bedurften, um Weib und Kindern zu beweisen, wie lieb er sie hatte, und um seinem Gott näher zu kom— men. Sechzig kurze Tage! Wie schnell mußten sie dahinfliehen. Wie mag er die Stunden, die Minuten gezählt haben?— Und doch ist es denn anders mit uns d Die Seit, die uns noch bleibt, kann auch zwei Monate sein oder zwei Tage. Und wie benutzen wir sie?„Mauft die Seit aus,“ so ermahnt der Apostel. Wie viele Menschen vergeuden die Seit mit Trachten nach nichtigen Dingen, anstatt sie dazu zu benutzen, wozu sie ihnen von Gott gegeben worden ist, nämlich ihrer Seelen Seeligkeit zu schaffen mit Furcht und Sittern. Betrachten wir die Seit einmal im Lichte der Swigkeit, so bekommt sie für uns einen viel höheren Wert. Da ist uns jeder Augenblick kostbar, und wir trachten darnach, so zu leben, daß unsere Seit im Dienste Gottes verwendet wird. Deine Lebenszeit kann auch bald abgelaufen sein, wie bei jenem Mann in unserer Geschichte, und du ahnst es vielleicht gar nicht. Weißt du, ob du morgen noch lebst? Ange— nommen, deine Sterbestunde käme morgen, und du hättest dich nicht vorbereitet auf den Tod und die Ewig— keit, was dann d— Da siehst du, wie ernst es doch ist, sich beizeiten völlige Klarheit zu verschaffen, und die gelegenste Seit hierzu ist jetzt, wo du noch lebst, dieser Augenblick, wo Gott dich durch dies Blättchen an die Ewigkeit erinnert. Gottes Wort sagt:„Sehet, jetzt ist die angenehme Seit, jetzt ist der Tag des Heils.“(2. Kor. 6, 2b). Ergreife jetzt das Heil, welches dir in Jesu angeboten wird. Sprich mit Entschieden— heit:„Es ist genug, daß ich die vergangene Seit meine Lebens zugebracht habe nach heidnischem Willen“(J. Petr. 4, 3.) und wende dich von ganzem Herzen dem Heilend zu, der für dich gestorben ist und dich erlöst hat. Und dann weihe Ihm dein Leben, nutze deine Seit aus, um Ihm zu dienen, wo sich nur die Gele— genheit bietet, und vergiß nicht, die Seit, in der du lebst, ist kostbare Seit.
Bie Welt mit ihrer Lust.
„Als ich,“ erzählt Hettinger in seinen Bildern aus den Alpenländern,„eines Sontagsmorgens im Jahre 1873 im Pustertale gerade zur Kirche gehen wollte, stand ein prachtvoller Wagen vor dem Wirts— hause; mehrere Wiener und ihre Frauen, mit eigenem Wagen, Dienen usw., auf einer Vergnügungsreise durch Tirol begriffen, waren über Nacht hier, hatten bis 8 Uhr geschlafen, dann ein gutes Frühstück ein— genommen und fuhren nun in lustigem Trabe davon, während das feierliche Geläute der Glocken alle in die Kirche rief, nur sie nicht. Auf dem Wege ging eine Frau mit mir; ich fragte sie, ob sie es nicht auch so gut haben möchte wie diese Herren und Damen.
„Nein,“ war rasch die Antwort,„diese reisen im Lande herum, um die Eisberge anzusehen, aber ihre Herzen sind auch gefroren!“
„Warum?“ fragte ich weiter.
„Weil keine Liebe zu Gott und kein Christentum darinnen ist.“
Man kann nicht schärfer die Armut dieser ge— nußmüden Menschen bezeichnen als mit diesen Wor— ten der Pustertalerin..
Gott redet durchs Eunigelium.
Ein Soldat, der sehr tief in Sünde und Un— glauben versunken war und nur gezwungen die Kirche besuchte, mußte einst bei Gelegenheit einer Kaiserparade der Predigt beiwohnen, welche der neue Geistliche seines Regiments, ein treuer Diener Jesu Christi, hielt. Es war dem Soldaten ziemlich gleich— gültig, wer da predigte und was gepredigt wurde; indes diesmal wollte er doch hören, was der neue Prediger sagen werde. Allein nicht lange hörte er zu, als sein Gewissen anfing, sich mächtig zu regen und er der Tränen sich nicht enthalten konnte. Zum Schlusse der Predigt wurde der Vers gesungen: omme denn, wer Sünder heiß te Beim Gesange dieses Verses fing der Soldat laut an zu weinen. Er lernte denselben später auswendig und kam zum festen Glauben an den Heiland der Sünder. G
Die macht der Frauentränen.
Die Frauen des Vorortes von Bjelostok Skorupi sandten vor einiger Zeit eine in den rührendsten Aus- drücken gehaltene Bittschrift an den Chef des Grod— noschen Gouvernements, in der sie über ihre Männer bittere Klage führten, welche den Wirtshäusern zuliebe ihre Familien arg vernachlässigten. Der Gurverne— mentschef prüfte diese Bittschrift, wobei kes sich heraus— stellte, daß die in ihr enthaltenen Angaben der Wahrheit entsprachen. Daraufhin wurde, dem Gol. Bel. zufolge, kurzerhand der Befehl erteilt, alle in Skorupa befind ichen Wirtshäuser zu schließen. Diese drakonische Erziehungsmaßregel wurde sodann am 24. August vollstreckt.
Graf Bernstorff
lebte als junger Mann in London, wo sein Vater deutscher Botschaster war. Es war ein religiöses Haus. Man las die Bibel uud ging regelmäßig ins Gotteshaus. Doch fehlte dem jungen Manne ein Etwas. Er konnte es nicht definieren, be— schreiben. Er sagte: Wir haben wohl die Form, aber das Wesen fehlt uns. Er wurde von einem Grundbesitzer eingeladen, und in seinem Hause fühlte er einen Sonnenschein und einen Frieden, der ihn anzog. Nach Gewohnheit, zur festgesetzten Stunde, versammelte sich das Haus zur Andacht. Der Hausherr las ein Kapitel aus der Bibel, dann knieten sie alle nieder zum Gebet. Da wurde kein Gebetbuch gebraucht; dieser Mann sprach mit Jesu als mit seinem besten Freunde. Christus war ihm eine Wirklichkeit. Und der junge Graf dachte und fühlte: das ist, was mir fehlt. Jesus war ihm bisher nur eine geschichtliche Person, die einst auf Erden lebte. Jetzt nahm er Jesum als seinen Heiland, als seinen persönlichen und gegenwärtigen Freund und Gott an. Und dann konnte Golt ihn zu einem gesegneten Werkzeug machen.


