Ausgabe 
25.5.1913
 
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man auch vor dem 3

Zuviel⸗Trinken, ge

sättigung her, allgemein

einen hohen sittlich-religiösen Wert bei.

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en das ja zurzeit allgemein der 5 Aber ebenso nötig ist, daß uviel⸗Essen warnt. Bei der Unmäßigkeit im Trinken zeigen sich die Folgen mehr im Aeußern, bei der Unmäßigkeit im Essen aber mehr im Innern, in der Erschlaffung der edelsten Organe, ja in einer Art Selbstvergiftung. Sehr viele, ja vielleicht die meisten Krankheiten, rühren von Über⸗ wie dies besonders bei den Kindern bekannt ist. Die Arzte behaupten auch, nur der Mensch sei für Ansteckung durch Krank heitskeime empfänglich(3. B. die Influenza), der einen verdorbenen Magen habe.

Da gibt es denn täglich Anlaß genug, sich in der Selbstverleugnung zu üben, besonders so oft ein Leibgericht auf den Tisch kommt. Und obwohl im Neuen Testament nichts mehr von Fastengeboten steht, so hat doch fast jeder Mensch zu ganz persön⸗ licher Beachtung von Gott seinen Fastenzettel erhalten, worauf allerlei Speisen verzeichnet stehen, die er nicht essen darf, wenn er an seiner Gesundheit nicht Schaden nehmen will. Aber wer muß sich hier nicht zahlloser Übertretungen schuldig geben?

Krieg geführt wir

Etwas recht Ungeistliches scheint es zu sein, was wir hier kurz berührt haben; es greift aber

sehr tief ins geistliche Leben ein. Der fromme Heidel⸗ berger Professor Richard Rothe(gest. 1867) heißt auch in seiner Ethik das Essen denSelbstvergeisti gungsprozeß des Menschen, und mißt ihm daher Und der treffliche schwäbische Schulmeister Kolb meint: man könne das Essen ansehen als einen Genuß, ein Bedürfnis oder ein Opfer, das letztere sei das höchste und echt christliche. Oder wie eine seiner Tischregeln lautet:Man soll am Essen weder leichtsinnig noch mürrisch sein, sondern der Tisch soll der Altar, das Essen das Opfer und der Christ der Priester sein; er soll das alles von Gott nehmen und alles wieder zu Gott schicken und erhöhen, dann heißt's fürwahr; Alle Gabe Gottes ist gut. Wie wichtig aber dabei das Tischgebet ist, soll nur angedeutet werden. In Summa, wie der Apostel schreibt:Ihr esset oder trinket, oder was ihr tut, so tut es alles zu Gottes Ehre. 1. Kor. 10, 31.

Eine sonderbare Ausstellung.

Ein Volksfreund besah eine Ausstellung für;

das Brennereigewerbe.

Es fehlt noch etwas, sagte er, als er den Rundgang durch die Maschinen, Apparate und Erzeugnisse vollendet und die Zahlen gelesen hatte, die von dem Nutzen dieser Industrie Kunde gaben. Ich vermisse die Ausstellung all der gebrochenen Herzen, der zerstörten n, der friedlosen e der geschiedenen Ehen, der verwahrlosten Kinder, der Selbstmörder, der Gefangenen, die dem Alkohol zum Opfer gefallen sind, kurz alles dessen,

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was durch das Aufblühen dieser Industrie zu Grunde gegangen ist. Das wäre hier die not wendige Ergänzung.

l Um jeden Preis.

Argert dich deine rechte Hand, so hau sie ab, und wirf sie von dir. Es ist dir besser, daß eins deiner Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. Matth. 5. 30. Als vor hundert Jahren Napoleon J. seinen

gewaltigen Eroberungszug nach Rußland machte, der so kläglich endete, wandte sich der Haß des russischen Landvolks gegen dieFranzuskis und vor allem gegen ihren Kaiser, der ihnen der Inbegriff alles Satanischen war. Neben dem furchtbaren russischen Winter ist vor allem dieser nationale Haß den französischen Heeren zum Ver derben geworden.

Nun hatten sich einige französische Soldaten den Scherz gemacht, einem russischen Bauern auf den linken Arm ein gekröntes N zu tätowieren. Das war bekanntlich die Initiale des Kaisers Napoleon. Lachend sagten die Franzosen zu dem Russen:Jetzt bist Du ein Untertan unseres großen Kaisers. Deinem Zaren gehörst Du nicht mehr. Erst wenn dieses Zeichen weg ist, bist Du wieder ein Russe. Der leichtgläubige Russe versuchte 5 Gaudium der Franzosen alles Mögliche, um ie Tätowierung zu entfernen; aber es gelang nicht. Da packte ihn die Angst; er ergriff mit der rechten Hand ein Beil, und ehe es die Franzosen verhüten konnten, hatte er sich mit einem gewal tigen Hieb den linken Arm abgehauen. Dieser Vorgang wurde in jener Zeit in Bilderbogen und Flugblättern vielfach dargestellt.

Dem Manne war's ernst; er wollte unter allen Umständen los aus einer Verbindung, in die er sich leichtfertiger Weise, wie er glaubte, eingelassen hatte und die ihn von seinem recht⸗ mäßigen Herrscher trennte. Er wollte los, es koste was es wolle. Lieber einarmig ein Untertan Alexanders, als zweiarmig Napoleon gehören! Solche Leute werden frei.

Fühlst du dich auch gebunden? Was tust du?

Wem gehörst du an, o Leser? Ist nicht auch dir der Namenszug des Bösen eingeprägt. Steht nicht auf deiner Stirne, in deinem Herzen jene Schrift, von welcher Gott spricht Jer. 17. P. Die Sünde Judas ist geschrieben mit eisernen Griffeln und mit spitzigen Demanten und auf die Tafeln ihres Herzens gegraben. Was hast du getan, um diese Brandmale zu entfernen? Mit

dem Wasser guter Vorsätze läßt sich die einge⸗