Ausgabe 
25.7.1914
 
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Hummer 172

Zamstng. Den 25* Juli 11114«

7. Jalsrgann

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Ilebersichl.

- Zu der Note an Serbien fugt man an maßgebende: Stelle hinzu-Die Entscheidung liegt bei Serbien allein, denn Oesterreich wird weder Abänderungen seiner Fordern», gen noch eine unter welchem Vorwand immer verlangte Frist- krsiilcknng für die Antwort zugcstehen. Wenn Serbien die Jf.U nicht in der gesteckten Frist beantwortet hat, ist drr lriegerischc Konflikt unvermeidlich. Auf Grund unbedingt zuverlässiger Mitteilungen kann versichert Wer­ren, daß man auch an höchster Stelle durchaus gewillt ist im No.falle bis zum Aeußersten zu gehen. Eine Mobilisierung «inzeiner Truppenteile ist noch nicht angeordnct.

Ter österreichisch ungarische Gesandte, Baron Osirbl, hat len Auftrag erhalten, mit dem gesamten Personal der Gljandtschost Belgrad zu verlassen, falls die fer- bische Negierung bis heute abend 6 Uhr keine befriedigende Antwort erteilt.

AuS Ischl wird gemeldet, daß Kaiser Franz Joseph an der Hoffnung sesthält, daß die serbische Regierung nich- grbl.i werde. Wie eine Persönlichkeit aus der Umgebung des Kaisers äußerte, sagte dieser, nachdem ihm der Eindruek bekannt gegeben wodrcn war, den die Note in Belgrad her- vorgerusen hatte. Folgendes: Es muß kein Krieg fein, wenn Serbien nicht will.

Ministerpräsident Pasitsch, der sich auf einer Wahl» ogilationsreifc befand, hat seine Route plötzlich unterbrochen Und ist angesichts der verschlechterten politischen Lage sofort nach Belarad zurnckgckchrt.

Dos österreichische Ultimatum hat in Petersburg wie ein Blid aus heiterem Himmel gewirkt, zumal die maßgeben- den V.tc : fc noch gestern davon überzeugt waren, daß eine Ent- spaunung zu erwarten sei. Man äußert sich sehr erb,!icrr über Oesterreich und schließlich wird erklärt, daß Rußland unmöalich dabei tatenlos bleiben könne. Es verlautet, daß Rußland sechs weitere Armeekorps an die russische Grenze liellcn wird. Ti-scr Entschluß soll noch während der An- r.'escrheit Pomcar6s in Petersburg gefaßt worden sein.

Don diplomatischer Seite wird mitgeteilt: Falls

Serbien die österreichisch ungarische Note annimmt, wiro es sich darum handeln, zu kontrollieren, ob Serbien seinen Per- sprrchunacn genau Nachkomme» wird. Es wird angenommen, duß die weiteren Aktionen, die Oestercich deswegen zu führen haben wird, ebenfalls befristet sein werden, um jede Weiter- Verschleppung der Angelegenheit hintanzuhalten.

Die der Korcspondcnt derNational-Zeitung" in in d.r Billa Schönhäusl in Berchtesgaden erfährt, hat Bot- schafirr Freiherr v. Schorn srinc Urlaubsrcise abgebrochen und ist nach Paris abgereist. Seine Anwesenheit in Paris isi lutolae der österreichisch-serbischen Krise nötig.

-- Wie der . Krcuzzeitung" von verschiedenen Seiten gemeldet wird, hat eine Reihe von in Berlin ansässigen Oesterreichern die trlgraphische Aufforderung erhalten, z» ihre,: Truppevkörncrn eiuznrülken.

Ministerpräsident Asquith bestätigte im Unterhause das Scheitern der Ulstcrsrage. Er gab die Erklärung <v' daß i ic Konferenz zu keiner Einigung darüber gelangt ist, welche Tc> > itorien von dem Homerulc-Gesetz auszunehmen seien.

- Ta? Znsatzgcletz zur Homcrule wird an, Dienstag vom Parlament beraten werden.

In Zauduni, dem größten Holzhandlungsplatz der iircderlande, wo der erste bis jetzt einzige sozialistische Liir- gcrmeister Hollands beamtet ist, herrscht seit einigen Wochen ein Strrik drr Arbeitcr drs Holzhasens. Tie Ansständigen verlangen eine Lohnerhöhung sowie Anerkennung ihrer Organisation.

_Der Fürst von Albanien ernannte den Major Eliristc-

frtt $ntt- Kommandeur seiner Truppen, deir Rittineister von der Lippe und zwei rumänische Obersten zu Abtc.lungs.lress, d u Mewr de Decr zum Artillcrie-Kommandanctn und den Moivr Krvona zum Platzkomniandanten von Tnrazzo. Für heule wird ein Angriff erwartet.

- Fürst Wilhelm von Albanien begibt lich nach Balona, »in sich pe:sönlich über die dortige Lage zu inform-cren.

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»ntz KllUikiilkndit.

Sfit dem letzte» amtlichcnBcricht vom 30. Juni bis zum 15. Juli ist die Seuche weiterhin in bedenklichem Maße ge­wachsen. Der Bericht verzeichnet im deutschen Reich 1021 Gemeinden mit 3834 verseuchten Gehöften, während es anr 30. Juni nur 859 Gemeinden mit 2577 Gehöften waren. Kca) in S Auge springender ist der unheilvolle Fortschritt ocr Seuche, wenn man die früheren Zahlen in Vcrglcia, zieht, so waren es am 15. Juni nur 686 Gemeinden mit 1615 Ge­höften, Ende Mai 477 Gemeinden mit 1123 Gehöften und Ende April nur 182 Gemeinden mit 290 Gehösicn. Ter letzte Bericht bietet nur einen erfreulichen Moment. indem

sich nämlich die Anzahl der Kreise, worin die Seuche anf- l. ilt, von 210 Ende Juni aus 230 verringert hat.

Ter Regierungsbezirk Danzig steht mit 850 Gehöften au der Spitze, nicht weniger als 405 Gehöfte sind in den letzten 11 Tagen ncuverscucht worden. Es folgt Marien- ircrdcr mit 742 (neu: 352) Rheinhcssen mit 509 (neu: 131), weiter Magdeburg mit 220 (neu: 105, Potsdam 140 (neu: 41) usw.

Im Grobherzogtum Hessen ist auch die Provinz Staikcnburg. die cm 50. Juni noch scuchcnsrei infiziert woi- den, indem die Seuche in 8 Gemeinden mit 15 Gehöften austrift. O b c r h e s s c n zählt immer nur eine Gemeinde R o d h c i m v. d. H. mit 28 Gehöften, als verseucht aus. da- runter 8 neu. Des Großherzogtiim Baden ist ganz (c>:cf)cii- frei.

Ein Zigareilenmonopol?

Der Reichstag hat bei seinen Ausgabcbeschlüsscn eima siebzig Millionen Mark ordentlicher jährlicher Ausgaben für die nächsten 3 Jahre, das heißt bis zum Inkrafttreten der ReichsvermögensziiwachSstcucr ohne Deckung gelassen. Ilm die Mittel kür diese Deckung auszubringen, werden jetzt im Reichsamt die entsprechenden Vorlagen an den Reichstag ver- bcreitet. Ueberdies dürsten ja in der nächsten Zeit weitere : »gedeckte Ausgaben durch die Bcsoldungsnopclle, durch die Besj-rstelliinq der Altpensionärc, durch die Herabsetzung der Aitersversorgungsgrenzc von 70 auf 65 Jahre erwachsen, c.lles Vorlagen, mit denen sich der Reichstag in der folgenden Tagung zweifellos zu beschäftigen haben wird.

Unter den Vorschlägen der Reichsleitung dürste, wie die Tägliche Rundschau" wissen will, da? Zigarcttennwnopol an kvstcr Stelle stehen. Es sind mehrere Vorentwürfc aüftjc- stellt. Beratungen mit den interessierten Fachkreisen haben ebenfalls schon stattgefunden. Don den nmßgebcnden Per-

Vor dem Ernst der Ereignisse in Belgrad tritt alsts Andere in den Hintergrund, allerorten ist man sich bewußt, daß wir am Vorabend ernster Ereignisse stehen. Allgemein wird die unerwartet scharfe Sprache der österreichischen Note hcrvorgehoben, aber man erkennt an, daß die Doppelnwnai- chie nicht anders handeln konnte, wollte sie nicht um ihr An- sehen als Großmacht gebracht werden. Ans der anderen Seite besteht wenig Aussicht, daß Serbien die verlangten Be­dingungen erfüllen werde, da cs ja sonst gcwisscrniaßea ul der Rolle eines Vasallen zu Oesterreich hcrabsinken würde. Weigert sich aber Serbien, dann ist für Oesterreich der Moment zum Handeln gekommen und es ist nicht ausge­schlossen. daß wir morgen schon ernste Nachrichten zu hören lekommcn. Selbstverständlich kann es Serbien nicht wagen, sich in einen Wasfengang mit seinem weit mächtigeren N.ich- bar cir.zulassen, ihm kann der Rücken nur gesteift we-den durch Rußland, das sich ja als die slawische Vormacht ans- spult. Mil dem Eingreifen Rußlands bckänic dann der Zwischenfall Oesierreich-Serbien ein schlimmeres Aussehen und weitere Verwickelungen, in die schließlich auch dus Deutsche Reich hineingczogcn würde, wären nicht ansgc- chlossca. Vorläufig lüfct sich bestimmtes noch nicht va-hee- scgcn lind was die Zeitungen schreiben, ist nicht inaßgeeend, da sich die Staa'sniünner bislang noch nicht öffentlich ver» ::chn,en haken lassen. Es sind also vorerst nur Zcitu'-gs- scyrcibereien. wenn gesagt wird, der russische und frcmzöslsche Gcsandte in Bclgrae hätten sich bei dem österreichischen Bot­schafter beschwert, weil die Frist des Ultimatums so kurz re. niesten sei. Oder, wen» wir lesen, daß die serbische Regie­rung den Oesterrcichcrn Belgrad, die Hauptstadt des Lan­des, kampflos überlassen und sich in das Innere des Landes zurückziehen werbe, uni die Intervention der Mächte nnzii- rusen. Die gesagt, bestimmtes werden wir erst zu hören be­kommen. wen.: die dem Ultimatum bemessene Frist nLc- lansei, ist.

In den beteiligten Staaten, in Oesterreich und Ungarn. " u:gt man den Schritt der Regierung vollkommen und r:2 0 : ; in letz-en Ende. Schon lange war man sich bewußt, big eie Regierung in der Balkanvolitik Fehler über Fehl-- ge­häuft heb.- und nie.n enipfindct es jetzt gewissermaßen -uS eine Crlö'ung von einem drückenden Alb, daß die 3!cg>-i -ng >>.,» endlich einmal oie lang ersehnte entschiedene Sprache ge- fni'd.» Der Ton der Note hat allenthalben einen outen Ei.,muck gemacht. Tic Haltung der Bevölleeung in Wien ist zurersichtlich, als Stimmungsbild möge diene:', das- da:- L>co vom Prinzen Engen, der dem Kaiser wieder,»!, Stadt und Festung Belgerad kriegen wollte, plötzlich das Nalional- lied geworden ist und allgemein gesungen wird. Auch in Uigarn bcrrlck't dieselbe Stimmung. Als ein hcchbedeu!- san.s Zeichen kann cs gelten, daß selbst die sich io befebden- deu Parteien in Ilnaarn erklärt buben, allen Hader »-iseile

-onlichkeiten der Industrie wird das Zigarettenmonopol mit Sicherheit erwartet. Endgültige Entsck>eidlingen werden aber erst in, Soptomber fallen, wen- ein genaues Bild des Etats fi>c 101.> vorliegen wird. Tann werden sich dis areiißischc Staats»,inisterii,in und die bi,nd«Sstaatlichc» Finanzveklvaftungen darüber schlüsiig werden, ob d?ni stleichstag der Entwurf des Reichsschatzamtes als Vorlage der Regierung zngchen soll. Tic Ernennung des Staatssekrc- tai - Ki.bn zun: Mitglied des preußischen Staatsministerinms stt de- Austakt zu den künftigen schwierigen Verhand­lungen.

Die verlautet, ist das Zigaretten,nonopol als Fabrika- tionsmonopol niit einem damit verbundenen freien Der- koiifsmonopol. gedacht. Das Reich soll sämtliche größere »id kl ii.crc Fabriken im eigene» Betriebe übernehmen. Die Wcrtaksch-iitzung soll ans einen bestimmten Berechnnniis- la>liissel ansgebant sein. Die größere» Fabriken sollen wci:ci brtrieben, die kleinen stillgclegt werden. Das Reich tr-!> künftighin als Tabakkäiifer ans dem Weltniarkte ans, da-!: sollen die bisherigen Großhändler an den Lieferungen betei­ligt bleiben. Die Leiter »nd Angestellten der staatlichen Tabakfabriken sollen nicht den Charakter als Staat»bean-.°k erhalten, sondern z» dem Staate nur in ein vertraglicher Verhältnis treten. Der Etat soll seine Fgbrikate z» fest be- ,'iinii,iten Preisen an die Zwischenhändler liefern und diest

Berknnfszoschäfte versorgen. Außerdem denkt man an &:c Errichtung von großen Niederlagen i» den größeren Städten. Sollte das Zigarcttenmonopol kommen, so ist .ich c:i> Sperrgesctz z erwarten, das bestimmt, daß die Zigaret- tenfabrikation von einem gewissen Zeitpiinkt ab für Rech- niing de? Reiches zu erfolgen habe und das die Trrichtuno >-o»cr Zigarcttciifabiikcn verbietet. Die Herstellung von Blech- lind Kartonvervacknngcn, lithographische» Arbeiten, Zigarcftenpapicr u. a. soll auch fernerhin der Privatlndnstric überlassen bleiben.

zn lassen, wenn cs deni Vaterlandc gelt. Die Opposition cr- kläi tc durch den Mund ihres Führers, des Grafen Andralsy, sie werde wie e i II Mann ihre Pflicht erfüllen, den der Schritt der Regierung sei unaufschiebbar gewesen.

Im deutschen Reiche herrscht, die Sozialdemo­kraten, die man als Deutsche nicht ansprechen kann, .-u-sge- nommen, nur eine Stimme: Treu dem Verbündeten! Di« Aocklagen, die Oesterreich gegen Serbien erhebt, lind so schwerwiegend und wohlbcgründct, daß der Schritt unseres Verbündeten als ein notwendiger angesehen wird. Sogar die linlsliberale Presse stellt sich erfreulicherweise auf di'scn Stv'.idlunkt. so oenicrkt selbst dasBerliner Tageblatt": ,.§o sthr jeder fühlende und sittliche Mensch die Erhalt,'»,! des Friedens wünschen nmß, man wird doch anerkennen n. listen, daß Oestcireich-Ungarn nicht anders handeln ko-iifte. Ui.d zumindest bei seine» Verbündeten wird cs a::k fcic . cllste liio:alischc und tatkräftige Unterstützung der jetzt oili- gclcitelen Aktion zählen dürfen." Allgemein wird in der Prrs-e der Hoffnnng Ausdruck gegeben, daß es geling,!»

. löge, den St-cit zu lokalisiere», aber ebenso allgemein wird es als stlbstverftändlich gchallcn, daß Deutschland in de: Stni de der Not seinem Verbündeten zur Seite steht.

Auch !n-Jtalie n wird der Ernst der Lage keineswegs verk-. ant. aber belont, daß Oesterreich gcwisserniaßc.r unter den, Zw- nac der Verhältnisse stand und unter den obivalien- der Nni'leadcn g.il nicht anders handeln konnte. Auch d.rl hofft internationale Vermittelungen vermeiden zu können, da die von Lcstcreich gogcn Serbien erhobenen Bc» schniöigiin-Ten iinl-edingt Eindruck aus die Mächte niache» niußleii. Man warnt Serbien, daß es dem mächtigen Nack> k'u- keine glatte Weigerung entgegensetzen soll.

E-srenlicherweise hört man aus England vecnsinst !ige Stimmen. Es wird betont, daß sich die Note durch di« Vcibindnng von Festigkeit und Zurückhaltung auszcichnen . uu es sei unleugbar, daß Belgrad die Pflanzschule der Vclschwö -ng gegen die Ruhe des Nachbarstaates sei.

Die , Westminstcr Gazette" schreibt: Wir wisse:, nicht, welches Maß von Wahrcit in den Anschuldigungen enthalies ilt, aber sie sind bestimmt. Wenn sic erhärtet werden, Ham d.lt e? sich nicht allein um die Frage des Asylrechts. Di« Veichu'i ia.i-nz ist, daß serbische Beamte direkt darein vci- >r:ckelt li-.d. Wir können nicht glauben, daß Serbien ti schlecht beraten ist die Ai.klagcn nicht mit großer Achtung nni Ernst zn behandeln. Wir sagen keineswegs, daß die Anschul- digüugcii zugegeben werdon müssenl das hängt von dem Be- weismalerial ab, über das ein Urteil nbzugebcn wir nicht in der Lage sind. Wir sagen nur, daß die serbische Antwort natwondig oine ernsthafte Erwiderung auf eine Reihe voll schweren Anschnll igiingen sein niuß. Man sprach viel von Rußlands Haltung in dieser Frage, aber wenn die in der ??ole entba.Iteiien An!ckm>dian»acn lubstantiert werden kön-

Vor der Entscheidung.