euer Opfer für den Drachen. Ihr ruft Hosiana der Wahrheit und huldigt der Lüge, und am Tage eurer Entscheidung seid ihr feige genug, Euer„Kreuzige, Kreuzige“ zu rufen. O wie kraft- und saftlos ist unser Christentum. Drei Eskimofamilien kamen 1200 Kilometer weit, um von Jesu Liebe zu hören, und ihr seid zu träge, nur einige Stunden für Jesum zu opfern. Wenn manche Namenchristen so lange in der Kirche oder Versammlung sitzen müßten, wie sie in dem dunstgefüllten Wirtshaus sitzen, sie würden sagen: „Das ist nicht zum Aushalten.“ Lassen wir den Strom des heiligen Geistes hinein in unser armes, selbstsüchtiges Leben, und die Dunkelheit wird schwinden, die Kälte der eisigen Herzen muß weichen, die Nachteulen und Krähen der Sünde werden aus unsern Krämerseelen schleichen, wie Nebel vor der Morgensonne entfliehen. Und ein Leben der Kraft wird dort einziehen, wo der bleiche Hunger sein Regiment geführt. Ja, wenn der heilige Geist unsre Fähigkeiten heiligt, unsre Persönlichkeit durchglüht, dann kommt der Früh— ling, der die Welt verklärt. Das Totenfeld unsrer
Gemeinden und Gemeinschaften wird verwandelt,
die schwarzen Leichentücher des Hasses und Neides verschwinden, Liebe, Freude, Friede und all die schönen Himmelsblumen und Früchte des heiligen Geistes sprossen zur Ehre des Heilandes, zum Preise seines für uns vergossenen Blutes in unseren Herzen empor!
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Wer stellt sich auf des herrn Seite? (Eine wahre Geschichte.)
„Jack, hier ist eine Einladung zum Regiments— ball am 20.“
Die hübsche, junge Frau zögerte, und ernste Ge— danken lagerten auf ihrer Stirn. Sie stand auf der Veranda einer indischen Villa. x
„Was gibt es, kleine Frau?“ sagte der Gatte, indem er seine Zigarre aus dem Munde nahm.
Sie sah noch nachdenklich vor sich hin, ohne zu antworten, so daß der Kapitän noch einmal fragen mußte, was denn los sei. Sie waren noch nicht lange verheiratet, und dies war die erste derartige Einladung, die sie bekamen. Wir müssen es zugeben, daß Frau Esteourt sich in ihrem Gatten getäuscht hatte. Sie war schon vor ihrer Verheiratung des HErrn Eigen—
tum; ob der Mann ihrer Wahl es auch wäre, darum hatte sie sich nicht genug bekümmert. Als sie nun dem Regiment nach Indien gefolgt, erkannte sie, wie schwer es ist, zwei Herren zu dienen. 8
„Lieber Jack, du weißt, daß ich eine Christin bin, ich habe es dir doch gesagt; da habe ich Tanzen, Theater und dergleichen aufgegeben, mir ist, als müßte ich nun auch fest bleiben und diese Einladung ablehnen.“
„Was, und den Ball seines schönsten Schmuckes berauben?“ sagte er lachend und legte den Arm um sie.„Wer wird sich solche Gedanken machen! Viel- leicht gehst du lieber hin, wenn ich dir sage, daß der alte Hebich auch kommt.“
„Jack, was sagst du da,“ und Frau Estcourt sprang auf und klatschte in die Hände,„Herr Hebich, der liebe alte deutsche Missionar?“
„Derselbe! War es nicht ein brillanter Gedanke, ihn einzuladen? Es wurde ihm geschrieben: Die Offiziere des 2. Bataillons der Königl. Jäger geben sich die Ehre usw.“
„Und er nahm die Einladung an?“
„Natürlich, ich war gerade anwesend, wie seine Antwort kam, du hättest nur sehen sollen, wie Jackson um den jungen Harcourt herumsprang und Hebich nachmachte.“
„Es ist gut, dann gehe ich auch hin,“ sagte Eme Esteourt.— 8
Der Ballsaal war mit Fahnen und Blumen herr⸗ lich geschmückt, die Regimentsmusik spielte, und der Tanz hatte angefangen. Ganz unbemerkt war ein großer, stattlicher Mann mit langem Bart, im schwarzen Rock, in den Saal getreten und musterte still das bunte Bild. Offiziere in ihren rot und goldenen Uniformen, Damen in eleganten Toiletten, viele Lichter, die Musik und der Blumenduft wirkten zusammen, um nach dem Geschmack der meisten Anwesenden das Fest sehr anziehend zu machen.
Jetzt schwieg die Musik, die Tänzer führten die Damen zu den Sitzplätzen, und die Mitte des Saales war leer. Da schritt der imposante Missionar nach der freien Mitte. Die Unterhaltung verstummte, und alle Augen richteten sich auf ihn. Er erhob den rechten Arm, und mit lauter, herausfordernder Stimme fragte er:„Wer stellt sich auf die Seite des HErrn— wer?“— Totenstille.— Dann wieder, und noch ein drittes Mal ertönte dieselbe Frage:„Wer stellt sich auf die Seite des HErrn?“ e
Die scharfen Augen unter den buschigen Brauen musterten die Gesellschaft. Es war, als hätte sich ein Bann auf den ganzen Kreis gelegt, es rührte sich 55 nichts. So überraschend und unerwartet war diese Herausforderung in das Lager des Feindes gekommen,


