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Fonnrrsiag, den 10. September 1014.
7. Jal-rgang
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1,95
inachnahine erhoben
Ein neuer Kampf um Lemberg.
Kämpfe vor Paris. — Die Deutschen tit Gent. — Englische Bestialitäten.
Eine Schlacht vor Paris.
Tiotzdcin noch keine amtlichen Nachrichten vorliegen fck int cS wahrscheinlich, daß nördlich und östlich von Paris gekämpft wird. Enahrnngsgemäß werden wir erst dann was ge.disseS crsahrcn, wenn der Sieg errungen ist. Englische und sranzösiscl>e Blätter wußten anfangs bereits einen großen Sieg zu verkünden u. a. sei die preußische Garde vollständig vernichtet worden, spätere Nachrichten geben kleinlaut zu, daß die Osfcusivc der Verbündeten nicht aufrecht erhallen worden sei. TaS sicht dem Eingeständnis einer Niederlage verdaimnt ähnlich. Wir werden hören!
Die Deutschen in Gent.
Ein Privattelegranim der „Franks. Ztg." meldet:
Amsterdam, 9. Sept. General von Bowith forderte aon der Stadt Gent 10,000 Liter Benzin, 1000 Liter Mineralwasser, 150,000 Kilo Hafer, ferner Fahrräder, Autocc- scrvetcile, 100,000 Zigarren usw., aber er verschonte die Stadt mit einer weiteren Kriegsabgabe und dem Durchzug der Truppen. Kurz nachdem Bürgermeister Braun von der Unterredung mit dem deutschen General zuriickgekehrt war, scuertc in Gent ein auf einem Auto befestigtes Maschincn- gclvehr auf zwei bcutfdjc Offiziere, wovon einer tot, der andere verwundet ist. Bürgermeister Braun fuhr sofort wieder zu dein deutschen General, um etwaige üble Folgen dieses Mißverständnisses abznwendcn.
Paris, 9. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Aus Ostende wird vom 7. September gemeldet: Die Deutschen gingen gestern nordwestlich von Brüssel zwischen Gent und Antwerpen vor. Alle Verbindungen zwischen diesen beiden Städten sind unterbrochen. Bei Lordegcm, in der Nähe von Wet- lernt, fand gestern ein Gefecht statt. Die Belgier mußten sich vor der feindlichen Ucbcrmacht zurückziehen; der Koin- mandant Eoi^ininck ist gefallen.
Antwerpen, 9. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Wie gemeldet wird, soll das südlich von Antwerpen liegende Land m einer Ausdehnung von 70 Oundratmcilen überschwemmt werden, um die Deutschen am Einmarsch zu hindern. Die Wasscrtiefc wird zwischen einigen Zoll und mehreren Fuß schlvankcn.
fififiuina -kr il)alfild)bai durch dir vrutlchkn.
London, 9. Sept. Deutsche Truppen besetzten die Wal- fischbai. Tie britische Regierung bemerkt dazu: Die Dai kann leicht wiedergewonnen werden, sobald die südafrikanische Regierung ihre Vorbereitungen beendigt hat, in Dcutsch-Südwest-Afrika cinzufallen.
Ein Scharmützel ans der See.
Berlin, !>. Sept. Die „V. Z. am Mittag" meldet aus Wilhelmshaven: Der kleine Kreuzer „Karlsruhe"
hatte, wie englische Blätter melden, in diesen Tagen ein kleines Scharmützel mit englischen Kreuzern zu bestehen.
Ein Flieger Depot erbeutet.
Berlin, g. Sept. Wie amtlich mitgeteilt worden ist, haben unsere deutschen Truppen bei der Einnahme von Reims nach das Mtlitärslugzcug-Depot beseht: 1» Eindecker, 29 Doppeldecker und eine Anzahl der auch in Deutschland bekannten Gnome-Motoren sielen in die Hände der Eroberer. Besonders >ie Motore, die in den Enomc-Werlen hergcstellt werden, sin» tut verwendbar. Auch die 2» erbeuteten Doppeldecker, di- neist nach »cm Tnp Maurice Farman gebaut sind, sin» recht- «ermendbar. Die Steuerung und Bedienung der Flugzcuge unterscheidet sich von derjenigen deutscher Militärmaschinen nicht so stark, daß unsere Ossiziere die Apparate nicht ohne wei- tcreo steuern könnten.
Große Schlacht bei Lcmvera.
Wien, 9. Sept. <W. B., amtlich). Zm Raum- von Lemberg hat eine große Schlacht begonnen.
Kriegsprcssequartier, 9. Sept. Der Kricgsbcrichtersmitcr der „Frants Ztg." v. Reden meldet: Das längere absichtlich bewahrte Schweigen über die Entwicklung der strategischen Lage im Raume um Lemberg darf nun gebrochen werden. Seit heute morgen ist dort neuerdings eine große Schlecht im Gang. Die um Lemberg versammelten österreichisch-ungarischen Kräfte H-- dcn die Ossrnjive ergrissen.
Die in der vorigen Woche abgebrochene Riesens,eracht >m Südostcn. die mit dem vollen Siege der Lcst-rr-icher im Zentrum und aus dem linken Flügel, aber mit einem in oller Ordnung vollzogenem Zurückweichen vor dem an Zahl weit überlegenen E-aner aus dem rechten Flügel geendet bat. wird also
von den Lcstcrrcichern an dem Punkt wieder begoiliicn, wo ca nicht gelungen ist, den Sieg an ihre Fahnen zu sesicln. Daß die Oestcrrcichcr die Offensive ergrissen haben, läßt Hessen, bah sie ihre Kräfte wirksam ergänzt haben nud daß die Russen auch vor Lemberg eine ganz gehörige Niederlage erleiden
Ein likiikr ((rfola argen Serbin!.
Budapest, 9. Sept. Eine aus etwa 1590 Mann bestchendr Abteilung der bei dem Kampf um Mitrowitza zersprengten Serben wurde bei India nach kurzem Gefecht teils getötet, teils gefangen genommen.
1250000 Kritgsfremillige in COrOrrrrirf/.
1,250,000 Kriegsfreiwillige haben sich bis setzt in Oesterreich gemeldet. Für das Rote Kreuz wurden 205 Millionen Kronen gesammelt.
Ueber die Dauer des Krieges.
WTB. Budapest, 9. Sept. (Nichtamtlich.) Ein Be- richterstatter des „Esti Ujag" hatte eine Unterredung mit deni ehemaligen österreichisch-ungarischen Botschafter in Berlin, Grasen Szögheni-Marickt, in welcher dieser u. a. aus die Frage nach der wahrscheinlichen Dauer des Krieges sagte: Eine bestimmte Meinung könne niemand anssprechen, cs scheine aber, daß selbst der Fall von Paris nicht das Ende des Krieges bedeute. Daraus lieh wenigstens die Verlegung der Regierung von Paris schließen. Erst empfindliche Niederlagen der Russen würden die Geneigtheit zum Friedensschluß beschleunigen. Zum Schlüsse äußerte der Botschafter noch, die Zeichen huldvollen Wohlwollens, mit denen Kaiser Wilhelni und Kaiser Franz Josef ihn überschüttet, erfüllten ihn mit dem befriedigenden Bewußtsein, daß er stets seine Pflicht getan habe.
Die hnmnnc Wirkung der dtiltldicn törldjoflf.
Wie dem „Nicuwe Rotterdamschen Courant" aus Paris gemeldet wird, besagen Berichte von bekannten Chirurgen, wie Delbert, Raymond, Soulgion, Bufficr und Doyen die nach den hauptsächlichsten Hospitalzentrcn gesandt Ware», daß die Schußwunden, soweit keine Lebensorgane getroffen, stets gutartig sind und schnell heilen.
Unsere Kolonien wehren sich.
Fürst Bismarck hat einmal gesagt, das Schicksal unserer Kolonien werde vor den Toren von Metz ausgesochten werden. Demgemäß können wir schon einigermaßen beruhigt sein, soweit das Schicksal unserer Kolonien von Frankreich abhängt, denn der Sieg von Metz wird uns nicht entrissen werden und auch für Paris rückt die Katastrophe mit jedem Tag näher. Allein der Ausspruch Bismarcks sollte auch gegenüber britischen Gelüsten nach unscrn Kolonien gelten, er vertraute darauf, daß die Niederlage Frankreichs einen niederschmetternden Eindruck in England machen und unsere „Vettern" jenseits des Kanals zur Besinnung bringen werde. Nun erleben wir zu unserer sreudigen Genugtuung, daß auch das erste britische Feldheer bereits von unseren braven Truppen aus sranzösischcm Boden niedcrgcrungcn worden ist, und dllrscn die Zuversicht hegen, daß ein zweites britisches Feldheer, falls cs wirklich zu desien Entsendung kommen sollte, ebenso unter den deutschen Hieben zusanimensinken wird.
Aber auch gegenüber unfern Kolonien selbst werden die Briten herbe Enttäuschungen erleben, dasllr bürgen schon die lurzen Nachrichten von dorther, die uns trotz der britischen Sperre zugeganae» sind. Wie aus der Vcröfsentlichung des Rcichskolonialamts hervorgehr, haben gegen die vereinigte sranzösisch-englilche Macht, die sich unserer Kolonie Togo „hel- d-nhast" b-mächtigle, nutzer der Schutz- und Polizeitruppe auch deutsche Ansiedler als Soldatct, des Bcurlaubtenstandes gekämpft: zwei von ihnen wurden gelotet, drei verwundet.
Auch in unseren übrigen Kolonien werden die deutschen Ansiedler zu den Wassen eilen und unsere Schutz- und Polizeitruppen gegen fremde Eindringlinge unterstützen. Zn unseren Kolonien bestehen nicht nur militärische Organisationen iür die Friedenszcit. Zn Südwestafrika hasst man, 15 000 Gewehre znsammcnzuhringcn und den Feinden enlgcgcnzustellen. Britische Schifte haben sich bisher an der Küste dieser Kolonie noch nicht gezeigt, obwohl cs für sie ebenso verlockend sein müßte, Lüdcritzbuch und Swalopmnnd zu bombardieren, wie die un- bciestigte Tozolüste zu besetzen. Wenn Dcutschsüdwcst bisher von britischen schissen verschont geblieben ist, so ist bieje Enthaltsamkeit vielleicht auf die Erwägung zurückzusührcn, daß »ach der Eroberung jener Küstenpunlte der britische Sicgeszug in b-m mcilcnbrcitcn Dünensand der Küste vorrücken würde, I La unsererseits sicher alle Bahnverbindungen nach dem Innern I aitsgerisien würden.
Auch nach Kamerun haben die Briten mit ihren Helfershelfern die Hand »och nicht ausgestrcckt, da die Hauptorte Ka- te.cruns, äuala und Buca, für Kriegsschiffe nicht zugänglich sind und Landungsvcrsuchc im Kamerundelta heiß erkämpft werden müßten. Zn, Wuri-Fluß liegt überdies eine Felsen- darre, die selbst llcinc Handclsschissc arg behindert, Gattz gewiß sind auch in Kamerun bereits alle waftcnsähigcn deutschen Pflanzer zu den Wassen gerufen worden, cs wird auch nicht schwer geworden sein, die sarbigc Schutztruppe zu verstärken Za der Drang, a» den Feind hcranzukvmmcn, hat eine» Teil unserer Kameruner Truppe schon zur Besetzung von Libreville, der Hauptstadt des sranzösischcn Kongo, sortgcrissen. Vermut lich ist der Vorstoß nach Libreville von der Truppe ausgcgan. gen, die i» dem benachbarten, im Kongvvertrag uns zugesalle- ncn langen, schmalen Cüdstrciscn steht unterhalb der spanischen Kolonie Rio Muni.
Derselbe Tatendrang fühlte uuscre Südwest-Aftilauer bereits ins Kapland nach Upington und unsere Ostasrikancr nach Tavcta am britischen Fuß des Kilimandscharo. Da Tavcla 199 Kilometer von der Ugandabahn entfernt ist, wird cs den Engländern nicht leicht sein, diesen Punkt zu entsetzen. Dank der günstigen Bahnverbindungen in Ostafrika sind bestimmt schon alle waftcnsähigcn Ansiedler au die Küste geeilt, um die Briten hinauszuwerfen, man darf auch annehmcn, daß die 2599 Köpfe starke sarbige Schutztruppc inzwischen erheblich verstärkt worden ist.
Selbst Tsingtau wird der vereinigten japanisch englischen Flotte zu schassen machen, ist doch jetzt schon ein britischer Kreuzer mit empfindlichen Verlusten zurückgcwiescn worden.
Schließlich wird nach einem siegreichen Kriege in Europa unser Kolonialbesitz, sofern er in seindlichc Hände gesallcn ist, zurückgcgcbcn werden müsien. Damit können wir uns jür alle Fälle trösten.
Ans Frankreich.
Kein Zurück!
Paris, 9. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Anitlich wird gemeldet, daß der französische Generalissimus an die Truppen folgenden Tagesbefehl erlassen hat:
Es ist jetzt nicht mehr der Angenblick, rückwärts zn schauen, sondern anzugreifcn,. den Feind zurückzudrängen >md das gewonnene Terrain, koste es was es wolle, z» bc- haupten.
Das wäre alles ganz sck)ön, wenn es mit Worten c-llcin getan wäre.
Frankreich in Nöten.
Paris, 8. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Im Minister- rat am 3. September in Bordeaux berichtete Millerattd über die militärische Lage. Tann wurde eine Reihe von Frage» beraten, besonders über die Lebcnsmittelzusnhr. Die Session der Kammer ist geschlossen. Ministerpräsident Viviani weist in einem diesbezüglichen Brief an den Präsidenten der Kammer darauf hin, daß zahlreiche Abgeordnete im Felde stehen, und daß die Nöte, die Frankreich drückten und die sich täglich häuften, der Kammer die Möglichkeit des Zusamtnenttittes nähmen. Ferner sei Frankreich durch höhere Gewalt und die Ereignisse gezwungen gewesen, den Sih der Regierung zu verlegen, um den Widerstand des Laitdcs zu verstärken und auszndchncn.
Lord Kitchcnrr im sranzösischcn Ministerrat.
Mailand, 8. Sept. Ter Mailänder „Eorrierc de la Sera" will aus bester Quelle wissen, daß der Entschluß der französischen Negierung, nach Bordeaux überzusiedcln, aus das persönliche Eingreifen Lord Kitcheirers zurückzufübreu sei. Ter Vorschlag der Uebersiedclung sei auf Widerspruch bei beu sozialistischen Minister Gucsde und Sctnbat ge- stoßen, die den Ausbruch von Unruhen in Paris befürchte, ten, wenn das Volk die Nachricht von der Verlegung des Regierungssitzes erfahre. Es habe schon eine Ministerkrise gedroht, als Kitchencr am 31. August in Paris mit Frcnch Jossrc und Gallien, ini Ministerrat erschienen sei, der schließlich die Uebersiedclung einstimmig genehmigt habe.
Ueber das Franzosenlagcr aus dem Truppenübungsplatz Ohrdrus
erfährt ein Eewährsntann der Weimarischen Landeszeitung „Deutschland": Den Gefangenen bereitet man hier ein men
schenwürdiges Leben. Allerdings benehmen sich die „Gäste" (angesichts der scharfgeladenen Gewehre, auf denen die geschlissenen Bajonette blitzen!) bis jetzt auch im allgemeinen willig Von den ebenfalls hier cingeliejerten belgischen Franltircurs ist das leider nicht zn sagen. Trotz Begleitmannschaft und obwohl unsere Kameraden zahlreich dem Einmarsch beiwohnten, versuchte einer der Hall-rnkcn. mit schnell ausaeraftten otein-a


