Wie vertreibt man den Winter.
Man braucht im Winter nicht zu fragen, ob es kalt sei; jedermann weiß es und jammert über die furchtbare Kälte.— Man braucht nicht lange Untersuchungen über das religiöse Leben anzustellen, man braucht sich nur die Menschen anzusehen und wird empfinden, was für eine kalte Luft da weht. Aber wie können wir diesen Winter beseitigen? Wären wir nicht Narren, wenn wir durch eine Anzahl Ar— beiter mit Besen und Schaufeln den Schnee bei— seite schaufeln und so den Winter fortschaufeln wollten? Und gibt es nicht Leute, die mit eige— ner Hand den geistlichen Winter beiseite schieben wollen? Wäre es nicht töricht, wenn wir, der Er— fahrung folgend, daß unser Hauch und das Feuer den Schnee schmelzen, mit unserm Hauch und mit einigen Kohlenbecken den Winter vertreiben woll— ten? Aber wie viele versuchen, mit ihrer eigenen Kraft geistliche Frucht zu bringen! Wäre es nicht ganz vergeblich, wenn wir durch Beratungen über die meteorologischen Vorgänge des Winters und die chemische Zusammensetzung des Schnees dem Winter zu Leibe rücken wollten? Aber viele meinen, durch lange religiöse Aussprachen und Konferenzen den geistigen Winter bekämpfen zu können.— O, alle menschlichen Mittel sind sol⸗ cher Naturgewalt gegenüber vergeblich! Wie kam's denn, daß vor einigen Monaten der Schnee plötz— lich zu schmelzen anfing? Ein Wind von Süden war hereingebrochen.— Glauben wir, nicht mensch— liche Überzeugungsmittel, sondern allein der Wind von oben bringt den Frühling in die geistlich winterlichen Herzen! Aber auf welche Weise können wir den Wind bekommen? Nur durch das Gebet, freilich nicht jedes Gebet, sondern das ernste Gebet des Gerechten. Nach mehreren Bibelstellen hört der Herr den Gottlosen nicht, aber Er hört auf das Gebet derer, die sich in Gottes Willen gefunden haben, deren Herz auf das göttliche Herz gestimmt ist, wie der empfangende Apparat der drahtlosen Telegraphie auf den auf— gebenden. Er hört das Gebet derer, die im Na— men Jesu dastehen. Es ist in keinem andern Heil als in dem Namen Jesu. Kommen wir mit Ge— bet an Herrn für unser Volk, so wird es anders werden.
Jesus, der Heiland der Sünder.
Der Evangelist Moody wurde einst zu einem
Kranken gerufen, der ihn bat, er möge ihm ster—
ben helfen. Moody sagte:„Ich würde dich gern auf meinen Armen ins Reich Gottes tragen, ich kann es aber nicht; der HErr Jesus kann es allein.“ Der Kranke schüttelte den Kopf und sagte:„Er kann mich nicht selig machen; ich habe mein Leben lang gesündigt.“„Aber Er ist gekommen, die Sünder selig zu machen,“ sagte
Moody. Er betete zwei- oder dreimal, hielt ihm alle Gottesverheißungen vor, die er wußte, und las Joh. 3. Als er an den 14. und 15. Vers kam:„Wie Mose in der Wüste eine Schlange erhöht hat, also muß des Menschen Sohn erhöht werden, auf daß alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben,“ unterbrach ihn der Kranke mit der Frage:„Steht das da?“„Ja.“ Er bat, es noch einmal zu lesen. Dann richtete er sich ein wenig auf und sagte: „Das ist gut. Wollen Sie es nicht noch einmal lesen?“ Es geschah zum drittenmal, und das Kapitel wurde zu Ende gelesen. Jetzt sah Moody ihn an: seine Augen waren gechlossen, aber sein Gesicht leuchtete. Welcher Wechsel! Seine Lippen bewegten sich, und Moody hörte ihn flüstern: „Wie Mose in der Wüste usw.“ Er öffnete seine Augen und sagte:„Das ist genug, lesen Sie nicht mehr.“ Er lag noch einige Stunden, wäh— rend diese Verse sein Ruhekissen waren, und dann wurde er vom HErrn heimgeholt.
Woher— wozu?
Woher das Leid, die Krankheit? Das ist die Frage, die viele Schwergeprüfte hin und her erwägen, ohne eine befriedigende Antwort zu finden. Sie wissen nicht, wo sie oder ihre Lieben sich das Leiden hergeholt haben, weshalb sie es gerade treffen muß und ihre Nachbarn und Bekannten nicht, und manches andere Dunkle auch nicht. Wir Christen aber wollen uns daran erinnern, daß alles, auch das Leid, die Krankheit von Gott kommt. Das gibt uns eine neue Auffassung, eine höhere, klarere, befriedigendere als alles sonstige Grübeln. Unser lieber himmlischer Vater sendet uns Leid wie Freud.„In Seinem Willen ruhen“ ist das höchste Ziel beim Leiden.
Ja, aber wozu, weshalb, warum? Das ist die andere Frage, die das Herz beunruhigt und umwühlt. Unser Christenglaube hat auch darauf die Antwort: Die Aufgabe der Trübsal ist die, uns näher zu Gott ziehen, mehr in Christi Bild umzugestalten. Viele Hindernisse in uns, alte Lieblingssünden, Schwächen und Gebrechen, werden uns dabei klarer und verhaßter und wir werden
zur Übergabe derselben bereiter. Gott aber kann
in und durch uns nur in dem Maße wirken, als wir Ihm uns übergeben und weihen. Er kann die starken Tugenden der Geduld, des Ertragens und der steten Freundlichkeit nur wirken in einem Herzen, das Ihm ungeteilt gehört. Das Ziel des Leides ist also auch Gott, Gott in uns.— Wo⸗ 5 Es kommt von Gott! Wozu? Es führt zu ott!
So werden wir auch durch Leid, und vielleicht mehr als durch irgend etwas anderes, unserem höchsten Ziele näher geführt.


