Cie „ftctte ^it'djeint iefccn &‘crttag. Regelmäßige Beilagen ,.^'cr rZaucr aus Liefen". „Hie Spinnstuve". Hemgoprei«: Ger den Postanstalten oiertcliägciic^ i'if. i.'. > ici den Agenten monatlich 50 Pfg. Cin^u tritt Postgebühr oder Trägerlohn. Anreigcn: Er'.ind'eile 20 Pfg., lokale 15 Plg^ Anzeigen von auswärts werden durch Po tnachnahme erhoben Erfüllungsort Friedbers. Schriftleitung nnd Uerlng Friedberg (Hessen). sianaueritrage 12. Fernsprecher 48. Postscheck-Lonto Nr. 4859. 2lmt Frankfurt a. M.
1l ob erficht.
-— Dom 5?anbflcrid)t Mannheim wurde der Haftbefehl <fegen den bnyerifchcn Laiidtagsabgevidnetcn Rbrcfch, Neustadt n. H, aufgehoben. Abrrsch wurde solort in Freiheit g> setzt.
— Zwischen den Stationen Enkirch und P»rg, der Nebenbahn von Pünderich nach Traben.Trarbach, ist wieder- uni ein Bergrutsch cingctreten, wodurch das Grlcis verschüttet wurde.
— Tie in Frankfurt n M. durch den Polizeipräsidenten i läblich erfolgte Amtsenthebung des Leiters der Tittenpvli zri, Kriminalkommissars Schmidt, soll, wie die Blätlcr zu melden wissen, wegen einer Bcstcchungsassärc erfolgt sein.
— Von Mailand wird gemeldet, daß die in Neapel an- fernde britische Mittclmccrilvtte ans drabtlosc,» Wege Bcsebl erhielt, sich nach de» Hcimatgcwässrrn zurück zu be ecbrn, Bei Sonnenausgang dampften die Schisse ab.
— Zwischen den beiden sranzösischen Torpedobooten „Donrrasqur" nnd „Nr. !!K2" ist es gestern zu einem schweren Zusammenstoß gekommen. Beide Boote erlitten schwere Beschädigungen. Tic Mannschastcn konnten in» Sicherheit ge- wacht werden.
— In der Petersburger Maschinenfabrik von Bogdanow erkrankten 406 Arbeiter an Gasvergiftung, 18 besonders schwer.
— In ganz Serbirn sowie in den östlichen Gebieten Ungarns regnet cs seit vier Tagen ununterbrochen. Die Donau, Drtna und Murawa sind ans den Ufern getreten, Tie ganze Umgebung von Semlin steht unter Wasser und bildet einen großen See.
— Pier russische Offiziere sollen bei der Aufnahme der Bosporus-Befestigungen ertappt und verhaftet worden sein.
— Tas Gebäude mit dem Warenlager der Hudson- kompagnic in Fort William (Kanada) ist durch Feuer vollständig vernichtet worden. Ter Schaden beläuft sich auf über 1 200 000 Jl.
Arbeilslolrnverstchertuig.
Was gedenkt die Königs. Staatsrcgicrung angesichts der Unnwglichkcit und Schädlichkeit der staatlichen Arbeitslosenversicherung zu unternehmen, um durch Verhütung des übermäßigen Zuzuges zu den Großstädten und großstadt- ähnlichen Wohnplätzen eine der Hauptursachen der periodischen größeren Arbeitslosigkeit zu beheben,
So wird die preußische Staatsrcgierimg im Abgeord- netenhause von rechtsstehenden Politikern interpelliert und die Allgenicinhcit darf hoffen, daß die entsprechende Ans- spraclp! recht bald hcrbeigesührt wird. Wer sich nicht nach den gekünstelten Hilferufen der demokratischen Presse informiert, sondern die Stimmung breiter Volksschichten zu erforschen sucht und dabei entgegenkommend genug ist, auch Kleinstädter und Landleute zum Volk zu rechnen, wird er- staunt sein, mit wie steigender Schärfe im Lande der Ge- ,aukc einer Arbeitsloicnvcrsichcrung abgcwiesen wird. In der Tat besteht ja der ländliche Arbcitermaugcl fort und er drückt nicht so sehr den Großgrundbesitz als vielmehr den mittleren bäuerlichen Besitz, und hier und da reicht auch der Kleinbesitz mit den Arbeitskräften der Familienmitglieder nicht niehr ans. stricht minder bezeichnend ist die Menge der ausländischen Arbeitskräfte, die Industrie und Landwirt- sckmst Lahr für Jahr heranziehcn müssen. Und merkwürdig: dieselbe demokratische Presse, die in Wahrnehmung rnssisck»er Interessen prophezeit, der Strom der russisck)en Saisonarbeiter werde eines Tages völlig ausblcibc», die damit also selbst cinrülimt, daß die inländische Arbcitcrlostgkcit demnächst noch ganz beträchtlich in die Höhe schnellen werde, kündet täglich den grausigen Untergang der Welt an. sofern nicht schleunigst die Arbeitslosenversicherung geschaffen werde,
Ju Bayern ist man jetzt leider gerade den Weg gegangen, ^den die Interpellanten des- prcnßiichen Abgeordnclcn- j-rmses vermieden sehen niöchten. Tort sind die von der Regierung a,'geforderten 75000 Jl zu Beihilfen an Städte, aie eine Arbcitsloscnversicheriing eingerichtet haben, von der vannn» der Abgeordneten bewilligt worden und man sagt, die Zustimmung der ersten Kanimer sei gleichfalls gesichert, -gosst nian dort aber, durch eine solche Politik der Zuge- siändnisse die radikalen Elemente besänftigen und zu post- tiver Mitarbeit auf den> Boden des GegenwartsstaatcS gewinnen zu können, so wird man die denkbar gründlichste Täuschung schon bald als verdienten Denkzettel culgegenzi,
, tfirnen haben. Tort we> den die jetzt bewilligten 75 000 Jl natürlich sich bald als unzulänglich erweisen und die glaub- ieu, einer Agitation den Boden entzogen zu haben, werden schnell erkennen, daß sic ihr nur neuen Wind in die Segel geführt haben. Lasse man einmal die trüben Folgen beiseite. die sich jetzt in Bavcrn wohl oder übel cinstellen werden, verschließe man sein Ohr gegen die bitteren und berechtigten Beschwerden der Landlente, die sich nach Arbcilkräften iim- schen und eine weitere Verschärfung der Lcutenot feststcllcn
müssen und nun hören, daß Mittel der Allgemeinheit flüssig gemacht werden, um de» Arbeitslosen zu helfen: streiche man ans der Rechnung den hüben Umstand, daß, nach welchem System die Städte die neue Versicherung auch ein- richten mögen, inimer eine Benachteiligung der Nichtorganisierten Arbeiter unausbleiblich ist: gehe man auch mit Gleichmut darüber hinweg, daß künftig für die Arbeitgeber kein Anlaß mebr vorbanden ist, auch nur noch eine» einzigen Arbeiter über die jeweils vorbandene Arbeitsgelegenheit hinaus zu halten: so bleibt »och immer die — nunmehr abzn- wehrende — Rückwirkung auf die übrigen Bundesstaaten und damit ein ungelvöhnlich unerfreuliches Kapitel. Natürlich wird cs fortan in einer ganzen Reihe von Bundesstaaten heißen, wenn schon das in der Hauptsache agrarische Bayern den Zwang zur Einrichtung einer Arbeitslosenversicherung anerkennt, um wieviel mehr müssen dann erst Einzelstaateii ii.it weit mehr Industrie für eine derartige Vcrsick>er»ng sorgen. Ta kann cs nur als dankenswert bezeichnet werden, daß die erwähnte Interpellation solche» Trugschlüssen die Lust zur Wiederkehr ein für allemal auStrcibt.
Tiefe Stellungnahme kommt durchaus nicht der grnnd- si.tzlichcn Verurteilung der Arbeitslosenversicherung gleich. Diese ist nur so lange abznlchncn, als die uneingeschränkte Freizügigkeit sortbcsteht. Tie schrankenlose Freizügigkeit bat »ns die großstädtische Arbeitslosigkeit in erster Linie ge- bracht nnd soll die Allgemeinheit Mittel zur Unterstützung der Arbeitslosen ausbringcn, so muß sic zuvor auch das Recht haben, die Arbeitslosen an die Ställen der Arbeiterlosigkcit z» führen, und erst dann, wenn nach der wicderhcrgestellten zweckmäßigen Dertcilnng der im Reich vorhandenen Arbeitskräfte noch ein Rest von Arbeitslosen und zugleich Arbeitswilligen vorhanden sein sollte, was nicht übermäßig wahrscheinlich ist, könnte nian daran denken, diesen Teil der Arbeitslosen mit Staats- oder Reichsmitteln zu unterstützen. Solange aber jeder 14- oder 16jährige Baucrnbursche in die Stadt läuft und damit dort ein Ucberangebot an Arbeitskräften herbeiführt, kann der Allgemeinheit nicht zugemntct werde», ob dieser Dummheit tief nnd ininier tiefer i» den Beutel z» greifen. Diese natnrgeniüße Erwägung spielte ja auch in die Erörterung auch des bayerischen Abgeordnetenhauses hinein. Dort hoffte der Minister Freiherr v. Soden, die Städte werden Mittel finden, die überschüssigen Arbeitskräfte anf das Land zurückzilschieben, und der sozialdemokratische Redner machte der Staatsregierung sogar zum Vorwürfe, daß sie in Zeiten sinkender Wirftchaftskonjunktur die Abwanderung in die Großstädte nicht verhindert habe, er rechnete es ihr also zum Verbrechen an, daß sie die — Freizügigkeit respektiert habe. Die rechte Nutzanwendung blieb leider aus. Also kurz und offen gesagt: Arbeitslosenversicherung nach der entsprechenden Beschränkung der Freizügigkeit oder bei unverändertem Fortbestand der Freizügigkeit Abweisung der Arbeitslosenversicherung l Das deutsche Reich hat keinen Mangel an Arbeitsgelegenheit und kann vicl- nichr allen denen lohnende Beschäftigung geben, die überhaupt arbeiten wollen.
JtrtldiiittlidKr llrrrnt in öorna-PtM.
Unter dieser Uebcrschrist schreibt die „Altnationalliberale Reich- Korrespondenz":
„Das Unerwartete ist geschehen. In Borna-Pegan hat in der Stichwahl die Sozialdemokratie über den freikonscr- vativcn bisherigen Abgeordneten, General von Liebert, gesiegt. Dieses traurige und für unser Bürgertum beschämende Ergebnis ist dadurch zustande gekommen, daß über 2000 Wähler des notionallibcralen Kandidaten sozialdemokratisch gewählt haben. Die nationalliberale Partei trägt hieran keine Schnd. Sic hat ihre nationale Pflicht vollauf getan. Tas warine Eintreten des nationalliberalen Kandidaten und der »atioiialliberaleii Wuhlkreisleitung, das rednerische Wirken mehrerer nationalilberalcr Abgeordneten für Herrn von Liebert, haben zweifellos die rein nationalliberalen Wähler ausnahnislos dem bürgerlichen Kandidaten zugeführt. Wohl aber steht fest, daß die fortschrittlichen Wähler vollzählig zur Sozialdemokratie übergelaufen sind. Das ist um so unbegreiflicher, als die Weigerung der fortschrittlichen sächsischen Parteileitung, eine Stichwahlparole auszugcben und das indirekte Eintreten zweier fortschrittlicher sächsischer Landtagsabgeordneten für Herrn von Liebert die Hoffnung ließen, daß der Freisinn die Lehre von Jerichow beherzigen würde. Tas ist leider nicht geschehen. Man kann nur annchmcn, daß die fortschrittliche Parteileitung im Reiche inzwischen von der Sozialdemokratie an die Vasallcnpflichten erinnert worden ist, die auch heute nock, aus dem Tämpfnngsabkommcn den, Freisinn obliegen. Nur so kann cs sich erklären, daß diese Parteileitung durch die „Freisinnige Zeitung" die erwähnten sächsischen Abgeordneten desavouieren und die kaum verhüllte Parole für die Sozialdemokratie ausgeben ließ. Diese Parole hat in Borna-Pegan ihre volle Wirkung getan. Wenn hier schon einen, bürgerlichen Politiker gegenüber, der wohl kaum im Gerüche der Reaktion steht, der Freisinn seine der.
Sozialdemokratie wahlverwandte Seele entdeckt, dann ist da mit leider wobt alle Hosfiinng aufzngebcn. diese demokratisch- Partei dem Gedanken d^r bürgerlichen Gemeinschaft in absehbarer Zeit znrückz»gewinnen. Wir bedauern dies außer- ordentlich, weil wir die gemeinsame bürgerliche Kampfes * fiont gegen die Sozialdemokratie nicht breit genug Herstellen können. Aber wir miissci, mit dieser Tatsache rechnen. Da- niit wird, wie jede andere, so auch die nationalliberale Partei vor die Frage gestellt, ob cs ihr möglich sein wird, von dem Freisinn Garantien zu. erlangen, die für lünftigc Dnbl- kämpfe den bürgerlichen Charakter der Fortschritt-spart.-i Ivieder Herstellen und sichern. Erweist sich das als „iniiög. lich, dann wird Klarheit darüber zu schassen sein, daß eine prinzipiell antibürgcrlichc Partei fiir jede andere bürgerliche Partei die Bündnissähigkeit einbüßt.
Tie Korrespondenz des Reichsverbande» gegen die Sozialdemokratie schließt ihre Betrachtung über die Wahl in Borna mit folgenden Worten:
„Die Linkslibcralen mögen beute über die Besiegung des Generals v. Liebert durch die Hilsstruppen der Sozialdemokratie triumphieren, ihr Verhalten wird sich bitter rächen. Heute mir. morgen Dir. Die rote Flut wird die linslibc- raten Mandate genau so hiwcgschwcnnnen. wie das Mandat in Borna. Aus der Saat der skrupellosen Volksverhetzung kann nichts Gutes für das Gemeinwohl und für den Staats- gedanken erwachsen-"
ssngcsiiberskcht.
Dcntlchcs lleitii.
-- Absage der Kotonialreise des deutschen Kronpri-.
zen erfolgte taut „Tagt. Rundfch.", da die kaiserliche Genehmig ung in letzter Stunde versagt wurde. Zwischen dem Kronprinzen und dem Staatssekretär Sols waren die Einzelheiten der ganzen Reise bereits sestgclegt worden. Man hatte sich geeinigt, die Reisekosten in Höhe von 1b«0»0 Mark vom Reichstage zu verlangen. Im Falle einer Ablehnung dieser Forderung war der Kronprinz bereit, die Kosten aus seiner eigenen Tasche zu bestreiten. Zu einer Vorlage an den Reichstag war die kaiserliche Genehmigung erforderlich, die der Monarch versagte. Damit ist die Reise, die iin Juni beginnen und von halbjähriger Dauer sein sollte, auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Für die ablehnende Entschließung des Kaisers werden als Gründe Bedenken gegen die lange Abwesenheit des Thron- salgers von der deutschen Scimat, Fragen der persönlichen Sicherheit, Einwände militärischer Natur gegen di- Unter brcchung des Eeneralstabskurses und nicht zuletzt die sinanzicll Lösung durch den Reichstag genannt.
Frankreich.
:: Mißstimmung gegen den Präsiden»» der Rochette-Kom- inission. Unter den Mitgliedern des Rochette-Ausschufses mach: sich eine lebhafte Verstimmung gegen den Präsidenten der Ke. Mission, Jaures, wegen dessen Kcschästssührung bemerkbar. C wird letzterem besonders zum Borwurf gemacht, daß er di.- Mitglieder über die voraussichtliche Daiier der Arbeiten veil kommen im Unklaren gelassen hat. Er allein sei im Best" des von ihm versagten Textes, desien Einzclbestimmnngen vo i der Kommission entweder gutzuhcißm oder abzulehnen fi ri > so daß die Mitglieder gezwungen sind, Uber Gegenstände ad zustimmen, zu deren Beurteilung ihnen die nötigen Unicrlagc.- sehlen. — Wer den biederen Jaurcs kennt, wird sich »ich wundern, wenn ihm alle Mittel recht sind, »m seine rad - Freunde aus der Bedrängnis zu Helsen
England.
:: Der lllstcr-Konslikt. Zin Ulster-Konslikt ist selb eer stündlich durch das hcrlömmlichc Weck-End zwischen Saw.sla nnd Montag ein Waffenstillstand eingetrcten. Fcldmarschn': French und General Ewaet bleiben bei ihrer Weigerung, i'm- Demission zuruckzunehmen. Man kann sich deshalb über den Ausgang des Konflikts nur in Vermutungen ergehen. Zn dc.i Kreisen der Regierung hofft man nach wie vor, daß die beiden Generäle ihr Entlassungsgesuch schließlich doch zurlicknehmc» und daß cs gelinge» wird, zwischen ihnen, dem Kriegsminislcr und General Eough eine Einigung zu erzielen. Rach wie vor erörtert man in parlamentarische» Kreisen die Frage cin r Auslösung des Parlaments. Es ist jedoch kaum möglich, vast eine solche Auslösung vor Ende des Monats Juni cinir. n könnte. Mit großer Ungeduld erwartet man die Erklärun- co Asquiths. die er voraussichtlich heute über die Demission de, Generäle im Unterhause abgeben wird.
Rußland.
:: Die rnssischcn Rotionallistcn zu einem dcutschrussis-' s
Zollkriege. Wie der „Temps" aus Petersburg meldet, hat d-.-r Rationalistische Klub bei der Besprechung der augenblicklich -1 deutsch-russtschcn Handelsbeziehungen festgestellt, daß Nnßlei s bei einem eventuellen Handelskrieg mit Deutschkand dntnr b ein bedeutendes Uebcrgewicht über letzteres hat, daß Teu0 land durch seinen bedeutenoen Import von Manusakturwo i van Rußland empfindlicher geschädigt werden kann, als Rus, land durch ein eventuelles deutsches Geireideausfuhrverbot. Ls wurde insolgeüesjcn der Wunsch ausgedrllckt, daß die russisti,; Regierung energische ökonomische Maßregeln ergreifen sclle i i Beantwortung der Drohungen und Einschüchterungsvcrs.ich« DeutlLlands.


