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Neue Tageszeitung. Freitag, den 13. Stürz 1914.

Nr. es

: .; 'Tome Gefängnis und 80 M Geldstrafe. 350 be-

x-r. 'limi-iS Weltgeld wurde eiugezogen.

tf. Aiidrsheim n. Rh., 12. März. Der Minister für -ir'.'chast, Domänen und Forsten, Freiherr v. Schorle- r--, hat, wie im§ soeben von Berlin gemeldet wird, ;:» der Stadt Niidesheim a. Rh. und der König!. . ng zu Wiesbaden vereinbarte Abkommen wegen der n»g des Riederwalds mit Wasser genehmigt. Die

di :lüdesheim stellt der Regierung das nötige Wasser aus . scn Wasserwerk gegen eine bestimmte Vergütung

Verfügung, da? von da mit elektrischer Kraft auf den Ri derwald gehoben wird. Die erforderlichen Arbeiten für R. Leitung von Rüdesheim ans den Niederwald werden so- f-_. 1 1 ausgeschrieben und so gefördert, daß die Anlage Anfang Mai. während der Kaiser in Wiesbaden Hoflager nimmt, stetig gestellt und im Beirieb ist. Die Wasserverforgungs- fiage des Niederwalds ist nämlich durch Seine Majestät in Fluß gebracht worden und der Initiative des Herrschers zu danken. Der Kaiser wird von Wiesbaden aus den Nieder­wald besuchen. Außer dem Niederwald wird der Kaiser während seines diesjährigen Aufenthalts in der Mairesidcnz Wiesbaden das Militärgenesungsheim für das 8. und 18. Armeekorps int Kloster Eberbach besichtigen. Bereits wäh­rend des- Aufenthalts des Kaisers int Spätsommer vorigen Jahres auf Schloß Homburg v. d. H. war beabsichtigt, das Genesungsheim in Eberbach und die kunsthistorischcn Ge- bäude des ehemaligen Klosters Eberbach selbst, das einst auf Veranlassung der Kaiserin Friedrich nach einem Besuche der hohen Frau im Jahre 1870 vor weiterem Verfall bewahrt blieb, zu besichtigen. Da die Einrichtung des Genesungs- heims im vorigen Jahre noch nicht völlig beendet und die Wege im Klosterbezirk sehr unpraktikabel waren, nahm der Kaiser auf Bitten des Kommandierenden Generals des 18. Armeekorps, v. Schenk, von dem Besuche damals Abstand. Auch die Marksburg bei Braubach wird der Kaiser von Wiesbaden aus besuchen.

Lasset, 13. März. Bei den Stadtverordnctenwahlen siegte in der dritten Wählerklasse mit 500 Stimmen Mehrheit die Piste der Bürgerlichen Über die der Sozialdemokratie, sodaß jetzt nur noch ein Sozialdemokrat in der Stadtverordnetenversamm­lung sitzt.

Aus Starkcnburg.

Oifcnbach «. M., 11. Mörz. Wegen Schädigung der Orts­krankenkaffe Ofsenbach hatte sich der 44 Jahre alte Kcffelrcini- ger B. L. Gallert daselbst zu verantworten. Al» Kesselreiniger gilt er als selbständiger Gewerbetreibender, nahm aber im Sommer v. I. bei ruhigem Geschäftsgang aushülfsweise eine Stellung bei einem Spenglermeister an. Er wurde auch zur Ortskrankenkassc angemeldet, erkrankte aber schon nach kurzer Zeit und sind für Arzt, Krankengeld, Arznei usw. etwa M. 225 Kosten zum Nachteil der Ortskrankenkaste entstanden. Da ©. während seiner Krankheit nun durch seinen Sahn und einem Gehüsten verschiedene Kesjelreinigungsarbeiten aussühren ließ, erfolgte seine Anzeige wegen Betrug. Da er selbständiger Meister ist, hätte er sich als steiwilltgcs Mitglied der Ortskran- kenkaffe anmeldrn müssen, er wäre aber jedenfalls nicht ausge- notr.i, eit worden, da er an einem chronischen Leiden behaftet ist. Das Gericht konnte sich redoch nicht davon überzeugen, daß 8. bewußt rechtswidrig gehandelt hat und sprach ihn frei.

Dacmstadt, 11. März. Neue Versuche der Telepathie, Wunder aus der Wachsugeftion usw. konnte man in mächtigen Lettern in der letzten Woche an den Anschlagsäulen lesen. Das Künstlciehepaar Helene Odilon und Dr. K. von Radwan hat­ten ihre mit Experimenten verbundenen Vorträge angekün­digt. Leider machte ihnen aber die Polizei einen Strich durch die Rechnung, da sie verbot, daß zu den Experimenten notwen­digen Personen aus dem Publikum genommen werden sollen, zudem nach der Anschauung des Krcisgesundheitsamtes und anderer Sachverständige für die Versuchsobjekte leicht zu ge­sundheitlicher Schädigung führen können. Als dem Künftler- paar das Verbot der Experimente eröffnet worden war, war es einsichtig genug auch auf den eigentlichen Vortrag zu ver- ' chten. Nach der Aussage der Künstler haben sie bisher ihre Lorsührungen in den verschiedenen Staaten Deutschlands ohne Hintcrnisse gezeigt. Das Unglück in der Sylvesternacht wird wahrscheinlich ungesiihnt bleiben. Wie wir erfahren, hat sich nach den angestellten Ermittelungen und Versuchen der Beweis, daß der Eesangenenaufjeher Weyrich, der in der fraglichen Nacht etwa 50 Schliffe aus etwa 200 Meter Entfernung von dem Getöteten aus einem Militärgewehr abgegeben hat, nicht cinwandssrei erbringen lassen, sodaß voraussichtlich nach dieser Richtung das Verfahren eingestellt werden wird, während sich W. immerhin wegen Schießens an bewohnten Plätzen usw. vor der Strafkammer zu verantworten haben wird. Wegen dieser Ilcbertretung kann er mit Geldstrafe bis zu Mk. 150 oder mit Haft bestraft werden.

* Darmstadt, 12. März. Ein bedauerliches Opfer zer­rütteter Fomilienverhältniste ist der 16 Jahre alte Hans Berg ans König im Odenwald, der gestern wegen Urkunden- sälschung vor der Straskammer stand. Der Vater, obwohl praktischen Arzt, huldigt mehr den Göttern Bachus und Gam- brinuS und ist deshalb öfters vom Hause abwesend, als es im Interesse seiner Familie wäre. Dadurch kommt cs, daß auch der oben erwähnte Sohn an dem Vater kein gutes Bei- spiel hatte und auf Abwege geriet. Ta nun der Vater die Familie nicht mit den nötigen Mitteln für ordnungsge­mäßen Unterhalt versorgte, kauften die übrigen Familien­mitglieder selbständig für Rechnung des Vaters, sodaß die­ser in den Blättern veröffentlichen ließ, daß er für derartige Schulden nicht mehr aufkomme. Der Sohn, der nun einen icnen Hut und ein Paar Schuhe brauchte, fälschte zwei mit !>er Unterschrist seines Vaters versehene Bestellzettel, wo­rauf ihin die Sachen ausgehändigt wurden. Der Arzt ver­weigerte die Zahlung, worauf die Geschäftsleute Anzeige machten, sodaß der Junge, der infolge der schlechten Erzic- hung sich jetzt in Zwangserziehung befindet, wegen Urkun- ru T STaoea Getänoriis verurteilt wird.

Aus Rheinhesicu.

Spichheim, 13. März. Bei der Kaffe In Hungen in Ober- heffen, bei der in Heusenstamm in Starkenburg machten die Mitglieder in der letzten Zeit recht traurige Erfahrungen und nun kommt aus Spießheim in Rhcinheffen die Nachricht, daß auf der ordentlichen Generalversammlung, die der landw. Kon­sumverein, e. E. m. u. H., abhielt, der Vorsitzende Bürgermei­ster Keller über die Unterschlagungen des Rechners Rüdinger berichtete. Rüdinger habe ein Geheimbuch geführt, nach dem 31 008 Mark unterschlagen wären. Die Unterschlagungen be­tragen aber 35011,45 Mark, wovon 8000 Mark gedeckt sind. Es besteht also ein Verlust von 27011,45 Mark. Es wurde vorge- schlagen, daß der Vorstand 7000 Mark, die 100 Mitglieder der Kaffe 20 000 Mark übernehmen sollen, wogegen der Vorstand remonstrierte. Im Lager ist ein Warenvcrlust von 580 Mark fcstgejtcllt. Ueber d>e Deckung des Verlustes aus 1013 soll in einer nächsten Versammlung beschloffen werden. Der Vorstand wurde nicht entlastet.

Aus aller Welt.

Opfer für Zabcrn. Infolge der fortgesetzten Aufregungen wegen Zaber» ist die Frau des Oberst v. Reuter lautTägl. Rundfch." an einem bedenklichen Herzleiden erkrankt und befin­det sich In Frankfurt a. O. i» dauernder ärztlicher Behandlung. Auch dis Tochter des Obersten, die als Lehrerin in Schwerin angestellt ist, erlitt einen schweren Nerocnanfall, der ihr für längere Zeit die Ausübung ihres Berufs unmöglich macht. Die Zigarrenhändlerin Frau Wwe. Eoers in Zabern, die im Straßburger Prozeß die unerhörten Beschimpfungen der Ofti- zierc wahrheitsgetreu geschildert hatte, wird fortgesetzt von der Zaberner Bevölkerung boykottiert. Trotzdem die Dame durch Aufträge aus dem Reich unterstützt wird, hat sie doch schwer um ihre Existenz zu kämpfen.

Blutschande. Schwer vergangen hat sich ein Schlaffer Fer­gen in Arnsberg an seinen Töchtern im Alter von 1417 Jahren. Er wurde zu 5 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt.

Schulstreik. Ein Schulstreik ist in S e g e n d o r f ausgebro­chen, weil die Eltern cs nicht dulden wollten, daß ihre Kinder den weiten Schulweg nach Neubieber machen sollen. Es handelt sich um 100 Dolksschüler und Schülerinnen.

Feuer !n einer Eisenbahnwerkstätte. Sonntag Abend ent­stand in dem Werkstätten- und Megasingebäude der braun­schweigischen Landesbahn ein Brand, der sehr schnell um sich griff. Als die mit zwei Löschzügen anrückcndc Feuerwehr an der Brandstätte erschien, stand bereits der Dachstuhl des ganzen Gebäudes in Flammen. Trotzdem die Feuerwehr den Brand­herd sofort mit acht Schlauchanlagen augriff, war es doch, wie dieBraunfchw. Neuest. Nachr." melden, erst nach dreistündiger Tätigkeit möglich, des Brandes Herr zu werden.

Kognakschmuggel. Beim Hauptzollamt in Düsseldorf sind große Zollunterschlagungen ausgcdcckt worden. Die Affäre spielt auch nach Köln hinüber. Die Summe, um die der Staat betrogen worden Ist, beträgt etwa 100 000 Mark. Cs handelt flch »m Einschmuggelunz von Kognak. Ein Kaufmann aus Köln, mehrere Düffeldorfer Zollbeamte und Angestellte Düssel­dorfer Firmen sind verhaftet worden.

Betriebsunfall. Der Maurer Rctzmann in Dortmund kam in der Phönixgrube in die Transmission und wurde ge­tötet.

Mord wegen einer Zechschuld. Eine entsetzliche Bluttat führte der 70jährige Invalide Billers aus, der in einem Re­staurant aus der Bismorckstraße in D!i f s e I d o r s eine Zeche von 8 Mark gemacht hatte, aber völlig mittellos war. Als der Kellner ihn uzr Zahlung aujfordertc, versetzte der Greis ihm einen furchtbaren Stich in die linke Bruftfeite, der den Tod des Mannes hcrbeiführte. Billers bedrohte »och mehrere Gäste. Rur mit Mühe gelang es ihn zu überwältigen und der Polizei $t> übergeben.

Bon den Toten auferstanden. Der gerichtlich für tot er­klärte Zimmermann Karl Schweinitz traf dieser Tage in feincni Geburtsort Orlamünde i. Th. ein. Er hatte im Jahre 1894 feine Frau und Kinder oerlaffcu und ist jetzt unterstützungsbe­dürftig von dem Armcnamt Wcstheim bei Kitzingen in Bayern nach Orlamünde als Hilfsbedürftiger abgeschoben worden. Da sein nicht unbeträchtliches Barvermögen nach der Todeserklär­ung feiner inwzischen wieder verheirateten Frau und seinen längst mündigen Kindern ausgehändigt worden'ist ,so befindet sich Schweinitz in hilfsbedürftiger Lage.

Der lebende Leichnam. Aus Kopenhagen wird ge­schrieben: In dem größten dänischen Jrrenhause bei Kopen­

hagen hat sich in diesen Tagen eine seltsame Geschichte zugctra- gen. Der Leichnam eines verstorbenen Irren lag im Sektions- rauin ausgebahrt, wo er untersucht werden sollte. Einige Mi­nuten, bevor die Obduktion stattsinden sollte, begab sich der Sek­tionsassistent in den Raum, um alle Vorkehrungen zu treffen und auch schon bei der Leiche die inneren Organe, die in Be­tracht kamen, sreizulcgen. Gerade will er das Messer ansetzcn, als die Leiche sich plötzlich auftichtet und ihn mit einem Hagel von Schiw.psworten überschüttet. Dem Assistenten siel vor Schreck das Meffer aus der Hand. DieLeiche" aber kletterte schnell von dem Obduktionstifch herunter, lief aus dem Zimmer, schlug die Tür ins Schloß und sperrte fo den Assistenten ein; dieser wurde kurz daraus von den anderen Aerzten, die zur Ob­duktion kamen, befreit. Der Vorfall hat natürlich bald seine Erklärung gefunden. DerLeichnam" war nämlich einer der geistesgestörten Patienten. Auf irgend eine Weife war er in den Scttionsraum gelangt. Dort fand er die entkleidete Leiche vor. Er schaffte den Toten in einei Nebenraum, wo er selbst sich auch feiner Kleider entledigte. Dann ging er in den Sck- tionssaal zurück und nahm dort aus dem Tische Platz, wobei er genau die Stellung der Leiche innehiclt. Er harrte so aus, bis der Assistent kam und sich die geschildciie Szene abspicltc.

Beim Zahuziehc» die Wirbclsäulr gebrochen. Ein merk­würdiger Fall von fahrlässiger Tötung stand zur Vorhand- lnng vor den Londoner Geschworenen. Ein 22jähriger Vcr- sicherungsbeamter war an einem Bruch der Wirbelsäule ge- itorbeu, den er ücb beim Ziehen eines Zabncs durch den

_____ Seile *

Zahnarzt zuzog. Die Sektion der Leiche ergab, Sck>idclbasis und die ersten Rückenwirbel infolge vorgefckjrst. teuer Tuberkulose außerordentlich schwach waren,

Ziehen des Zahnes brach der Zabnarzt durch de» Ruck di« Wirbelsäule au zwei Stellen, so daß der Tod auf der Siell- eingetreten sein muß. Der angcklagtc Arzt wurde schu«^ lich frcigesprochcn.

Von seinem Stiefsohne erstochen. In Dösingen wurde gestern Nacht der 48 Jahre alte Einwohner Braun seinem 22jährigen Stiefsohn Schmies in, Laufe eines Wort- Wechsels erstochen. Der Täter suchte sich durch einen Nevol- verschnß der irdischen Gerechtigkeit zu entziehen, die Kngcl schlug jedoch fehl und den Polizeiorganen gelang cs, den Mörder zu verhaften.

Eigenartiger Tod eines Kindes. Auf seltsame Weile ist ein 14 Monate altes Mädchen ums Leben gekommen. Die Eltern hatten beim Schlafengehen wie gewöhnlich das Teck- bett mit einer Schnur befestigt, um ein Verschieben des Bettes zu verhindern. Als sie am anderen Morgen erwach, tcn, fanden sie die Kleine durch die Schnur erdrosselt. In St. Etienne, wo der Vorfall geschah, steht man vor einem Rätsel. s

Tragischer Absturz eines Förderkorbcs. I» eener Grube der Champagne Aurillac stürzte ein Arbeiter, der vor- gesfcn hatte, die Türe des Förderkorbes zu schließe», aus einer Höhe von 25 Meter ab. Er fiel unglücklicherweise auf einen Kameraden, dem er den Sckpdel zerschmetterte. Er selbst wurde so schwer verletzt, daß er kl>rzc Zeit darauf ver- storben ist.

Milde Strafe. Ein mildes Urteil hat das Kriegsgericht von Toulouse gestern Nachmittag gegen 5 Meuterer gefällt, die unter dramatischen Umständen ans dem Militärgesäng- ms von Toulouse entkommen waren. Ihr Ausbruch war I noch rechtzeitig entdeckt worden, so daß die Verfolgung aus- genommen werden konnte. Sie hatten sich in einem Zimmer eingeschlossen und sich erst ergeben, nachdem man mit Beilen und anderen Gegenständen die Barrikade wcggeraumt hatte.

Sie wurden zu den geringen Gefängnisstrafen von 6 Mona- ten bis zu zwei Jahren verurteilt.

Ein Kirchenräuber verhaftet. In Cnxhavcn ist ein Mann verhaftet worden, der zahlreiche Einbruchsdicdstähle in Kirchen verübt hat. In Stade hat er vor kurzem zwei Kirchen beraubt.

Er nennt sich Leo Zardine und gibt an, Kaufmann zu sein. In Wirklichkeit handelt es sich edoch um den im Jahre 1880 in Kö­nigsberg geborene Ernst Saal. Saal hat auch Kircheneinbrüche in Rheinland und Westsalen verübt. In Rapholtz wurde er am 2. Januar In der Kirche von dem Pfarrer Lötz übcrraicht. Er erschoß den Pfarrer und entfloh.

KnrsverilhL

vom 12. März 1914 der

Mitteldeutschen Creditbank

Aktienkapital u. Restrven M. 7« 000000

gegründet 1856.

Frankfurter Börse.

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4 7» 1902 00.10

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Deutsch-Asiatisch« Bank 127.

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