Ausgabe 
2.11.1913
 
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Wie erhalte ich eine Krone?

Ich denke nicht an die irdischen Kronen, nein, die irdischen drücken schwer, s'ist nicht als ob's ein Strohhut wär. Höher hinauf, heißt unser Weg. Wie erhalte ich das schneeweiße Hochzeitskleid, den Schmuck der Himmelsbewohner? Das sind Höhen, da komme ich nicht hinauf, sagen viele, denen die Forderung eines heiligen, gottgeweihten Lebens zu schwer dünkt. Du kennst mein Temperament nicht, sagte ein Choleriker, als man ihn zur Sanftmut ermahnte. Ach ja, in eigner Kraft kann keiner aus seiner eigenen Haut hinausfahren. Niemand wird dieses hohe Ziel der Schönheit und Reinheit Jesu erreichen. Doch Jesus ist nicht nur unser Ziel, er ist auch der Weg zu diesem Ziel. Er hat am Kreuze für uns eine Gasse gemacht, heraus aus der Sklaverei der Sünde in die Frei heit der Gotteskinder. Der Weg heißt: Jesus und sein Blut. Stirb und werde, ruft uns der Geist der Wahrheit zu, er will uns mit dem Blute und Tode Jesu in Verbindung bringen. Wir müssen unser eigenes Golgatha, unser Ostern, unser Pfingsten erleben. Wenn Jesu Tod unser Tod und Jesu Leben unser Leben geworden, dann wird der heilige Geist der Bewohner des Tempel hauses sein, in dem vorher das Geschrei der Tiere und der Wechsler erschallte. Ein Beamter sagte:Wenn ich vom Dienst heimkomme, dann empfängt mich meine Frau gewöhnlich mit den Worten:Na, wo bleibste denn wieder so lange. Kannst du dich nicht besser eilen, daß du heim kommst? Sehen Sie, da läuft mir schon die Galle über, da möchte ich gleich dreinschlagen. Ach dreinschlagen, das liegt so nahe, wenn man un gerecht und lieblos von der eigenen Frau behan delt wird. Doch, was kommt beim Dreinschlagen heraus? Scherben, nicht nur Porzellanscherben, sondern Herzscherben. Nicht dreinschlagen auf unsere Umgebung, sondern hineinschlagen ins eigne Herz, das ist besser. Dort sitzt unser größter Tyrann und Gegner, unser stolzes Herz, das so leicht verletzt, gereizt und böse wird. Bring dies zappelige, störrige Ding unter Jesu Kreuz. Dort wird man Herr über sein Temperament und wenn man ein Choleriker Nr. 1 wäre. Ein Gekreuzigter schlägt nicht mehr um sich. Die Nägel schützen ihn vor ihm selbst. Ich bin mit Christo gekreu zigt, sagt deshalb Paulus. Wenn mich die böse Lust anficht, sprech ich zur Lust, ich muß ja nicht, ich sprech zur Lust, zum Zorn, zum Geiz, dafür hing mein Herr am Kreuz. Im Kreuz ist tiefer Friede, im Kreuz ist Ruh, da deckt des Lammes Liebe mich gänzlich zu.

Du, mein hitziger Leidensbruder, darfst auch erleben, was das Kreuz Christi über einen Mann vermag. Die Weltkinder haben ja allerlei Mittel

chen ersonnen, den gereizten Löwen in uns z besänftigen oder zu beruhigen. Der eine sagt Im Zorn soll man kaltes Wasser trinken, das selbe womöglich so lange im Munde lassen, bi der Zorn verraucht ist; der andere sagt, man solle bis hundert zählen, der dritte empfiehlt einen Spaziergang ins Freie. Doch so lange das wilde Tier, der stolze alte Adam, noch frei herum laufen darf, haben alle diese Mittel keinen Wert. Hol' den Störenfried aus seiner Höhle heraus, sei männ⸗ lich genug, ihn dem Gericht zu überliefern, ja häng ihn ans Kreuz, und du bist ihn los, so lange du bei Jesu bleibst. Christus in uns, o welche Schönheit, Hoheit, Herrlichkeit. Bei Jesu lernt man Sanftmut und Demut. Es ist merkwürdig, daß man in der ganzen griechischen und römischen Literatur vor Paulus kein Wort für Demut findet. Christus hat uns diese liebliche Himmelsblume gebracht. Es ist die Kreuzesrose, deren Schönheit und Wohlgeruch den Himmel erfüllt. Drum singt der Dichter: f

Deiner Sanftmut Schild,

Deiner Demut Bild

Mir anlege in mich präge,

Daß kein Zorn noch Stolz sich rege.

Vor dir sonst nichts gilt

Als dein eigen Bild. i

Suche, o Leser, diese Krone zu erlangen, und du wirst König sein in Ewigkeit! N 4

Die Hilfsgesellschaft für befreite Sklaven, welche von der Bischöflichen Methodistenkirche 1866, also drei Jahre nach dem amerikanischen Bürger krieg ins Leben gerufen wurde, hat seitdem eine reich gesegnete Tätigkeit entfaltet. Wie groß ihre Verdienste in Bezug auf die Hebung der Neger sind, geht schon daraus hervor, daß sie für diese gegenwärtig 21 Lehranstalten unterhält, unter denen sich ein theologisches Seminar und zwei Medezinal-Akademien befinden. Während sie vor 47 Jahren ihre Wirksamkeit mit einem geliehenen Kapital von 200 Mk. begann, beliefen sich die Beträge, die zur Unterstützung dieses Werkes allein aus den Taschen der Schwarzen kamen, im Rech nungsjahr 1911/2 auf fast 800,000 Mark. In alle Gebiete des praktischen Lebens, in Industrie, Handel, Landwirtschaft und in die gelehrten Be- rufe entsenden die erwähnten Schulen ihre Zög- linge, und nicht wenige von ihnen haben durch ein reich gesegnetes Leben die empfangene Aus bildung herrlich belohnt. Auch Afrika, ihre Hei mat, haben viele dieser Neger aufgesucht, um in dem Land, das die Großeltern in Ketten verlassen mußten, als Missionare die Freiheit durch Jesum Christum zu verkündigen. Mit mehr Zuversicht denn je ist man der Hoffnung, daß aus diesen Bildungsstätten noch die besten Reichsgottesarbeiter