans Breslau i ':i, teil- chcr,am 7. d. M. bei deni Ersatzbataillon des Jns.inte Regiments Nr. 51 im Alter von 15>/> Jahren als Oriee:- freiwilliger eingestellt worden ist. Sein jetzt 1S> ia:: -,.t Bruder kämpft in demselben Regiment bereits in ,V i land.

Austausch vou Soldaten.

Blrn, 11. Sept. Ter schweizerische Bnndesrat hat im Einverständnis mit Deutschland und Frankreich beschloss m in der Schweiz internierte Offiziere und Soldaten der feilt