Ausgabe 
14.12.1913
 
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Die gedeutung einer Miuute.

Wenn einer vor einer Haustür steht und klingelt, und es wird nicht gleich aufgetan, so zählt er die Minuten. Aber es ist eine viel ernstere Sache, wenn Jesus vor der Tür unseres Herzens steht und anklopft. Wenn der Mensch da nicht gleich die Tür auftut, so versteht er den Augenblick nicht Wenn wir irgend wo versammelt sind und verstehen nicht, daß jetzt Jesus vor unsers Herzens Tür steht und Einlaß begehrt, so verstehen wir nicht die Bedeutung dieser Minute. Als die Tochter der Herodias vor Herodes tanzte, und der König ihr verspricht, ihr zu geben, was sie nur wolle, da geht sie schnell und fragt ihre Mutter: was soll ich bitten? Sie versteht den Augenblick. Und die Mutter weiß ganz genau, was sie will. Auch sie versteht die Bedeutung einer Minute. Jetzt muß das Haupt eines Mannes herunter, der ihr schon lange ein Dorn im Auge gewesen ist. Jetzt oder nie! Und vor unserer Tür steht Jesus und klopft an. Er will eintreten. Wann denn d Jetzt, sobald! Versteht ihr die Bedeutung der Minute.

Vergiftet.

om deutschen Kaiser Leopold I. erzählt die Chronik den folgenden Fall: Der Kaiser erkrankte plötzlich, ohne daß die Aerzte den Grund zu finden wußten. Wochenlang zerbrachen sich die größten Autoritäten den Kopf über den Charak ter der unheimlichen Krankheit. Zu eben dieser Zeit, Ende 1700, hielt der Kaiser auf Veranlassung der Inquisition den berühmten Chemiker Franz Burri gefangen. Die behandelnden Aerzte machten in ihrer Hilflosigkeit den Monarchen auf den großen Gelehrten aufmerksam, indem sie der Vermutung Ausdruck gaben, es könnte am Ende eine Vergiftung vorliegen. Der Kaiser ließ den Chemiker kommen und ihm auch die nötigen Aufklärungen ge ben. Nach langer und eingehender Untersuchung fand Burri die Lösung des Rätsels. Er behauptete, daß die Luft der kaiserlichen Gemächer vergiftet sei, und zwar durch die großen Kerzen, die der Kaiser in all seinen Räumen zu brennen pflegte. Und die sofort angestellte chemische Untersuchung ergab, daß in 30 Pfund Kerzen beinahe drei Pfund Arsenik enthalten waren.

Unsere Zeit ist auch krank geworden. Sie leidet an vielen schweren Krankheiten, die am Leben des Volkes zehren und den Leib des Volkes ruinieren. Woher diese Erkrankung? Die Diagnose erfordert keine lange und eingehende Untersuchung. Sie liegt auf der Hand und lautet:Vergiftet. Unsere Atmosphäre ist von Giftkeimen erfüllt. Die geistige Luft, die wir atmen, ist vergiftet. Man sehe nur einmal hinein in die Nummern gewisser Blätter. Welch ein Ausspritzen von Gift nach allen Seiten hin! Welch eine giftige Zersetzung alles Hohen und Heiligen, mit der die Gemüter bewußt irregeführt werden! Man leuchte nur einmal hinein nicht nur in die Wohnun gen der Herrschaft, sondern auch in die Küchen und Kammern der Dienstboten. Wieviel Gift, das hier in schlechten Romanen und aufregenden Geschichten

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Tag für Tag oder auch Nacht für Nacht iygesogen' wird! Die Not der Zeit ist groß! So groß, daß sich auch für uns das Wort der Schrift zu erfüllen scheint:Der HErr wird dich schlagen mit giftiger Lufk(5, Mos. 28, 22).

Die Macht des Kreuzes.

Der gläubige Arzt und Schriftsteller de Valenti führte in seiner Jugend ein ziemlich leichtfertiges Leben. Da hörte er, wie er eines Nachts um 11 Uhr von einem Zechgelage heimkehrte, den Nacht wächter singen:

Seele, geh nach Golgatha,

Setze dich zu Jesu Kreuze

Und betrachte, ob dich da

Nicht ein Trieb zur Buße reize.

Kannst du hier gefühllos sein,

O, so bist du mehr als Stein. Diese letzten Worte konnte er nicht mehr los werden und empfing durch sie den Anstoß zu seiner Bekehrung.

Generalfeldmarschall Graf Hüseler,

der am 26. April sein 60jähriges Dienstjubiläum gefeiert hat, nimmt an allen Fragen des öffent lichen Lebens noch lebhaftesten Anteil. Seine trotz der 77 Lebensjahre noch bewundernswerte geistige und körperliche Frische verdankt er u. a. seiner Enthaltung von allen geistigen Getränken. Er hat selbst gelegentlich erklärt:Seit dem Jahre 1878 trinke ich weder Wein noch Bier, Schnaps habe ich noch nie getrunken. Seine Erfahrungen hinsichtlich der Einwirkung des Alkoholgenusses auf die militärischen Verhältnisse hat er in dem Satz zusammengefaßt,daß der Mann ohne Alkohol- genuß weit leistungsfähiger, sowohl zu körper

licher, wie zu geistiger Arbeit ist, also weniger

ermüdet, und das zu allen Jahreszeiten. Schnaps ist das größte Übel, Bier kommt ihm sehr nahe, es erschwert die Leistungsfähigkeit, macht müde und erzeugt immer Durst.

Ein gutes Mittel.

Ein, wenn auch sonderbares, aber wie versichert wird, wirksames Mittel gegen die Trunksucht haben einige niederländische Stadtverwaltungen gefunden. Es zeugt von großem Wohlwollen gegen die Trun kenbolde und von Strenge gegen die Verkäufer der geistigen Getränke. Wenn ein Polzeibeamter einen Mann auf der Straße trifft, der nicht mehr geraden Weges sein Heim aufsuchen kann, so ruft er eine Droschke herbei, verladet den Trunkenen in diese und fährt ihn nach dem nächsten Polizeibureau. Ein Arzt wird herbeigerufen, der den Mann untersucht und entscheidet, wann der Eingelieferte wieder mit der Drosechke in seine Wohnung befördert werden kann. Am anderen Tage wird dem Wirte, bei dem sich der Gast betrun en hat, die Rechnung über die Wagen fahrten und für den Arzt zur Begleichung übersandt. Seit der Einführung dieser Vorschriften soll die