Ausgabe 
10.8.1913
 
Einzelbild herunterladen

Aufwärts!

Gemeinschaftsblatt für

4 105 Hessen.

S

Dieses Blatt erscheint wöchentlich einmal.

7

Sonntag, den 10. August 1913.

6. Jahrg.

Die Entscheidungsst

(Mark. 1, 1420)

Jesus ist auf der Wanderung, Menschen seelen zu suchen und selig zu machen. Judäa hat er durchwandert, neben seinem Vorläufer Johannes seine Heilandstätigkeit begonnen(Joh. 3, 22 ff.).Nachdem aber Johannes überant⸗ wortet war, kam Jesus in Galiläa und predigte das Evangelium vom Reich Gottes(V. 14). Am See Genezareth wirft er zuerst das Netz des Him- melreiches aus. Der große Menschenfischer sucht Handlanger, die mitziehen helfen. Der Herzens⸗ kündiger weiß, hier unter den armen Fischer sind Leute, die warten auf seinen Ruf. Als er Johannes und Andreas, sowie Kephas erstmals am Jordan sah(Joh. 1, 37 ff.), da wußte er wohl, was in ihnen war, was sie suchten. Nur einen Tag waren sie damals bei ihm geblieben(Joh 1, 39). Dann hatte der Herr sie ziehen lassen. Er fesselt die Menschen nicht an sich im Feuer ihrer ersten Begeisterung. Ganze Jünger will er haben, Männer und Frauen, die aus innerer Überzeugung, mit ganzer Seele, im Bewußtsein der ganzen Trag⸗ weite ihres Entschlusses in seinen Dienst treten. Erst sollten in der Stille die ersten Eindrücke, die sie von ihm gewonnen, sich noch vertiefen und feste Gestalt gewinnen, ehe sie sich dauernd an ihn schlossen. Aber schon hatte Jesus ihre Herzen gepackt; wen er einmal ergriffen, der kommt nicht mehr von ihm los. In mancher sternenklaren Nacht mögen die leise gehenden Wogen des lieblichen Sees und die sachte lispelnden Winde den von der Arbeit zum hellen Himmel aufschauenden Männern es

zugeraunt haben, was sie dort am Jordan ver- nommen:Was suchet ihr?Kommt und sehet es!Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt! Sie kamen nicht mehr von ihm los, und er lies sie nicht los. Heute steht er leibhaftig vor ihnen:Folget mir nach, ich will euch zu Menschenfischern machen. Nun ist es ihnen ganz gewiß; was sie damals nur geahnt in frommem Gefühl, ist ihnen Wahrheit geworden: Aus den Augen des Rufenden leuchtet ihnen die Liebe Gottes selbst entgegen, Ewigkeitsluft geht von ihm aus, bei ihm sind die Pforten des Himmels. Sie fühlen es: auf die zehnte Stunde von damals (Joh. 1. 39) ist jetzt die zwölfte, die Entschei⸗ dungsstunde gefolgt. Sie stehen auf der Höhe des Lebens. Nun gilt es zu wirken, so lange es Tag ist, es gilt ihr eignes ewiges Heil.Also⸗ bald verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach. Sie beraten sich nicht lange mit Fleisch und Blut, alsobald fahren sie zu. Sie lassen ihren Vater im Schiff; Er hat ja um ihretwillen auch seinen Vater im Himmel verlassen. Alsobald vertauschten sie ihr armes Handwerk mit einem größeren, dem größten! Nicht mehr mit List wollen sie fangen zum Tode, sondern mit der Wahrheit und der Kraft Gottes zum Leben. Die Menschenfischerei wird ihr Handwerk ihr Leben lang.

Auch uns ruft Jesus in seinen Dienst. Viel⸗ leicht hat er uns eben erst noch in der Vorberei tungsschule, verpassen wir in der Beschäftigung des Alltags nur die Entscheidungsstunde nicht! l Buße!Glaubet an das Evangelium!Folget mir nach! Da gilts. Es gilt den entscheidungs⸗ vollen Ruck, ein entschiedenes Brechen mit der Vergangenheit, einen Bruch mit dem eigenen Ich. Wohl denen, die wie jene Fischeralsobald ihre Netze verlassen, die Netze, mit denen sie sich selbst um garnt und gefangen, die Netze der Eitelkeit und Lust, die uns verstricken in das Wesen der ver gänglichen Welt! Wohl denen, die diese zerreißen mit kühnem Entschluß und festem Willen, Jesu