N«mm»r 15a kreita«, den 3. Juli 1914. 7. atlirnm.«.
Eie ..Nene Tagr-,eitung-' »scheint I-dcn Werktag. Regelmäßige BeUagen „Der Sauer an» Hellen'. ..Die Spinnllube". üe...goprci»: «c. den Postanstalten v>er,el>a.,r„a>
* ct den Agenten mona.ltch so Psg. Hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohn. Ameisen: Erundzeile 20 Psg., lokale 15 Pfg„ Ln,eigen von auswärts werden du:!, Po.tnachna,m.. er,oben Erfüllungsort Friedberg. Schriftleitung und Verlag Friedberg lHesien), Hanauer-iraße 12. Ferniprecher 48. Postscheck-Eonto -Ir. 48öS, Amt Franlfurt a. AI.
lieb erficht.
— Wie in Wien bekannt wird, hat Kaiser Wilhelm an Kaiser Franz Joseph die Anfrage gerichtet, ob sein Besuch in Ischl genehm wäre. Nachdem eine zustimmcndc Antwort nach Berlin abgegangen ist, wird Kaiser Wilhelm im Laufe der nächsten Woche in Ischl de» greisen Monarchen persönlich kondolieren.
— In Sayda (sächsisches Erzgebirge) äscherte ein Feuer elf Wohnhäuser ein. 18 Familien sind obdachlos geworden. Der Schaden ist sehr groß.
— Der die Untersuchung bcir. der Mordtat in Serajcwo 'ährende Staatsanwalt hat 11 junge Serben verhaften lnsien. die zweifellos an dem Attentat beteiligt sind. Ihre Namen werden geheim gehalten.
— Me die Abendblätter melden, weisen sichere Anzeichen darauf hin, daß der Sekretär des großserbischen Vereins „Narodna Obrana", namens Jlan Pribizsevizs, Major der serbischen Armer, an dem Attentat beteiligt ist.
— In Djakova haben sich scrbenfeindliche Demonstrationen in verstärktem Maße zugetragen. Zahlreiche serbische Häuser wurden arg beschädigt. In Drod erlitten serbische Schulen und Kirchen durch Bombardement empfindlichen Schaden.
— Gestern wurde in der französischen Kammer vom Abgeordneten Charles Benoist der Gesetzentwurf über die Ein- sührnng der Proportionalwahlen eingebracht und nach kurzer Beratung unter Zubilligung der Dringlichkeit der Kommission für Wahlrechtsfragcn überwiesen.
— Ein schwerer Unfall hat sich gestern nachmittag in Marseille ereignet, als Fabrikarbeiter damit beschäftigt waren, ein altes Haus durch eine Mine zu sprengen. Aus Unvorsichtigkeit explodierte eine Kiste mit 10 Kilo Dynamit vorzeitig. Der Werkmeister und zwei Arbeiter wurden aus der Stelle getötet. Die Leichen waren bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt.
— Während gestern Arbeiter bei Jbraham Male damit beschäftigt waren, die neue rumänisch-bulgarische Grenze ab- zusteiken, gab dir bulgarische Grenzwache ans dir rumänischen Soldaten Schüsse ab. durch die rin Mann getötet und zwei verwundet wurden. Der Vräsekt und die Polizeibehörden von Silistria haben sofort eine Untersuchung cingeleitet.
— Palona bereitet sich zur äußerste» Verteidigung vor. 12 Kanonen und 18 Maschinengewehre sind in den Laufgräben aufgestellt. Alle Männer von 15 bis 60 Jahren müssen an den Laufgräben arbeiten. Tie ttalienische Negierung verfolgt die epirotische Bewegung aufmerksam und ist voll Mißtrauen gegen Griechenland, das man nicht in Dalona sehen will.
— Die Gonvernementsverwaltung will dem Arbeitcr- nucstand aus den Bakuer Naphtawerkcn mit Polizcigewalt ein Ende machen. Sämtliche Aufständische erhalten ihre Pässe und ihren Lohn und werden mit Hilfe von Polizisten aus der Stadt entfernt. Unter den Arbeitern herrscht eine sihr erbitterte Simmung und es wird das schlimmste bc- lürchct.
— Wie aus Templcdon im Staate Oregon gemeldet wild, hielten 5 Banditen den Cxprcßzug Washington-Tcmple. dvn ans osscnrr Strecke an. Zwischen den Reisenden nnd den Banditen entspann sich ein Revolverkampf, die schließlich in die Flucht geschlagen wurden und eine» Toten zurückließen. Ein Zugbcamter wurde gleichfalls getötet und ein Polizist schwer verletzt.
Die DardnneUensraye.
Wenn mau auch im allgemeinen in den letzten Monaten die Tinge auf dem Balkan nicht aus den Augen verloren hat, so beschäftigte nian sich doch herzlich wenig mit den Verhältnissen in der Türkei, zumal jetzt der Konflikt mit Griechenland glücklich vorüber und ein abermaliger kriege- rischer Zusammcnprall vermieden worden ist. So ganz tragisch hatte wohl niemand im übrigen die Situation ge- nonnnen, man sagte sich von vornherein, daß es doch zu :iner Einigung kommen würde. Es ist aber nicht ansgc- jckilossen, daß über kurz oder lang sich wieder ein Umschwung vollziehen wird, infolge Ausrollung einer Frage, die während der vergangenen Jahrzehnte mehrmals im Vordergründe gestanden hat. Aus der Versenkung, wo sie so lange ruhte, taucht die Tardanellenfrage hervor, nachdem sic während der Wirren bereits einmal zn spuken schien. Man weiß, daß Rußland lieber heute als morgen eine Acnderung der Bc- sttmmungen haben möchte, wonach es ihm verwehrt ist, mit Kriegsschiffen durch die Dardanellen zu fahren. Das bedeutet nattirlich eine Lahnrlegung der russischen Schwarzen- Mecr-Flotte und der Wunsch, diese frei bewegen zu können, ist ein nur zu begreiflicher. Anderen Staaten hinwiederum kann es nur lieb sein, wenn die russischen Seestreitkräfte in dem Binnenmeer festgchalten sind und der Dcriragszustand unverändert bleibt. In Petersburg scheint man jetzt ober alles daran setzen zu wollen, dem jetzigen Zustande ein Ende
zu machen, wo man jetzt daran geht, die Flotte beträchtlich zu verstärken, um damit Rußland eine große Geltung zur See zu verleihen. Wie weit die Tinge gediehen sind und ob tatsächlich in Konstantinopcl schon Verhandlungen stattgc- funden haken, entzieht sich der öffentlichen Kenntnis, man spricht nur davon, daß seitens der Vertreter mehrerer Mächte bei der Pforte Vorstellungen in dieser Angelegenheit erhoben worden wären, darunter auch vom englischen Botschafter. Großbritannien ist zwar durch eine enge Entente mit Rußland verbunden, das hindert aber nicht, daß man seine eigenen Wege geht, wenn das von Nutzen sein kann. Jedenfalls ist die Dardancllendurchfahrt für England von der größten Wichtigkeit, denn cs kann ja auch wieder einmal eine Zeit geben, in der der Gegensatz zu Rußland erneut in Erscheinung tritt und die Entente ins Krachen geht. Bemerkenswert ist es jedenfalls, daß man sich im Unterhaus- über diese Angelegenheit unterhalten aht und Sir Edward Grey dabei eine recht vorsichtige und diplomatische Antwort gegeben hat. Ein Abgeordneter hatte danach gefragt, ob der Vertrag von 1866 und mit ihm das Dardanellcnabkommen noch in Kraft wäre nnd ob kürzlich Verhandlungen stattgefunden hätten, die Rußland zu dem Rechte verhelfen sollten, Kriegsschiffe -wischen dem Schwarzen und dem Mittelländischen Meere verkehren zu lassen. Staatssekretär Edward Grey erklärte in seiner Antwort, der Vertrag sei noch in Geltung: die Frage der Bedingungen unter denen die Dardanellenstraße für Kriegsschiffe geöffnet werden könnte, sei mehrfach mit der britischen Regierung erörtert worden, jedoch mit dein russischen Regierung während der letzten fünf Jahre nicht mehr. Natürlich müßten bei einer eventuellen Regelung außer der Türkei auch alle anderen an den Verträgen beteiligten Mächte befragt werden, eh ein neues Abkommen getroffen werden könnate. Diese gewundene Antwort beutet darauf hin, daß man englischerseits nicht so leicht seine Zu- sttmmung geben wird, da man hierdurch unter Umständen am meisten getroffen wird.
Vrdknvvorlage.tiiMagslvahlknii.dikRegiming.
Die „Darmstädter Zeitung", das amtliche Organ der hessischen Regierung, schreibt zur Annahme der Ordensvor- lagc folgendes:
„Eine der umstrittensten Gesetzesvorlagen, die den gegenwärtigen hessischen Landtag bis zu seinem Schluß beschäftigt haben, der Gesetzentwurf betr. die religiösen Orden und ordensähnlichen Kongregationen, ist nunmehr, nachdem er in der Zweiten Kanimer seit dem 9. Juni eingehend beraten wurde, von dieser in der gestri- gen Sitzung erledigt worden. Die einschneidensten Abän- dcrungsanträge, so der Antrag, die die Englischen Fräulein und die bischöflichen Erziehungsanstalten betreffenden Positionen später mit dem Schulgesetz zusammen zu beraten, wurden mit einer ansehnlichen Majorität abge- lchnt. Im übrigen wurde das Gesetz in nicht wesentlicher Abänderung angenommen, ein Ergebnis, das von dem Standpunkte des konfessionellen Friedens nur zu begrüßen ist. Im Ansehen der friedlichen Beziehungen, die sich in den vierzig Jahren seit Bestehen der Ordensgesetze zwischen Staat und katholischer Kirche wie auch zwischen den Staatsbürgern der beiden großen christlichen Bekenntnisse herausgebildet haben, darf die versöhnliche Haltung der Majorität der Zweiten Kammer begrüßt werden, durch die nranche Bestimmungen der 70er Gesetze, die untre den veränderten Verhältnissen vom katholischen Volksteil als ungerechtfertigte Härten betrachtet wurden, durch die Annahme des Revisionsgcsetzes wieder ausgeglichen werden, der durch die Entfesselung konfessioneller Leidenschaften in bedauerlicher Weise nur an Schärfe und Ver- bitterung gewinnen würde. Der Aufmarsch zu diesen dcnmächstigen Parteikämpfcn vollzieht sich bereits, wenn auch in zurückhaltender und abwartcndcr Taktik. Kürzlich hat die Fortschrittliche Volkspartci in Darmstadt ihren Parteitag abgehalten und hierbei durch den Mund des Abgeordneten Henrich Stellung zu den Wahlen genommen. Man erfuhr bei dieser Gelegenheit, daß die Partei das befürchtete Wahlbündnis mit der Sozialdemokratie bisher noch nicht abgeschlossen hat. Der Redner schränkte dieses erfreuliche Bekenntnis jedoch im selbigen Atemzuge wieder ein, indem er ankündigte, daß man aber der eventuellen Notwendigkeit eines solchen Bündnisses nicht aus dem Wege gehen würde. Diese „eventuelle Notwendigkeit" würde sehr bedauerlich sein: nicht allein vom bürgerlichen Standpunkt, auch im Hinblick auf die Partei selbst. Die Mitgltcderzahl wurde offiziell auf dem Parteitage mit 10000 angegeben, während sie im vorigen Jahre an derselben Stelle mit 11 000 genannt wurde. Ferner gab der Parteisekretär bekannt, daß die Partei in Alzey-Bingen eine größere Einbuße an Mit- gliedern erfahren habe, die aber durch den Neueintritt von über 600 Mitgliedern in den anderen Wahlkreisen wieder ausgeglichen worden sei. Der hessische Freisinn muß vlso insgesamt 1600 alte Mitglieder verloren haben.
Das ist mehr als jeder 10. Mann! Hoffentlich ist diese für ilin betrübende Tatsache ein ernstes Menetekel, loenn seine Führer die Marschlinien für die kommende» Wahlen endgültig zu ziehen haben. Ter Anschluß an die Sache de? Bürgertums ist in dieser Stunde noch nicht zu spät: möge die Partei den gegebenen Augenblick nicht versäumen!"
So berechtigt die Annahme ist, daß die große Mehrheit der Bevölkerung mit den Regierungstruppen einig ist, daß die Annahme der Ordcnsvorlagc vom Standpunkte des konfessionellen Friedens zu begrüßen ist, so wenig wird man aber hoffen dürfen, daß der Sammclrnf und Appell an die Fortschrittler gehört werden wird. Fortschritt und Umsturz pflegen dafür viel zu intime Beziehungen. Ihre Geistesvcr- wandtschaft hat sich ja gerade bei der Verabschiedung deS OrdenSgcsctzes erst gezeigt. Besonders aber auch im Hinblick ans die kommende Schulgesctzrcvision ist kaum an eine Sammlung aller bürgerlichen Parteien zu denken.
Tayesülrersichl.
Dcntlches !!eicil.
:: Das Unterbleiben der Reise Kaiser Wilhelms nach
Wien. Wie dem „Hirsch'jchen Telcgraphen-Bureau" von best unterrichteter Seite mitgcteilt wird, liegt keinerlei Anlaß vor, aus dem Aufgcbcn der Reise Kaiser Wilhelms nach Wien irgendwelche ungünstigen Schlüsse aus das Befinden des Kai scrs zu ziehen. Der Kaiser leidet lediglich an einer Erkäl- tungscrschcinung, di- der Bolksmund mit „Hexenschuß" bezcich net, und ist in seiner Bewegungsfreiheit gehindert. Die Vertretung des Kaisers bei den Trauerfeierlichkciten in Wien hat, wie dem „Hirsch'schcn Telcgraphen-Bureau" mitgcteilt wird, Prinz Heinrich von Preußen übernommen.
:: Reue Beklcidungssarben für» preußische Heer. Die
preußische Heeresverwaltung hat, wie soeben bekannt wird, die Absicht, für die gesamte Armee einen neuen einheitlichen Grund- stock für die Bekleidungsstücke der Mannschaften einzuführerr. Der sowohl sür die Kriegs- wie für die Friedensbckleidung be- stimmte Stoff wird einen grauen Farbenton haben, der von dem der bisherigen Kricgsbcileidung abweicht. Auch das feldgraue Rocktuch erhält einen anderen Don. Das Kriegsministe- rium erstrebt bei dieser Gelegenheit auch die Beseitigung der de» bisherigen Stoffen anhastenden Mangel. Farbenproben der neuen Tuche werden in etwa vier Wochen bei dem Belle!- dungsamte des Eardekorps zu haben sein.
:: Menschenfresser in Reu-Kamcrun. Ueber Menschenfresserei im Bezirk Ober-Sanga-llham in Ren-Kamerun berichtet hauptniann Eymael im „Deutschen Kolonialblatt": Im De
zember 1913 waren im Karc-Eebirge auf dem von Gore über Lia-Hakau nach Buala führenden Wege mehrere Bagirmi-Ka- rawanen von den Kare überfallen worben. Rach den Aussagen der Bagirmi waren hierbei im ganzen sieben der Ihrigen getötet und aufgcfrcffen und an die 490 Stück Großvieh und etwa 89 Stück Kleinvieh geraubt worden. Eine Expedition war erfolgreich und führte zur Bestrafung der Schuldigen.
Frankreich.
:: Abschaffung der roten Hose. Die rote Jnfanterichose In der französischen Armee wird abgeschasst werden. Der Kriegsminister hat der Armeckommifsion, der Deputiertenkammcr und später der Budgctkommission mehrere Infanteristen vorgcsührt, die die neu vorgeschlagcne Uniformen ungezogen hatten. Diese sind in schiesergrauer Farbe gehalten. Der umgcschlagcnc Kragen ist bei der Infanterie rot, bei den Jägern zu Fuß gelb.
:: Spionen-Bcrurtcilung. Die Strafkammer in Cherbourg hat vorgestern das Urteil gegen die der Spionage angeklagre Eva hornctter gefällt. Cie wurde der Spionage für schuldig befunden und zu einem Jahr Eesängnis und zu einer Geldstrafe von 1000 Francs verurteilt. — Am gleichen Tage ist in Nancy der Spion Burgard, der vor einigen Monaten in der Nähe des Forts von Lucey verhaftet worden war, zu 5 Jahren Gefängnis und zu einer Geldbuße von 1000 Francs verurteilt worden. Außerdem wurde ihm verboten, für die nächsten 5 Jahre französischen Boden zu betreten.
Holland.
:: Ueberjührung der Leiche Thomson« nach Holland. Gestern Morgen um 8 Uhr fand die Ueberführung der Leiche des Obersten Thomson aus dem holländischen Kreuzer „Nord-Brabant" statt. Sie wurde in Gegenwart von Vertretern der Regierung, der holländischen Offiziere, der Notabeln und der Gendarmen bis zum Hasendamm getragen. Beim Palaste schloß sich der Fürst dem Zuge an. Thomsons Bruder sprach einige Worte des Dankes.
Vom Balkan.
:: Die angebliche Union zwischen Serbien und Montenegro. An Wiener entscheidender Stelle erklärt man in Bezug aus die Nachricht von der sich vollziehenden Union zwischen Serbien und Montenegro, daß jede Acnderung des Gleichgewichts und der Staatsgrenzen auf dem Balkan dem Berliner Vertrag neuerdings auch das Bukarester Abkommen tangiere. Oesterreich-Ungarn habe sich unter allen Umständen feine Stellungnahme dazu Vorbehalten. Von einer vollzogenen Union könne also schon um deswillen nicht die Rede fein, weil sie ohne den Willen Oesterreich-Ungarns nicht vollzogen werden könne.
Albanien.
:: Vcrnveisclte Lage des Fürsten. Man erwartet iebt den


