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btin auch guten Tag fugen, nicht da vor allen Menschen." —

„Das hilft dir nichts, mein Herz; dazu kommst du doch besser heraus. Die verehelichen Staatsbahnen pflegen nämlich auf solches Zartgefühl durchaus leine Rücksicht zu nehmen."

Thekla wurde von ungeduldigen Mitreisenden unsanft dem Aus­gange zugedrängt, geradeswegs in die offenen Arme ihres Berlobten. bildet hatten. Beide suchten und fanden auch im Gewühl den Vater. Nachdem er seine Schwieger­tochter begrüßt hatte, fragte er mit seinem Lächeln die in eifriges Gespräch vertiefte Braut, die in strahlendem Glück neben seinem Einzigen ging: „Wo ist deine Bekannte, liebes Kind?"

„Ach ja, du hast recht, Vater. Da hätte ich doch fast ganz vergessen, mich von Maria Benatus zu verabschieden."

Als sie den Bahnsteig zurückgingen, sahen sie Maria am geöffneten Fenster stehen. Aber das Abfahrtszeichen war schon gegeben: ein langer inniger Händedruck der beiden ehe­maligen Freundinnen, das war ihr Lebewohl.

Ein schriller Pfiff! Langsam setzte sich der Zug in Bewegung. Dann ro' Hen die Räder rascher und rascher, bis nur noch eine schwe­bende, halb verwehte dünne Rauchfahne den Weg ankündete, den der Zug nahm.

Unter gleichmäßigem Rollen und Stampfen der Räder fuhr Maria Benatus die letzte Strecke in die ungewiffe Zukunft, zu ihr persönlich noch nicht bekannten Menschen. Die ersten Lichter Danzigs grüßten im Borbei- fahren. Nach einigen Minuten fauchte der V-Zug wieder in eine Bahnhofshalle.

Danzig war erreicht. Suchend blickte Maria Benatus um sich. Erst als der Men­schenstrom den Ausgängen zustrebte, gewahrte sie eine ältere Frau mit dem verabredeten Erkennungszeichen in der Hand. Das mußte Brigitte, die alte Dienerin der Tante, sein.

Maria Benatus schritt auf sie zu und nannte ihren Namen. Voll Erstaunen sah Maria auf den für eine alte

HeneralmajorJ>. v. Aingker, der älteste deutsche Offizier, ist in Stuttgart, 5)8 Jahre alt, gestorben. Generalmajor v. Ringler halte bereits im Deutsch- Französischen Kriege oas 2. ivürttembergische Infan­terieregiment Nr. 120, das bei Wörth mrt großer Auszeichnung focht, als Major geführt und konnte voriges Jahrsein 80jähr. Militärdiensljubiläum begehen.

Wetter zu überstehen gehabt. Durch den starken Wellenschlag uno die Spritzer vom Bug her, die bei der starken Kälte sofort gefroren, war die „Hertha" vollständig mit Eis überzogen. Der Mast glich einer Eissäule, währen» sich an der Reling und der Kommando­brücke zahllose Eiszapfen von verschiedener Stärke und Größe ge- Jm Glanze der Laternen sah das Schiff aus als kehrte ein Polarsahrer aus dem ewigen Eise zurück.

„Wie freue ich mich, daß wir zu Fuß gingen, sonst hätte ich diesen wundervollen Anblick nicht gehabt," sagte Maria Benatus zu ihrer Begleiterin, als der Dampfer ihren Augen entschwunden war. Nach einigen Minuten bogen sie dann in die Weiden­gasse ein. Vor einem spitzgiebeligen, schma­len Häuschen machte Brigitte Halt.

„Da sind wir!"

Nicht bang und zagend war der Blick, mit dem Maria Benatus ihre neue Heim­stätte musterte, nein, zuversichtlich schritt sie die Stufen zum Beischlage hinauf.

Der Danziger Patrizierstolz sucht nicht nur in der Ausschmückung öffentlicher Ge­bäude das Höchste zu Kisten, auch die Gie- belsassaden der Privathäuser sind reich mit den Ornamenten der heiteren "Renaissance überkleidet. Die Beischläge, jene mit Flie­sen belegten und mit Bildwerken verzierten Ausgänge und Vorplätze zur Haustür, auf denen die Altvorderen im Freien saßen, sind noch heute zum größten Teile erhalten, und die Giebel, mit Figuren, Helden der Sage und des Alten Testamentes geschmückt, kön­nen sich wohl mit denen von Augsburg und Nürnberg messen.

Das Dpcksche Haus war auch in solchem Stile erbaut. Es unterschied sich äußerlich nur dadurch von den anderen, daß über der massiven Haustür mit dem uralten Messingklopfer ein Schiff mit vollen Segeln

in Sandstein gemeißelt war. — Auch das Innere glich einem Patri- Frau lächerlich tiefen .Knicks, der mehr als unterwürfig bezeichnet zierhause, wenn auch in Miniatur. Eine ampelartige, kunstvolle

werden konnte. Ihr Befremden wuchs, als aus Brigittens Munde Metallampe, in deren schnabelsörniigen Zuspitzungen zwei Dochte

unverfälschte breite westpreußische Laute kamen: ,,'n Abend­

chen! Da ist ja das gnädige Freileinchen!

Die Frau Tante läßt auch sährchens grü­ßen."

Mit einem stillen Seufzer schritt Maria Benatus an Brigit­tens Seite durch die belebte Langgaffe. Sie schalt sich innerlich kleinmütig: gewiß,

schön war die Sprache des Ostens im Volks- munde nicht, aber in. wie vielen Gegenden Deutschlands wurde nicht Diälekt ge­sprochen.

Sie passierten das Grüne Tor. Ueber- rascht, ja last geblen­det blieb Maria stehen.

O, wie ist das schön!"

Brigitte gab eine umständliche Erklä­rung : das sei die „Hertha"; ein Bru- derjohn, nämlich der zweitälteste, der Häns­chen von ihrem Stief­bruder Felix, der im Werder Tischler sei und auch durch Heirat ein kleines Anwesen und eine Kuh, zwei Ziegen und zwei Schweine be­kommen habe, sei Matrose auf der „Hertha".

Maria konnte sich von dem märchenschönen Bilde gar nicht los- reißen. Der Dampfer „Hertha" von der Flensburg-Stettiner Dampf- schiffahrtsgefellschast fuhr langsam durch die Mottlau nach »ent Packhofe, um seine Ladung zu löschen. Das Schiff hatte schweres

ÄN den Utzäkken vor der Ltadt Vurazzo: Die Aufständischen hoben die albanische Hauptstadt ganz unvermittelt angegriffen und konnten ganz >n Me Nähe der Befestigungen getangen. Tie Bertetoiger DurazzoS, an ihrer Spitze der holländische Oberst Thomson, mußten ihre ganze Kraft aujdieten, um den Angriff abzuschlagen. Oberst Thomson fand hierbei seinen Tod.

brannten, verbreitete ein mattes Licht.

Zur Linken führte eine geschweifte Wen­deltreppe mit geschnitz­ten Pfosten und fein gedrehten Geländer­stäben in die Höhe. Die Täselung der Wände bestand aus glänzend gebeiztem dunklen Holz, und au den Deckenbalken hin­gen Schiffsmodelle aller Art.

Oben wurde eine Tür geöffnet, und ein Krankenselbstfah rer rollte über die Schwelle. In dem sahleu Flurlicht sah der Körper der ver­witweten Frau Kapi­tän Dyck noch gebrech­licher aus.

„Willkommen, herz- innigst willkommen, Maria! Gott segne deinen Eingang!"

Wie wohl taten der Waise diese herzlichen Worte.

Bald saßen Tante und Nichte am Tee­tisch. „Du siebst immer noch so erstaunt auf den Fahrstuhl, mein Herzenskind. Du glaubtest wohl nicht, ein so, der selige Onkel würde sagen, abgetakeltes Wrack vorzufinden? Ach, wenn du doch bei mir bleiben möchtest, bis mich der Steuermann zur letzten Fahrt abruft! Du wirst freilich ein stilles, einsames Leben führen: ich lebe fast ohne Verkehr." (Fortsetzung folgt.)