daß selbst die Widerstrebendsten verstummten und, wie sie nachher sagten, unfähig waren, zu reden und zu handeln.
Nach dem dritten Ausruf kam eine gewisse Be— wegung in eine kleine Gruppe auf der rechten Seite, und zu seinem Entsetzen sah Kapitän Estcourt die zarte, liebliche Gestalt seiner Ems sich erheben, leichen— blaß, die großen Augen fest auf das Gesicht des Mannes gerichtet, der da für Gott sprach, durchschritt sie langsam den Saal und stellte sich erhobenen Hauptes neben ihn. Die Augen des Propheten blickten sie freundlich an, und sein Herz schlug dem mutig schüch— ternen Gotteskind, das bereit war, ihren HErrn in solchem Kreise zu bekennen, warm entgegen. Da standen sie nebeneinander, der rauhe Knecht Gottes und das lichtgekleidete junge Weib, die beiden einzigen aus der ganzen Gesellschaft auf des HErrn Seite.— Herr Hebich predigte nun der leichtfertigen Versamm-⸗ lung das Evangelium.
Ich brauche wohl nicht zu sagen, daß die meisten den Ball für gänzlich verdorben erklärten, für einige war es aber ein Abend, der bis in alle Ewigkeit nicht wieder vergessen wurde.
Eme Esteourt sah ein, daß man nicht zwei Herren dienen kann und schloß sich ferner dem kleinen Kreise gläubiger Christen an, der sich um Hebich sammelte. Jetzt gehört sie schon längst zur triumphierenden Ge— meinde. Glaubst du, daß sie es je bereute, sich an jenem Abend auf des Herrn Seite gestellt zu haben?
Prüfe dich nun, ob du wohl denselben Mut be— wiesen, wenn du in der Lage gewesen. Auf welche Seite stellst du dich täglich, auf die der Welt oder auf die des HErrn? Wir wollen uns doch ganz für Jesus entscheiden, wollen es nicht versuchen, zwei Herren zu dienen, wollen, wie ein amerikanischer Evangelist sagt, einen scharfen Schnitt durch Welt und Sünde machen. 8
„Allzeit bereit!“
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Was du bist, sei's ganz!
Ein Knecht Gottes weilte als Gast in einem christlichen Hause. Als er dort eines Abends eine Bibelstunde hielt, hörte er während derselben in seiner originellen Art plötzlich auf zu reden, nahm eine große Blumenvase, die man nur mit beiden Händen fassen konnte, und gab sie einem Mädchen zu halten. Alles schaute verwundert auf und harrte mit Spannung der Dinge, die da kommen sollten. Ruhig nahm nun der Diener Christi die große Bibel, aus der er soeben gelesen hatte, und befahl vor der ganzen Versammlung dem Mädchen,
es solle die Bibel nehmen. Das Kind war in nicht geringer Verlegenheit; denn es hatte ja die Vase in Händen. Doch mit schnellem Entschluß bückte es sich nieder, stellte die Vase auf den Boden und ergriff nun mit beiden Händen die Bibel.
„Das ist recht“, sagte der Gottesmann,„allem absagen, was man hat, und Jesus und sein Wort annehmen, dann ist man gerettet für Zeit und Ewigkeit.“
Wir sollen ganze Christen sein. Jesus spricht:„Wer nicht absagt allem, was er hat, kann nicht mein Jünger sein,“ Luk. 19, 33. Wo sind aber solche Jünger zu finden? Sie sind sehr dünn gesät. Von einem bekannten griechischen Philosophen wird erzählt, daß er eines Tages mit einer brennenden Laterne durch die Straßen seiner Stadt gegangen sei. Auf die verwunderte Frage seiner Freunde, was er denn am hellen Tage mit der Laterne suche, habe er geantwortet: „Männer!“ Ja, Männer braucht die Welt! Ganze Männer braucht Jesus! Wo aber sind die Männer und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen, die sich ganz auf die Seite Jesu gestellt haben?
Die muß man auch am hellen Tag mit der La—
terne suchen.
Der Fluch der Halbheit lastet schwer auf uns. Ja, man kann wohl sagen, das Chri— stentum unserer Tage krankt am meisten an der Halbheit vieler seiner Glieder, und jeder einzelne, der nicht vollen Ernst macht, leidet darunter. Du wunderst dich vielleicht, daß es bei dir zu keinent wahren Frieden, keiner bleibenden Freude, keiner vollen Gewißheit des Heils, keinem rechten Wachstum im inneren Leben kommt, obgleich du dich darnach sehnst und darum betest. Du seufzest darunter, daß dir die Kraft zum Überwinden der Sünde fehlt und du keinen Mut und keine Freudig⸗ keit zum Zeugen hast, oder daß deinem Zeugnis
die durchschlagende Kraft fehlt. Dann werde ein⸗
mal stille und prüfe deine innere Stellung. Hast du schon getan, was jenes Mädchen dort tat? Gab es bei dir eine grundsätzliche Abkehr von allem, was Sünde, Welt und Eigenleben heißt, und eine völlige, rückhaltlose und ungeteilte Hin⸗ gabe an Jesus? Dann wird es mit dir ein Nenes werden. Einen goldenen Mittelweg gibt es hier nicht. Das Hinken auf beiden Seiten ist sehr ge⸗ fährlich.
Unnennbar groß ist dagegen der Segen der ganzen Hingabe. Es ist durchaus kein Verlust, wie es auf den ersten Blick scheint, wenn man allem absagt, um Jesus allein zu gewinnen; Denn wer ihn hat, der hat alles, Röm. 8, 32; 2. Petri 1, 3 u. a.„In ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und ihr seid voll⸗ kommen in ihm,“ Kol. 2, 9. 10.


