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sagte eines derselben mit spöttischer Miene zu ihr: „Sehen Sie doch einmal jene häßliche Frau mit den entsetzlichen Narben. Kann man doch etwas Garstigeres sehen! Wissen Sie, wer sie ist?“ und die leichtfertigen, jungen Mädchen brachen alle in ein unanständiges Gelächter aus.
Eine dunkle Röte flog über das Gesicht der Tochter. Einen Augenblick kämpfte Eitelkeit und Liebe, falsche Scham mit Dankbarkeit: endlich sagte sie leise:
„Vein ich kenne sie nicht.“
Du wendest dich mit einem Ausruf des Ab— scheu's von diesem unnatürlichen, undankbaren Kinde ab, geliebter Leser; aber halt!— sollten nicht etwa dir die Worte gelten:„Du bist der Mann?!“ Wie ost, o wie oft hast du den auf gröbere oder feinere Weise verleugnet, der für dich in ein viel schrecklicheres Feuer ging, um dich als einen Brand herauszureißen! Wenn man von Seiner Macht und Herrlichkeit, von Seiner Vor— sehung und Weisheit sprach, da konntest du mit einstimmen. Aber wenn es galt, mitten unter den Ungläubigen oder halbgläubigen Altersgenossen zu zeugen von Jesu dem Gekreuzigten, von dem liebreichen Heiland, der dich verlorenes Schäflein gesucht und gefunden,— wie waren da deine Lippen so stumm, deine Worte so klug und be⸗ rechnend. Wenn es eine Ehre war, vor der Welt, wenigstens vor der schristlichen Welt, in diese Ver⸗ sammlung zu gehen, oder jenen Vortrag zu hören, dann wandtest du deine Schritte auch hin; aber wenn Jesus in Seiner Knechtsgestalt vor dich trat, wenn es galt, mit Ihm vor's Lager hinaus⸗ zugehen und Seine Schmach zu tragen— da bliebst du zurück. Denke an jene Tochter. Was müßte das heiß liebende Herz der Mutter gefühlt haben, wenn sie die eisigen Worte ihres Kindes gehört hätte!— Und wie muß es deinen Retter be⸗ trüben, wenn du durch Reden oder Schweigen, durch Tun oder durch Unterlassen von Ihm sprichst:„Ich kenne Ihn nicht!“ O, laßt uns alle lernen, die Schmach Christi für größeren Reich— tum achten, als die Schätze der Welt, und uns freuen, wenn wir geschmähet werden, so es um Seines Aamens willen geschieht.„Wer sich aber Mein und meiner Worte schämt, des wird sich auch des Menschen Sohn schämen, wenn Er kommen wird in der Herrlichkeit Seines Vaters mit den heiligen Engeln“(Marc. 8, 38).
Soli deo gloria!
Musikdirektor Johann Sebastian Bach in Leipzig war ein Mann, dem das Herz für Jesus schlug. Er hat viele herrliche Choräle und wunderbare Tonsätze geschrieben. So oft er ein solches Notenblatt in den Druck gab, setzte er die drei Buchstaben dabei 8. D. G., das heißt: Soli deo gloria; Dem HErrn allein die Ehrel Bach starb im Alter von 65 Jahren im Jahre 1750. Er hatte in seinem Leben manche ernste Prüfungen, aber es blieb sein Wahlspruch:„Dem Herrn allein die Ehre!“ Am Ende seines Lebens litt der Musikdirektor an hochgradiger Augen— schwäche. Die Sehkraft ging verloren. Aber auch in den Tagen der Blindheit wirkte Bach weiter für den HErrn. Damals diktierte er seinem Schwiegersohn einen Tonsatz über die Weise: „Wenn wir in höchsten Nöten sein.“ Dieser Choral beschäftigte ihn damals gerade, und ebenso spielte er auch gern noch die Orgel, um auf diese Weise zu Gottes Ehre mitzuwirken. So war der Künstler bis an sein Lebensende tätig, um den HErrn zu verberrlichen, den er liebte.
Wie sollte uns das Beispiel eines solchen Mannes predigen! Sollte nicht auch unser Leben dazu da sein, daß wir unsern Gott verherrlichen? Ja, wir sollten mit Paul Gerhard bekennen:
Ich möchte Dir zu Ehren alles wagen,
Kein Kreuz nicht achten,
Keine Schmach, noch Plagen,
Nichts von Verfolgung, nichts von Todesschmerzen, Nehmen zu Herzen.
Das Zeugnis eines Rakionalisten Vernunftgläubigen).
De Wette, der langjährige Führer des Rationalismus in Deutschland, sagte auf dem Sterbebette:
„Das Faktum der Auferstehung, wenn auch ihre Art und Weise in ein undurchdringliches Dunkel gehüllt ist, kann ebensowenig in Zweifel gezogen werden als die Ermordung Cäsars.“
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