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1 Beilage zur „Neuen Tageszeitung."
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ünmstag, de» 28. Februar 10 l I.
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Gedenktage.
28. Februar. 1799 Foh. Jos. Jg. Döllinger. kath. Dhcof., »eb. — 1812 Berth. Auerbach, Schriftsteller. geb.
I. März. 1809 Tondichter Chopin geb. — 1837 Georg • Ebers. Schriftsteller, geb.. Berlin. — 187 1 Einzug in Paris. - >
Für Jett nnd OmigKett.
Sonntag Jnvolavit.
8s ging «in Samamt ans, zu fäen Und indem er jaete, siel etliches ans den Weg: da kamen di« Vögel und fressen's
auf. Etliches siel auf das Steinig«, da es nicht oiel Erd« Hatto und ging bald auf, darum dah es nicht tiefe Erde hatte Als aber di« Somit« aafgrng, verwelkt« es, und dieweil es nicht Wurzel hatte, ward es dürre. Etliches sie! unter' die Dornen: und die Dornen wuchsen auf und crstirkterr's. Etliches siel auf ein gut Land und trug Frucht, etliches huabertfälltg, etliches sechsigiältig, etliches dreihigfältig. Matthäus 18, 8—8.
Wieviel guten Samen Hot der himmlische Sämann auch schon in das Ackerland Mlfter Herzen geftreut: Elter,», Lehrer und Freund« woren sein« Werkzeug« dabei, und der heilig« Geist hat nichts versäumt, um unsere Seelen fnr die ewige Wahrheit empfänglich zu machen. Was ist bis jetzt der Erfolg gewesen? Piersoch ist das Ackerfelds Mensch, wie ist dein Herz bestell«' Gehörst d» zu den harten Naturen, bei denen der Sam« des Wortes gar nicht rindringen kam«, so dag ihn die Vögel des Wcltsinns nnd der Zerstreuung bald wieder wegsressen? Oder ist in deinem Herzen noch der ungebrochene Fels des Eigenwillens, der das Wort Gottes nicht tiefer Wnrzel lichtagen läßt, Kommt dann di« Hitze der Anfechtung, so mutz di« Ich.vshe Pflanze des neuen Lebens verdorren. Oder hast d» auf das Unkraut zu wenig acht gehabt, datz der gute Same, der hoffnungsvoll heramouchs, von de» Dornen der irdischen Sorge und Lust erstickt wurde? Ich rate dir, verwahr« dein Herz, datz cs nicht zum harlgeirelenen Wege werde. Sorg« da. für. datz der steinige Grund deines Wesens gelockert werde. Reih dl« Dornen des Weltsimrs mit der Wnrzel aus. Dann kann er auch bei dir heitzcn' Etliches fiel auf «in gut Land und trug Frucht. Je treuer du bist im Anfnebmen und Bewahren der göttlichen Gnade, desto reicher wird auch die Frucht des Geistes in deinem Leben sich entfalten. Nichts Schöneres, als ein wogendes Aehrenftld, das der Ernte «ntgegenreist. Ach, datz auch unser Herz und Leben einem solchen Acker gleichen würde, aus dem aus dem Samen des Mtlichen tzvartes Frücht« des Glaubens und der Lieb« heranwachsen zu Gottes Ehre!
Jalirgk»,»-
Wochenschau.
Das Ende der Zaber» Kouimisfio». — Der Fürst bon Albanien. — Die Poliftk Ruhland's. — Das Ministerium Toiimcrgue. — Deutschland und England.
Einen der Fastnachtswoche würdigen Verlauf hat die Zabe r n - Komission genommen. Sie ist auseinanderge- gangcn, ohne dah das allermindcste erreicht worden wäre. Als der Reichstag in seiner Sünden Maicnzeit dos bekannte Mibtrcttirnsvotnm angenommen hafte, da ist auch die Zahn »-Kommission in's Leben gerufen worden. Den radikale» Elenienten wrir alles lediglich Mache, sie glaubten wie- dcr ein neues Schlagwort erfunden zn haben, mit dein sie die Massen anfpeitschen konnten. Aber cs kam anders. Die ,.DoIks"-parteien haben dieses Mal die Volksstimmung nicht z» ergründen vcrniocht. Nur zu bald erkannten auch Zcn- Irunr und Nationalliberale, dah sie nur als Mittel gebraucht werden sollten, die Parlanientsherrschaft auch bei un? in Deutschland zn errichten. Nnd so begannen sich beide Par
teien von der Zabern-Mehrheit zurückzuziehen. Das war die Ursache des Endes der Zaber »-.Kommission. Tie dort
eingebrachte» Anträge liefe» darauf hinaus, die Koinmande- gewalt des Kaisers einznschränken. Sie wurden, trotzdem sich Eliässcr, Pole», Forsichriltler und Sozialdemokraten zusam- »lengcfunden hatten, von der Mehrheit, die sich aus Konscr- vatioen, Zentrum und Nationalliberalcn zusannnensitzte, abgclel»rt und demiit hat die ganze Konnnissiou, die nun mit leere» .Händen vor dein Reichstag erscheinen wird, ein un- rühiuliches Ende gefunden.
In der nächsten Woche wird nrl» endlich der bisherige Prinz zu Wied in der Lage sein, sich nach seinem neuen Fürstentum zu begebe», nachdem er jetzt osftziell die Krone angenommen hat. Die bei dieser Gelegenheit gehaltenen Reden, die auf dos sorgfältigste vorbereitst waren, hörten sich recht schön an, sowohl das Programm des neuen Fürsten, wie auch die Versicherungen der Deputation: es handelt sich eben „nur" darinn, wieviel von alledem in Erfüllung geht. An dem Pflichtgefühl des Fürsten besteht kein Zweifel, etwas anderes aber ist es, ob die Albaner ihm, wie jetzt durch den Mund Essad Paschas gelobt, auch auf die Dauer treu bleibe» werden. Vor Antritt der Reife nach Dnrazzo hat der Prinz sich erst noch nach Petersburg auf den Weg gemacht, um dem Zaren einen Besuch abzustatten »nd mit den leitenden Persönlichkeiten zu konferieren. Dieser Schritt ist mir zu be- grühen. eS hätte sonst Befremden erregt und die Mihstün- niung der Russen hervorgerusen, wenn der Prinz diesen Höslichkeitsakt unterlassen hätte, nachdem er anderen betei- ligtcu Monarchen seine Auflvartung gemacht hat. Dies »m so mehr, als man weih, daß Rnhland es in erster Linie ge wesen ist, das der Schaffung eines albanischen Pufterstaates grohe Schwierigkeiten gemacbt hat, weil es Serbien protegierte nnd diesem gern ein Stück Landes an der Küste gesichert hätte.
In der Poliftk Riihlands selbst scheint man un der Newa eine Neuorientierung vornehmen zu wollen, sowohl nach innen, lote »ach außen. Sehr auffallend ist eine Ansprache, die der Zar über die innere Politik im Ministc'rrate gehalten hat, von der einiges dnrchsickert, während anderes wichtiges vielleicht verschwiegen bleibt. Der Zar ermahnte die Minister zur Einigkeit, was darauf schlichen läßt, dah es in den letzten Monaten im Ministerin!» zu lebhaften Auseinander- setzungen gekommen sein muh. was auch das Ausscheiden Kokowzews sehr erklärlich macht. Des weiteren bemerkte der Kaiser, er wünsche, dah das Ministerium gute Beziehumwu zur Duma unterhalte und schlietzlich warnte er Var unnötiger Anlvendung des Notparagraphen bei der Durchbringung neuer Gesetze. Die Veröffentlichung dieser Erklärung ist Wohl in bcstiminter Absicht erfolgt, man will bei der Duma gut Wetter machen, da neue Wchrftorlagen ansteheu, die gcohe Kosten erfordern und in den Reihen der Abgeordneten hierfür keine allzu grohe Geneigtheit besteht. Bemerkenswerter Weise erstrecken sich die geplanten militärischen Mah- nahnien Rußlands auf die Westgrenze, die Gefahr im Osten scheint man ganz vergessen zu haben, man will wohl das Schwergewicht der russischen Politik wieder nach Europa legen und es steht leider zu erwarten, dah nian trotz aller Abkommen nnd schöner BesuchSreden Rußland nicht an der Seite Deutschlands sehen wird. Der Panjlaviswus hat in Petersburg Oberwasser und hoffnungsvoll sind die Blicke nach Frankreich gerichtet.
Bei unseren! westlichen Nachbar schwebte in den letzten Tagen dos Ministerium Dounicrguc in der Gefahr, n-.-ch kuizeni Dasein wieder in die Versenkung zn verschwinden.
Der «ntjetzliilie Gesundheitszustand in einer ganzen Reihe von Garnisonen war Gegenstand einer Kammeriutei pella- tion, und hätte das Kabinett nicht der verlangten Paria- mentskoniniisfio» zugestinimt, so wäre ihm Wohl schlverlich ei» Vertrauensvotum erteilt worden, mau lieh diesmal noch Gnade vor Recht ergehen, weil man sich sagt, dah das Mini- sterinin a» den bestehenden Verhältnissen kaiun Schuld trag« und dah seine Tuncr überhaupt nicht gar so lang bemessen bin wird, da eS fkf) lvohl nur um ein Uebergaiigskabinrtl lüindclt.
Im Gegensatz zn Rnhland und Frankreich ist wohl England, trotz iriner Zugehörigkeit zur Triple-Entente, ,n.he den,, je bemüht, mit Dentschland auf möglichst guten, F.ihe zu leben. Dies zeigt sich auch bei den Verhandlungen über die Abgrenzung des Kolonialbesitze?, die nach den neuesten Meldungen sehr günstig stehen sollen. Damit wären .vi, in der Besserung der beiderseitigen Beziehungen eine Etapsi, Weitergcrückt.
Teilzahlungen.
Eine juristische Plauderei.
Bon Dr. Hans Liesl«, Leipzig.
In einem Waiddörfthen Thüringens lebt schlecht und recht «in Schweinchlrte. Da fein Berus nicht oiel abwirst, und d,a regsam tetriebene kleine „Huirdemfjt"--Sammlung seiner uu. ermüdlfchon Ehehülste anch täglich schlechter «nttert, so g«. 'lchieht cs, datz mitunter das Brot zum Slopfen der fünf Huna- rigen Kindermäulrr «usgeht. Denn die Mildtätigteft der Menschen. ist leine verläßliche Größe, und wer aus der Nachbar, schost Schlveinehirtens Immmn sieht, den treibt die Furcht vor der Bitte UN, einen Almosen nutzer Sehweite. Schlietzlich, al, di« Not allzu arg wird, rusch! di« Leut« behördliche Hilfe au. Da» bringt fünf Dorfgemeinden gleichmäßig in Wallung: zwei, ernhalb Fahr lang feilsch«!! sie unter einander um den Unter« stützungswohnfitz des asten Schweinehirtei!, emsig bestrebt, di» Last auf die andern abzuwälzen. Endlich schlichtet di« grötz!« der Gemeinden den Streit, indem sie den Knoten durchschneioet und Schweinehiltens das Armenhaus zu dauernder Wohnstätte «nweist. Doch nicht genug damit. Nein, der Gemeiner«! bc. schließt noch obendrein in seiner nächsten Sitzung, den neuen Arme »Hausbewohnern eine einmalige Unterstützung von fünf Mark zu gewähren, die tags darauf der Eemeind«di«ner den von solch hoher Gnade schier geblendeten Armenhäuslern gegen Quittung behändigt. Eines Morgens aber, da der Vorslaud die Strotze seiner Gemeinde abschieitet, macht er verdutzt vor dem Armenhaus Halt. Die verführerischen Weisen der Dollar- prinzefsin tönen ihm entgegen. Er traut seinen Ohren nicht: der Klang kommt wahrhaftig aus dem Armenhaus! ......
Di« Mädche aus purem Gold . . . jubelt es gerade, da er. greift er die Klink« .... und wird zur Salzsäule. Regungslos
starrt er auf den Tisch vor ihm. Daraus steht ein funkelnagelneues Grammophon uned schmettert seine ftohen Weisen in dt« Welt hinaus. Den Schalltrichter aber umlagern mit strahlen, den Augen und halboffenem Munde der Schweinehirt samt Frau und Sprötzlingen. Nachdem sich der Ortsgewaltig« von dem Anblick langsam erholt hat. schreitet er zu pflichtgemäßer Vernehmung. Sein düsterer Verdacht wird dabei Gewlhhcitl das Grammophon vor ihm st die seltsam« Frucht, di« die behördliche Enadeusumm« hat reifen lassen. Schlveinehirtens Habelt nach Empfang des Fünsmorlstückcs rm Familienrat einstimmig beschlossen, der Traum des musiksvohen Vaters solle sich endlich erfüllen, und so ist man gemeinsam zur nahen Kreisstadt ge. wandert, um dort gegen 5 Mark Anzahlung für 43 Mk. den hungcffchenchenden Tonfpender zu laufen. Nicht häufig wohnt solch hoher, leiblichem Frohndienst abgewanbter Sinn in me- d.rer Hütte. Darum I>aho ich di« Begebenheit, wie sie sich vor
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den 12. Februar 1914.
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