Beilage zu r „Neuen Tage szeitung."
Nr. 07 | _ Freitag, den 20. Mar; 1914. _ | 7. Hahrg.mg
Gedenktage.
21!. Mär;. 1822 K. Braun, Parlamentarier, geb., Nassau. — 1878 Fürst Heinrich XXIV., Neust ältere Linie, geb. — 1890 Rücktritt Bismarcks. — 1894 Annahme des deutschrussischen Handelsvertrages. — 1905 Minister Freiherr von Hammerstein f.
Aus dem lieg, ßandtag.
Zweite Kammer.
Nachmittagssitzung.
Zn der Nachmittagssitzung vom Mittwoch nimmt Abz. Al i e q a n d (Zir.) Stellung gegen die Kritik des Abg. Dr. Osann, dost das Kreisamt Heppenheim den Eemeindebeamten die Agitation an den Bürgermeisterwahlen verboten habe. Dieser Schritt war notwendig, um die grobe Unsitte des Freibier» und das Freiesten zu beseitigen. Er tritt dann sür eine bester« Ausgestaltung des Fernsprechwcsens auf dem Lande ein und wünscht eine bestcrr Unterstützung des Wohnungswesens, indem man die gemeinnützigen Bau-Eesellschaslen nicht gegenüber den Kreisoerbänden zurückstehen laste. Endlich stellte er noch sest, datz die Kost der Sandbacher Heilstätte gut und ausreichend war. Zu Klage sei kein Anlaß gegeben, wenn auch manchmal nicht alles so ausialle, wie gewünscht. Di« Agitation sei von den Rädelsführern der Sozialdemokratie (ob durch Zufall?) angeregt worden.
Abg. Bach (Natl.) kommt aus seine Aussührungen über die Gründung des kath. Lchrervereins, und die Kritik der Abg. Molthan und Uebel hierzu zurück und nimmt den Ausdruck, den er in seine» erregten Stimmung gebraucht habe, zurück. Er weist dann noch die Angrisfe des Abg. Korell-Angenrod aus die freie Vereinigung der Hess. Nationalliberalen zurück.
Abg. Uebel (Ztr.) ist von der loyalen Erklärung de» Abg. Bach betr. die Gründung des kath. Lehrervereins befrie- tigt. Die Regierung möge weiter dasür sorgen, daß di« Bestimmungen der Landgemeindeordnung betr. die Bezahlung der Gcmeindcbcamten, wie Feldschützen, Gemeindediener, bester beachtet werden, da einzelne dieser Beamten noch jämmerlich bezahlt weiden. — Er verurteilt dann in scharfer Weise die Auswüchse der Wandervögel und de» Zungdeutschlandbundes und der nächtlichen Kriegsspiel«, an der manchmal auch junge Mädchen teilnehmen sollen. Die Regierung möge hier «intre-
len und dasür sorgen, daß vor Allem die religiösen Pflichten und Gefühle nicht vernachlässigt werden. — Er geht dann in scharfer Weise gegen den Abg. Busold vor, der in seinen letzten Reden das Zentrum „totgeschlagen" habe, e» werde aber trotzdem unter seinen Führern, auf die man stolz sei, weiter blühen: hier liege der Vergleich nah«: wenn der Mop» den Mond anbellt: auch stehe e» Busold schlecht, wenn er stch dazu ausspiele, die Bauern zu belehren, denn das sogen. Erfurter sozialdemokratische Programm bestehe doch in der Entziehung de» Privateigentum». Zn großen landwirtschaftlichen Fragen habe die Sozialdemokratie ster, versagt. Seit langen Jahren habe die Sozialdemokratie gegen alle Gesetze gestimmt, welche den Klein- bcfitz und den Landwirt zu schützen geschaffen wurden. Zn seiner Agitation möge der Abg. Busold doch den Bauern einmal vorlesen, was die eigene sozialdemokratisch« Prest« alles über den Bauernstand schreibt. — Er wendet sich dann gegen die Ausführungen des Abg. Adelung, der sich gegen die Zollgesetzgebung ausgesprochen habe. Tatsache sei, daß seit der Zollgesetzgebung der Großdcsitz abnehme, der Kleinbcsitz wachse. Auch sei es kein Zweifel, daß der Getreidebau geschützt sei. Der Beweis, daß die Berteuerung der Lebensmittel durch die Zölle verursacht sei, wäre bi» jetzt nicht erbracht. Die Lebenshaltung fei teurer geworden, weil sie auch bester geworden sei. — Man werde nicht leugnen können, daß auch in den Arbeiterkreijen seit Jahren von einem Arbeiterelend nicht mehr gesprochen werden könne. — Nicht zu vergesten sei, was die Landwirtschaft sür die soziale Gesetzgebung auszubringen habe und wie die Arbeiterlöhne gestiegen seien, Man habe daher keine Veran- lastung, gegen die Schutzzölle aufzutreten. — Die Landwirtschaft bilde die Grundlage der Deutschen Nation und werden seine Freunde voll und ganz für alle Forderungen derjelben eintreten.
«
Minister de» Innern v. Hombergk stellt sest, daß die Bestätigung des sozialdemokratischen Beigeordneten Eißnert keine Bersastungswidrigkeit darstelle. Die Wünsche des Abg. Bleidenbach betr. der Universität und der Landgestütsstationen werde man nach Möglichkeit unterstützen. — Die weitere Ausbreitung de» Fernsprechwcsens werde man gern unterstützen, zudem von der Post noch weitere Nachgaben zu erreichen seien. — Die Frage der Regelung der Gehälter der Eemcindebeam- ten werde von der Regierung im Auge behalten, die Kreisämter seien entsprechend instruiert. — Bon Auswüchsen in der
Zugendpsleg« habe die Regierung Bedenkliches gehört, bei keinen Bildungen sei dies nicht zu vermeiden, doch habe man leinen direkten Einfluß auf dies« Einrichtungen.
Nach weitere» Bemerkungen der Abgg. Joutz (parteilos) und Lang (Natl.) wird die Verhandlung auf Donnerstag stütz vertagt.
jlrenlnlcher Kandtag.
Abgeordnetenhaus.
Am Donnerstag setzte das Haus die Beratung des Eisenbahn-Etats fort.
Abg. Witt rock (Fortjchr.) wünschte eine Erweiterung der Bahnhossanlagen in Flensburg.
Ministerialdirektor Dorn er teilte mit, daß der Bcrjchie- bebahnhof bereits offiziell genehmigt sei.
Die Abgg. Dr. L i e p m a n n (Ntl.) und T r a u b (Frisch.) sprachen sich gegen die Erweiterung des Rangierbahnhoss Tem pelhof in die südliche Vororte aus.
Abg. Dr. Wagner (sreikons.) wünschte neue Eisenbahn- Haltestellen in Breslau, Abg. Wenke (Fortjchr.) einen Tun nelbau in Hirschberg.
Für eine Verdrsterung der Bahnhossanlage» in Görlitz sprach Abg. Haase (Fortjchr I, in Wilhelmshöhe Abg. Heins (Hojp. d. Kons.), in Graudenz Abg. v. E o n r a d - Fronza (stcikons.).
Aehnliche lokale Wünsche äußerten die Abgg. Marx (Z>, Eickhoff (Fortjchr ), Dr. E r « m e r, Dr. W c n d l a n d, sowie Wo l s f - Biebrich (Natl.) und Wohlfahrt (Natl.).
Minister v. Breitenbach erwiderte dem Abg. Oeser (Fortjchr.), daß die Verwaltung aus die wirtschaftlichen Bedürfniste der Stadt Frankfurt a. M. weitgehendste Rücksicht genommen habe. Er müste deshalb die Vorwürfe des Abg. Oeser zurllckweisen.
Abg. Thurm (Fortschr.) wünschte Verbesterungen in Forst i. L., Abg. Dr. Arendt (sreikons.) eine Ueberdachung des Bahnhofs in Eisleben, Abg. Dr. I r m e r (kons.) den Ausbau des Bahnhofs in Destau, Abg. Dr. Band (kons.j den Aus bau der Bahn bei Tobrilugk und Finsterwalde im Interesse der dortigen Industrie.
Nach weiterer kurzer Debatte, an der sich die Abgg. Dr. v. Eampe (Natl.), Nehren (steikons.), Peter (Ztr.j, Gras
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