Ausgabe 
29.8.1914
 
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Seite 3.

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Absicht besteht nirgends. Ebenso sind dte Zentralbehörden im Reich und in Prtußen, ebenso die meisten anderen Bundesstaa,' ten der Ansfassung, daß im allgemeinen Kriegsgefangene nicht eher zu Arbeiten verwendet werden sollen, solange für die frag­liche Beschäftigung einheimische Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.ft.

KtintUebttMrilngvoll ffidjni gefüllklikrünegtr.

Berlin, 20. August. Es lausen bei der Heeresverwal­tung von Zeit zu Zeit Anträge auf Erlaubnis zur Uebersührung. von Leichen gefallener Krieger in di« Heimat. Die Erlaubnis kann leider zur Zeit nicht erteilt werden. Es liegt in der Na­tur des Kriegrverhältnisses, daß dic.Babnen in der jetzigen Zeit gerade im Operationsgebiet durch Verwundeten-, Gefan­genen- usw.,Transporte in Anspruch genommen sind. Die An­gehörigen gefallener Krieger weiden in patriotischem Empsin- den die Maßnahme verstehen , ^ -

Der Kaiser und die Ostpreußen.

Berlin, 27. August. Vom Kaiser und König ist dem Ctaatsministerium nachstehende» Telegramm zugegangen:

,i Großes Hauptquartier, 27. August.

J Die Heimsuchung meiner treuen Provinz Ostpreußen durch das Eindringen feindlicher Truppen erfüllt mich mit herz­licher Teilnahme. Ich kenne den in noch schwerer Zeit bewähr­ten unerschütterlichen Mut meiner Ostpreußen zu genau, um nicht zu wissen, daß sie stets bereit sind, auf dem Altäre des Vaterlandes Gut und Blut zu opfern und die Schrecken des Krieges auf sich zu nehmen. Das Vertrauen zu der unwider- istehlichcn Macht unseres heldenmütigen Heeres und der uner­schütterliche Glaube an die Hilfe des lebendigen Gottes, der dem ^deutschen Volke in seiner gerechten Sache und Notwehr bisher so wunderbaren Beistand geleistet hat, werden niemanden in der Zuversicht auf die baldige Befreiung des Vaterlandes von den Feinden ringsum wanken lassen. Ich wünsche aber, daß alles, was zur Linderung der augenblicklichen Not in Ostpreu­ßen, sowohl der von ihrer Scholle vertriebenen, als auch der in ihrem Besitz und Gewerbe gestörten Bevölkerung geschehen kann, als einen Akt der Dankbarkeit de» Vaterlandes sogleich In Angriff genommen wird. Ich beauftrage das Staatsministe­rium, im Verein mit den Behörden der Staates, den provin­ziellen und städtischen Verbänden und den Hilssvereinen auf den verschiedenen Gebieten der Fürsorge durchgreifende Maß­nahmen zu trefscn und mir von dem Geschehenen Meldung zu machen.

- Aus den nachstehenden Bekanntmachungen geht hervor, daß die Russen Insterburg noch nicht besetzt haben dürften. In- dcsien ist der Fall, wenn auch nur vorübergehend, vorgesehen!

Die Mrn noch nicht in Werburg.

f" Der Ortskommandant von Insterburg, Generalmajor Miktelstädt, erließ in der in Insterburg erscheinenden ..Ost- deutschen Dolkszcitung" vom 22. August folgende Mitteil­ung zur Orientierung über die Grenzlage: tDie Russen sind gestern und vorgestern vorwärts Gum­binnen schwer geschlagen und können überhaupt vor acht Tagen nicht hier sein. Tie hiesigen Truppen sind auf höhe- rcn Befehl andcrslvo zu verwenden, werden aber zwei bis drei Tage mindestens in der Nähe bleiben. Es wird bald größere Einquartierung koinnien. Die Intendantur ist an­gewiesen, durch die Stadtbehörde den hiesigen Einwohnern alles an Lcbcnsinittcln zu geben, was sie hat. Einzelne di­rekt Anfordernde erhalten nichts. Falls die Stadt von preußischen Truppcn geräumt und später (was Uberlsaupt vor acht Tagen nicht möglich ist) die Russen Insterburg be-

srtzen sollten, -st», ist eidaSbest^- wen» jeder lssiikwW», * seinem 'Hause bleibt und den Russen gegenüber Gastfreund­schaft übt?' Nurdäin^ober imr'dann ist es gewährleiffsts, t«ß keine Reprrssolieir^eübk werden. Erfahrungsgemäß rauben die Russen nur die'Häuser aus, die verschlossen sind. Es wird daher ernstlich geraten, daß jeder in seinem Hause bleibe. Ich ersuche, in diesem Sinne zu wirken.

Mittelstadt, Generalmajor und Ortskommandant.'

Der Oberbürgermeister von Insterburg, Dr. Kirchaoss, erließ nachstehende Bekanntmachung:

.Auf Wunsch dcS Garnisonkommando? machen wir hier­durch bekannt, daß eine unmittelbare Gefahr fiir Insterburg nicht, vorliegt und deswegen ein Grund zur Beunruhig ,ng nicht gegeben ist. Es scheint uns im öffentlichen und im Interesse der Hauseigentümer und Ladenbesitzer zu Ii:e», daß jedenfalls diejenige», die hier Häuser oder offene Ge­schäfte. besitzen, weder die Häuser noch die Geschäfte schließen, da Häirser, welche ohne Bewachung sind, von cinziehenden Truppen gewaltsam geöffnet werden und Gefahr laufen, dcnioliert zu werden. Ueberdies ist in den nächsten Tagen wahrscheinlich sehr große Einquartierung zu erwarten, die die zuletzt angedeutcte Gefahr noch besonders erhöht."

Ans der Heimat.

* Frirdbcrg, 29. Ang. Hoch der Landsturm! Als gestern bei einer Landsturmiibung der Oberleutnant B o l p den Sieg über die Engländer bei St. Quentin bekannt gab, erklang cs aus der Reihe der Landsturmmänner im schön­sten Wetterauisch:Wcnn mer hin konime, kräjc se npch vill mich!"

'* Friedberg, 29. August. SJet lüfte. Dr. Ludwig Becker, der Sohn des hiesigen Sauitätsrats Becker ist auf dem Felde der Ehre gefallen. Schmerzerfüllt nehmen alle seine Freunde und Bekannten die Trauerbotschaft aus und erschüt­ternd wirkte sie aus seine Angehörigen. Möge Gott ihnen Trost gewähren in dem Bewußtsein, daß der Tapfere einen ehrenvol­len Tod gesunden hat, denn süß und ehrenvoll ist's. für's Va­terland zu sterben. Der Sohn des hiesigen Schutzmann» Kaiser, der Gefreite Martin Kaiser, ist schwer verwundet worden. Hasten wir, daß dem jungen Helden völlige Gene­sung werde. In den letzten Kämpfen wurden verwundet der Eins. Gefr. R euho f, hier, Louis Se« u. Zipperlein aus Rodheim v. d. H. und Landwirt See aus Köppern, Sohn des dortigen Posthalters: die Verletzungen sind leichterer Art,

Friedberg, 29. August. In der Stadt Marburg, IN welcher der Bürgermeister die Höchstpreise für Lebcnsmiftel festgesetzt hat, kostete 2 Kilo Schwarzbrot 2. Sorte 92 Psg., in Friedberg 98 Psg., 2 Kilo Schwarzbrot l. Sorte 96 Psg., in Friedberg 60 Psg., 1 Kilo Roggcnmehl 29% sg., Pin Friedberg 31 Psg. Warum inuß die Friedberger Einwohnerschaft mehr bezahlen, als diejenige der Stadt Marburg?

- Ober-Rosbach, 29. August. Die schweren Kriegszeilcn haben sich auch hier recht fühlbar gemacht, nicht nur durch da» Hinausziehen von über hundert tapferer Daterlandsoertridi- ger, sondern auch dadurch, daß der Arbeitsverdienst durch die teilweise Einstellung des Bergwerksbrtrtcbes mangelt. Und trotzdem hört man wenig Klagen, mit verschwindenden Au^ Nahmen trägt Jeder gern sein Anteil bei für di- große Sach« de, Vaterlandes. Durch die Bemühungen de» Herrn Pfar- reis Schäfer wurden zunächst über 908 Mark durch freiwillig« Gaben für das Note Kreuz gesammelt, damit die Helden, die für ihr Vaterland geblutet haben und in den Lazaretten der Wartung und Pflege zur Wiedergenesung obliegen, in keiner Beziehung Mangel leiden sollen. Auch der im Felde stehenden

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Kameraden wurde in hiesiger Gemeinde gedacht und durch bi: Sammlung de» Ortsgeistlichcn zirka 198 Mark zusamm.ug: bracht, f« daß jedem von hier zur Fahne Einberufene» ein Liebeszeichen aus der Heimat zugejandt werde» kann. Auch für dte bedürftigen Familien für die ja die staatliche tlniur stützung in keiner Weise ausreichend ist, werden wöchenttich: bestimmte freiwillige Beiträge erhoben, wobei auch die Ge meindevrrwaltung IN dankenswerter Weise ihre volle Hm.» stüßung zum Beschlüsse erhoben hat. Gestern sand der erste Auszahlungstag statt, und wurde je nach Bedürftigkeit vnd Kindcrzahl dte freiwillige Unterstützung scstgcscht und diei.-Ibe jeden Freitag ausbezahlt. Und wenn am Anfang schon ,strki 100 Mark pro Woche als das allcrnotwendigste gebraucht wer den, so wird diese Unterstützungssummc jede Woche großer werden, so daß es auch Ehrenpflicht für jeden Orlscinwohicr ist, der nicht durch Stellung von Angehörigen zum Heeresdienst jchan herangezogcn ist, sein sollte, auch seinerseits nach bestem Können sein Scherflein als Kricgssteuer beizutragen, >n> jed« unverschuldete Not von den Familien der in» Feld gezogene» Batcrlandsvettcidigcr abzuwcndcn, beziehungsweise cinzeire tcne Notstände lindern zu helfe».

Starkeuburg.

* Darin stadt, 27. August. Ein in Folge der erlittenen Ver­wundungen im hiesigen Lazarett gestorbener ftanzösischer Oskl- zicr wurde gestern Nachmittag in Begleitung eines katholischen Geistlichen auf dem hiesigen Friedhose beigcsetzt. Der -infache Lcichcnwagcn wurde von ejncm drcidoppclten ArtMericgrspann gezogen und von 8 Kanonieren begleitet. Die militärische Beisetzung an sich dürfte aber unseren Feinden zeigen, daß wir uns durch keinerlei Gehässigkeiten und Grausamkeiten von der. Weg«, den unsere Kulturausgabe uns vorschreidt, abbringo» lassen. '

Uenrste nnd Drahtnachrichten.

Grofter Sieg der Deutscher; über die Ruffen.

Berlin, den 20. August. <20. 2 . B.) Unsere Truppen in Preusteu unter Führung des Generalobersten Gilgen borg haben die von Narew vorgegangene russische Armee in Stärke von 5 Armeekorps und 3 ÄavaUeriedivifioncn in 3tägiger Sihlach» in der Gegend von Willcnberg-Ortelsburg geschlagen.

Die Russen werden jelrl übcr die Greure verfolgt.

Dn ( 5 fnfralqnörtifrmnf!fr v. Stria.

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