»ir. 170
9(eue Xaqtsittinng. Donnerstag, Den Z3. 3ulj 191«.
Seife 4
Erna und Ilje.
Aloman von D. Feußner.
(FortsetzungZ.
Sie sang alle drei Strophen. Herrlich gab sie das sck>öne Volkslied in seiner größten Vollendung- wieder. Wie innig und gefühlvoll rauschten die Akkorde durch das stille Zim- nier, noch übcrtrofsen von der Weichheit und dem Schmelz ihrer hinimlischen Stimme.
Karl hatte während des Gesanges kaum zu atmen gewagt. Mit vorgcbeugtcm Oberkörper lauschte er dem F-.'en- gesang.
Was mußte in diesem seltenen Mädchen, das so beredt, so eindringlich zu seiner Umgebung sprach, wohnen?
Alle Sängerinnen, welche er bisher gehört, hatten trotz ihrer Begabung, ihren Stimmitteln, ihrer blendenden Technik, doch bei weitem den Eindruck nicht gemacht, als Erna >o- eben mit dem schönsten aller Volkslieder — wenigstens hielt sie es dafür.
„Möchten Sie es nicht wieder für Schnicichclei halten", sagte er, „wenn ich Ihnen auch heute sagen inuß, daß ich das Lied nie schöner und bezaubernder gehört habe, als Sie es soeben sangen."
„Es freut mich", sagte sie, „aber nicht, daß Sie meinem Spiel und Gesang Anerkennung und Bewunderung zollen, sondern, daß Ihnen mein Lieblingslied gefallen hat."
Damit stand sie auf, schloß das Instrument und gab sich der Hoffnung hin, nun wieder für ein Weilchen unbeachtet bleiben zu können.
Jetzt lenkte der Kaufmann das Gespräch ruf Roderich. „Warmn ist er denn nicht mitgckommcn?" fragte er Karl.
„Er Pflegt des Abends zu arbeiten."
An was?"
„Er sitzt über seinen Büchern, denkt und'lernt, oder übt sich im Zitherspiel."
„Ist er in anderen Dingen auch so tüchtig, wie in seinem Spiele?"
„Er ist die Perle der Schule; an ihn reicht keiner von uns heran."
„Ist er auch in allem fo konsequent wie in seiner Enthaltsamkeit?"
„Zu seiner Ehre muß ich ihm nachsagen, daß er auch das Geringste gewissenhaft tut und das Große und Schwere, das Tage und Wochen zur Ausführung bedarf, bringt er mit unendlicher Geduld und eisernem Fleiß zur Vollendung."
„Sie sprechen wie der wahre Freund von dem anderen sprechen muß", sagte der Kaufmann anerkennend.
„Wäre er auch mein Feind, so würde und könnte ich ihm doch nichts Schlechtes nachsagen, denn er ist und bleibt
ein ganzer Mann."
„Wo ist denn seine Heimat?" fragte der Kaufmann.
„Er ist ein hessisches Kind, unweit von Kassel geboren. Sein Vater besitzt ein großes Gut mit herrlichen Waldungen.
„Haben Sie ihn schon in seiner Heimat besncht?"
„Schon cinigcmale habe ich meine Ferienzeit dort verlebt. Allein fühlt er sich sehr einsani, denn außer jcineni Vater, hat er keine Angehörigen mehr. Mit der Büchse über der Schulter durchstreiften wir oft tagelang Wald und Feld, denn er ist ein eifriger, aber auch außerordentlicher Jager."
„Schwärmen Sie auch für die Jagd?" fragte nun der Kaufmann.
„Ich ging nur ihm zuliebe mit, sinde aber selbst kein besonderes Vergnügen daran, denn ich bin ein schlechter Schütze."
„Auch ich habe nicht mehr viel übrig für die Jagd, denn meine Frau hat cs mir nach und nach abgewohnt. Sie besitzt eine ausgesprochene Antipathie gegen alle Jäger und zwar deshalb, weil ihr Vater, der Oberförster war, von Wilddieben erschossen worden ist. Diese Abneigung gegen Jäger hat auch Erna von ihr geerbt, trotzdem mein Schwager Forstmeister ist."
„Fräulein Erna", wandte sich jetzt Karl an diese, — froh, ein Thema gefunden zu haben, um sie ins Gespräch zu ziehen — „was halten Sic davon, wenn jemand ein Stück Wild schießt?"
„Ich halte es für barbarisch, unmenschlich", sagte sie kalt, „denn das Wild schaut so unschuldig drein, dennoch wird es kalten Blutes hingcniordct."
„Aber dazu ist es ja doch da!"
»Es ist da, die Menschen zu erfreuen.
„Wenn es nicht geschossen würde, nähme es bald überhand, würde die Saat vernichten und die Menschen müßten wohl bald Hunger leiden."
„Nun, so schlimm würde cs wohl nicht werden; so groß ist doch der Schaden, den das Wild macht, nicht. — klebrigen? schießen die meisten Jäger das Wild aus Passion", setzte sie hinzu.
„Tie Tiere, welche uns im Leben schaden und durch ihren Tod nützen, dürfen wir töten, ebenso die, welche uns im Leben schaden und im Tode nichts nützen, wie viele Raubtiere."
„Und womit wollen sich die Nimrode entschuldigen,
welche Tiere oder Vögel schießen, die ihnen im Leben nichts
schaden und im Tode nichts nützen?" Sie sah ihn scharf an, hoffend, daß er sich jetzt ergeben wurde.
„Dies tut kein ordentlicher Jäger", antwortete er. '
„Dann sind die waidgerechtcn Jäger eben rar", sagte sie spöttisch und fuhr fort: „Als wir auf unserem kleinen Dampfer nach dem Spreewald fuhren, begleitete uns eine schneeweiße Möve. Ich hatte meine helle Freude an dem schönen Vogel; doch nicht lange, denn schon holte sich ein Herr'— wahrscheinlich auch ein Pseudojäger — seine Flinte, und — der Vogel sank, als Opfer seiner Jägcrlust, tätlich getroffen auf die hüpfenden Wellen nieder. Das weiße Gefieder gerötet von seinem eigenen Blute, wiegte er sich zuni letztcnmale auf der schimmernden Fläche. — Warum schoß er den Vogel? Was hatte er ihm zu Leide getan? Was nützte ihm sein Tod? Nichts! Nichts! Er tat cs einfach aus Sport. — Don der Stunde an haßte ich den Mann aus tiefstem Herzensgründe."
Dies kam hastig und mit schneidender Bittcrkc't von ihren Lippen
(Fortsetzung folgte Spielplan de» Erotzh. Kurthcatcrs Bad-Nauheim.
Sonntag, den 26. Juli 1911. Neuheit! „Schneider Wibbcl". Neuheit! Komödie in 5 Bildern von Hans Müller-Schlösser.
Montag, den 27. Juli 1911. Neuheit! „Polcnblut." Neuheit! Operette in 3 Akten von Oskar Ncdbal.
Dienstag, den 28. Juli 1911. (Gicßencr Stadttheater.) Neuheit! „Wie einst im Mai". Neuheit! Posic niit Gesang in 1 Bildern v. Bernaucr und Schanzcr. Musik von Kollo und Bredschneider.
Mitttvoch, den 29. Juli 1911. „Die Schinctterlings- schlacht". Komödie in 1 Akten von Hermann Sudcrmann.
Freitag, den 31. Juli 1911. Neuheit! „Wie einst iin Mai." Neuheit! Posse mit Gesang ln 1 Bildern von Ber- nauer und Schanzer. Musik von Kollo und Bredschneider.
Samstag, den 1. August 1911. (Homburg o. d. H., Kurtheater.) Unbestimmt.
Sonntag, den 2. August 1911. Ncuhett! „Die licitcre Residcnz." Neuheit! Komödie in 3 Akten von Georg Engel.
Verantwortlich für den politischen Teil: Otto H i r s ch e l, Friedberg: für den lokalen und unterhaltenden Teil: Bernhard Lenz. Friedberg: für den Anzeigenteil: Karl Schmidt, Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tages- zeitung". A.-G., Friedberg i. H.
Danksagung.
Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme | I bei dem Hinscheiden unserer
Eleonore Groß
geb. Braun . • '
I für die zahlreichen Blumcnspenden und für die > trostreichen Worte des Herrn Psarrer Bogel | | sagen wir unseren
ausrichtigen Tank.
Reichelsheim (Wetterau), den 21. Juli 1811. |
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vom 22. Juli 1914 der
Mitteldeutschen Greditbank
Aktienkapital u. Reseruen Sit. 70000 000 gegründet 1856.
Franksurter Börse.
1% Reichsanleihe 99.50°/» 3>A7. ; 86.40 .
3% .. 75.55 .
3*/,% Preuß. Eonlols 86.45 „
3% . . 75.55 „
4% Hessen 97.70
3*/e7o „ 84.80 „
3% „ 73.60 „
l'/ioVo Griechen n. 1890 56.20 1*/**/» Monopol-Eriech. 49.— 47s 0 /» „ Eilberrents 83.—
4% Ocsterr. Eoldrenke 84.20 „
3 Portugiesen Eene I 63.80
3., „ ..»1 66.20..
4',-°/» Rusien v. 1905 97.90 „ 4% „ „ 1902 88.20
4% Administr. Türken 74.90 4°/ 0 Türken von 1903 — Türkenlose M. 161.—
4°/o Ungar. Goldrente 78.40 „
4 „ Kronenrente 77.15
3-',°,«Bueu.-Air.Pr.Anl.62.70 4'/,°/» Chinesen 90.85 ,
4'/."/» Japaner 91.25 „
3"/» Silber-Mexikaner 47.80 _ 4‘;»*/o Mcx. Irrig. Anl. 68.90 „ Berliner Handels Ant. 145.50 „ Darmstädk. Bank „ 113.50
Deutsche Bank „ 230.—
Deutsch-Asiatisch Bank 119.50 „
Berliner Türkenlose M. 160.50
Baltimore u. Ohio AN. 83.63 Eanada Pacific Akt. 186.75 Prince Henri«. B. Akt. 137.87 Schantung E. B. Akt. 122.63 Berliner Handels Ant. 145.50 Deutsche Bant Akt. 230.25 Disk. Kommandit Ant. 179.12 Dresdener Bank Akt. 144.63 Pet.2nt.Handelsb.Akt. 165.50 Rusi.Pant s.a.Hand.A. 142.87 Allg.EIek.Eesellsch.Att. 233.37
Diskonto Komm. Ant. 179.75°/ Dresdener Bank Akt. 144.— Mitleid. Ereditb. Akt. 114 50 Oest. Eredilanst. Att. 183.— BochumerEußstahI 211.50 Buderus E.-W. A«. 102.40 Deutsch Luxemburg 119.25 Eschweiter Bergm. —.— Eelsenkirch. Bergw. 174.63 Harpener Bergbau 169.75 Phönix Bergbau 225.50 LaurahAle 137.—
Enesheim Elektron 232.— Höchst. Farbwerke 452.10 Holzverkohkungs-Jnd. 269.— Rükgerswerke 186.—
Ehem. Fabr. Albert 393.— AUg. Elettr. E-s. Alt. 233.50 Deutsch-Uebersee E. E. —.— Schuck. Elettr. Ees. Att. 134.50 Siemens u. Halste 210.37 Steaua Nomana 143.— Zellstoff Waldhof —.— Hambg. Amk. Pakets. 121.75 Nordd. Lloyd 103.25
Oesterr. Staatsbahn 139.50 Lombarden 15.75
Battimore u. Ohio Akt. 82.37 Prioatdiskont 2.25
Tendenz: behauptet.
Börse.
Deutsch-Luxemb.B.Akt. 119.63 Dtsch-tlbersee E.E.AIt. 158.75 C-lsenttrchenBgw.Akt. 174.50 Harpener Bergbau Att. 169.63 Hohenlohewerle Alt. 100.— Laurahütte Att. 137.75 Oderschlefier E. Att. — .— Phönix Bergbau Att. 227.— Rombacher Hütte Att. 144.50 Siemens u. Halske Att. 200.—
privatdiskont lendenz: behauptet.
2.12
Atchtson Topeka Doll. Southern Pacific „ Chicago Rock 2sl. „ Miff.KanI u.Tex.R. Union Pacific „ U.S.Eteel Common,,
Londoner Börse.
100 .-
98.75
1.12
12.25
161.25
62.68
Die
Amalgamat. Copp. Doll. Chartered Company Lstr. Eastrand Proprietary „ Eoldfields „
Rand Mines „
De Beers Consolid. „
71.25
0.82
1.78
2.15
5.90
15.81
Aepositenliaste Friedberg i. H.
empfiehlt sich zur Vermittlung aller bankmässigen Geschäfte.
An- und Verlaus von Wertpapieren an allen Börsen.
Errichtung lau cnder Rechnungen und provifionsft-ier Echeck-Conti. Umnechstung von Coupons und Sorten.
Annahme von offenen und verjchloffenen Depots.
Entgegennahme verzinslicher Spar-Einlagen.


