N»immer 213
Freilag, den Jl, September 1914.
7. Jahrgang
' ' c ," c V n C**! , '* un 8' erscheint irden Werliag. Regelmäßige BeUagen „Her vaucr au» Felsen", „Dir SpinnHubr". v«>ugaprei»: Bei den Postanstallen vierleliährlich Mk. l,9d
c, «cn ..centcn monatlich SO Psg. Hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohm An,eigen - Grundzeile 20 Psg., lokale IS Psg, An, eigen von auswärts werden durch Pastnachnahme erhoben __Erfüllungsort ??riedberg. Schriktl»i1»ng nnd Verla- Friedberg IHestens, Hanaueritraße 12. Ferniprechek 48. Posticheck-Lonto Re. 183», Amt Franlsurt a. LI.
G«tk i(nrt)rifl)trn ans iirni iUrllrn, (Ollrn nnii Zitdalien.
Ziämpfe vor Paris. — Die (Entscheidung naht. — v. Hindenburg, der Lieger. — Vordringen
der Qesterrcicher.
Kämpfe im Osten und Westen.
Großrs Hauptquartier, 18. Scpt. Die östlich Paris in drr Verfolgung au und über die Marne vorgcdrungcnen Heeressäulen sind aus Paris und zwischen Meaux u. Mont- inirajl von überlegenen Kräften angegriffen worden. Sic haben in schweren zweitägigen Kämpfen den Gegner ans- gehalten und selbst Fortschritte gemacht. Als der Anmarsch neuer starker Kolonnen gemeldet wurde, ist der Flügel zurückgezogen worden.
Ter Feind ist an keiner Stelle gefolgt. Als Sieges- bcute dieser Kämpfe sind bisher L0 Geschütze und einige' 1808 Gefangene gemeldet.
Die westlich Verdun kämpfende» Heeressäulen befinden sich in fortschreitenden Kämpsen.
In Lothringen und den Vogesen ist die Lage »nver. ändert.
Aus dem östlichen Kriegsschauplatz hat der Kamps wieder begonnen.
Lieg um Verdun.
Amtliches T e l e g r a m in.
AVTH. Wroftce Hauptquartier, 10. Lept.
Ter Deutsche Kronprinz hat heute mit seiner Armee die befestigt« feindliche Stellung südwestlich von Berdun genommen. Teile der Armee greifen die südlich von Berdnn liegenden Sperrforts an; die Forts werden seit gestern durch schwere Artillerie beschossen.
Cin neuer Sieg in Ostpreußen.
(W.T.H.) (Hroszcs Hauptquartier 10. Scpt.
Generaloberst von Hindenburg hat mit dem Osthcer den linken Flügel der noch in Ostpreuhen befindlichen russischen Armee geschlagen und sich dadurch den Zugang in den Rücken des Feindes geöffnet. Der Feind hat de« Kampf ausgegeben und befindet sich in vollem Rückzuge. Das Ostheer verfolgt ihn in nordöstlicher Richtung gegen den Njemen. .
§tr (Bfnfralquartimnnftn: v. Stein.
Die Entscheidung naht!
Zwei Kriegsberichte an cincm Tage hat der sonst so schweigsame Generalquarticrnicister veröffentlicht. Ter erste klart die Gerüchte auf, die über eine große Schlacht vor Paris in, Umlauf waren, und die von unseren Gegnern so hingcstcllt worden sind, als hätten die Deutschen eine große Niederlage erlitten. Das war natürlich gelogen. Unsere Truppen sind vor Paris trotz energischen scmdlichen Widerstandes im Vorrücken. Wenn vorgeschobene Heeres- sänken vorübergehend vor feindlickhu: Ucbermacht zurückge- Wonnen wurden, so bedeutet das gar nichts, »mso weniger, wenn der Feind nicht nachdrängcn konnte. Wenn cs sogar gelungen ist, ihm einige Tausend Gefangene und mehrere Geschütze abzunehmen, so muß auch dem Unbefangenen klar werden, auf welcher Seite der Erfolg zu suchen ist.
Diel wichtiger ist aber die zweite Nachricht. Tic Ar- mce de-s deutsche» Kronprinzen hat die befestigten Stell- unge» der Franzosen bei Verdun genommen und die Sperr- sorls werden von unserer schlvercu Artillerie in Behandlung genommen. Das will sagen, daß wir in wenigen Tagen deren Fall zu hören bekommen. Tann wird auch die krön- prinzliche Armee frei, die dann mit der des Kronprinzen von Bayern vereint de» französischen Generalissimus^ zu fasse» bekommt. Tie Entscheidung steht also vor der Tür-, wie sie ansfallcn wird, darüber brauchen wir uns nach dem . vorongcgangenen keine Sorgen zu machen.
Generaloberst von Hindenburg, der wackere Sieger von Tannenberg, hat die Russen abermals zu packen gekriegt. Er hat sie geworfen und es gelang ihm, in ihren Rücke» zu kommen. Die Russen befinden sich in voller Flucht noch dem Riemen (so beißt die Memel aus russischem Gebiet.)
Hoffen wir, daß die Nachlese dieses Sieges so ergiebig aus- fallen möge, wie bei Tannenbcrg.
Auch aus Oesterreich kommt gute. Botschaft. Tie Serben haben sich blutige Köpfe geholt bei ihren Versuch«-», in Oesterreich cinzufallen, nicht minder die Montenegriner. Tic Hauptsache aber ist, daß die Schlacht »n> Lemberg gut steht. Nach übereinstimnieudcn Nachrichten gehen die Oester- reicher wohl überlegt vor und befinden sich im siegreichen Vordringen. Daß die Erzherzöge Friedrich und Karl und der Generalstabschef des österreichischen Heeres Hötzendorf auf der Wahlstatt tätig sind, berechtigt zu den besten Hass- nungcn. Auch von dort wird hoftcntlich bald der Ruf konmien:
Gloria, Gloria, Viktorial
Verwundung Prin; Joachim s.
Prinz Joachim von Prenfzen ist gestern durch einen Schrapnelschufi verwundet worden. Die Kugel ging durch den rechten Oberschenkel ohne den Knochen zu verletzen. Der Prinz war als Ordonanzoffizier tätig gewesen. Er ist in das Nächstliegende Earnisonslazaret gebracht worden.
vie belgischen llftlnftc bei ilaniur.
London, 10. Sept. Nach Meldungen -hiesiger Blätter soll der Fall Namurs den Belgiern einen Verlust von M.OOO Mann ausschließlich der Verwundeten verursacht haben. Die Besatzung und das Vertcidigungshcer hätte» 24,000 Mann betragen. Der Fall Namnrs wird dem Zaudern des belgischen Generals Michel zugeschricben, der auf dem einen Ufer der Maas so lange gezögert habe, bis die Deutschen an dem anderen Ufer ihre schweren Geschütze ausgestellt hatten.
Vordringen der Verbündeten.
Kriegsprcffequarticr, 10. §>cpt.
Die ösirrreichifchc Offensive im Daum um Lemberg schreitet erfolgreich vor. Der Armre-Oberkommniidanl Errhrrrog Friedrich, der Oeneralsiabschrf Snron Conrad v. Hö 1? e n dorf und der Erzherzog Karl hatten sich vom Hauptquartier auf das Schlachtfeld begeben, nm persönlich die Entwicklung der Errigniffe zu verfolgen.
Die Niederlage der Serbe«.
B u d a p c st, 10. Sept. Zn heute hier eingetrofsene» Esseg- gcr Zeitungen, die die Zensur passierte», wird mitgeteilt, daß die Einfälle der Serben in Slawonien am Montag begannen. Trotz der vernichtenden Niederlage der Serben bei M i t r o w i tz a wurden sic am Dienstag an anderer Stelle fortgesetzt. Dabei kam cs zwischen Erabowitsch und Ncrtko- witsch zu Kämpfen, bei öc«,en unsere aus Peterwardein ver- stärlicn Truppen eii.7» glänzenden Sieg erfochten. Zm Lause der letzten zwei Tage sind mehr als 6000 Gefangene nach Ungarn gebracht worden. Der Einbruch der serbi- ichen Truppen in slawonischcs Gebiet wuroe mit einer Beschießung vom serbischen User aus eingeleitci, woraus unsere Monitoren und großen Uferbefdstigungen von Semlin aus Belgrad Mit stärkstem Erfolg bombardierten.
Vit Uirbrrlage der IHontfnfgrinrr bei öilcho.
Wien, 10. Sept. lieber die am 4. September gemeldete vollständige Niederlage der Montenegriner bei Bileka gegen unsere Z. Ecbirgsbrigade unter Generalmajor Pongracz ver- öftenilichcn die Blätter einen anssührlichcn Bericht, in dem es heißt: Die in der Linie Awowatfch-Lipnik und südwärts
stehende 3. Gcbirgsbrigade begann am 30. August, die Ossensivc gegen die im Raume von Bileka stehenden seindlichcu anderthalb Brigaden, die sich zu einem allgemeinen Angriff aus die bescstigtcn Positionen von Bileka anschickien, gegen die die Montenegriner an den drei oorangegangcnen Tagen bereits ein Bombardement aus schwerem Feldgeschütz mit geringem Erfolg unterhalten hatten. Generalmajor Pongrarz besaht einen allgemeinen in Front geführten Angriff. Zn den ersten Morgenstunden crötineten unsere Truppen den Kamps gegen
den in Ucberzahl bcsindliche» Feind, der von serbischen »nd russischen Offizieren gesuhlt wurde, de» Oberbesehl über die Montenegriner jührtc Brigadier Wukotiisch, der als einer der dcstcn montenegrinischen Offiziere gilt. Die von unseren Trnp. pen mit großem Schneid cingeleitctcn Gefechte warfen zwar die Montenegriner im ersten Ansturm aus den durch Erdbe- feftigungcn geschützlen Positionen. Es gelang aber dem mit Bravour lämpfenden Feinde, sich wieder zu sammeln und Gegensätze zu unternehmen. Unsere Truppen warfen jedoch am Abend des zweiten Kampstages de» Feind neuerlich im Bajonctlsturm. bei dem unsere Gebirgsarlilleric den Montc- licgrincrn sehr schwere Verluste zujügle, Ei» am dritten Kanipstagc unternommener letzter Bersuch der Montenegriner, unsere vorgehcnden Truppen au» den neue» Stellungen wieder zu verdrängen, endete mit dem vollständige» Zusammenbruch der Angrciscr, die unter Zurücklassung des schweren Geschützes und zweier Gcbirgskolonnc» sich zurück- zogen, ohne die Bcrwundetcn mitnehmen zu können. 130 Montenegriner wurden abgcschnittcn und gefangen. Di- Zahl der gcsalleiicn Montenegriner ist sehr groß: unsere Verluste
sind relativ gering.
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Die Kriegsanleihe.
Berlin 10. Sept. Aus die Kriegsanleihe siiid dcl der Reichsbonk bereits erhebliche Zeichnungen cingegangen. Unter den Zeichnern befinden sich die Firma und Familie Krupp mit-cinc-n Betrage vo» 30 Millionen Mark.
Vas iHifitärfanttätsbrru; in fjeffn.
D a r m st a d t, 11. Sept. Rach einer Bekailntmachung in d«r „Darmstädtcr Zeitung" hat der Kroßherzog von Hessen sich bewogen gefunden, das voii seinem Großaheim, dem Großhcrzog Ludwig III., am 23. August 1870 gestiftete Mili- tärsanitätskrcuz wieder auslcbcu zu lassen. Die Vorderseite des Kreuzes erhält die Worte: „Für Pflege der Soldaten '.» 11 ".
(fin mnrrihanildifü Zeugnis für die bnitirfini Truppen.
Berlin, 10. Scpt. Nachstehende Erklärung der Kriegs- karrejpondentcn hervorragender Organe der amerikanischen Presie wird uns zur Dcrüzsenllichiuig übergeben:
Um der Wahrheit die Ehre zu gebe», erklären wir einstimmig die deutschen Greuel, soweit wir beobachten konnte», für unwahr. Rach zweiwöchigem Aufenthalt im deutschen Heer, die Truppe» über 10» Meile» begleitend, sind wir tatsächlich nicht in der Lage, auch nur einen einzigen Fall unverdienter Strafe und Vergeltungsmaßregeln zu berichten. Wir sind ferner nicht in der Lage, die Gerüchte Uber Mißhandlungen von Gefangenen und Richikombatianlen zu bestätigen. Mit beit deutschen Truppen durch Landen, Brüsiel, Rivelles, Binche, Hautcs-Wihercs, Mcrbes-lc-Ehaieau, Sorlesiir-Sambrc, Beau- mont, haben wir nicht die geringste Unterlage für einen einzigen Fall von Zügcllosigleit. Zahlreiche Gerüchte fanden wir »ach Uiiicrsuchung grundlos. Wir sahen überall die deulschcn Soldaten ihre Einkäuse bezahlen und das persönliche Eigentum und die Rechte der Bürger achten. Rach der Schlacht von Buiffcrc sanden wir belgische Frauen und Kinder im Gefühl völliger Sicherheit. Zn Mcrbes le Chateau wurde ein Bürger getötet, doch konnte niemand seine Schuldlosigkeit beweisen. Flüchtlinge, welche von Grausamkeiten und Gewalttätigkeiten erzähle», konnten absolut keinen Beweis beibringen. Die Disziplin der deutschen Soldaten ist hervorragend. Keine Trunkenheit kommt vor. Der Bürgermeister von Sorle sur-Sambre hat unaufgefordert die Gerüchte von Grausamkeiten in der dortigen Gegend widcrrusen. Für die Wahrheit dieses sichen wir mit unserem beruslichcn Ehrenwort.
Ecz.: Roger Lewis, Associated Preß: Zrvin S. Eobb, Saturday, Evening Post: Philadelphia Public Ledger Philad: Harry Hansen, Chicago Daily News: Chicago Zames O'- T e n n c l - Bennci Zahn T. Mac C u tch co n Chicago: Tribüne Chicago.
London, 10. Sept. Die „Times" vom 3. Scpt. behauptet in einem Bericht, daß am 29. August in Lüttich 330 gefangene Engländer erschossen worden seien, weil bei ihnen Dum Dum-Gcschosse gesunden wurden. Diese Nachricht ist erlogen.
Kein Sonderfriede mit England.
Köln. 7. Sept. Zum Beschlüsse des Dreiverbandes, keinen Sonderfrieden abzuschlietzen, bemerkt die „Köln. Bolks- r.eitung":


