Nummer 195
Freitag, den Li. August 1914
7. Jahrgang
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Brussel von den Deutschen besetzt!
Ein neuer deutscher Sieg. — Ein englisches Unterseeboot gesunken. — Japans Absichten. —
Stimmen aus England.
Ac Min in Briijstl finiKiop!
Amtlich. Die deutschen Truppen sind gestern in Brüssel eingerückt.
Wieder ein deutscher Sieg iu Belgien.
Unsere Truppen eroberten bei Tirlemont eine Fcldbattcri«, eine schwere Batterie i»nd eine Fahne nnd machten 500 Gefangene. Unsere Kavallerie nahm dem Feinde bei P e r w e z zwei Geschütze und zwei Maschinengclvchre.
Vorstötze der deutschen Flotte.
Berlin, 20. Aug. (Amtlich.) Die bcidrn klcinen Krru- zrr „Liraßburg" »ud „Stralsund" l,abc» in de» letzten Ta. gcn einen Vorstoß nach der südliche» Iiordsee auSgeführk. Hiebei sichtete die "ltrasiburg" untre der cnglischrn Küste zwei frindliche Ilntrrseebootc, von drnen sic incc aus größere Entfernung mit wringen Schüsicn zum Sinken brachte. „Stralsund" kam in ein Feurrgefccht mit mehre, rcn TvrpcdobvotSzerstörrrii auf größere Entfernungen. 2 Zerstörer erlitten Beschädigungen. Bei dieser Gelegenheit kannte ebenso wie bei einer Erkundigungösahrt eines Lust- schisse» bis znm Skagerak erneut srstgestellt werden, das, die d c u t s ch e K ii st e n » d i h r e G e w ä s s e r frei von Feinde» sind und die neutrale Schissahrt unbehindert pussicrcn kann.
Mit dieser abermalige» kühnen Tat unserer Flotte steht im Einklang, nxiv Graf Reventlow in der „Deutschen TagrS- jeitiuui" schreibt:
Die Zurückhaltung bedeutet, daß England Bedenken tiägt, seine Flotte gegen die unsere einzusetzen, solange such das irgendwie vermeiden laßt. Wir machen auf diese Tatsache besonders auch die neutralen Machte aufmerksam und unter ihnen nicht zum wenigsten die Türkei nnd Italien. Tie angeblich meerbcherrschcnde Flotte der grössten macht der Welt, welche nach der vielbesprochenen Rede iincs früheren hohen Bcaintcn der britischen Admiralität eher an den deutschen Küsten sein wollte als die Nachricht vom Beginne der Feindseligkeiten in den deutschen Zeitungen - diese Flotte liegt >ctzt seil länger als vierzehn Tagen nach dem erklärten Beginne der Feindseligkeiten so fern oon unseren Küsten, Last weder Kreuzer noch deutsche Luftfahrzeuge sic uusznsinden vermögen nnd dast heute im Wiederholungsfälle amtlich fcstgcstellt wird: „Tic deutsche Küste und ihre Gewässer sind frei vo» Fciudeii." Das ist eine militärische Tatsache »ud daneben eine weltpolitische, die unserer Ansicht nach die größte Beachtung verdient. In Italien, wo »Hein- bar noch immer die historische aberglandische Furcht jo~ • er — wie Rndini einmal sagte — „ilcbergcwalt" Großbritanniens herrscht, sollte man sich diese Lage in der Nordsee deck) einmal recht gründlich überlegen und die entsprich-:>d.'n Schinne daraus ziehenI"
(fntlii)loll'fiif Stimmung in fuautlitioii.
Berlin, 20. Aua. (Amtlich.) Telegramm ans lieut. schon: In Bestätigung der Mitteilung des japanischen Ulli matiunZ cinstchc für Pflichterfüllung bis aus.- Aentzrrskr.
Gouverneur.
von brr öffrrrriffiiliijru lilurkf.
Kic«, 20. Aug. Bon ouslandi'chea Blättern ;:braä !e Nachrichten von dem Untergang d. Lchtachilckmics „Zriinp." und drei kleineren Schiffen sind vollkommen ans der Li st gegriffen. Es kann sich höchstens um einen kleine» Kreuzer handeln, der von überlegenen Streitkräften angegriffen »od abgedrängt wurde und von dem man seither eine weitere Nachricht nicht hat.
Eine rillßllhe Sdiluppf.
Tilsit, 20. Aug. Tie „Tilsiter Zeitung" vom lk>. t>°-. Mts. meidet, mit amtlicher Genehmigung: Heute nacht war eine starke russische Kavallrriepatrouillc in preußisches Gebiet nördlich von Augsgirrcn, Kreis Ranit, cingcdruugen. Unsere Truppen trieben den Feind in die Flucht. Aus russi- scher Seite wurden 8 Mann erschossen, der Rest geriet in einen Sumpf jenseits der Grenze.
Vas cnglilch-japnnilllie Urbrrrinkonimrn.
Rotterdam. 20. Aug. Der „Nicuwe Rottcrdaiufche Courant" veröffentlicht als amtliche englische Mitteilung folgendes:
Die englische und japanische Regierung sind - über die notwendigen Maßregeln zum Schutz ihrer Interessen . ün fernen Osten sowie auch betreffs der Integrität des chinesischen Reiches übereingelommcn. Japans Tätigkeit soll sich nicht über das Chinesische Meer hinaus erstrecken, außer wenn der Schutz der japanischen Schiffahrt dies erfordert: auch nicht aus die asiatischen Gewässer westlich des Chinesischen Meeres und zu Lande auf kein anderes als das von Deutschland besetzte Gebiet in O st a s i e n.
Stimmen tu dem iatianiidjnt Vorgehen.
Die Meldung oon dem Ultimatum Japans an Deutschland wird in Oesterreich in Ruhe ausgenommen. Die gesamte Presie drückt die Anschauung aus, daß Japans Auftreten im fernen Osten im allgemeinen an der Kriegslage weiter nichts ändere. Was jetzt mit den deutschen Kolonien und Schutzgebieten geschehe, habe nur den Charakter von Episoden und sei für den Ausgang des großen Krieges ohne Bedeutung. Die Entscheidung über die gesamte Weltlage und die Zukunft falle aus den Schlachtfelder» des europäischen Festlandes.
Die „Deutsche Tageszeitung" warnt mit Recht vor allzugroßen Hoffnungen aus Amerika. Das Blatt sagt: Unserer
Ueberzeugung nach wäre es unweisc und deshalb unangebracht, wollte man in Deutschland irgendwelche Hostnungen hegen, daß die amerikanischen Staaten den jaanischen Raubzug zu verhindern versuchen oder zum Anlaß eines Konfliktes mit Japan nähmen. Die Bereinigten Staaten, also die Herren Wilson und Bryan, werden das tun, was sie als den Jntcresicn der Bereinigten Staaten entsprechend ansehen. Davon abgesehen für Deutschland etwas zu tun, wird den Bereinigten Staaten nicht einsallen. Wie die Bereinigten Staaten nun die Jnteresiensragc ansehen, läßt sich nicht sagen und wir halten Mutmaßungen darüber anzustellen für müßig, oon einem gcwisien Grade an auch nicht für würdig. Immerhin wäre aber unwahrscheinlich, wenn Großbritannien und Japan, bevor sie ihre Vereinbarung für die Wahrung ihrer Eonder- inicrcsscn schlosicn, sich nicht zum mindesten aus dem Wege der Scndicrung mit den Vereinigten Staaten in Verbindung gesetzt hätten. Wir wissen nicht, ob das geschehen ist, wisicn nicht, wie die Vercinigken Staaten sich zu der Sache stellen, halten aber alles in allem vcrläusig für selbstverständlich, daß wir Deutsche uns wie schon so oft mit dem Standpunkt absinden, lediglich auf uns selbst angewiesen zu sein. Das können und wollen wir.
Die schwedische Zeitung „Dagcns Ryhetcr" schreibt zu dem Verlangen Japans: Dieses Ultimaium ist das schamloseste, das die Weltgeschichte gesehen hat Sein unvcrhülltcr Zynismus ist etwas Unerhörtes. Es erinnert an den Schakal nud den Aasgeier. Wir gAtattcn uns die Frage, so meint das Blatt, ob Großbritannien aus einen solchen Bundesbruder stolz sein kann.
Engländer gegen den Krieg.
Berlin, IS. August. Daß auch jetzt nach dem Kriegsaus- bruch die Politik der Regierung noch in England scharfe Eeg- n.rschast findet, beweist die Bildung eines Nrutralitätskomi- tccs, besten Zweck, wie der „Lotalanzeiger" meldet, cs ist, für die Bertürzung der Teilnahme Englands an dem Kriege zu w:rken. Zu den leitenden Persönlichkeiten dieses Komitees gc- h.reu der Lordmayor von Manchester, die Bischcse von Lincoln u d Hercfocd und viele Politiker und Gelehrte hohen Rufes. Dufts Komitee hat einen Ausruf veröffentlicht, worin darauf hingewicsen wird, daß ein Sieg der Koalition übe: Deutschland uno Oesterreich Rußland zum Herrn sowohl in Europa, als auch in Asien machen würde. Rußland sei nur ein halbzivilisiertes Land, das von einer militärischen Autotraiie regiert werde, und den Ideen des Abendlandes von polilischcr und religiöser Freiheit feindlich gegenübcrslche. Druischland dagegen sei ein hoch lultiviertcs Land, das in hohem Grads zur Entwicklung Europas beigetragsn habe. Keine britischen Jntcrcsten zwän- 1 gcn England, gegen Deutschland cinzuqreifcn.
ssin Ultimi?. Urteil iibrr dit niglilchc Amrr.
In einer etwa vier Wochen alten Nummer des in San Francisco erscheinenden „Ezaminer" finden wir einen "iriikel von S. McManus, einem bekannten amerikanischen Schrist steller, der mit der englischen Armee scharf ins Gericht geh«. Der englische Soldat, sagt Herr McMauus, einst der beste Kämpfer Europas, ist heute der schlechteste. Der Burcnkricg hat gezeigt, daß er physisch und moralisch die Eigenschaften, du ihn bei Waterloo auszeichnetcn, verloren hat. Dieses Urteil bezieht sich auf den Gemeinen, nicht aus den Ossizier, der im. mer noch so kühn, furchtlos und — stupide sei wie früher. Der amerikanische Beobachter meint, daß in der britischen Armee seit etwa drei Jahrzehnten die rapide Verschlechterung ganz sichtbar geworden sei. Im eigentlichen Englnnd sei an die Stelle des gesunden, stämmigen Bauernjungen, der einst ins Glied kam, der Abhub des städtischen Fabrikarbeiters getreten. Männer, die diese Leute während des Burcnkricgcs sahen, schil. dein, wie sich große Truppcnkörpcr beim geringsten Anlaß llei. neu Abteilungen bärtiger Buren ergaben, wie Offiziere wein- irische Element der Armee ist seit zwanzig Jahren mehr und mehr aus den Reihen geschwunden, weil die politische Agitation in Irland die jungen Leute gegen England beeinflußt hat So ist der Schotte jetzt als kräftigster Bestandteil der „engl,, scheu Armee übrig geblieben: und alles, was in dieser etwa taugt ist schottisch.
Rnsgands Schwäche.
Budapest, 20. Aug. Der ehemalige Ministerpräsident Khucn-Hedervary machte gegenüber einem Berichterstatter des „Est" bemerkenswerte Aeußerungen über den Krieg. Schon der bisherige Berlauf, tagte Khuen, habe ein- auffallende Schwäche Rußlands verraten, die mit den Ansprüchen, eine Weltmonar- chie zu begründen, in ausfallendem Widerspruch steht. Schlagworte wie „Panslawismus" werden von Petersburg geschickt ausgenützt, um sich dar Protektorat über alle slawischen Bol- kcrschaftcn anzumaßen. Uebcrall treten Einmischungsgelüste hervor in Form von Interventionen. Der Panslawismus ist ein bequemer Vorwand für die unersättliche Machtgier, er ist jedoch keine Basis für eine Realpolitik. — Mit demselben Recht könnte der deutsche Kaiser, als Protektor aller germanischen Stämme, die Schutzherrschast über Holland, Schweden, sogar Uber England beanspruchen, da diese Nationen ebenso gcrma- nilcher Abstammung sind wie die Serben und Bulgaren slawischer. — Khuen machte weiter aus die innere Gärung nus- merksam. die schon bei der Mobilisierung hervorgetretcn sei Die Bewegung der Polen und Ukrainer sei um so bedenklicher, als cs sich um auch numerisch sehr bedeutende Rationaliiätcn handle, deren Losreißungsgelüste durch eine bedeutende materielle Kraft unterstützt werden. — Ueber die voraussichtliche Dauer des Krieges sagte Khuen, daß man vor unübersehbaren Komplikationen stehe, da im Falle von einigen Mißerfolgen auf dem Schlachtfeld« verschiedene alte Ansprüche gegen Rußland auslebcn würden, man brauche nur a» Bcsiarabien zu denken.
Vom Rentralstaat zur Bestie.
Berlin, 18. August. Der Stellvcrlrctcr des Reichskanzlers, Staatssekretär Dr. Delbrück, erläßt folgende» Ausruf:
Durch die deutsche Presse gehen zahlreiche Nachrichten über Ecwaltiatigleitcn, denen unsere Landsleute an Leben, Leib und Gut, in den ersten Tagen des August dieses Jahres in Belgien ausgcsetzt gewesen sind. Das öffentliche Interests erfordert, daß amtlich festgestellt werde, inwieweit diese Nachrichten aus Wahrheit beruhen. Es ergeht daher hiermit an alle diejenigen, welche aus eigener Wahrnehmung Mißhandlungen oder Grausamkeiten der belgischen Bevölkerung und Behörden gegen deutsche Rcichsangchürige oder Angriffe auf ihr Eigentum bezeugen können, die Aufforderung, ihre Wahrnehmungen bet der Polizeibehörde ihres Aufenthaltsortes zu Protokoll zu geben. Dis Landesregierungen sind ersucht worden, die Ortsbehörden mit der Entgegennahme der Bekundungen zu beauftragen, und die Protokolle an das Reichsamt des Innern gelangen zu lassen. Bo» der patriotischen Gesinnung und Wahrheitsliebe des deutschen Volkes wird erwartet, daß alle diejenigen, aber auch nur diejenigen, die wesentliche Mitteilungen aus eigener Wahr- nchmung z» machen haben oder zuverlästigc briefliche Rachrich- tcn erhallen haben, dieser Aussordcrung bereitwilligst Folge leisten.
(Hur Parnnng an bir fnifmburgm
Trier, 20. Aug. Ter Bischof von Luxemburg sowie d-r «iaatSininister Ecschcn richten Aufrufe an die Luxemburger Geistlichkeit und Bchürden, in denen die Luxemburger vor Meuchelmcrden a» dcutichrn Soldaten ocwarnt werde».


