82 sterben, als daß noch ein Schluck Branntwein mir über die
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Lippen kommt!“
Darauf hörte ich eine Stimme zu mir sagen:„Wenn du dies. Gelübde halten willst, dann gehe hin und lasse dich einsperren.“ Es gab keinen Ort in der Welt, vor dem mir so bangte, wie vor der Polizei; denn ich lebte in steter Furcht, eingesteckt zu werden. Dennoch begab ich mich auf die nächste Polizeistation und bat den Vorsteher, mich ein⸗ zusperren.
„Aus welchem Grunde soll ich Sie hinter Schloß und Riegel setzen?“ fragte dieser, nachdem ich ihm einen falschen Namen angegeben hatte. 5
„Weil ich irgendwo davor sicher sein möchte, Brannt⸗ wein zu trinken,“ gab ich ihm zur Antwort.
Darauf wurde ich in eine enge Zelle, in Nummer 10 im hinteren Gang, eingesperrt. Für mich ist diese Zelle zu einem denkwürdigen Orte geworden. Zwanzig Jahre lang habe ich am Jahrestag jener schrecklichen Nacht jedes Jahr diese Zelle besucht und habe dort selige Gemeinschaft mit meinem Jesus gepflogen. Es war mir, als ob alle Teufel, die in der Zelle Platz finden konnten, in jener Nacht zu mir hereingekommen wären. Aber, sie waren es nicht allein, die zu mir kamen, nein, gelobt sei der Herr! der treue Heiland, der in der Brantweinschenke zu mir kam, war auch hier gegenwärtig und sagte:„Bete!“ 3 8
Ich fiel nieder auf meine Kniee auf das Steinpflaster
und betete: Gott sei mir Sünder gnädig!“ Als ich fähig
war, die Zelle zu verlassen, wurde ich vor den Gerichtshof und vor den Richter Bixby gestellt. Er war freundlich gegen mich, er befahl mich dem Polizeidiener an und schickte mich
in meine Zelle zurück. Als man es für angemessen hielt,
ließ man mich gehen, und Mr. Knox Me. Afee, der Sekretär der Polizei, kam selbst, um mich herauszulassen.
Ich ging nun an meine Arbeit und erzählte die Ge— schichte jedem, der mir zuhören wollte, und seit jenem Tage erzähle ich sie immer wieder. Ich habe in Salons gesprochen, in Spielhöllen, in Tanzsälen, in berüchtigten Häusern, ich habe in den besten Hochschulen unseres Landes, in den Predigersemigaren gezeugt, und nirgends hat man mich
verspottet. Überall habe ich nun dieselbe Geschichte zu er—
zählen, die Geschichte von der Liebe ohne Grenzen, die Jesus für den Sünder hat, den Er bis in den Tod geliebt, und ich bin der Ansicht, daß Gläubige wie Ungläubige die alte Geschichte von dem liebenden Herzen lieber mit anhören, als irgendwelche andere Geschichte, die von irdischen Dingen handelt. f
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Einkehr zu Gott.
Laß dir das Gebet, Betrachtung des Wortes Gottes und stete Erhebung des Herzens zu Gott, angelegen sein und nimm dasjenige wahr, was dir Gott dabei ins Herz legt.
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Dr. A. Bengel.
Durch Raben gereitet.
In Belgien war eine Anzahl Arbeiter in einem Steinbruch beschäftigt. Als es zum Essen läutete, setzten sie sich unter ein vorspringendes Felsstück, um dort ihre Mahlzeit einzunehmen. Plötzlich ließ sich eine Schar Raben in ihrer Nähe nieder, und die kühnsten stürzten sich auf das am Boden liegende Fleisch und den Käse, dessen Geruch sie ohne Zweifel herbeigezogen, und flogen damit davon. Einer der Arbeiter nahm ihre Verfolgung auf, und als er nicht zurückkehrte, folgten die andern nach. Bald entspann sich zwischen den geflügelten Räubern und den Bestohlenen ein erbitterter Kampf.
Nach einer Viertelstunde vergeblicher Anstren— gung mußten die Leute das Spiel aufgeben und kehrten ärgerlich über den Verlust an Zeit und den ihres Frühstücks an ihren Platz zurück. Aber wie erschüttert waren sie, als sie sahen, was sich dort inzwischen zugetragen hatte. Das Felsstück, unter dem sie ihre Mahlzeit angefangen hatten, war her— abgestürzt und bedeckte in zahllosen Trümmern den Boden. Stumm vor Ergriffenheit und mit vor Dank⸗ barkeit überwallenden Herzen nahmen sie ihre Mützen ab. Einer unter ihnen erhob die Augen zum Himmel und sagte:„In der Bibel lesen wir, wie Gott in der Hungersnot den Propheten Elias durch Raben ernährte. Uns haben die Raben, die uns unser Frühstück stahlen, heute das Leben gerettet. Das ist Gottes Finger.“
Die Hand, die den Vater schlug.
Nach der Schlacht bei Sedan durchschritt ein Leutnant das deutsche Lazarett, um unter den Ver— wundeten nach den bei seinem Truppenteil fehlenden Soldaten zu suchen. Er stand plötzlich still. Er hatte einen jungen Mann mit Namen Karl Schulz erkannt, der sich in der Schlacht ausgezeichnet hatte, dem aber jetzt die rechte Hand fehlte.
„Wie das zugegangen ist, Herr Leutnant?“ antwortete der Soldat auf die Frage seines Offiziers, „eine Kugel hat sie mir arg zugerichtet, und die Aerzte haben sie amputieren müssen. Aber Gott hat es so gefügt.“
„Warum sagen Sie: Gott hat es so gefügt?“
„Herr Leutnant, ich bin der Sohn armer, aber ehrbarer Leute. Eines Tages habe ich meinem Vater Geld abgefordert, weil er mir nach meiner Meinung niemals genug gab. An dem Tage habe ich meinen Vater geschlagen. Gott ist gerecht, ich habe keine rechte Hand mehr. Mein einziges Gebet ist jetzt, daß ich meine Schuld noch einmal gut machen kann, wenn ich geheilt bin. Ich danke Gott, daß Er mich mein Unrecht hat einsehen lassen.“
Die Jahre vergingen, der Leutnant war General geworden, und machte auf einer Reise als Stabs— osfizier erschöpft in einem Dorfe Rast. Er trat in


