Ausgabe 
1.6.1913
 
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FP 1** . 5 N 2

an einen Baum gebunden, und 25 Hiebe mit der Stachelpeitsche fielen auf seinen entblößten Rücken. Was gibt dir jetzt dein Jesus? fragte der Tyrann höhnisch den blutenden Knaben.Er gibt mir Kraft, meine Schmerzen zu ertragen, war des Knaben Antwort. Und wieder sausten 25 Hiebe auf den verwundeten Rücken nieder.Was gibt dir jetzt dein Jesus? fragte der Unmensch den in seinen Qualen sich win denden Knaben.Er erinnert mich daran, daß ein Tag der Vergeltung kommt, sagte der Arme. Und wieder tat die Peitsche ihre schauerliche Blutarbeit. Der Knabe brach zusammen. Er lag im Sterben. Die Augen blickten nach dem Himmel. Doch auf die Frage des Tyrannen:Was gibt dir jetzt dein Jesus? flüsterten die sterbenden Lippen:Er gibt mir Kraft, für meinen Herrn zu beten. So verschied er.

Sleben Gründe, warum man barmherzig sein

soll.

1. Die Barmherzigkeit ist ein Kleinod des höchsten Adels; denn Gott selbst nennt sich Vater der Barm herzigkeit, der da reich ist an Erbarmen.

2. Die Barmherzigkeit macht die Erde, den Ort des Schreckens und der Tränen, zu einem Ort des Segens und der Freude.

Die Barmherzigkeit ist das Ol auf die eiternde, brennende Menschheits-Wunde, der Balsam, der den zerschlagenen, unter die Mörder gefallenen Menschen erquickt.

3. Barmherzigkeit ist Geben und Nehmen zu gleicher Zeit, denn Jesus sagt: Selig sind die Barm herzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

4. Barmherzigkeit ist der Ausfluß eines Herzens, dem Heil widerfahren ist. Wie die Alpen im Strahl der Morgensonne erglühen und im entzückenden Farbenspiel die Sonnenstrahlen weitergeben, so muß die Seele, die Gott erlebt hat, seine Barmherzigkeit andern kund tun.:

5. Der Unbarmherzige aber ist wie eine Wespe

unter Kindern, wie ein Distel- und Dornstrauch unter Edelrosen, wie ein Unikum, ein Zerrbild unter Har monien. Der Unbarmherzige ist ein Schandfleck für ein Geschlecht; denn weil er selber vom Erbarmen Gottes lebt, ist seine Unbarmherzigkeit ein Schlag in das Gesicht des lieben Gottes.

6. Der Unbarmherzige schließt sich ab für die Zuflüsse aus der Welt der Liebe und des Lichts und öffnet die Hallen seiner Seele für die unreinen Geister der Tiefe und der Bosheit.

7. Der Unbarmherzige nimmt ein Ende mit Schrecken, dem ein Schrecken ohne Ende folgen

leys in jenem Gottesdiest war.

wird. Denn es steht geschrieben Jakobus 2 V. 15: Es wird ein unbarmherzig-Gericht über den gehen, der nicht Barmherzigkeit getan hat, und die Barm herzigkeit rühmet sich wieder das Gericht

Lasset uns deshalb Erbarmen üben, Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufhören.

Bekennermut und sein Lohn.

Weshalb ist nur heute Abend Emily nicht gekommen; sie ist doch ganz wohl, was ist denn der Grund ihres Fernbleibens? fragte Mrs. Annesley, die Veranstalterin eines großen Hausballes, Lord Elton, den Vater von Emily.Mit meiner Tochter ist leider eine traurige Veränderung vorgegangen, noch vor wenigen Wochen würde die Aussicht

auf einen solchen Ball sie in Entzücken versetzt

haben, erwiderte Lord Elton ernst.Sie war früher die Fröhlichste in einem solch' heiteren Kreis, aber jetzt hat sogar die Oper ihren Reiz für sie

verloren. Ist das nicht eine sonderbare Liebhaberei

für solch ein junges Mädchen?Gewiß! Sehr! Wenn die kranke Sarah, die das Londoner Gesellschaftsleben so viel genossen hat, diesen Ent schluß gefaßt hätte, würde ich mich nicht wundern, aber Emily, die gefeierte Schönheit, das ist mir unverständlich. Welche Ursache gibt sie denn an? Der Eindruck einer Predigt sagt sie. Jedenfalls ist sie ein ganz anderes Geschöpf, seit sie mit Dud Was ihr noch Freude bereitet ist, mit D's. in die Versammlung zu gehen, oder Bücher von ihnen zu lesen.Und

dagegen schreiten Sie nicht ein?Ich weiß nicht

wie! Emily kennt unseren Kummer darüber, aber sie beharrt trotzdem in ihrer neuen Ansicht. Gnä dige Fran, Sie haben so viel Einfluß auf Emily, Sie müssen uns helfen.Gerne will ich alles tun, sagte die junge Dame mit siegesgewissem Lächeln. Der Lord hatte heute Abend keine Stimmung für den Ball. Er saß verärgert über seine Tochter in einem Sessel. Von da übersah er die elegante glänzende Gesellschaft. Seine Eitelkeit wurde auf gestachelt; denn die Schönste und Anmutigste fehlte

L seine Emily.Welche Verblendung, sich von

solchen Festen fernzuhalten und bei den scheinhei⸗ ligen Dudleys, die keine Spur von Lebensart haben, zu sein. Eine vollständige Verrücktheit 14 Man brach auf. Sarah, die ältere Schwester Emilys, war ganz bleich und erschöpft.Armes Kind, ich befürchtete eine Ohnmacht, du bist so angegriffen. Nun ist am Sonnabend wieder Ball,

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