Vir. 182
Erna und Ilse.
Roman von D. Feußner.
21 (Fortsetzung).
Von jetzt ab war der junge Mann täglich einmal im Krankenzimmer zu finden, denn er verstand es, dem >m Bett Liegenden aus angenehmste Weise die Zeit zu verkürzen.
Schlief derselbe, so ging Roderich mit den Damen auch einmal in den Garten, um in einer der vielen Lauben ein halbes Stündchen zu verplaudern
Berührte die Unterhaltung einen Gegenstand,-über^ den man sich verschiedentlich ausspricht, so war Roderich sehr selten der Meinung, wie die Damen, denn auch dem schönen Eeschlechte gegenüber hielt er fest an seiner eigenen Ueberzeugung und trug aus keinerlei Weise dazu bei, arrogante Damen in dieser Eigenschaft zu stärken. Fragte z. V. Ilse am Schlüsse ihrer Meinungsäußerung: „Meinen Sie nicht auch so, Herr Tictze?" So sagte er meistens: „Es tut mir leid, rüderer Meinung zu sein, denn ich denke anders über riesen Punkt." Wenn er dann anfing, seine Ansicht !» entsalten, so währte es nicht lange, bis sie sich derselben anschloß, denn es war doch ein Unterschied zwischen ihr und der Erna. Diese war überhaupt nicht zu überzeugen, und jene wartete nur, bis er sie mit starker Hand dem Strome der allgemeinen Weltan- chauungen entriß und in ein anderes Fahrwasser leitete.
Am liebsten jedoch hörten sie feinem herrlichen Spiele and Gesang zu und bald perlten Tränen in den Augen Ilsens, wenn Roderich ein weiches Lied sang, tvelcheS ihn an seine Liebe erinnerte. Sie fühlten ja nicht, daß es gleichsam der Wcheschre: eines entsagenden Herzens war.
Bewundernd schaute sie dann zu dem Sänger hinüber inid wäre vielleicht glücklich gewesen, wenn derselbe nur einmal ein Lächeln für sie gehabt hätte.
Die Stunden, welche er in ihrem Hause zubrachte, beuchten ihr wie Minuten und die, welche zwischen dem
Neue Lageszettung. Donnerstag, den v. August 1814,
Scheiden und nächsten Besuch lagen, lagelang.
Ihre ganze Sympathie hatte sie ihm schon zugewandt, als er ihr das Leben rettete und zwar mit Recht, denn seinem Lebensretter ist man Verehrung und Hochachtung -schuldig. . '
Und was machte Roderich? — Er schien dies alles nicht zu merken, denn der eine große Gedanke seines Herzens war noch imnwr „Erna"I . \ j. '
-Trotzdem er jetzt Bescheid hatte, war er doch Noch nicht imstande gewesen, ihr Bild — als er unter jener Rotbuche ^gelegen — zu verbannen. Immer wieder tauchte dasselbe vor seinem Geiste auf, und heißer' wallte sein Blut zuin Kerzen, wenn er sich die Worte zuries: „Aus immer für dich verloren!"
,vergessen, vergessen!" Warum sich immer wieder an einen Hofnungsankcr anklammern, welcher sich bei 'näherer Besichtigung als strohhalmsschwach erweist? Warlsin sich nicht endlich in das Unabänderliche fügen, und sagen: „Ich will ein Mann sein, welcher »nangekränkelt von weichlicher Sentimentalität entsagt und — vergißt —
Vergißt? Nein! Nein! Roderich wollte wohl Überwinden, entsagen, aber nicht vergessen. Er wollte das brennende Weh mit sich durch sein ganzes Leben tragen, sein Herz sollte nicht heilen, sondern ihn durch seinen Schmerz stets an sein verlorenes Glück erinnern.
So schwand ein Tag nach dem andern dahin. Da? Bein des Rittergutsbesitzers gesundete mehr und niehr, abcr das Herz fing an zu kränkeln, verursacht durch das Leid der — geheimen Liebe.
Doch gab Ilse von ihren heiligsten Empfindungen nichts preis und wußte auch ihre nächste Umgebung zu täuschen.
„Füllt dir nichts auf an Herr» Tietze," fragte sie eine? Abends, als Roderich gegangen war, Marie.
„Du meinst sein manchmal plötzliches Stillwerden." sagte diese leise.
„Ja. ihn muß etwas sehr bedrücken!"
„Vielleicht hat er Liebeskummer," scherzte Marie.
Seite 4
„Daran habe ich auch schon gedacht, aber dann meine ich auch wieder, es könnte nicht gut möglich sein, denn er ist doch hübsch und besitzt eine Menge Vorzüge vor vielen anderen jungen Männern, welche den meisten Mädchen ge- fallen."
„Vielleicht hat er sich mit seiner Wahl doch verstiegen."
„Wenn das wahr wäre, möchte ich die Dame sehen, der sein ganzes Sein,und Wesen zu gehören scheint."
„In dieses Geheimnis werden unberufene Augen wohl nicht sehen dürfen, und durch Zufall kannst du nicht viel erfahren, denn es ist gewiß, daß der Gegenstand seiner.Liebe sich auf keinen Fall hier befindet, sondern ganz wo anders," argumentierte die klnge Marie.
^ „Wahrscheinlich in Berlin, denn von da ist hierher gekommen." i \
„Wohl möglich. Uebrigens mache ich mir keine kepi- zerbpecherischen Gedanken darüber. — Was ich nicht nvifj. macht mich nicht heiß." —
So war Roderich oft der Gegenstand ihrer Unterhaltung, ohne daß er es ahnte, denn seine Gedanken lreuzlen sich selten mit denen der beiden Mädchen-
8 .
Die Lage in China nahm einen immer ernsteren (Charakter an.
Der deutsche Gesandte, Freiherr von Kettler wurde von einem chinesischen Soldaten meuchlings ermordet und der Kaiser rief: „Freiwillige vor, um den Gcsandtenmord zu rächen, um den chinisischen Drachen in den Staub zu werfen, um die deutsche Flagge in Peking zu hissen."
Viele waren bereit dar Vaterland mit ihren Eltern, Geschwistern und Bräuten zu verlassen, um zu helfe», den Fleck auf Deutschlands Ehre mit Blut zu reinigen.
Unter denen die sich freiwillig meldeten, befand sich auch Roderich. In dem fernen China wollte er Vergesstn- heit suchen. , v
(Fortsetzung folgt).
Aufruf.
Die nicht mehr dienstpflichtigen Offiziere, Sanitäts-! össiziere, Beterinärosfiziere, Beamte und Unteroffiziere, welche sich nicht bereits zur Verfügung gestellt haben, werden hiermit aufgefordert
„sich freiwillig ;nm Wiedereintritt in das Heer zu melden."
Die Anmeldung wolle mündlich oderschristlich beim Äezirkskommando Friedberg erfolgen.
2n den schriftlichen Anmeldungen muß enthalten sein: Name, Vorname, Geburtsdatum, genaue Wohn- > ungsanqabe, Diensteintritt. Dienstgrad und letzte Dienst-! stelle, und Datum der Entlassung aus dem aktiven Dienste. '
Bezirks-Kommando Fricdberg (Hessen).!
Bekanntmachung.
Ich mache darauf aufmerksam, daß alle Geschäfte, welche die Annahme von Papiergeld verweigern oder! Wucherpreise für Lebensmittel nehmen, rücksichtslos geschlossen werden.
Festsetzung von Höchstpreisen für die wichtigsten Lebensmittel behalte ich mir nötigenfalls vor.
Franlfurt a. M., den 4. August 1914.
Der kommandierende General.
f
St
HEINRICH U A AJ
MANNHEIT
5 29P Leiter und j
(grösste y®> bedeutendste Fabrik Deutschlands für **9 . «NrrcvMASCfclINEN, t STROHPRESSEN, LOKOMOBILEN
Selbsteinlcjftr, Spreubläser, Kurzstrohbläser und Ballenhebcr.
Komplette Dreschanlagen für Dampf-oder Nolorbetrleb
r-' t I rt tfr*
Ober 22 DOO große Dreschmaschinen im Betrieb verbürgen die Güte der fiui mehr ob 30jähr. Erfahrung im Dampfdreschmasqhioenbau hervorgcgangeoen Bauart.
..
LAN ZISCHE ZUG-LOKOMOBILEN
machen die teure und mit Risiko verbundene Pferdebespannung zum Transport der ? Dreschgaralturen uiw. auch auf schlechtesten Wegen entbehrlich.
. . ------<
Bekunntinulljung.
erhält Rat, Zeichnungen sin«. Kostenvoranschläge von
Augustiiierjchule.
Der Unterricht beginnt erst Montag, 10. August. — Die Primaner und Sekundaner des Gymnasiums versammeln sich zur Entgegennahme mehrerer Mitteilungen am Freitag, 7. August, vorm. 10 Uhr im Klassenzimmer der Ia, alle Schüler (von Tettia aufwärts), die sich zur Erntearbeit melden wollen, am gleichen Tage um 11 Uhr im Zimmer der II b. — Eingang nur durch die Aordtllre am Portal.
Alle am Erscheinen verhinderten Schüler sind ent- chuldigt.
Friedberg, den 6. August 1914.
Die Großherzogliche Direktion.
_ Ritsert.
Die städl. Vrückenwage kann wieder benutzt werden. Fricdberg, 5. August 1914. Der Bürgermeister. Stahl. _
Ziehung mn 18. August.
(Siebener Eewerbe- Ausstellungs-Lotterie
1646 Gew. L M. v.
:IOOOO Mk.
1. Hauptgewinn
IOOOO Mk,
Für unser zum Kriegsdienst einberufencs Montageperjonal juche» wir zeiiweiien Ersatz und zwar
Monteure,
die die notwendigen Reparaturen an Fernleitungen, Transsor- natoren-Sialionen und Ortsnetzen aussühren können, mit dem Sitz m Friedderg, Lich und Södel, sowie auch Hilfsarbeiter'. welche »lesen Rlonteueren beigegeben werden sollen.
Die Monteure müssen in der Loge sein, die Malerialvcr- reiwaltung der Baulager zu übernehmen.
Ofsetten mit kurzem Lebenslauf (der vor allem enthalten mutz, bei welchen Firnien die betr. Monteure bezw. Hilfsaibeit-r cl) 0 n tätig waren) nebst tlltersongabe und Lohn-nspillch-n sind ru achten an die Snntc.tuug &«• vlctrt. tl»l>rrIw>d-A»!nne ver- Urouilli <0bc>'t,eN'e», friedherg.
WM il. Kredit-Nttti» M
Eiugelragene Genossenschaft mit bcschränlter Haslpflichk.
Zwei Lehrlinge
mit den nötigen Vorkenntnissen können sofort bei uns eintreten.
Lose ä 1 Mk. bei allen Lose-Ver- kciufern zu haben. 11 gemischte Nummern sür Mk. 10.25 nebst Liste u. Porto. General-Vertrieb
B» challter in Kieken.
Füsse
I nissen c i:nJ Iroc’ir.. SchuppcnflccSfc ba; (.‘.echte. Aderbeine. '.öcinsdiädcn
| offene
j l)autauxschl.iiC. s:<rop.i. Ekzema, böse -j-akc- VV’tmdcsr -siiv-J oft sehr lurtnückij.
Wer bisher ver,'eb>icn auf Heilung Löffle versuche noch die bewährte und är zt'. empfohlene
Ilino-Snlbc
Frc; von schädlichen Bestandteilen.
Dose Mk. 1,15 und :\2ö.
Man achte auf den Namen K i n o u. Firma Rieh.Schuberts Co, Wcinbühla-Ürcsdc. Wachs, OcL vcn. Tcrp. je 25, leer. Salic. Bors, ,e >. 20 Proz.
Zu haben ln alten Apotheken,
Peter Metzler
lrikdbkrl,i.tz.,Kaiiaurk 6 r .8
3 iBianlrn vom l>«h»t,«l. Tckcso» Slr. 230.
Lchonen-iie Lkhan-Iliug
billigt Preiss.
Anton Neubauer, Architekt
Billige, solide, zweckentsprechende Bauweise.
Kilogramm Zucker
verfuttert man gleich vorteilhaft für Pferde, Rindvieh und Schweine il» Doppelzentner Melassetorf mehlfutter. — Billigster Ersatz für Hafer! —
j Zuckerfabrik Frankenthal
Prankenthal {ftheiapfals)
Toiletteartikel
Tiir-Vl>rIligkli,Feiiittt'ki>tt, Lchmiinmk, Liiiolkiiiii miD Pllckttslhnibbkr, Vo'lbk'skii unO jtkhrmuslhilikli
empfiehlt
Mail steiaei w*.
Znh.: Jos. Luoö Friedberg, Kaiscrstt. 75.
. Rasse-, Zucht- »uds Legctzüftuer von l M.!
an. Trulcn, Eänse etc.' billigst. Preist, gratis. Eeflügelhof in Unter- ichüps 18 (Baben).
Wir machen unsere verehrlichen Leser darauf ausmcrk- säi», daß wir mehlfachem Wunsche gemäß, Schilder mit der
Aufschrift:
»nbcsuglin ist das Betrete» der Sinllniige» slrengflkns untersagt'
angesertigt haben.
Da? einzelne Schild ist zum Preise von 25 Pfennig in unserer Ezpedilion erhältlich.
„Neue Tageszeitiiiig" ?!. G.
WH er Ital. Hübner |
beste K 'erleger, 8 Monat alt h ' .3.40 M., 4 Monat alt k j.tO M., baldlegonde ä»™ , . •J.— M. 1 ei 20 Stk. ftko. W»M-' Geflügel aller Art. Lob.
Ankunft. TierärztLUn- ' •orMud.ung. Prolsl.gratis.
QsvHl gelhof zum Strauss« Buchon (Baden). 14
^rnnnenban ti. Bohrungen, Pnnlpenanlagen
billigst.
«tcr»n eiuhn, Insieiden-Hnngeu.


