brosch. J.20., geb. 2 Mk. Buchhandlung der Pilgermission Gießen.
Von jedem Ort, da ich mich niedergelassen, mußte ich suchen fortzukommen, um so rasch als möglich meine Person in Sicherheit zu bringen.
Das Studium mußte ich selbstverständlich aufgeben, und ich wurde Spieler von Profession. Während der fünfzehn Jahre, die nun folgten, ging ich fast niemals nüchtern zu Bett. 5
Ich habe gestohlen, gelogen und Wechsel gefälscht. Das Gesetz, unbarmherzig wie ein Bluthund, von wütenden Gläubigern dazu gedrängt, war mir auf den Fersen. Trotz⸗ dem ich so schwach war, daß ich kaum stehen und weder schlafen noch essen konnte, wußte ich doch so viel, daß, wenn gewisse Dinge, die krumm waren, nicht gerade gemacht würden, ich in eines Verbrechers Zelle eingeschlossen würde.
In einer Nacht, es war in Jersey, ging ich mehreremal ans Fenster, entschlossen, mich hinabzustürzen, doch eine un— sichtbare Hand hielt mich zurück.
Eines Dienstagabends, es war am 18. April 1882, saß ich in einer Branntweinkneipe. Unser Heim war zerstört, mein treues Weib, die in Liebe bei mir ausgeharrt, war zurück nach dem Süden gegangen, wo ich sie geheiratet
hatte. Daß sie überhaupt so lange bei mir ausgeharrt hatte, ist mir unverständlich geblieben.
Alles, was sch verpfänden oder verkaufen konnte, hatte ich hingegeben, um Branntwein zu bekommen. Der Schlaf floh mich, tagelang hatte ich keine Speise zu mir nehmen können, und die vier letzten Nächte hindurch hatte ich von Mitternacht bis zum Morgen im Delirium gelegen.
Oft nahm ich mir vor, daß, wenn ich bis zum Land— streicher herunterkommen sollte, ich mir ein Bett im Fluß suchen wollte, doch der treue Herr fügte es anders.
Hadley erzählt:
mich!
S. H. Hadler
Süge aus seinem Leben, entnommen aus dem Buche: Hadley, ein Wunder der Gnade.
A Jetzt. Zwei Stunden ungefähr hatte ich auf einem Whisky⸗
faß gesessen, da plötzlich spürte ich eine mächtige Gegenwart. Zurzeit konnte ich mir die Sache nicht erkären, später er⸗
kannte ich, daß Jesus, der Sünderheiland, mir fühlbar
nahegetreten war. Bis zur Todesstunde werde ich den An⸗ blick nicht vergessen, der sich nun meinen Blicken bot. Meine Sünden standen in feurigen Buchstaben an den Wänden um mich herum geschrieben. mir grell entgegen. f N
Ich bin überzeugt, daß ich hier in dieser Branntwein— mühle einen Blick in die Ewigkeit habe tun dürfen, daß ich das geschaut habe, was jeder arme, verlorener Sünder
Wo ich hinsah, leuchteten sie
schauen muß, wenn er, ohne seine Sünden bereut und Ver-
gebung erhalten zu haben, vor den Richterstuhl Gottes treten muß. Entsetzen und Schrecken, die nicht in Worte zu kleiden sind, überfielen mich. Die Anwesenden in der
Schnapsschenke müssen wohl gedacht haben, ich sei in den
letzten Zügen, doch mich kümmerte dies wenig, was man von mir dachte. Ich erhob mich von dem Whiskyfaß und hatte nur den einen Wunsch, den Ort so rasch als möglich zu verlassen.
Eine Branntweinschenke ist nicht der Ort, wo man aus dem Leben scheiden möchte, und dies besonders, wenn man
eine Mutter hatte, die ohne Unterlaß gebetet hatte. Ich trat an den Schenktisch, schlug mit der Faust darauf, daß die Gläser, die darauf standen, klirrten. Alle in der Nähe Stehenden, die ihren Branntwein schluckten, sahen mich mit spöttischer Neugier an, ich aber rief:„Jungens, hört auf Ich bin sterbend, aber lieber will ich auf-der Straße
5 1 5 5 1


