Ausgabe 
3.9.1914
 
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Nummer 20V Donnerstag, den 3. September 1914. 7. Jahrgang

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Deutsche und österreichische Siege!

Zehn französische Armeekorps geworfen. Der Kaiser bei feinen Truppen. Voller Lieg des

österreichifchen Centrums. Rufsifches Cingeftändnis.

Ocnffrfjlanli, (Orücrrridi, testllmjchlnngkn!

Tic dcutschen und die österreichischen Heere haben dem gesl-igcn Sedanstag eine besondere Weihe gegeben. Zwi­schen NcimS und Verdun, also auf einem etwa 100 Kilo­meter ausgedehnten Schlachtfeld, haben die Deutschen zehn französische Arineeorps geschlagen und in die Flucht gejagt. Gestern dauerte die Verfolgung der geschlagenen Feinde fort. Ter Sieg wurde unter den Augen des Kaisers er­fochten, der sich bei der Armee des Kronprinzen befand. Diese Mitteilung läßt darauf schließen, daß sich noch eine Arniee. wohl die des Herzogs von Württemberg im Feuer befunden hat. Es werden also wohl nicht viel an einer Million Streiter gefehlt haben, die dort ihre Kräfte gemessen haben und auch in dieser Schlacht sind die deutschen Heere Sieger geblieben. Damit ist der erste Festungsgürtel, der Paris vor dem Einfall der Dcutschen sichern sollte, bereits durchbrochen, außerdem aber der von St. Quentin aus vor- dringcudcn deutschen Nordarmce die Gefahr benommen, in die Flanke gefaßt zu werden. Auch die Lage der französi­schen Vogescnarmec, die bereits geschlagen unter dem Schutze ihrer Festungen weilt, wird durch den Sieg bei Verdun- Reims immer gefährdeter, da ihr die Gefahr droht zwischen zwei Feuer genommen zu werden. So bereitet sich in Frank­reich alles zu dem siegreichen Enderfolge vor.

Ter Lorbeer des Sieges in der 8tägigen Riesenschlacht auf den Feldern Galiziens ist unseren Verbündeten, den Oesterreichern, zugefallen. Nachdem bereits der linke Flü­gel der Oesterreicher vorgestern den Feind geschlagen, ihnen Tausende von Gefangenen und eine reiche Kriegsbeute ab- gcnoniinen und ihn gegen das Sumpfgebiet von Lublin- Eholin gedrängt hat, erfreute uns heute die Siegesbotschaft des österreichischen Ccntrums. Die Armee Auffcnberg hat aiis dem Raum Zamosc-Tyszowe die Russen vollständig geschlagen ihnen Scharen von Gefangenen und bis jetzt 160 Geschütze abgenommen. Wie sich der Rückzug der Russen auf dein schwierigen Gelände jenseits des Bugflusses gestalten wird, läßt sich noch gar nicht sagen. Weitere ungeheure Verluste schinen dem Feinde bcvorzustchen. Nur auf dem rechten Flügel, wo die Russen mit weit überlegenen Kräften vorgeswßeu sind, gestaltet sich die Lage schwierig. Aber auch dort bieten unsere Bundesgenossen den Russen erfolgreich'» Widerstund. Doch ist es klar, daß auch die aus diesem Teil der Schlachtfelder stehenden Russen nach den entscheidenden Siege der Oesterrcicher im Centrum und auf dem linken Flügel sich nicht halten können, wenn sie nicht Gefahr lauten wollen, auch von der Seite gepackt und zermalmt zu werden.

So haben die Tage des ersten und zweiten September uns die lichtigo Freude zum Sedanstage gebracht:

Ja, bis der Höllendamm geborsten,

Reißen wir all' in vereinter Macht!

Fest wie die Eichen in Teutoburgs Forsten,

Tri» die gedoppelten Adler horsten.

Drängt euch zusammen! Sturm erwacht!

Steig' aus der Nacht, o Hermannsschlacht!

Zwischen Neims u. Verdun.

Amtliches Telegramm.

(WTB.) Gro'ges Hauptquartier, 2. Scpt. Die mittlere Heeresgruppe der Franzosen (etwa 10 Armeekorps) wurden gestern zwischen Reims und Verdun von unseren Truppen zuruckgeworfen. Die Verfolgung wird heute fortgesetzt. Ein französischer Vorstoh aus Verdun wurde abgewiesen. Seine Majestät der Kaiser befand sich während des Gefechts bei der Armee des Kronprinzen und verblieb die Rächt inmitten der Truppen.

Der tücnrralqillirlimiiklittt v. Stfin.

Die Schlacht in Polen und Galizien.

Amtliches Telegramm.

WTB. Groszcs Hauptquartier, 2. Sept. Tie cinwüchiqe erbitterte Täilacht im Raun»

Zamose-Tyszowcke führte gestern zum voll- | ständigen Sieg der Armee Anffcnberg. Scharen von Gefangenen «nd bisher 100 Geschütze wurden crbentct. Tic Russen befinden fich im Rückzug über den Bug.

Auch bei der Armee Tankt, die nun Lublin bedroht, sind ununterbrochen Er­folge zu verzeichnen.

In Ostgalizien ist Lemberg noch in unse­rem Besitz. Gleichwohl ist dort die Lage gegenüber dem starken und überlegenen russischen Borstotz sehr schwierig.

etfüiifrtrftfr des Khkss bk§ AnnchM.

H ö f e r, Generalmajor.

Die Festung Givet gefallen.

Großes Hauptquartier, 2. Sept. (W. T. B.) Die Feste Givet ist am 31. August gefalle«.

Givet ist eine französische Festung, die in dem noch Belgien hineinragenden Zipfel Frankreichs die französisch.'» Grenze gegen Belgien schützen sollte. Givet ist eine modern verteidigte Festung, ihr Fall hat aber nur insofern Beden- tung, als er beweist, daß selbst starke Festungen dem deut­schen Angriff keinen Widerstand leisten können.

Der Gejun-hkilsjuKaild im dentlcheu sreere.

Amtliche Meldung.

Das Urteil des Chefs des Feldsanitätswesens über den Ge­sundheitszustand aller Teile unseres im Felde stehenden Heeres ist gut. Seuchen sind bisher nicht ausgetreten. Freilich stehen unsere Truppen zum Teil in Feindesland, das fich bis dahin keiner so guten hygienischen Aussicht erfreute wie unsere Heimat und besten Bevölkerung manche Träger und Keime an­steckender Krankheiten in sich birgt, doch waltet auch gegen diese Ucbelstände weitgehende Vorsicht im deutschen Heere. Die Pockenschutzimpfung ist streng durchgesührt und wird im Not­fall auch bei der feindlichen Bevölkerung durchgesetzt. Typhus-, Cholera- und Ruhruntersuchungsgeräte nebst den nötigen Schutz- impsungsstoffen werden mitgeführt. Sachverständige Hygie­niker befinden fich in de« Reihen unserer Militärärzte: leider wurde auch von ihnen schon einer bei vorsorgeader Brunncn- untersuchung hinterrücks von Landeseinwohnern erschosten. Im Inlands sind nennenswerte Häufungen übertragbarer Krank­heiten ebenfalls nicht zu verzeichnen. In dieser Hinsicht wer­den besonders scharf die Kriegsgefangenen überwacht. Von regelrechten Hecresgeschosten verursachte Wunden zeigen durch­weg gutes Heilungsbestreben. Das deutsche Verbandsverfah- rcn, insbesondere die Anwendung der deutschen Vcrbandspäck- chen, bewährte sich: in den vordersten Linien angelegte Ver­bände saßen »och zur Zeit des weiteren Rücktransports der Verwundeten gut. Ei» großer Teil der zurückbeförderlen Ver­wundeten ist bereits i» Genesung und drängt wieder nach der Front zurück.

Es sind bereits zahlreiche Beweise dafür gesammelt, daß die feindlichen Landcsbcwohncr und die Truppen des engli­sche» sogenannten Kulturvolles Dum-Dum-Ecschosse, d. h. Geschosse ohne Bollmantcl mit Einschnitten benutzen, deren Fetzen im Körper grausame Verletzungen reißen. Es sind Schritte getan, um dieses allen völkerrechtlichen Abmachungen hohnsprechcnde Vorgehen zur Kenntnis der gesitteten Welt zu bringen.

Der Ecnrralquarliermeister: o. Stein.

Cin deutscher Fürst.

Gotha, 1. Sept. Herzog Karl Eduard hat an den Staatsminister v. Basjewitz folgendes Telegramm gerichtet: Ich ermächtige Sie, öffentlich bekannt zu geben, daß ich die Stelle des Chefs des Regiments Secforth Highland aufgegeben habe, da ich cs nicht als deutscher Bundesfürst in Einklang bringen kann, Chef eines Regiments zu sein, dessen Land uns in schändlicher Weise überfallen hat. Karl Eduard.

Landesverräter.

Colmar, 1. Ecpt. Bekanntmachung. Der Maler Jean Jacqcs Waltz, genannt H a »j i, der Rechtsanwalt Albert Helmer und der Zahnarzt Karl Huck, alle drei »US Col­mar, welche sich bei den sranzöstschcn Truppen bcsinden, werden siir Landesverräter erllärt. Wer ihnen Aufenthalt ge­währt oder ihren Aufenthalt verheimlicht, wird nach Kriegs- gcbrauch erschollen.

Durch Iricgsgerichtlichc» Urteil vom 28. August 1914 ist der Slciuhaucr Alexander Kcusliug aus Logclbach wegen Lan­desverrats zum Tode verurteilt worden. Das Urteil ist am 2g August durch Erschieße» vollstrcckt worden. Der Ver­urteilte hatte einem sranzösischen Posten die Pfadfinder als Personen verraten, welche der Landesverteidigung Dienste leistete». Er hatte dadurch de» Posten zum Schießen auf einen Knaben veranlaßt, den dieser siir einen Psadsinder hielt. Der Knabe wurde durch zwei Schütze schwer verwundet.

Der Ortskommandant, v. Mellenthin, Oberleutnant z. D.

Straßburg, 2. Sept. Wie dieStraßburger Post' aus Basel berichtet, hat das Baseler Strafgericht am 2ii. August den Agenten Adolf Reißer aus Scunheim im Obcrelsaß, der als Mitglied »ine» französische» Spionagcburcaus fcsigetzielli wurde und cinräumle, oaß er seit Zähren zugunsten Franl- reichs Lpionagcgefchäsle betrieben und dasllr reichliche Geld Unterstützungen aus Beljort erhalten habe, auf Grund des schweizerischen Sprengstvssgcsctzes zu drei Jahre» Zuchthaus und lebenslänglicher Ausweisung aus der Schweiz vcruitcilt. Reißer bewahrte in feinem Keller seit vier Jahren eine mit Benzinsäurc gesüllte Bombe, welche zur Sprengung der Eisen bahnbrücke bei Waldshut während der Fahrt eines deutschen Militärzuges bestimmt war.

Straßburg, 2. Scpt. DerElsüsicr" verüssentticht in Fettdruck solgciidc bischösliche Erklärung:Der frühere Reda! te»r E. Wetterte, der immer erklärt hat, daß er aus dem Bo de» der deutschen Bersasiung stehe, als deutscher Bürger seine Pslichten loyal erfülle und der den Eid als Reichstags- und Landtagsabgcordncter geleistet hat, soll, nach einem Berichie derKöln. Bolkszeitung" in der Nummer desEcho de Paris" einen von ihm Unterzeichneten Artikel verüsfcntlicht haben, der mit seinen früheren Erklärüngen und Eiden in ofscnbarem Widerspruch steht. Sobald wir die Tatsache authentisch scstge- stellt haben, werden wir uns veranlaßt sehen, gegen Wetter!« mit kanonischen Strafe» vorzugchcn.

Straßburg, den l. Sept. 1914.

Adolf, Bischof von Straßburg."

Das 12 Zeutinieter-Geschiitz.

Ueber die Wirkung unserer 42 Ztm.-Mörser bei Lüitich schreibt , ein Unterosfizier in einem von der Breslauer Morgcn- zeitung veröfsentlichlen Feldpostbrief:

Montag früh 7 Uhr siel der erste Schuß. Die Wirkung an den umliegende» Häusern war riesig. Sämtliche Fenster platz­ten, und an manchen Häusern siel die Zimmerdecke ein: ein

derartiger Luftdruck entsteht durch das Abfeuern. Den Flug des Geschosses konnten wir von Anfang bis zu Ende verfolgen, da die Dinger die Luft mit einem ohrenbetäubenden Geräusch durchschnciden. Im ganzen gab unserc Artillerie fünf Schuß ab, die drei ersten oienten zum Einschießen, die beiden anderen waren Treffer, für jedes Fort einer. Diese aber genügten: schon hißten die Belgier die weiße Fahne. Nachmittags gin­gen wir in cin ve» andere» Geschützen beschosicnes Fort Lau- ci», um cs zu besichtigen. Hier hatte ein Geschoß eine vic« Meter starke Betondecke durchschlagen, war in die Pulverkam» mer gefallen und dort explodiert. Das ganze Fort flog in die Luft, und die B Atzung, 880 Mann, wurde bis aus sechs Ver­wundete gclöt.l. ras Fort bot einen entsetzlichen Anblick. Kein Stein staub aus dem anderen, und überall lagen bis zur Ilnlcnntlichlcit verbrannte belgische Soldaten herum. Schwere, viele hundert Zentner wiegende Gcschütztllrmc waren gleich durchschlagen oder umgcworscn."

Die Lrlaluiiia des .Wirr Wilhelms des (Groftrn mellet.

Berlin, 2. Sept. (25?. B. Amtlich.) Nach einer tele­graphischen Meldung des Kommandanten des nach dem Gc- sccht bei Rio bei Cro versenkten HilfskreuzersKaiser Wil­helm der Große" ist wahrscheinlich die gesamte Besatzung gerettet worden.

Damals wie heute!

DerFranks. Ztg." wird geschrieben: Die Seekriege der

Engländer hatten immer einen starken Beigeschmack von Pi- ratentum, »nd neben dem Ziel, die Feinde zur See zu vernich­ten, ging immer das unverlcnnbarc Bestreben, recht viele und reiche Beute zu machen. Obwohl die Briten stets behaupteten, die Vesten !m Seetricge zu sein, cs vielleicht auch waren, so versäumten sie doch selten, sich eine Ueberlegenheit zu sichern, indem sie sehr oft seefahrende Nationen mitten im Frieden und ohne Kriegserklärung überfiele». Ein solcher Ueberfall traf die französische Handels- und Kriegsflotte im Jahre 1755, in deni 300 Handclssckisfe und zwei Krieasiahrceuae mitten