Herzen weich. Dann ist die Liebe Christi ins Herz ausgegossen und dringet den Menschen, Je⸗ sum zu ehren und seinen Mitmenschen zu nützen ist seine Freude. Ein neues Herz hat auch Kraft über die Sünde, Kraft, Seinen Willen zu tun, Ihm zu dienen. Auf solchem Herzensboden können die Früchte heranreifen. Math. 13, 8. 23; Gal.
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22.
Was für ein Herz hast du, lieber
Hater, laß die Augen Dein Heber meinem Bette sein!)
Wenn Gott uns Menschen demütigt und in die Schule des Leidens und der Trübsal nimmt, dann ist nach unserer Ansicht und nach unserem Empfinden das Maß sehr bald zum Überlaufen voll und es dünkt uns schier unmöglich, noch mehr ertragen zu können. Das hat seinen Grund in der, uns Menschen angeborenen Leidensscheu, auch er— kennen wir in der Regel nicht scharf genug, in wie weit wir unser Ungemach verschuldet haben. Unser himmlischer Erzieher aber ist, wie immer, so auch in diesem Punkte, anderer Meinung, weil er uns besser kennt als wir selbst. Darum mischt er uns unser Teil gemeiniglich mit einem größeren Maß zu, als uns recht ist. Daß unsere Eltern sich damals in keiner beneidenswerten Lage be— fanden, ist aus dem Erzählten zur Genüge er— sichtlich. Dennoch gefiel es Gott dem Herrn, unsere gute Mutter, die Hauptstütze der Familie, auf ein schweres Krankenlager zu werfen; dabei ereignete sich etwas, was ich hier noch zur Ehre Gottes erzählen muß.
Mutter hatte, ohne an sich und ihre Kinder zu denken, einen armen, typhuskranken Mann ge— pflegt, weil niemand sich desselben annehmen wollte. Die Folge war, daß sie selbst von der Krankheit ergriffen wurde. Der Abend eines schweren Augusttages brach an. In der Stube lag die kranke Mutter in wirren Fieberphantasien. Mein Vater, der damals zu Hause war, kam nun an jenem Abend, vielleicht in nicht ganz nüchter— nem Zustande, auf einen seltsamen Gedanken. Er ging in den hinter dem Hause angebauten Schuppen, legte etwas Streu zurecht und bettete dann uns Kinder für die kommende Nacht darauf, offenbar in der gutgemeinten Absicht, uns der dumpfen
Leser?
) Diese kleine Erzählung entnehmen wir mit gütiger Erlaubnis des Verlags dem wunderschönen Buche: Ein Stück Kleinleben. Jugenderinnerungen von August Förster. Verlag von Friedrich Jansa in Leipzig. Hübsch kartonniert 2.— Mark, geb. 3— Mark. Versasser schildert darin mit schlichter Frömmigkeit und t euherztgem Hu or seinen Aufstteg aus grenzenlosen Armut vom Gänseb eb zum Sitz rlehrling und Lehrer. Gern folgt man dem frischen, treuherzigen Geplauder über solche wun— derbaren Führungen und Fügungen. Die lebenswahr en und feselnden Schilderungen müssen überall Anklang finden.
und ansteckenden Krankenluft der Stube zu ent⸗ ziehen. Und in der Tat, an frischer Luft mangelte
es uns hier nicht; denn nicht nur besaß unser neues Schlafgemach keine Tür, sondern auch die
defekten Bretterwände wiesen manche Lücke auf, und durch die morschen Schauben des Strohdaches würden die Sternlein auf die kleinen Schläfer herabgeblickt haben, wenn der Himmel an jenem Abend nicht gar so trübe dreingeschaut hätte. Wir schliefen aber trotz allen Mängeln der Schlaf—
kammer bald ein, und unser Vater ging ins Dorf,
sicherlich mit dem guten Vorsatz, bald zur kranken Mutter zurückzukehren. Diese blieb also ganz allein.
Unterdessen zogen am westlichen Himmel drohende Wolken herauf und in der Ferne ver— nahm man schon das Rollen des Donners. Ein Gewitter war im Anzug. Was sollte aus uns Kindern werden, wenn es sich plötzlich entlud? Lagen wir nicht viel besser unter freiem Himmel. Da sie hat es uns später selbst erzählt richtet sich die Mutter auf ihrem Lager plötzlich auf, und ihre Augen fallen auf die leeren Lagerstätten der Kinder— sie blickt ganz klar; das Fieber ist gewichen. Eine unbeschreibliche Angst um ihre Kleinen ergreift sie. Wo konnte der Vater in so später Stunde mit ihnen hingegangen sein? Auch ihre Bettlein, die ihnen als Decke dienten, waren
verschwunden. Eine Ahnung durchzuckt sie. Sollte
er sie etwa in dem offenen Schuppen, der keiner— lei Schutz bietet, untergebracht haben und noch dazu in dieser unheimlichen Nacht? Sie verläßt das Bett, wankt notdürftig gekleidet zur Tür hi— naus, gelangt durch den Hof, der nach der Straße zu ohne Einfriedigung war, in den Schuppen und findet hier die Vermißten, die sie nun sogleich zurück in die Stube brachte. Daß die schwerkranke Frau das alles vermochte, ist ihr später immer als ein Wunder erschienen; Ding unmöglich. Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende.
Als wir Kinder uns wieder unter Dach be— fanden, entlud sich eines jener furchtbaren Ge— witter, die auch den rohesten Menschen erbeben machen und ihm seine Ohnmacht und Kleinheit gegenüber den Naturgewalten und dem, der ihnen Macht gegeben, lebendig zum Bewußtsein bringen. Orkanartig raste der Sturm und peitschte den Regen gegen die Fenster der kleinen Lehm— hütle, in der wir Kinder schon wieder schliefen. Wenn aber die grellen Blitze das kleine Gemach mit ihrem fahlen Licht erleuchteten, erblickte die Mutter jedesmal ihre Kinder und dankte Gott. Am Morgen nach dieser furchtbaren Nacht zogen Viehhändler durch das Dorf, denn im Nachbar- städtchen Parchwitz war Viehmarkt gewesen. Sie suchten einen Bullen, der ihnen in der Nacht
bei Gott ist kein


