Unmmer 62 Sumsrag. r»en 14 . März W14, 7. Jalirguny
Di- „»>-«- Tag-«,-ituny- cr'cheint ,eden W-rltag. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer au» Kessen", „Die Spinnstube". K-iugoprei«: «ei den PostanstaUen vtertet,ährl,ch litt. i,(-j bei den Agenten monailich 50 Psg. hinzu tritt Postgebühr oder Trägeriohn An,eigen: Grund,eile 20 Psg., lokale 15 Psg, Anzeigen von auswärts werden Lurch Postnachnahme erhoben Erfüllungsort Friedberg. Kchriftleitung und Verlag Friedberg (Helfen), Hanauerstrahs 12. F-rnIpr-cher 48. Postscheck-Lovto Sir. 48«g, Amt Frankfurt a. M.
Die heutige Nummer umfaßt 14 Keilen.
Neberftchl.
— Die Kundgebung des russischen Kricgsministers hat rtach einer Petersburger Depesche der „Kölnischen Zeitung" das russische Auswärtige Amt völlig überrascht und sehr be. stürzt, da sie den sehr beruhigenden Eindruck der Erklärungen, die Ssasonow mehreren Journalisten gegenüber gab, durchkreuzte. Sehr peinlich ist dies dem Finanzministcrinm, da? in seinem Ilebergangsstadium kaum Mittel zu finden glaubt, der drohenden Börscnpanik zu begegnen.
— Wie die Morgenblätter melden', hat Oberst von Winterscldt, in dessen Besinden eine erhebliche Besserung eingetrcten war, einen Rückfall erlitten, weil er, seine Kräfte überschätzend, aus kurze Zeit das Bett verlieh und einen Spaziergang in seinenr Zimmer unternahm. Der Militär- arzt l)r. Roh muhte eine neue Operation vornehmen, die glücklich verlausen ist.
— In der gestrigen französischen Senatssiliung wurde der Antrag des Senators Henri Mick>cls, der eine Vestcuc- rung der französischen Rente verlangt, mit 146 gegen 126 Stinimcn abgelehnt. Diese Ablehnung kommt einer Rieder- läge Caillaurs gleich, der Anhänger dieser Besteuerung ist.
— Wie in Rom verlautet, ist Salandrn vom König von Italien mit der Neubildung des Kabinetts bcaustragt war- dcn. Er hrt bereits seine Bereitwilligkeit zur tlebcrnahme der Regierung erklärt. Professor Salandra gehört zu der Gruppe der Altlibcralcn und besitzt Beziehungen zur Katho- likcnpartei.
— Die russische Regierung hat der bulgarischen eine Rechnung über 5 Millionen Rubel für verschiedene während de« Krieges ausgcsührte Bestellungen Bulgariens überreicht.
— An? Philippopel wird gemeldet, daß der dort wei- I lende altiürkischc Oberst Sadik Bch. der beschuldigt wird, an
der Ermordung Mahmud Schewket Paschas beteiligt gewesen zu sein, auf der Straße überfallen und tödlich verwundet Ivttrdc. Dem Täter gclain cs, zu entfliehen. Das Attentat fcll ein Rack>eakt der Jungtnrken sein.
— Rach einer Meldung ouS Tetuan ist eine spanische Abteilung gestern von dcn Rebellen in einem Hinterhalte an- gegrisfcn worden. Ein Offizier wurde getötet und ein
> Oberstleutnant und ein Soldat verwundet.
Die Krankenkassemvahlen und die
Soplbrmohrntif.
Durch die neue Reichsversicherungsordnung ist die Mög- « lichkcit gegeben, daß die Alleinherrschaft der So- » zialdcuiokratie in dcn Krankenkassen gebrochen wcr- , dcn kann. Bekanntlich haben sich die Sozialdemokraten mit I Eifer und vielerorts mit vollem Erfolg bemüht, aus einer ° sozialen Wohlfahrtseinrichtung, die doch die Krankenkassen »'einzig und alleiti darstellen sollen, in allererster Linie eine I Ncrsorgunßsanslalt für sozialdemokratische Agitatoren und » rote Wühlhuber zu 'machen. Da, wo die Sozialdenwkratie t die Mehrheit in den Krankenkassen innc hatte, und das war 1 in fast allen Städten und Jndustriebczirken der Fall, da »vurden nur waschechte Genossen als Geschäftsführer, Rechner und Kontrolleure angcstellt. Die Partei war damit des Unterhaltes bewährter Genossen ledig und diese mußten auf Regimentsunkosten von den Krankenkassenmitgliedern b:- Aihlt werden. Nur zu lange Zeit glaubten die roten Genossen, daß in erster Linie sozialdemokratisches Glaubensbekenntnis und unverfälschte sozialdemokratische Gesinnung dcn Befähigungsnachweis zu einer ersprießlichen Wahr- riehmung der Geschäfte in den Krankenkassen mit sich brächten und es- galt als selbstverständlich, daß sie die Posten in denselben nur mit parteiamtlich abgest.-mpelten Genossen be- etzten. Der Arbeitgeber und der nationaldenkende Arbeiter batten nur zu zahlen, im übrigen aber dcn Mund zu halten, da die sozialdemokratischen Arbeitgeber die Zweidrittelmehrheit in den Verwaltungsorganen der Kassen besaßen.
Dem ist nun durch die neuen Bestimmungen der Reichs- , ?ersicherungs-Ordnung über die Wahlen zu den Ausschüssen tnd den Vorständen ein gewisser Riegel vorgeschoben worden, insbesondere dadurch, daß nicht mehr die Mehrheit, wie -bisher, brutal herrschen kann, sondern, daß infolge der Verhältniswahl auch die Minderheiten eine Vertretung finden >nd mitrcden können. Tie meisten Wahlen haben bereits tattgcfundcn und sic haben vielfach zu Erfolgen für die bür- zcrliche und nationale Sache geführt, die geradezu über- 'aschcnd gekommen sind. Es gelang in einer ganzen Anzahl eon Orten, die als sozialdemokratisck>e Hochburgen bekannt ind, die rote Mehrheit zu beseitigen und durch eine btirgcr- ich-nationale zu ersetzen, in vielen anderen Kassen, wo bisher >ie Partei des Umsturzes maßgebend gewesen ist, ist wenig- tens diese Alleinbcrrichaft gebrochen worden und die Min
derheit hat ein gewichtiges Wort mitzureden. Der Dank hierfür gebührt zuvörderst der christlich-nationalen Arbeiterbewegung, die bisher gar nicht oder nur unbedeutend in dcn genannten Organen vertreten war. Ihrer ziclbewußten Werbearbeit ist es gelungen, die Roten auf der ganzen Linie zurückzuwerfen und deren Einfluß zu vermindern.
Der beachtenswerteste Erfolg brachte die Krankenkasscn- wahl in München, wo die bisherige sozialdemokratische Mehrheit bei den Neuwahlen nicht Stand halten konnte. Bei der Wahl zur Ortskrankenkasse in Schweinfurt, bisher unbeschränkter sozialdemokratischer Besitz, erhielten die christlichen Arbeiter 10 gegen 30 rote Vertreter. Durch die Wahl zur Arbeiterklasse werden sich nunmehr bürgerliche und so- zialdemokratische Vertreter in gleicher Zahl gegenüber stehen. Dasselbe ist in Pforzheim, einer sozialdemokratischen Domäne, der Fall. In W ü r z b u r g entfielen auf die christlich-nationale Arbeitnehmerliste 3472 und auf die sozialdemokratische 3667 Stimmen, beide Richtungen erhielten 15 Vertreter. In dieser Kasse muß also die bisherige rote Mehrheit einer nationalen weichen. Gerade so ging es in Duisburg, wo die christlich-nationalen Arbeitnehmer 3347 Stimmen und 28 Vertreter erzielten, die Sozialdemokraten nur 2647 Stimmen und 22 Vertreter. Die bisherige sozialdemokratische Alleinherrschaft ist dadurch gründlich aufgeräumt. Auch in F o r ch h e i m, deren Krankenkasse bisher ganz in dcn Händen der Sozialdemokratie war, wurde dieser Zustand beseitigt, dort erhielten die nationalen Arbeiter 12 und die internationalen nur 8 Vertreter.
Es würde zu weit führen, alle die glänzenden Erfolge einzeln zu buchen. Es genüge, festzustellcn, daß die sozialdemokratischen Mehrheiten weiter gebrochen worden sind in Konstanz, Metz, Osnabrück, Krefeld, O st ritz (Sachsen) Siegen, F r c i b u r g i. B., wo die christlich- nationalen Arbeiter 5398 Stimmen und 33 Vertreter erzielten, gegenüber 4422 fortschrittlich-sozialdemokratischen mit 27 Vetrtrctcrn. Ungezählt sind die Kassen, wo die christlich-nationalen Arbeiter weitaus in der Mehrheit blieben, wir nennen nur Vordeck, Oberhausen, Kissin- ecn. Weiden, Bamberg, Essen, Ettlingen Münsterberg, Homburg (Pfalz), D i l l i n g c n , L c u t k i r ch (Württemberg) und viele andere. Selbst in bisher gänzlich unzugänglichen sozialdemokratischen Besitzstand sind ihre Gegner eingedrnngcn, die Wahlen in Dresden, Offenbach, Bremen, Greiz, Weimar, Zwickau i. S. usw. lie- fern den Beweis dafür
Nicht minder erfreulich sind auch verschiedene Ergebnisse aus unserer engeren Heimat. Mit einem guten Beispiel ging Kietzen voran. Dort war die Kaffe seither ganz intensiv rot gefärbt, ihr Kontrolleur landidicrte für die Sozialdemokratie bei den Reichstagswahlen. Trotzdem in diesem Kreise eine Landkrankenkaffe gebildet wurde und die landwirtschaftlichen Arbeiter be! der Wahl zur allgemeinen Ortskrankenkaffe nicht in Betracht kamen, erhielten die nationalen Arbeiter 690 Stimmen und dis Roten 753, beide Richtungen die gleiche Anzahl von Bertretern im Ausschutz und mit der sozialdemokratischen Herrlichkeit ist es, da die Arbeitgeber bürgerlich wählten, gründlich vorbei. Im Kreis Oppenhei m stellen die christlich-nationalen Arbeiter 22 und die Sozialdemokraten 8 Vertreter. Im Kreis Bingen wurden 2g Vertreter der christlichen Arbeiter und 11 rote gewählt. Aus Bensheim wird uns mitgeteilt: Bei der Wahl zum Vorstand der Agemeinen Ortslrankenlasse war von seiten der Arbeitgeber nur ein gültiger Wahlvorschlag ausgestellt, so datz diese Dorgeschlagenen gewählt sind. Für die Versicherten waren zwei Vorschläge vorhanden. Don 40 abgegebenen Stimmen fiefrn 24 Stimmen auf die bürgerliche Liste und 16 aus die sozialdemokratische, so datz von den 8 zu wählenden Mitgliedern 5 bürgerliche und 3 sozialdemokratische im Vorstand vertreten sind. Von dcn 16 Ersatzmännern kommen lg bürgerliche und 6 sozialdemokratische in Betracht. Auch in Offenbach und namentlich in Mainz wurden recht erfreuliche Teilerfolge erzielt.
So eröffnen sich für die am 22. März d. I. stattfindenden Wahlen zum Ausschutz für die Allgemeine Ortskrankenkaffe des Kreises F r i e db e r g recht erfreuliche Aussichten. Die bürgerliche und nationale Richtung haben für beide Klaffen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, eigene Listen ausgestellt, die Kandidaten sind nicht vom engherzigen Parteistandpunkt aus bezeichnet worden, sie sind vielmehr aus allen Bsrussgruppen un- paracüsch entnommen und gehören den verschiedensten Parteirichtungen an. Wir gehen mit Zuversicht in den Kampf.
Die Parole mutz lauten: Rieder mit der sozialdemokratischen Herrschest in der L tskrankenlaffe zu Friedücrg!
Denlscher Neichslay.
235. Sitzung, Freitag, 13. März. 10 Uhr.
Kurze Anfragen.
Auf die Anfrage des Abg'. Kopsch (Vp.) erklärt
Ministerialdirektor Caspar: Ueöer die Frage, wieweit Kinder, die in der Wirtschaft ihrer Eltern beschäftigt sind, krankenversicherungspflichtiz sind, ist bereits früher Auskunft gegeben worden. Es kommt darauf an, ob die Kinder für ibre Dronstlei'tunoen Entschödiaung erhalten, oder ->b sie
lediglich ihren Unterhalt auf Grund der gesetzlichen Unter- Haltungspflicht beziehen. Wenn Wohnung, Nahrung uni Kleidung als Vergütung für die Arbeit gewährt werden, sind sie als Entgelt anzuschcn.
Die Duell-Interpellation des Zentrums.
Abg. Grocber (Zentr.) begründet die Interpellation Er schildert zunächst die Vorgänge, die zu dem Zweikanips geführt haben, das Verfahren des Ehrenrats und den Vc-- lauf des Zweikampfes. Haben der zuständige Konunandcui und der Ehrenrat ihre Schuldigkeit getan? Nach dem Komment ist ein Duell innerhalb 48 Stunden auszutragea, in Metz ist schon nach 10 Stunden der Schuß gefallen. Wärmst diese UebcrstUrzung? Der Zweikampf mußte bis zuu Spruch des Ehrengerichts verschoben werden. Nach den Wort des Kaisers: Wer imstande ist, die Ehre eines Kaute raden frevelhaft zu verletzen, dcn werde ich in meinem Heer« nicht dt,Iden. Hätte La Valette gezwungen werden müssen, aus dem Heere auszuscheidcn. Wir vermissen eine Statistik über die Duelle, besonders über solck>e, die int Beurlaubten stände Vorkommen. Lappalien werden von Dcnunz'anter benutzt, um einen anderen aus dem Reserveoffiziersstand- herauszudrängcn. Offenbar ist das Duell im Offiziersstand- eine offizielle Einrichtung. Noch niemals ist ein Offiziers' chrcnrat wegen Beihilfe zum Duell bestraft worden. (Seht richtig! im Zentr.) Nach der Entscheidung der höchsten Ge richte ist aber seine Tätigkeit eine solche Beihilfe. Freilich beziehen sich diese Feststellungen nur auf Zivilisten. Aber das gleiche Recht muß auch für Offiziere gelten (Zustitu- mung!), es gibt kein Gesetz, das sie straflos macht. Jni Heer ist der Hauptsitz des Uebels. Unsere zahllosen Erörterungen find umsonst gewesen. Alle Parteien waren einmütig dafür, daß bei frevelhaftem Verschulden auf Gefängnis zr erkennen ist und in besonderen Fällen sogar auf Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Hofsentlich wird das eine Wirkung haben. Auch der Beleidiger muß siharf angefaßt werden. Gesetzgebung und staatliche Gewalten, Reichstag und Bundesrat, Fürsten und Regierungen müsse» ihr gewichtiges Wort sprechen. Das Volk verlangt vor allem Gleichheit vor dem Gesetz.
Preußischer Kricgsminister v. Falkcnhayn: Leider ist et wahr, daß es in Metz zwischen den genannten Offizicrer toegen schwerer Verletzung der Familienehre des einen zum Duell geommen ist. Auf die Ursaech des Zweikampfes möchte ich mit Rücksicht auf die Familien der Beteiligten hier öffent- sich nicht cingchcn. (Sehr richtig!) Der Kriegsminister gibt eine Schilderung des ehrengerichtlichen Verfahrens in den, Metzer Falle. Dem Offizier darf kein Vorwurf gemacht wir- dcn, wenn er dcn ehrengerichtlichen Spruch, wie er nach Erklärung des Ehrenrats erforderlich ist, abwartet. Daß es, nachdem der ehrengerichtliche Spritch abgewartet war, noch zu einem Duell gekommen wäre, ist mir seit langen Jahren nicht in einem einzigen Falle bekannt geworden. Für ehren gerichtliche Angelegenheiten sind einzig und allein die allerhöchsten Vorschriften maßgebend. Sic sind so sehr Gemeingut der Armee geworden, daß sie für das Offizierskorps keines Kommentars bedürfen. Wenn die Beteiligten cs unbedingt wollen, kann der Ehrcnrat ein Duell nicht verhindern. Er kann nur einen Ausgleich versuchen und im schlimmste,i Fall die Beteiligten auf die F »gen h-nweisen. Tic Behandlung des Metzer Falles verstößt also nicht gegen das Ge setz. Die Rechtssprechung steht auch auf meiner Seite. Tei Kartellträgcr, der sich ehrlich um den Ausgleich bemüht bleibt straflos. Wie kann da der Ehrenrat haftbar gemach- werden? Maßnahmen gegen das Duell im allgemeinen sine nur auf dem Wege der Gesetzgebung denkbar. Die Fragt kann bei der Beratung des neuen Strafgesetzbuches gcpcüsl werden. Seit den Mahnungen des Kaisers zu strenger Selbstzucht ist ein Fortschritt zu verzeichnen. 1913 sind um 16 Duelle vorgekommen. (Hört! hört!) Auf 75000 Ossi ziere! Von Dnellwut kann also nicht gesprochen werden Wir werden also in dem Kampf gegen das Duell nicht nach lassen. (Beifall.) Verbote allein nützen nithts. Der Fordernde weiß, daß er gegen göttliches und menschliches Recht verstößt und wir können feine Gewisscnsgualen nicht noch durch ein Verbot vergrößern. Ein Verbot würde auch ungeregelte Selbsthilfe oder den Prügelkomment Hervorrufen Der traurige Metzer Fall hat wenigstens Schlimmeres, di ungeregelte Selbsthilfe, verhütet. (Unruhe im Zentrim und links.) Wenn es anders aussieht, so liegt cs daran, ixt) jeder Duellfall öffentlich behandelt wird, während die guten Wirkungen in aller Stille eintreten. (Sehr richtig! - recht! und Lachen im Zentrum und Links.) Das Dttell ist ein gänzlich untaugliches Mittel, den Schuldigen zi, bestrafen und ebenso untauglich zur Ausübung der Rache. (Sehr richtig! und ironische Zurufe links.) Hier spielen ganz an- dere Empfindungen mit, daß die Beleidigung eine doppelt: Schmach ist, weil sie gleichzeitig die Mannhaftigkeit des Beleidigten anzweifelt. (Sehr richtigI rechts, Lachen bei den Soz.) Ich persönlich kann eine Ausrottung der Ehrenatts, fassung, die hin und wieder leider noch zum Duell führt kein Glück basten. Sie ift aber auch nicht die


