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Beilage zurNeuen Tageszeitung."

l'r. 58 | _ Dienstag, den 10. Miirz 1914. j 7. ?it!|rvwt«?

ß üse 50_phri^?aWiedertCÖ^ des Krieges 1864 (.Eroberung der Düppeler Schemzenl

Gedenktage.

10. März. 1788 Freiherr Jos. v. Eichendorf, Dichter, geb.

1905 Ende der Schlacht bei Mulden, 15 000 Russen

gefangen genommen.

Die fünf grökrten Wehrbeilriige*

Hierzu wird folgendes mitgeteilt' Der Stand der Einfchätz- »ngen zum Wehrbeitlag ist so weit gediehen, dost sich seine Aus­gestaltung im einzelnen bereits überblicken laßt. Von beson­derem Jutcreffe ist es dabei, feftzustellen, welche Persönlichkeiten am stärksten mit Wehrbeiträgen beteiligt find. Es ergibt fich dabei, datz allein di« fünf größten Wehrboiträge di« stattliche Höh« von 20 Millionen Mark erreichen. Diese Summe verteilt sich im einzelnen folgendermaßen; Ein Millionär bat drei Mil. lienon hu entrichten, drei zahlen je 4 Millionen und einer 5 Millionen an einmaligem Wehrbeitrag. Den höchsten Beitrag überhaupt hat Fra-u Bertha Krupp v. Bohlen und Haibach an das Reich abzusühren. Nämlich, da ihr Vermögen auf Mark 284 000 000 und ihr jährliches Einkommen auf 18 Millionen Mk. rinzuschätzen ist, so beläuft sich ihr Beitrag ans 5 Millionen, Unter denen, die t Millionen entrichten werden, ist an erster Stelle der deutsche Kaiser hervor,zuheben. Er steht mit der

Höhe seines Beitrages an der Spitze aller von den sonstigen deutschen Bundessürstcn zu leistenden Svehrbeiträge. Ihm gleich stehen aus Grund ihres annähernd auf gleichem Stand sich hal­tenden Vermögens und Einkommens der Fürst Guido Henckcl v. Donnersmarck und der Fürst Christian Kraft zu Hohenlohe-Oeh. ringen, Herzog von Ujest. Sehr groh wird sich auch der Bei- rrag des Fürsten von Pleß und des Freiherrn Max v. Gokd. Ichmidt-Rothfchitd gestalten. Man ist übrigens in finanzwifien- sch östlichen Kreisen vielfach der Ansicht, datz bei Gelegenheit der Veranlagung zum Wehrbeitrag in vorzüglicher Weise zürn er­stenmal ein« genau« Feststellung des Nationalvoichtums des deut­schen Volker sich ermöglichen lassen wird___

Die Kiesen-Kaisermanöver 1914*

In diesem Jahre findet voraussichtlich vonr 13. bis 18. September im Taunus und Westerwald, also zwischm 1!oblenz, Frankfurt a. M. und Kassel ein Kaisermanöver statt, wie cs in einem solchen Umfange wohl noch nicht zu sehen war. Nicht weniger als sechs Armeekorps, nänilich das 7. (Münster). 8. (Koblenz). 11. (Kassel), 18. (Frankfurt n. M ), das 2. bayerische (Wiirzburg) und das 3. bayerisch« tNürnberg) sollen daran teilnehmen. In Deutschland waren bisher lm höchsten Falle 3 bis 4 Korps an einem Manöver beteiligt und auch in Frankreich, wo man öfters Herbst­manöver in großem Umfange obhielt, sind vier Armeekorps die Höchltzahl gewesen. Damit man sich einen Begrisf von den Trnppenmassen machen kann, die dos diesjährige Kaiser­manöver erlordert. sei Nachstehendes mstgeieilt;

Die sechs Armeekorps setzen sich zusaninien aus:

12 Divisionen, davon vier bayerische, 21 Infanterie- Brigaden. davon vier bayerische, 12 Feldartillerie-Brigaden, davon vier bayerische.

Von den einzelnen Waffengattungen sind beteiligt: 51 Infanterie-Regimenter: Nr. 13, 15, 16. 24. 25, 28. 29. 82 39 , 53, 55, 56, 57, 65, 68, 69, 71, 80, 81, 82. 83, 87, 88, 95, 96, 115, 116, 117, 118. 158, 159, 160, 161, 167. 168; die bayerischen Infanterie-Regimenter Nr. 4, 5, 6 7, 8 9, 10. 11, 13. 14. 17. 18, 19. 21, 22 und 23. _

Zmn Wugeisr»,.

Roman von M Prigge-Brook.

K (Fortsetzung).

Rosemarie hatte anfangs an einen Zufall geglaubt. Hein, duldete sie doch in den ersten Wochen, als sein Geist noch im Schlummer lag.

Wie er regsamer und wacher wurde, und seine Um­gebung erkanule, kam diese törichte Angst über das Kind. Sie war ibm angetan das lieh Rosemarie sich nicht nrbmen. Die Angst war Unnatur. Die Schwägerin trug die Schuld, wenn ihr kleiner Junge sie so beharrlich von sich stich. Rolemarie erbitterte mehr und mehr und griff zu falkrben Mitteln, das Kind an sich zu ziehen. Sie zwang es rinkach. hielt den Weinenden mit Gewalt aut dem Schatze fest und erreichte d'h das Kind beinahe in Krämpfe verfiel. Mary legte sich ins Mittel und entzog ihr den Jungen.

..Tu muht Geduld haben, er weih nicht, was er tut. Zwang schadet kleinen Kindern. Warte ab, bis er vernünf- kiger wird", sagte sie.

..Da kann ich lauge warten", antwortete Rosemarie böse. Mehr denn je glaubte sie an Marys Schuld. Die Schwäge­rin b 'k'ie sie. zur Strafe entzog sie ihr den Jungen und stützte ihm A' neiguug geaen ieme Tante ein. Heinz, dein sie ihr V st.-ate. lach'e sie aus

Mary b-ht Dich nicht. Sie ist so strahlend alücklich s f alles vergessen hat. wie ich auch, alte Mu. Was den -'-.el angehk io gräme Dich nicht der wird. Ich wette. : 'r »nd Tag vergebt, bängt er wie eine Klette an Tante > und ist nur mit Gewalt unten zu halten." iasemarie glaubte fest, daß sie de- Kindes Herz ge- 'mu werde. Aber niemand redete ihr aus, Mary beein- . ' den Jungen. Mary war schuld daran, dah er sic nicht

. ' Mary gönnte ihr die Liebe des Jungen nicht.

Zu Weihnachten brannten die Lichter am grohe» Christ- ->,«>» im roten Saal: der Kleine griff mit beiden Händen

24 Kavallerie-Regimenter: a) Dragoner Nr. 5, 6, 23, 24; b) Husaren Nr. 7, 8, 1t und 14; e) Ulanen Nr. 5 und 6, bayerische Nr. 1 und 2; d) Kürassiere Nr. 4 und 8; e) Jäger zu Pferde Nr. 2, 6, 7 und 8; k) Chevaux- legers (bayerisch) Nr. 1, 2, 3, 5, 6 »nd 7.

24 Feldartillerie-Regimenter: Nr.V7, 11, 19, 22, 23, 25, 27, 43, 44, 47. 55, 58. 59, 61, 63 und 83, bayerische Nr. 2, 3, 5, 6, 8, 10, 11 und 12.

6 Fuhartillerie-Regim enter: Nr. 3, 7, 9 und 18, bayerische Nr. 2 und 3.

3 Jägerbataillone: Nr. 7 und 11, bayerisches Nr. 2.

2 Maschinengewehr-Abteilungen: Nr. 2 und 7.

2 Festungs-Maschinengewehrabteilun- gen : Nr. 7 »nd 8.

61 Maschinen- Kompagnien.

10 Pionier-Bataillone: Nr. 7, 8, 11, 21, 25 und 30. bayerische Nr. 2. 3 und 4 (dazu kommen 5 Schein­werferzüge. davon 1 bayerischer.

1 Telegraphenbataillon: Nr. 3.

6 Train-Bataillone: Nr. 7, 8, tt und 18, bayerische Nr. 2 und 3.

2 Festungs-Fcrnsprech-Kompagnien: Nr. 6 und 7.

1 Luftschiffer-Bataillon: Nr. 3.

1 Flieger-Bataillon: Nr. 3.

1 Unteroffizierschule (Jülich).

2 Eisenbahn-Regimenter: Nr. 2 und 3.

1 Garde -Unteroffizier-Kompagnie. _

in die flimmernde Pracht. Sein Datei hob in stolzer Freude den Sohn zu den Aknenbildern empor.

Jobst Heinz der Achte", sagte er stolz zu seiner Schwester.Ich meine, es verlohnt sich, z» leben, wenn man so glücklich ist."

Marv strahlte in Anmut »nd Jugend: ihr Mann hatte sic nie so sckiön gesehen.

Bnld nach dem Feste muhte der Doktor verreisen. Er knm noch u-enigen Wachen beim und brachte frobe Aussichten für die Z"knnfi mit. Eia vornehmer Verlag batte seine .Gisse crbelen. und er eine Rein« va» wisieniibastlickien Ar­tikeln zugesagt, die sämtlich noch der Ausarbeitung harrten.

Ich werde irbr fleißig win mii"?n", sagte er zu seiner iungen Frau, die damit ni^'t recht einverstanden war. In diesem Winter ging sie zum ersten Mate ans. Sie hatte nicht gewußt, dah Geselligkeit und Tanz se lustig sein konn­ten, gab sich. nachdem sie die Fna-ndstisi nekost-f. mit ganrer Seele den Freuden des Daseins bin. Ihr Mann lieh sie. Gern hätte er selber misgemi<s>t und leine schöne Frau zun: Tanze geführt. Sie sah iin BaNst---t be»- ckend aus, und mancher bewundernder Blick kostete sich aus sie.

Leider bekam Heinz der Aukentbalt in den überheizten Räumen nicht recht. Er füblte stch anaearisten und bezahlte die kurze Lust eines einzigen Tanzes- mit einer schlaflosen Nacht, die ibm Beklemmungen brachie. Mary verbeinilichte er seine Schmerzen. Sie war jung und sollte aeniehen. Da sie ohne ihn nicht ausging, begleitete er sie. Aber er kehrte nur zu flüchtigem Gruh in den Balliaal ein. stellte sich hinter eine Säule und beobachtete mit glücklichem Stolz seine schöne Frau, die von einem Arm in den anderen flog und sich im Tanz berauschte.

Er gönnte ihr die Lust, wußte er doch, daß ein Wink von ihm genügte, sie z» sich zu rufen: denn glücklich war sie nur mit ihm und dem Junge», der immer niedlicher wurde.

Um die Fastenzeit hörten die Gesellschaften auf. Der Doktor freute sich dessen. Der Winter lastate auf ihm. sehu- sücküia erwartete er den Frühling, der koinmen mnk-t-

Jeht ist folgendes noch z» berücksichtigen: l. ES 'ul!:n die übrigen nicht am Kaiser-Manöver beteiligten Armee- korps außerdem noch besondere Kavallerie-Divisionen auf (jede Division besteht aus vier Regimentern). Ferner geben die Korps Abteilungen von Telegraphcnirnppen, Train-, Lusftchiffcr- und Fliegertruppen ab. Die Stärke der Ver­kehrs- und technischen Truppen ist also viel bedeutender. Viele tausende Reservisten sind gleichfalls zum Kaiser- Manöver eingezogen. Es ist interessant, sich ein Bild zu inachen von der Kopsstärke der einzelne» Waffengattungen. Die Infanterie allein übcrtrifft alle anderen Wasfengattnn- gen zusammcngenomnien an Zahl.

Die Infanterie zählt: 2907 Offiziere, 11934 Unter­offiziere. 109 907 Mannschaften; die Kavallerie 2624 Offi­ziere, 1902 Unteroffiziere, 15 528 Mannsck>aftcn, 16 421 Pferde; die Feldarffllerie 2576 Offiziere, 2880 Unteroffi­ziere, 17 712 Mannschaften, 11400 Pferde, 864 Geschütze; die Fuhartillerie: 240 Offiziere, 1104 Unteroffiziere, 6668 Mannschaften, 192 Geschütze; die Bespannungsabteilungen: 36 Offiziere, 141 Unteroffiziere, 960 Mannschaften, 1680 Pferde; die Telegrapüentrnppcn- 34 Offiziere, 113 Unter­offiziere, 746 Mannschaften, 310 Pferde. Der Twin: 111 Offiziere, 552 Unleroffiziere, 1868 Mannschasten, 1806 Pferde; die Mafchinengewehr-Koinpagnien (die zu den In- fanterie-RegimcnIeni zählen); 201 Offiziere. 510 Unteroffi­ziere, 3621 Mannschaften, 1326 Pferde, 306 Maschinenge­wehre; die Fesiungs-Maschinenqcwebr-Abteiluiigeu; 12 Offiziere, 32 Unteroffiziere, 110 Mannschiffen, 44 Pferde, 12 Maschinengewehre; die Pioniere; 240 Offiziere, 830 U,i- leroffiziere. 5520 Mannschaften: die Scheinwcrfer-üa. 10

Der Mai brachte sonnige Tage, echte Frühlingstage, rötlich ichiinmerten die Knospe» an Bauui und Strauch, die Vögel bauten ihre Nester, auf den Wiese» stelzte der Adebar, i» Flur und Hain sproßte neues, frisches Grün. Ostern fiel in diesem Jahre spät.

Ter Doktor beabsichtigte, ausziiipanucu und mit Mary zu verreisen. Sie-konnte die Zeit nicht ern>arte», sorgte sich aber um Heinz, der Zurückbleiben sollte.

Roseiuarie bot ihr an, ihn mit der zuverlässigen Sophie in ihre Wohnung zu nehmen. Vielleicht besiegte sie aus diese Weise des Kiudcs Widerstand, der i,inner nach anhiclt, wenn er auch an Heftigkeit nachlicß.

Heinz weinte noch immer, wenn die Tante ihn nehmen wallte; aber er litt ihre Anwesenheit im Zimmer und fab begehrlich auf das weihe Wollschaf, das sie ihm hinhielk wen» er sich auch nicht traute, cs anzusossen. Der kleinste Fortschritt in der Gunst des Neffen, ein flüchtiger Hände­druck. gar ein geraubter Kuß. beseligte Rosemarie. Es Hw als sei dies Kind ihre letzte, tiefste Liebe, als könne sie ab»- seinen Anblick nicht sein.

Mary fürchtete diese fanatische Liebe fast. Es 6-1 ff- schwer. Heinz binzugeben. Sie fand indessen keine» Grund der Schwägerin Anerbieten abzulehnen. Erna weilte lest Wochen bei ihrer Stiefmutter, da die kleine Margott an Vn Masern erkrankt war und Maria Kern nicht Zeit beb-elt, das Kind zu pflegen. Tante Luise war aucki verreist. Rose- inarie allein mit dem Kleinen, nachdem die Eltern abgcreist waren.

Die Gunst der Wärterin lieh sich erkaufen; um die des Kindes warb sie mit einer Ausdauer, über welche sie selbst erstaunte.

Endlich siegte sie. Heinz überwand seine Angst und lieh sich auf den Schoß nehmen, anfangs nur für einen kurzen Moment; bald aber verlängerten sich die Mnmentc. Ter kleine Bub erkannte, die Tante meinte cs gut. Sic hatte viel Geschick mit Kindern, mit einer sanften Hand ver­band sie eine angcnehnie Stinime. Heinz strebte jetzt schon