eh bins nicht mehr.
Wenn wir mit Mut die Werke des Fleisches dem Kreuze überliefern und die Todeskräfte Jesu uns lief durchdringen, dann sind wir nicht mehr die Alten, sondern das Alte ist vergangen, es ist alles neu geworden. Augustin begegnete nach seiner Bekehrung einer Dirne, mit welcher er srüher verkehrte.„Augustin, ich bins“, rief sie la— chend und wollte ihn umarmen. ihr den Rücken mit den Worten:„Aber ich bins nicht mehr.“ Ja, er war es nicht mehr. Die Gnade Jesu hatte ihn ergriffen und aus diesem toten Lebemann einen Lebendigen, einen Zeugen Christi gemacht.
Schlosser M. litt furchtbar unter seinem Jäh—
Eines Abends sollte er, da die Frau nicht wohl war, die Ziege melken. Er nahm gute Vorsätze und ging an diese Arbeit. Die Ziege aber hatte auch ihre Fehler und schlug mit dem Bein in die Milch. Der Mann aber schluckte seinen Arger hinunter und bezwang sich. Da schlug sie zum zweitenmal. Nimm dich in acht, du störrige Ziege, rief er in gereiztem Tone. Da hob das Tier noch einmal das Bein und die Milch lag im Stalle, der Topf lag zerbrochen daneben. Da war die Geduld am Ende, das Gallentöpflein floß über. Wütend schlug der Zornige auf das Tierlein ein, bis er endlich in seiner Ohnmacht voll Scham und Schande im Stalle auf die Knie niedersank und Gott den Heiland um Erbarmen anrief, daß er die Sklavenketten seines Zorns, seiner wilden Natur zerreiße. Und Gott erhörte dies Gebet eines Elenden. Was keine Bitten und Ermahnungen anderer, ja die besten Vorsätze von ihm selber nicht zustande brachten, das brachte die Gnade Jesu fertig. Der wilde, stolze Schlosser wurde umgewandelt. Das Alte verging, es wurde alles neu. Ich bins nicht mehr, konnte er seinen Lieben sagen, die nun nicht mehr scheu aus dem Wege gehen mußten, wenn kritische Momente kamen. Mit Christo auferstandene Leute sind keine Prahler und Pocher mehr. Sie wissen ja, daß alles, was sie haben, Gnade und Erbarmen ist. Woher hast du solche Weisheit, wurde Bonaven— tura gefragt. Es ist mir alles vom Gekreuzigten zugeflossen, sagte er. Gypsi Smith, dem reichge- segneten Zigeunermissionar, befühlte bei einer Riesenversammlung ein Mann den Kopf.„Ich möchte gerne das Geheimnis Ihrer Macht ergrün⸗ den,“ sagte er.„Sie greifen viel zu hoch“, gab der schlichte Zeuge Jesu zur Antwort. Das Geheimnis der Kraft liegt nicht im Kopf, sondern im Herzen, das für Jesus schlägt. Wer noch von der Ein— bildung lebt, hat keine Ausbildung. Wer stolz, hochfahrend, herrschsüchtig ist, nenne sich ja nicht Christ. So wenig als man die Dornschlehe Edel—
zorn.
Doch er kehrte
traube nennen darf, darf man einen Stolzen Christ nennen.
Je größer ich, je kleiner du, o Jesu, mach mich klein; doch, je kleiner ich, je größer du, o Seele, laß Jesus groß in Dir sein; setz ihn auf den Thron deines Herzens, und er wird dich er⸗
höhn. *
„Die Kraft meines Lebens“.
Ein Judenmissionar berichtet: Vor einigen Tagen kam ein jüdischer Herr, der Leiter eines elektrotechnischen Bureaus, zu mir und fragte, ob ich ihm nicht Religionsstunden geben wolle. Ganz überrascht und hocherfreut fragte ich ihn, wie er auf diesen Gedanken gekommen sei, und er erzählte:
„Seit 20 Jahren habe ich die Christen beo— bachtet und haben gefunden, daß sie um kein Haar besser sind als die Juden. Es sei überhaupt kein Unterschied zwischen Christen und Juden, dachte ich, höchstens daß die Christen die Juden hassen und verachten. Gestern früh gebe ich meiner Telephonistin einen Auftrag; es war nichts Böses — eine kleine Geschäftslüge, wie sie allerorten gang und gäbe ist—, da weigert sich die Dame und sagt, das wäre gegen ihr Gewissen. Ich bin erst erstaunt, dann werde ich zornig, drohe ihr mit der Entlassung; sie bleibt fest, sie sei eine Christin und könne nicht gegen ihr Gewissen handeln. In der größten Wut rufe ich eine andere Dame, übrigens auch eine„Christin“, herbei und sie erledigt den Auftrag sofort.— Am Abend,
als ich allein in meiner Studierstube saß und die
Sache noch einmal im Geist durchlebte, ließ es meinem Herzen keine Ruhe. Ich ergriff Hut und Stock und eilte nach der... straße, wo jene Telephonistin wohnte. Ich traf sie mit ihrer Mutter zusammen, und als ich eintrat, zuckte sie ein wenig zusammen, sie glaubte, daß ich gekommen sei, um ihr ihre Entlassung mitzuteilen. Sie grüßte freund— lich und blieb aufrecht vor mir stehen. Einen Augenblick war ich fast verlegen, dann sagte ich: „Mein Fräulein, ich muß Sie etwas fragen, Sie sagten heute, als Christin könnten Sie nicht gegen ihr Gewissen handeln, sagen Sie mir, ist Christus wirklich eine Kraft im Leben?“
Mit strahlenden Augen antwortete sie:„O nein, nicht eine Kraft in meinem Leben, sondern die Kraft meines Lebens!“
Wir sprachen noch kurz zusammen, dann bat ich um eine Adresse, wo ich mehr über dies Christentum der Kraft erfahren könnte. Und nun bin ich hier und bitte Sie, mir Religionsunterricht
zu geben.“ Aus dem Glaubensboten.


