Führer haben. Salomo sagt:„Wehe dem, der allein ist.“ Viele Tausende sind in mannigfachen Gefahren des Erdenweges elend zugrunde ge— gangen und haben das himmlische Ziel nicht erreicht, zu dem sie doch bestimmt waren und zwar lediglich deswegen sind sie zugrunde gegangen, weil sie den gütigen Führer Jesus Christus nicht annahmen, sondern nach ihren eigenen Gedanken
oder nach den Gedanken anderer Menschen wandelten. i 5 3 „Er führet mich auf rechter Straße.“
In meinem Arbeitsfeld liegt seit einigen Monaten eine Frau, die in gesunden Tagen unsere Ver— sammlungen fleißig besuchte, krank darnieder. Es kostete anfänglich einen schweren Kampf, bis die fleißige und reinliche Frau sich einigermaßen hineinfinden konnte, so im Bett liegen und in ihrem Haushalt allerlei Unregelmäßigkeiten sehen zu müssen, ohne dieselben beseitigen zu können. Aber ihr freundlicher himmlischer Führer, der sie unter allen Umständen ans Ziel bringen will und der besser weiß, was ihr dienlich ist, als sie selbst das weiß, achtete nicht auf das Stöhnen und Jammern und auf die Klagen ihrer Natur, sondern hielt sie fest im Bett. Als ich gestern einen Besuch bei ihr machte, war es eine Erquickung, zu sehen, wie ihr Herz überfloß von Lob und Dank gegen ihren treuen Hirten, der es auch im Leid gut meint. In den stillen Stunden im Krankenzimmer ist es dem Geist Gottes gelungen, sie zurückzuführen in vergangene Tage und ihr einerseits ihr mangelhaftes Leben, andererseits Gottes unendliches Erbarmen trotz aller ihrer eigenen Mängel vor Augen zu stellen. Sie mußte sich um vieles bei ihrem Herrn an— klagen, mehr aber noch hatte sie Ihm zu danken, daß Er ihr das Beklagenswerte aufdeckte und Seine Güte ihr gewogen blieb. Also dieser dunkle Tunnel des Leidens und der Krankheit liegt auch vor ihrem Lebensweg und der Führer geht mit und führt hindurch, tröstet, erleuchtet, bringt zu— recht und hilft, so daß sie nun mit Paulus sagen kann:„Wir rühmen uns auch der Trubsal, dieweil wir wissen, daß Trübsal Geduld bringt, Geduld aber bringt Erfahrung, Erfahrung aber bringt Hoffnung, Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden.“ Wohl dem, der sich diesem Führer ganz anvertraut, er wird gewiß das Ziel seiner Reise erlangen und darf es erfahren: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“— J. May.
Undankbar. 75 5
Eine Witwe hatte eines Morgens ihr Haus und ihre fünf Kindlein verlassen, um einige nötige
Einkäufe zu besorgen. Nach etwas mehr als einer Stunde kehrte sie eiligen Schrittes zurück und freute sich schon, die fröhlichen Kindergesichter am Fenster zu erblicken.
sie zu ihrem Entsetzen, daß ihr Haus in hellen Flammen stand. Beinahe im gleichen Augenblick kam ihr ein Nachbar mit den vier ältesten Kindern entgegen.
„Gottlob!“ rief die arme Mutter,„seid doch ihr, meine Kleinode, gerettet!— Aber, wo ist die Kleinste?“ fuhr sie im gleichen Atemzuge fort.
In der allgemeinen Bestürzung war das jüngste Töchterlein vergessen worden.
„O, mein Kind, mein Kind!“ rief die Mutter
und eilte, indem sie ihre Kinder dem freundlichen
Nachbar empfahl, dem brennendem Hause zu. Hinein durch die prasselnden Flammen stürzte sie. Man wollte sie gewaltsam zurückhalten und hielt ihr vor, daß es für das Kindlein gewiß zu spät sei, sie werde nur die vier anderen ihrer Stütze berauben. Es war vergebens; die Liebe ist stärker als der Tod. brennenden Haus; aber schon nach wenigen Augen- blicken erschien sie wieder, mit dem Kindlein in den Armen und konnte als ein wahres Wunder noch gerettet werden. Kaum hatte sie das geliebte Kind, welches sie in einen dicken Teppich gehüllt hatle und das beinahe ganz. geblieben war, in die Arme einer Freundin gelegt, so sank sie zusammen, und wurde besinnungslos in ein Spital gebracht. Ihr ganzer Körper war eine Wunde und der Tod schien unvermeidlich. Allein
Sie verschwand in dem
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Als sie aber um die Ecke der Straße bog, in welcher sie wohnte, gewahrte
nach Monate langem Leiden und treuer Pflege
genas sie allmählig wieder und wurde ihren Kindern auf's neue geschenkt. Doch behielt sie die Narben jener schrecklichen Wunden; namentlich war ihr Angesicht durch dieselben so sehr entstellt, daß sie auf Fremde oft einen widerlichen Eindruck machte, wiewohl alle, die sie näher kannten, die innere Schönheit durch die abstoßende Hülle hindurch— schimmern sahen.— a
Es vergingen Jahre, und das auf so wunder— bare Weise gerettete Kind war zur blühenden Jungfrau herangewachsen. Einst befand sie sich mit ihrer Mutter in einer fremden Stadt in größerer Gesellschaft. Sie stand in einem Kreise junger
Mädchen, unter welchen sie sich recht befangen
und verlegen fühlte, und die über ihre ganze Um⸗ gebung witzelnde Bemerkungen machten. Rlötzlic
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