Korn. Wochenlang konnten die Landleute in Buchstaben von lebendigem Grün den Satz lesen: „Hier ist gegipst.“ So sollen wir lebendige Briefe Christi sein. Die Welt soll Christi Wesen an uns ablesen können. Sie will schauen, nicht hören. Wir können aber Christum nur darstellen, wenn wir in Ihn eingekleidet sind.— Nur in Ihm werden wir einst vor dem gerechten Richter bestehen. Fehlt uns dann das Kleid der Gerechtigkeit, so werden wir wie jener Mann, der kein hochzeitliches Kleid anhatte, aus dem Munde des Königs die Worte hören müssen:„Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis, da wird sein Helen und Zähneklappern.“ Darum prüfen wir uns: Haben wir Christum angezogen? Ruhen wir nicht, bis wir freudig bezeugen können:
Christi Blut und Gerechligkeit,
Das ist mein Schmuck und Ehrenkleid;
Damit will ich vor Gott bestehn,
Wenn ich zum Himmel werd' eingehn.
A. Staub.
Uersoôhnt.
Während meines Aufenthaltes in der Graf— schaft Kent wurde ich aufgefordert, Ansprachen in einer Garnisonskapelle zu halten. Meine Zuhörer waren ohne Zweifel tapfere Soldaten, die vor feindlichen Kugeln nicht zurückgewichen wären, aber vor Zugluft schienen sie große Furcht zu haben, so daß in dem Raume eine erstickende Hitze herrschte. Eines Abends, als ich mich ganz erschöpft nach einer solchen Versammlung niederlegen wollte, wurde an meine Türe geklopft, und man sagte mir, daß mich ein Sergeant zu sprechen wünschte. Ich ließ ihn eintreten und hörte von ihm, daß er dieser Versammlung beigewohnt hatte.
„Wie denken Sie darüber?“ fragte ich ihn.
„Von denen, die da gesungen und gebetet haben, weiß ich nicht viel Gutes zu sagen. Sie sind Heuchler. Zum Beispiel der Vorsänger! Den
alten Sie sicher für einen guten Christen. Ich sage
hnen, den habe ich schon oft bestraft, und er wird noch manchesmal eine Strafe abzusitzen haben. Ein ganz geriebener Heuchler ist er, und weiter nichts.“
„Das sagt man auch von mir.“
„Wenn Sie diese Christen so gut kennen würden, wie ich, Sie würden sich nicht zu ihnen zählen.“ e
Wenn ich einem schlechten Christen begegne“, erwiderte ich,„so nimmt mein Eifer für die Sache Christi dadurch nur zu. Ich kenne den Mann, von dem Sie sprechen, nicht, aber setzen wir den Fall, Sie sähen ihn, wie er die Fahne Ihres Regiments unter den Augen und dem Gelächter des Feindes mit Füßen tritt. Was würden Sie
tun? Würden Sie sagen, ich kann diesem Regiment, dieser Armee nicht mehr angehören Sagen Sie mir, würden Sie so sprechen?“.
„Nein“, sagte der Sergeant, und richtete sich straff in die Höhe.„Ich würde den Kerl beim Kragen kriegen und wegstoßen, dann die Fahne auf⸗ nehmen, sie aus allen Kräften schwenken— er unterstützte seine Worte durch die betreffenden Handgriffe— und dem Feinde entgegendonnern: „Wehe dem, der es wagen sollte, sie in den Staub zu treten!“ 5
„Bravo!“ rief ich aus.„Das ist die Antwort eines Soldaten. Gerade so habe ich es erwartet. Und ebenso mache ich es. Sehe ich, wie ein Mensch das Kreuz mit Füßen tritt und entweiht, so stelle ich mich auf die Seite Christi und nicht auf die Seiner Feinde.“ Er nickte zustimmend.
„Um die Wahrheit zu gestehen,“ sagte er dann, wollte ich mit Ihnen über ganz etwas anderes sprechen. Ich kam her, Sie zu bitten, mit mir und für mich zu beten. Ich weiß wohl, daß ich nicht so bin, wie ich sein sollte. Als ich Sie heute Abend hörte, sagte ich mir, wenn ich in dem Zustande, in dem ich mich befinde, sterben sollte, dann gibts keinen Himmel für mich.“
„Das ist eine verständige Rede“, war meine Entgegnung,„so gefallen Sie mir.“
Ich zeigte ihm den Weg des Heils und bat ihn, an die frohe Botschaft zu glauben, Gott zu danken, daß Er Seinen Sohn für uns in den Tod gegeben hat.„Kann man an eine so große Liebe glauben, ohne den Wohltäter dafür zu segnen?“
„Nein, nein!“ rief der Sergeant,„mein Heiland, hilf mir, Dir von ganzem Herzen dankbar zu sein.“
„Wenn ein Freund eine Schuld für Sie be— zahlt hat“, setzte ich hinzu,„so ist es Ihre Pflicht, diese Schuld nicht noch einmal zu bezahlen, sondern die Quittung, die Ihnen gereicht wird, in Empfang zu nehmen und sich dafür zu bedanken. Sie haben nur in den Ruf einzustimmen:„Meine Seele er— hebet den Herrn!“
„Amen!“ sagte der Sergeant mit festem Ton. Er ging davon und lobte Gott.
Der Parlograph.
ser Parlograph? Was ist das?— Vor kurzem
hätte ich das auch nicht gewußt. Ja, vor kurzem hätte es kein Mensch gewußt. Es ist nämlich noch gar nicht lange her, daß der Parlo— graph erfunden ist. Es ist eine Sprech- oder Diktiermaschine.
Da sitzt man an seinem Schreibtisch und spricht in einen kleinen Trichter hinein, der durch einen Gummischlauch den Schall der Stimme einem feinen Stift mitteilt, der auf einer sich drehenden Wachswalze feine Kreise einreißt. So wird der


