Aufwärts!“
Gemeinschaftsblatt für
Hess 5
Dieses Blatt erscheint 8 einmal.
Sonntag, den 8. Juni 1913.
6. Jahrg.
Durch einen Schrei gerettet. „Sie riefen zum Herrn in ihrer Not, und er errettete sie aus ihren Angsten, Pf. 107, V. 6, 13, 19 u. 28.
Ein kleiner Knabe spielte an einem heißen Som— mertage an dem Ufer des Clyde in Scholtland. Plötz— lich tat Robbie einen Fehltritt, fiel und rollte das steile Ufer hinab in den Fluß. Er sank sofort unter und verschwand in der kühlen Flut War da niemand zur Hand, um dem kleinen Burschen zu helfen? Als er nach kurzer Zeit wieder 55 der Oberfläche auftauchte, schrie er mit aller Kraft:„O, rettet mich!“
Ein Mann, der gerade in der Nähe war, hörte den flehenden Schrei und sah eben noch den lockigen Kopf des Knaben wieder in der Flut verschwinden. Ohne sich einen Moment zu besinnen, zog er seinen Rock und die Schuhe aus, sprang in den Fluß und schwamm zu der Stelle, wo er den Knaben zuletzt gesehen hatte. Dann tauchte er schnell unter, und Robbie war in seines Retters starken Armen. Mit einiger Mühe erreichte er das Ufer des reißenden Flusses, und Robbie war gerettet. Es war eine edle Tat, und an jenem Nachmittag hatte dieser brave Mann die Freude, einen Knaben von einem frühzeitigen Tode gerettet zu haben.
Robbie wurde gerettet durch einen Schrei, den er in seiner Not ausstieß.— Freilich war es nicht sein Schrei, der ihn in Wirklichkeit rettete. Doch war derselbe das Mittel zur Rettung; denn der Ruf:„O rettet mich!“ holte den nahen Retter herbei.
Wenn wir den 107. Psalm lesen, sehen wir, daß,
die Kinder Israel viermal durch einen Schrei gerettet wurden. Wie leicht können wir die Hilfe, die wir brauchen, empfangen!
Robbie würde nicht gerufen haben, wenn er ge— dacht und gefühlt hätte, daß er sicher wäre. So
müssen wir selbst fühlen, daß wir in Gefahr und Not sind. Als Petrus zu sinken begann, rief er aus: „Herr, hilf mir!“[Matth. 14, 30J. Dann„alsbald“ streckte Jesus seine Hand aus und ergriff ihn.
Es war ein Glück, daß jener Mann nahe dabei war, als Robbie in den Fluß fiel. Er hätte in jener Stunde leicht können eine Meile entfernt, oder zu Hause sein, und nur ein guter Schwimmer hätte an jenem Tag den Knaben aus dem reißenden Strom retten können.
Aber unser Retter ist immer zur Hand.„Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien.“[Pf. 34, 16J. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute achtet der Herr auf die Rufe, die an sein Ohr dringen.„Und es wird geschehen, ein jeder, der irgend den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden.“ Ap. Gesch. 2, 21.
Goltes Rettungsboten. (Zwei wunderbare Errettungen, wie sie bei einer Familien- feier in einem Missionshause erzählt wurden).
„Es war zu der Zeit, als ich mit einer andern Diakonissin im kleinen Krankenhaus zu H. arbeitete“, erzählte eine liebe Schwester.„Da wurden wir ein— mal bald nach Mitternacht durch lautes Klopfen an der Haustüre geweckt. Wir schauten zum Fenster hinaus. Ein unheimlich aussehender, starker junger Mann stand draußen und begehrte einen warmen Trank. Wir merkten sofort, daß es sich nicht um einen Un— glücksfall, sondern um einen bösen Streich handle, und da wir schwache Frauen allein mit unsern Kranken wohnten und den halb betrunkenen Mann— es muß ein Schmuggler oder Wilderer gewesen sein— nicht


