Ausgabe 
6.4.1913
 
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Herrn das Morgenopfer der Anbetung darge bracht und das Herzkrüglein deiner Bitten am Gnadenthron dem Brunnenquell des Heils untergestellt hast. Wer beten kann, ist selig dran. Wenn andere verschmachten, darf er sich laben an Gottes Gaben; wenn andere aus Verzweiflung in Abgründe springen, eilt der Beter in Gottes Arme.

2. Mein Kind, lies täglich das Wort Gottes, und wenn du nur fünf Minuten er übrigen kannst. O, wie kann man sich in fünf Minuten laben, wenn man gutes Quell⸗ wasser hat. Lies betend deine Bibel. Wie du dein Brot zerkauen mußt, wenn es dir schmecken und dich stärken soll, so mußt du das Wort Gottes, die Bibelsprüche mit Nach⸗ denken lesen. Wie Maria die Worte Gottes bewegte in ihrem Herzen und David über dem Worte Gottes sann Tag und Nacht, Ps. 1, V. 2, so laß dir die Bibel das Brot des Lebens sein.

3. Hüte dich vor schlechter Gesellschaft. Manche Menschen gehen einher wie Engel und inwendig sind sie Bengel. Ja Kind, es gibt überall und besonders in der Großstadt Men schen, die sind wandelnde Leichen; sie sind geschniegelt und gebügelt, parfümiert und dekoriert und doch voll Verwesungsgeruch. Röschen, wenn dich solch böse Buben oder andre Galgenvögel locken, geh vorüber. Sage nein; klar und bestimmt, laut und deutlich rufe nein!

4. Laß den Schmutz liegen und sollte er in Gold- oder Seidenpapier eingebunden sein. So manches Buch in Goldschnitt ist trotzdem ein eckler Haufen Mist, wo Toren in der Gemein heit und Schande herumwühlen. Wie viel Schund ist oft in glänzenden Schaufenstern ausgestellt, den man besser abseits mit ver⸗ haltenem Atem vergraben sollte! Kind, geh an diesen Pfützen vorüber.

5. Gleich und gleich gesellt sich gerne, darum schließe dich mit treuen, gediegenen Christen zusammen. Suche dort den christ lichen Jungfrauenverein auf. Wo du Gottes Wort rein und lauter hören kannst, da gehe hin. Aber sei kein Schmetterling, der gedanken los von Blume zu Blume flattert, sondern ein Bienlein, das den Honig der Liebe Gottes sucht Doch hüte dich vor den Leuten, die

Steckenpferde reiten. Wo Jesus Christus der Gekreuzigte und Auferstandene das Zentrum ist, da darfst du dich laben an diesen Himmels⸗ gaben; doch wo man die eigne Partei oder Kirche in den Himmel hebt und alles andere ver⸗ dammt, da geh vorüber.

6 Behalte auch in der Fremde Wasser und Seife lieb. Ein Mädchen soll rein sein wie ein Kristall. Soll doch unser Leib ein Tempel Gottes sein. Laß dein Zimmer, deinen Schrank auch in der Fremde sein ein Schau kästlein, auch wenn das Mutterauge nicht hineinschaut. Das Heilandsauge sieht doch hinein. Viele junge Mädchen werden in der Fremde schlampig und löcherig in ihren Klei dern. Du, unser Röschen, bleibe ein Röschen und wachse immer mehr hinan zu einer Sarons rose, deren Lieblichkeit und Duft dem Herrn

7. Auf Wiedersehnl so sei mein Abschieds wort. Das Elternhaus steht dir immer offen so lange wir leben. Was immer dich trifft, ob Freude und Leid, ob Siege oder Nieder lagen, deine Eltern haben offene Arme fur ihr Kind. Laß uns an allem teilnehmen, habe vor uns keine Geheimnisse. Denke daran, daß wir täglich betend dein gedenken. Und nun be fehlen wir dich, unser Herzenskind, Gott und dem Wort seiner Gnade. Möge er segnend ob dir walten, dich bei seinem Volk erhalten!

N Freude macht.. N ö

Gallensteine und andere Steint.

Hofprediger Frommel erzählt von einem Ge spräch, das er einst in Karlsbad mit einem reichen Pelzhändler gehabt hat. Dieser nahte sich ihm in freundschaftlicher Weise, und zur Ueberraschung des Predigers fing er nicht von äußerlichen Dingen zu reden an, sondern griff gleich tiefer. 8 Sie, sagte er,ich halte wenig von der Religion. Gott-Vater laß ich mir noch gefallen; denn Er ist notwendig. Aber Gott-Sohn, da weiß ich mir garnichts anzufangen damit! Das brauche ich alles nicht. N

So war ich plötzlich angefallen, erzählt Frommel,und wußte nicht, wie mir geschah. 1

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