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Beilage zurNeuen Tageszeitung".

Samstag, den August 1914.

5: r. 199

(fi)rottilm der Kriegsgeschichte.

13. August.

Sic österreichisch.,igarisck>e» Truppe» sind »veiler noch 5'ilsjOch.Polen eingerückt. Ungesöhr 700 russische Deserteure »rurdeu cingebracht.

England erklirrt nn Oesterreich Nugarn de» Krieg. r

Aeg>>pten erklärt cm De'utscblcnid deu Krieg.

Die Engländer tznbe» den Hasen von Dar-essalc»» (Ostnsrika) beschossen.

In Worschon soll sich eine polnisci»e Notionalregierimg gebildet hoben.

14. August.

Die englische Admiralität hat den Befehl erteilt, die Feindseligkeiten gegen Oesterreich.Ungarn sofort zu begin- »e»i.

Prinz Heinrich von Bauer» hat in einen, Reiter Gefecht eine Abteilung sranzösischrr Dragoner vernichtet.

Tic deutsche Regierung erlägt an Arankreicks und Bel­gien eine Warnung »vegen völkerrechtwidriger Kriegssiihr- ung und droht mit der scklilfsten Regressation.

Beginn der Friudseligkeite,, in Serbien. Die Oester-

r.'-if/cr überschreiten die Save und die Drina, »versen in blu- ligen Kämpfe» die Serben zurück und besehen die Städte S»bah und LjeSnito.

13. August.

Der Landsturm »vird cinberusen.

Die spanische Regierung hat durch ihren Berliner Dot- schifter in, deutschen Auswärtigen Anit die Erklärung der strikten Neutralität abgegeben.

Die dänische Negierung erklärt, »nährend des Krieges bellständige Neutralität zu beobachten.

16. August.

Tcr dculschc Kaiser verlässt Berlin in der Richtung

Mainz, um sich in die Front des westlichen Kriegsschauplatzes >u begeben.

Der Großherzog von Hessen richtet bei seiner Abreise zun» Heere eine Proklamation an das hessische Volk.

Ein englischer Torpedojäger infolge Zusammenstoßes gesunken. Der Zusammenstoß erfolgte mit einem hollän- di'cheu Dampfer.

17. August.

Die deutsch^ Regierung gibt bekannt, das; sie nach der Elnnalune von Lüttich Belgien »och rinmal zur Neutralität ermahnt habe. Belgien hat abermals abgelehnt.

Deutschland erhebt noch»,als Einspruch gegen die bar bnrische .KricgSsührung Rußlands.

Tie Oesterreicher brachten in verschiedenen Gefechten den Montenegriner» Verluste bei.

Der Zar ist nach Moskau abgereist.

6bleibt neutral.

18. August.

Sieg der Dculsche» über die Russe» bei Stallupviie».

Mehr als 3000 Russen und 6 Maschinengewehre sielen in deutsche Hände. Die russische Kreisstadt Mawa ist von den Deutschen beseht worden.

Amtlich wird bekannt gegeben, das; das dentsche Unter­seeboot U. 15 in Verlust geraten ist. Es ist vernucklich von -inen» englischen Kreuzer vernichtet worden.

Zwei Bataillone Infanterie geriete» bei Schirineck in einen französischen Hinterhalt und verloren einige Feldge- schütze.

Tie belgische Regierung hat Brüssel »»erlassen.

Tic Oestccccicher lvcrsen an der Grenze eine ;eh»fach überlegene Kosakeuabteilung zurück.

Ist. August.

Sicg bei Pcrwez »Belgien) über die 3. französische Ka-

(fmn lind Zllc.

Roman von D. Feutzner.

34 sZoilsetzung).

Sollten Sie jedoch nicht niehr wiederkehren, sollten Sie aus diese»! Lande der Täuschungen in ein besseres Leben abberusen werden, so suchen Sie mit letzter Er innerungskrast »nein Bild noch in der Scheidcstunde sich zu vergegenwärtigen, und es wird Ihnen alsdann mit überzeugender Wahrheit zu in Bewusstsein konnne», wie rein und treu nieine zu spät erwachte Liebe zu Ihnen war. Stets wird mein Geist Sie uinschweben, >vo Sie auch weilen mögen »ind Jgrer will ich ge­denken.

Dein gedenk ich, wenn ani Morgen Noch ein letztes Sternlcin blinkt,

Wenn in» Abendrot verborgen Miid der Sonncnball versinkt!

Dein gedcnt' ich wenn mich inahnet Glockengruß mit ernsten» Ton - Wenn mein Heist Gebet sich bahnet Seinen Weg zu Gottes Thron!

Dieser Vers entspricht meinen» innersten Enipsinden and lagt Ihnen, wie unablässig sich incine Ecdanken ;;\t Ihnen beschädigen.

Wie aber steht es mit Ihnen selbst? Glüht in Ihrer Brust noch jene übermächtige, jjiimnelitüinienbe, .ewig" dauernde Lieb« zu mir, wie Sie sie einst emp- anden, oder haben Sie Ihre Eesühle für mich als inen Irrtum, als eine»» klücktiaen Iucendtraum er

valleriebrigade, die unter schweren Verlusten znrückgetvorjen wurde. 2 Geschütze und 2 Maschinengeivehre sielen in unsere Hände.

Sieg bei Weiler (Elsaß). Bayerische und badische Trup­pen werfen die 55. französische Brigade in die Vogesen zu­rück und brachten ihr Ichtvere Verluste bei.

Sieg bri Tirlrinunt über die Belgier. 5000 Gefangene, l Fahne, eine schwere und eine Feld-Batterie wurde crbeniet.

Japan hat an Deutschland das Ultimatum gerichtet, die Getvässer Chinas zu räumen und Kiantscho» den Japa­ner» auszulicfern.

Die Oesterreicher haben auch bei Progar die Perl über­schritten und die Stadt Obrcnotvatsch besetzt.

Der Kaiikasns befindet sich im Zustand der Re»>olntion gegen Rußland.

Der dentsche KreuzerStraßburg" hat an der engli cben Küste ein englisches Unterseeboot zerstört. Dabei wurde festgestellt, das, das De»,tsck»c Meer frei »>on Feinden ist.

2«. August.

Dir Deutschen sind in Brüssrl ringe,ugrn und habe» die belgische Hauptstadt beseht.

Deutschlands Friedensliebe.

Berlin. 20. Aug. Die ..Norddeutsche Allgemeine Zei­tung" übergibt der Oessentlichteit Aktenstücke, die sich aus den politischen Meinungsaustausch zwischen Deutschland und Eng­land unmittelbar vor dem Ausbruch des Krieges beziehen. Es ergibt sich aus diesen Mitteilungen, daß Deutschland bereit war, Frankreich zn schonen, falls England neutral bliebe und die Neutralität Frankreichs gewährleiste.

Telegramm de« Prinzen Heinrich an den König von Eng­land. 30. Juli 1914.

.....Außerdem erhalten wir Nachrichten, daß Frank­

reich militärische Vorbereitungen trisst, während wir keinerlei Maßnahmen verfügt haben, wozu wir indessen jeden Augen­blick gezwungen sein können, wenn unsere Nachbarn damit sort- sahren. Das würde dann einen europäischen Krieg bedeuten. Wenn Du wirklich und ausrichtig wünschest, dieses furchtbare Unglück zu verhindern, darf ich Dir dann Vorschlägen, Deinen Einflus; aus Frankreich und auch auf Rußland dahin auszu­üben, daß sie neutral bleiben? Das würde meiner Ansicht nach von größtem Nutzen sein. Ich halte dies für eine sichere und vielleicht die einzige Möglichkeit, den Frieden zu wahren. Ich möchte hinzusügen. daß jetzt mehr denn je Deutschland und England sich gegenseitig unterstützen sollten, um ein furchtbares Unheil zu verhindern, das sonst unabwendbar wäre. Glaube mir. daß Wilhelm in seine» Bestrebungen um die Aufrechter- chaltung des Friedens von größter Aufrichtigkeit ist, aber die militärischen Vorbereitungen seiner beiden Nachbarn können ihn schließlich zwingen, für die Sicherheit seines eigenen Lan­des. das sonst wehrlos bleiben wurde, ihrem Beispiele zu fol­gen. Heinrich"

Telegramm de» Königs von England an den Prinzen Heinrich von Preußen, 30. Juli 1914:

Dank für Dein Telegramm. Sehr rrfreut van Wilhelms Bemühungen zu hören, mit Nikolaus sich für die Eihaltung des Friedens zu einigen. Ich habe den ernsten Wunsch, daß ein solches Unglück wie ein europäischer Krieg, das gar nicht wieder gut zu machen ist, verhindert werden möge. Meine Re­gierung tut ihr Möglichstes, um Rußland und Frankreich nahe­zulege», weitere militärische Vorbereitungen auszujchieben, falls Oesterreich sich mit der Besetzung von Belgrad und benach­barten serbischen Gebietes als Psand sür eine befriedigende Regelung seiner Forderungen zusiiede» gibt, während gleich­zeitig die anderen Länder ihre Kriegsvorbereitungen einstellen. Ich vertraue darauf, daß Wilhelm seinen großen Einfluß an­wendet, um Oesterreich zur Annahme dieses Vorschlages zu be­wegen. Dadurch würde er beweise», daß Deutschland und

kannt? Dar» ich das erstere freudig hoffen, oder hat berechtigter Mannesstolz die Liebe Zu mir getötet? Weiden alle diese Fragen und Zweifel eine Beant­wortung finden, oder wird vielleicht völliges Schweigen Ihrerseits die zwar deutliche, mich aber niederschmetternde Erwiderung sein? Vielleicht habe ich es verdient, und dennoch jühle ich mich schuldlvs, denn hätte ich Ihnen heucheln sollen, was ich doch damals nicht empfand?! Das Bewußtsein, stets wahr Ihnen gegenüber ge­wesen zu sein, ist mir jetzt ein, wenn auch nur schwacher Trost in dem Unglück, das ich meinem vielleicht allzu stark ausgeprägten Sslbstbewußtsein zu verdanken habe.

Sollte ich diese Zeilen in der falschen Voraus­setzung geschrieben haben, daß Ihre Eesühle sür mich unverändert geblieben sind, nun denn, so will ich inich still bescheiden und meine süßesten Hoffnungen zu Grabe tragen; will schweigend mein tiefes Weh in meiner Brust verschließen. Ein echter Menschenkenner war es wohl, wie ich jetzt an mir selbst erfahre, der dar Wort einst niederschrieb:

Das tiefste Leid, der größte Schmerz auf Elden Muß ausgeweint und ausgeschwiegen werden.

Wohl mag es ungewöhnlich fein, daß ein junges Mädchen jo sein innerstes Denken und Empfinden niederfchreibk, 2 i e aber werden, davon bin ich über- > zeugt, an meine Handlungsweise nicht den Maßstab der großen Menge legen, Sie wissen, daß mein Denken und Fühlen meinen Jahren weit vorausgeeilt ist, daß ich, trotz meiner achtzehn Jahre: eine ernst«, gereister« Lebensanschauung besitze

7. Jalsrgung

England Zusammenarbeiten, um zu verhindern, was eine in­ternationale Katastrophe sein würde. Bitte versichere Wilhelm, daß ich alles tue und auch weiter alles tun werde, war in mei­ner Macht liegt, um den europäischen Friede» zu erhalten.

Stör g."

Telegramm S. SM. de« Kaisers an den König von England am 3t. Juli 1914:

Vielen Dank für Deine feeuichliche Mitteilung. Dein« Vorschläge decken sich mit meinen Ideen und mit der, Mittei­lungen, dle ich heute nacht von Wien erhielt und die ich nach London weitergegeben habe Ich habe gerade vom Kanzler die Mitteilung erhalten, daß lhm soeben dle Nachricht zugegangen ist. daß Nikolaus heute nacht die Mobilisierung seiner gesam­ten Armee und Flotte angeordnet hat. Er bat nicht einmal die Ergebniste der Vermittlung abgeivartct. an der ich arbeite, nud mich ganz ohne Nachricht gelösten. Ich fahre nach Berlin, um die Sicherheit meiner östlichen Grenzen, wo schon starte rus st,che Truppen Ausstellung genommen haben, sich-rzustellen.

W i l h e l m."

Telegramm de, König» von England an den Kaiser am I. August 1914:

Bielen Dank für Dein Telegramm von gestern nacht. Ich habe ei» dringendes Telegramm an Nikolaus geschickt, in dem ich ihm meine Bereitwilligkeit ausgesprochen habe, alles zu tun, was in meiner Macht steht, um di« Wicderausnahme der Verhandlungen zwischen den beteiligten Mächten zu söldern.

G e o r g."

Telegramm des Kaiserliche« Botschafter, in London vom 1. August 1914:

Soeben hat mich Sir Edward Grey an, Telephon gern sen und mich gefragt, ob ich glaubte, erklären zu können, daß sür den Fall, daß Frankreich neutral bliebe in einem deutsch russischen Kriege, wir die Franzosen nicht angrissen. Ich er­klärte ihm, ich glaubte die Verantwortung hierfür übernehmen zn können. L I ch n o w r k q."

Telegramm de» Kaisers an drn König von England am 1. August 1914:

Ich habe soeben die Mitteilung Deiner Regierung erhal­ten, durch die sie die französische Neutralität unter der Garan tie Großbritannien, anbietet. Diesem Anerbieten war die Frage angeschloffen, ob unter diesen Bedingungen Deutschland darauf verzichten würde, Frankreich anzugreisen. Aus techni schen Gründen muß mein« schon heute nachmittag »ach zwei Fronten, nach Osten und Westen, angeordnete Mobilmachung vorbereitungsgemäß vor sich gehen. Ecgenbesehl kan» nicht mehr gegeben werden, weil Dein Telegramm leider zu spät kam. Aber wenn mir Frankreich seine Neutralität anbietet, die durch die englisch« Armee und Flotte garantiert werden muß, werde ich natürlich von einem Angriff aus Frankreich ab sehen und meine Truppen anderweitig verwenden. Ich hasse, Frankreich wird nicht nervös werden. Die Truppen an meiner Grenze werden gerade telegraphisch und telephonisch abgehal- te», di« französische Grenz« zu überschreiten. W > l h e l m."

Telegramm de, Reichskanzltrs an den kaiserlichen Bot­schafter in London vom 1. August:

Deutschland ist bereit, auf den englischen Borschlag rinzu­gehen, soll, sich England mit seiner Streitmacht für dle unbe­dingte Neutralität Frankreich, im deutsch russischen Konflikt verbürgt. Die deutsche Mobilmachung ist heute aus Grund der russische» Herausforderung erfolgt, bevor die englische» Vor­schläge hier cintrafen: infolgedessen ist unser Ausmarsch an der französischen Grenz« nicht mehr zu ändern. Wir verbürgen uns aber dafür, daß die französische Grenze bi, Montag, 3. Aug. abends 7 Uhr, durch unser« Truppen nicht überschritten wird, fall, bis dahin die Zusage Englands erfolgt ist.

v. B e t h m a » n - H o l l w e g " '

Telegramm des Königs von England an den Kaiser vom 1. August 191 4 :

In der Beantwortung Deines Telegramms, das soeben cingegangen ist. glaube ich. daß ein Mißverständnis bezüglich

Doch nun muß ich Ihnen Lebewohl sagen! Möchten Sie sich vergegenwärtigen, daß ich mit quälender Un­gewißheit Ihrer Entscheidung entgegensehe!

Herzliche Grüße sendet Ihnen ins ferne Land

Ihre

Erna Lange.

Lange starrte Roderich auf den Brief in seinen Händen, den Eindruck, den derselbe aus ihn machte, war ein gewaltiger. Jetzt erst fühlte er die ganze Größe seines Opfers, die Schwere feiner Pflicht Ilse gegenüber. Mit welch berauschendem Glücksgesühl würde er noch vor kurzem diese Zeilen begrüßt haben und heute weckten sie nur das Gefühl bitterster Hoff nungslosigkeit, sie kamen zu spät! In diesem Augenblick erschien ihm die an sich so edle Tat, zu der ihn Mitleid und Liebe verleitet hatten, wie eine unverzeihliche Uebereilung. Aus der einen Seite stand die glühende Liebe eines unberührten Männerherzens. auf der andeien die Pflicht des Ehrenmannes. Ein schwerer Kampf war es, den er hier zu bestehen hatte: zwischen der moralischen Kraft und der säst über­mächtigen, gewaltigen Neigung seines Herzens.

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^Fortsetzung folgt)