zur „Neuen Tageszeitung."
Beilage
Gedenktage.
37 X'Gntar. 1775 Professor Jos. v. Schelling geh., Philosopi». — 1811 Gefecht bei Bor-sur-Aube. — - 1829 F. SV'icUwflen geb. — 1906 Silberne Hochzeit des deutschen Kaiscrpaarcs.
Hachrus.
Den Bund der Landwirte bat ein herber Verlust ge- i: offen: Am Abend des Tages der diesjährigen General- tersaniinlung »nd seines Geburtstages verstarb zu Posen im Alter von genau 68 Jalnen unser Provinzialvorsitzcndec für Hofe u
Herr Major Endell,
stellvertretender Vorsitzender des Bundeber Landwirte, Mitglied der Landwirt- s ch a f t s k a m m e r für die Provinz Posen, Nk j t tc r dcS Eisernen Kreuzes und des Ritterkreuzes des bayerischen Militär- verdien st ordens.
Als der BnndeSvorsiyende, l>r. Roesicke, im Zirkus Busch unter einmütiger Zustimmung anregte, dem schwer erkranken Major Endell, der am gleichen Tage seinen Geburtstag l<ging, die Griis-.e und Glückwünsche der Generalversamm- ' MN zu übermitteln, syrach er bereits von der „lückffchen und. wie er fürchte, Besorgnis erregenden Krankheit" dieses Vui'desfübrcrs. Nun ist diesem der Geburtstag auch zum rlrrbetag geworden, und auf die Freude über den glänzen» neu Verlaus der jüngsten Oieneralversammlung fällt erstar- ud die tiefbetrübte Botsckyft auS Posen: Major Endell ist nickt utcfir. ■ ‘ .
Eurer der Eilten, die den Fortbestand der deutschen Landwirtschaft nur bei kraftvoller Abwehr der Caprivischen NirtschaftS- und Handelspolitik gewährleistet sahen, und üner der Entschlossensten, die seit Gründung des Bundes unter Einscbnng ihrer ganzen Kraft in der vordersten Reibe kämpften, bat unser Endell als stellvertretender Bundesvor- sihender, als Mitglied des BundesausschusseS und als Pro- vinzialvorsitzender für Posen mit einein Erfolg wie nur wenige für die Erstarkung und den Ausbau unserer Organisation gewirkt und die persönlichen Anfeindungen, di« seine markige Persönlichkeit mit Vorliebe zuni Ziel wählten, haben ihn nie beirrt, sondern stets zu nur noch größere« Anstrengungen sür seine und unsere Ideale bestimmt. Aus dem rorgesckobenen Posten inmitten der schwierigsten posenschen Verhältnisse stehend, hat er cs dank seinen Taktes und zäher Euergie sckmell verstanden, den Bund zu einem maßgeben- den politisckien Faktor in der Provinz Posen zu machen. Seine vornehme Gesinnung, seine nie versngende Opferbe- reilschast, seine erstaunliche Fähigkeit, auch bei scheinbar nn- versöhniickien Gegensätzen vermittelnd und ausgleichend ein- ,»greisen, seine treue lind rastlose Arbeit zum Besten dcS- ,unzen londwirtsckiastlichen Berussstandes und sein umfänglich,,: genossenschaftliches Wirken erklären das ungewöhn- !iche Mas; vo» Liebe und Vertrauen, mit dem ihm die Her- -.e» aller Posencr. und weit über Posen hinaus, aller Land- „gib- Deutschlands, die ihn kannten, entgegenschlngen. Schon im Herbste vorige« Jahre erweckte sein leidendes
Zum Pflugeisen.
Roman von M. Prigge-Brook.
34 (Fortsetzung).
Von i'.men interessierte das junge Mädchen Mary am meisten, .,2b sie mich lieb haben wird?" fragte sie zu- weilen bang. Worauf Heinz jedesmal zuversichtlich antwortete: „Erna ist gut, sie wird Dich lieben. Wer könnte kühl bleiben gegen mein Elfenkind?"
Man batte des Malers Leiche der Erde übergeben. Mary zerstob in Schmerz, und Heinz hatte Mühe, sie festzuhalten, Menge der Zuschauer sich. Heinz trug seine halb ohnmächtige braut zum Wagen und bettete ibren Kopf in seinen Schob. Ec l,.ii ■ tim Kutscher die Adresse des Hosrats angegeben. Mary ihn aber bestimmt, »ach ihrer Wohnung zu fahren. „Zum letzten Mal", sagte sie.
Nun lag sie znm letzten Male im Atelier auf ihres Vale,? Divan- ihre verweinten Augen wunderten trostlos von einem Gegenstand zum anderen.
..Wirst Du alles Verkaufen lassen?" fragte sie plötzlich. ..Wer sagt das?" Heinz war unangenehm überrascht. Die Tante Hofrätin. Sie sagt, der Papa hat nur die ncksache» nachgelassen; bar Geld für die Aussteuer wird viel 'ein. Ich hänge an den Sachen."
..Sollst sie behalten, jede? Stück", antwortete Heinz. ,W,- schaffen sie nach dem Pflugcisen."
.Wird Deine Schwester bald kommen? Ich bin nicht )'■>!: bei der Tante!"
Marys Klage schnitt ihm ins Herz. Sein Zorn gegen tie Schwester wuchs riesengroß. Wie konnte sie das unschuldige Kind kränke»!
..Ich habe mir's anders überlegt. Liebling", begann er »ich einer Pause. „Ich sichre Dich lieber gleich als meine Fra» ins Pslngeisen. In vierzehn Tagen kann alles gerich- let sein. Dann können wir heiraten. Was meinst Du zu meiner Idee?"
,,Meu» arnier Pava ist kaum in der Erde *
Freitag, den 27. Februar 11)14.
Aussehen bange Sorge. Nun ist er uns genommen, dem Bundesgedankcn bis zum letzten Atemzuge dienend. Eine der markantesten Erscheinungen im Bund der Landwirte ist heimgegangen, ein edler Charakter, golden und treu wie kaum ein anderer. Uebcr einen unserer erfolgreichsten Streiter wird sich das Grab schließen. Der Heimgerufene aber, der auf den Schlachtfeldern wie in der Arena der wirt- schastspolitischen Kämpfe seinen Mann stand und zu den auf- opferndsten und beliebtesten Führern des BimdeS zählte, wird bei uns nimmer vergessen werden. Unsere herzlichste Dankbarkeit wird sein Andenken allezeit in hohen Ehren halten.
B e r l i n, den 17. Februar 1914.
Der engere Vorstand de« Bundes der Landwirte.
Die Vorsitzenden:
Freiherr von Wangenheim. Dr. Roesicke.
Der Direktor:
De. D i e d e r i ch H a h n.
Ans der Heimat.
* Da, Jnheidener Wasserwerk. Man schreibt uns: Als in den Jahren 1906 und 1967 sich in Oberhessen das Gerücht verbreitet«, daß di« Provinz Oberhessen ein großes Wasserwerk erbauen wollt«, traten dt« Piühlenbesther und sonstige Interessenten aus den Plan, um die ihnen drohenden Gefahren abzuwenden bezw. ihre Rechte zu wahren. Dies« Bewegung hatte denn auch einen Erfolg insofern, als gerade mät Rücksicht auf diesen Fall dk Novell« zum hessischen Bachgesetz erlassen wurde, durch die bezweckt wurde, den Geschädigten nach Billigkeit den Schaden zu ersetzen. Nachdem dann Anfangs 1912 von der Provinzialdircktion in Gießen di« Erbauung des Jnhelde- ner Wasserwerks bekannt gegeben worden war, stellten u. a. b Hoiloff.Miiller Antrag auf Entschädigung in einer Gesamthöhe von 629 000 Mark. Am 22. Mai fand aus dem Krclsamt in Gießen ein Sühnetermin, auf dem von dem Vertreter der Pro- vrnz rundheraus erklärt wurde, bet diesen Forderungen gäbe e, kein« Verhandlungen. Vier Müller klagten daraufhin ordnungsmäßig tn der dveiinanatltchen Frist, m»r der Besitzer der Erbleichmüht« an der Horloff tn Reichelsheim tn der Wette rau, dsr gestützt auf et» ausführliche, Gutachten, et« Forderung von 260 000 Mark gestellt hatte, versäumt« bte Frist, da er schwer erkrankt«. Sein Bruder reicht» in seinem Auftrag« sofort die Klage ein. al» er von dem Stand der Angelegenheit «r. fuhr. Der Kretsauoschutz Gießen wie« jedoch die Klag« des L. Bann ab. da die Klag« nicht innerhalb de« Frist »on drei Mo- nat»n «tngnetchr sei. E» wurde also nicht berücksichtigt, daß dl» Novell« geschlossen war. um bte Geschädigte« nach Billig, keit schadlos zu halten, nicht um den Betreffenden durch Fristen Knüppel zwischen dl« Lein« zu werfen. Dar Provinziotausschuß l« Darmstadt gab jedoch dem R«k»r» de» Bopp statt und wie» di« Sache zur materiellen Entscheidung an den Kreisausschuß zurück. Auch der Großh. Beiwaltungsgerichtshof in Darrnftadt, der sich ani Samstag mit der Revision der Provinz gegen das Urteil des Provinzialausschuffes zu beschäftigen hatte, trat der Auffassung des Provinzialausschuffes bei, da nach der Novell« zum Bachgesetz ein« besondere formell« Klage nicht verlangt wird. E» genügte, daß der Antrag aiff Entschädigung gestellt wrrd. Di« Klage der vier übrigen Müller schwebt noch am Krcisansschuß, sodaß nun auch der Haupdgejchädtgte gleichzeitig mit diesen seine Rechte geltend machen kann Das Wasserwerk
„Dein wäre es recht, verlasse Dich darauf. Du gehörst doch mir, Soll ich Dich in der trübsten Zeit Deines Lebens allein lassen nnb nur zeitweise bei Dir sein? DaS halte ich nicht ans. Deine Stellung als meine Frau ist den Bekannten und Derivandten gegenüber ans angenehmer, als wenn Dich jeder erst unter die Lupe nimmt. Du kennst di« Kleinstädter nicht,"
Mary erschauerte. ,, _
„Verlaß mich nicht, Heinz", flehte sie. indem sie ihn mit beiden Armen umklaminerte. „Verlaß mich nickitl"
Er nmßte sie dock, noch einmal verlassen. Der Ohm lag am Sterben, Luise schrieb es ihm. Da Mary es vorzog, in ihrer Wohnung zu bleiben, bis sie sie an des Liebsten Arm verließ, hatte der Doktor eine würdige Dame engagiert, die ihr Gesellschaft leistete. Er fuhr am zweiten Abend nach dem Begräbnis ab und kam morgen» zu Haufe an. Jansen vielt an der Bahn,
„Wie gebt es dem Ohm?" begrüßte der Doktor deck Alte«, y '
Jansen schüttelte den Kopf. -
„Kein Mensch begreift, wie er sich ittöS halte« kamt, halbtot, wie er ist. Wag mein Karl ist, der sagt, er nimnit schon tagelang nichts zu sich, nur ab imd zu einen Schluck Wein. Und dabei wird er nächstens vierimdachtzig,"
Der Wagen hlelt vor der Türe des Pflugeisens. Dies- mal begrüßte niemand den Sohn und Erben, der als Bräutigam heimkebrte. Niemand wußte davon, da Roscmarie sowohl Tante Luffe und dem jungen Mädchen, als auch der alten Monika, die alles erfuhr, verbot, dreinzuredcn.
Heinz sprang die Treppen hinauf und trat in die Tür, Luise saß hinter der Kaffeemaschine. St« begrüßte ihm mit einem Schrei.
„Du, Heinz? Gottlob, daß Du da bist, der Obm verlangt nach Dirl"
„Wo ist meine Schwester?" fragte der junge Mann, der die Hand der alten Dam« nur ffüchtia berührte, kinster.
7. ^aifrs'-na
Inheiden, das ja bekanntlich Frankfurt mit Sllaffer verargt macht« allein !m ersten Bctricbsjahr einen Ueberschuß vo i Mk 2)0 000, sodaß ein« Abfindung die Provinz nicht besonder; lchä. digen könnte. Rach der Erledigung dieses Rechtsstreites dürften noch ein« ganze Anzahl Geschädigter aus dem Plan e>- scheinen.
* Frankfurt n. M,, 26. Febr. Vor zwei Jahren bewilligte die Stadtsynode zum Ban der neuen evangelischen Friedenskirche die Summe von 370000 M. Ans Grund eines slattgchabten Preisausschreibens, bei dem ein hiesiger Ar- chitekt den ersten Preis erhielt, stellte es sich heraus, daß zur Ausführung der Bauten noch weitere 45 000 Jt erforderlich sind. Dies: Summe soll die gegenwärtig tagende Synode nun nachbewilligen.
* Frankfurt a. M., 26, Febr. Der Verein der Leder- Interessenten plant in Gemeinschaft mit der Offenbacher Ledcrwarrnindustrie die Abhaltung einer großen Schuh- und Lcderwarcn-Attsstcllung in der Frankfurter Festhalle 1210 Zugleich soll eine Ledermesse ähnlich der Leipziger stattsin- den. Ein größerer Ausschuß hat die Vorarbeiten für die Ausstellung bereits ausgenommen,
* Frankfurt a. M., 26. Febr. Das im Rohbau vollendete Frankfurter Krüppelheim bat auf Wunsch der Stifterin Fra» Geheimrat van Krehl-Heidelberg den Namen „Fricdrichs- heim" erhalten. Zum Leiter der für 100 Krüppel berechneten Anstalt wurde der bekannte Breslauer Ortbopäde Professor vr. Ludloff gewählt.
' Frankfurt a. M„ 26. Fcbr, Für das geplante Volk bildnngsheim wurden dem Bauausschuß neuerdings mehrere bedeutende Summen zur Verfügung gestellt. Die Stifter wollen ungenannt bleiben. Das in großzügiger Weise ge- plante Heim wird seinen Platz voraussichtlich ans dem Fest Hallengelände erhalten.
* Frankfurt a. M., 26, Febr. Der Regierungspräsident bat verfügt, daß die hiesigen Standesämter in Zukunft dir Geburten, Aufgebote und Eheschließungen nicht mehr bekannt geben dürfen. Nur die Veröffentlichung der Stecb:- fälle darf geschehen.
* Frankfurt a. M., 26, Febr. Das bekannte Klublokal des BiirgervereinS in der Großen Eschershcimerstraße ging für 950 000 M in den Besitz der Firma Heiier & Schön über. Vor 60 Jahren erwarb der Verein das Hans für 130 000 Gulden,
* Frankfurt «. M., 26. Febr. Zahlreiche Frankfurter Vereine mit künstlerischen oder technischen Tendenzen planen hier die Errichtung eines gemeinsamen Heims. In diesen, solle» auf großzügiger Basis Säle für Versammluugs- und Ausstellungszwecke, sowie Räume für eine zukünftige zen- trale technisch»« Bücherei geschaffen werden. Ein nickt nnbe- trächtlicher Teil der Bausumme ist bereits durch -Zeichnungen ausgebrackt.
• Frankfurt a. 26. Febr. Di« vo», Maaislrat bea:i- bagte Erhöhung des Schulgeldes in Mittelschulen von « auf 60 Mark und in den Oberrealichulen von 100 auf 160 Mn-.k wurde von dem Schnlausschuß abgelehnt. Auch tn der Stadtverordnete vsitzung düffle der Vorlage das gleiche Schicksal bc reitet werden, da man sich hier schon früher icharf gegen dicsi Belastung, die besonders den Mittelstand hart «reife» würde, ausgesprochen hatte. — An dkm Wohntzause de» Dichters Will, Jordan auf dem Tauiursvlatz lnxidlichtlqt de, Magistrat bii- Anbringung einer Gedenktafel
„Ich glaube, sie ist bei ihm. Karl fand ihn heute viel schwächer. Das geht nun schon acht Tage so."
Der Doktor war aus der Tür. ehe sie ensgesproch. Durch die angelchnte Tür betrat er das Zinimcr. Rose Marie, die an dem Bette saß, erhob sich kerzengerade.
„Du, Heinz?" machte sie gedebnl, osine aber die Hau zu erheben.
Er sah an ihr vorbei, als bemerke er si- nicht. „Gebt's Dir besser, Oheim?"
Liebevoll beugte er sich über den Alten: dessen Geist kehrte aus entlegenen Gefilden zur Erde zurück. „Heinz", sagte er mühsam, nachdem er einen Augenblick in seinem Gedächtnis suchte. „Sie liebt Dich, sei gut zu ihr, sie hat für Dich gelebt. Und — für — die — Fir—ma." Seine Augen öffneten und schlossen sich wieder. „Roscniarie, sei duldsam, er kan» nicht Kausinann werden, wird auch so ein tüchtiger — Sebald — sein —" Sekundenlang lag er still Es war, als kehre im letzten Moment die Sorge seine? Lebens zurück. Noch einmal begann er mühsam, noch abgehackter, als vorher. MHalt sie doch, unsere Firma bis wieder ein Sebald kommt, Jobst Heinrich,"
Die Stimme des Alten brach. Ein leichter Krampf setzte ein. Heinz nahm das Glas voni Nachttisch und fiifll« es mit schäumenden, Wein.
„Trink, alter Ohml"
Er versuchte z» trinken, es ging nicht n,ehr. Perlende Tropfen netzten des Doktors Hand, Er nahm die kalte Hand des Greises in seine Rechte »ad drückte sie sanft. Ein Ruck ging durch Ehlers Körper, die Angen öffneten sich weit, ein letzter Atemzug — alles war ans.
Gerührt drückte Jobst Heinrich Sebald dem alten lieben Freunde die Augen zu.
Rosem-,rie brach in Tränen aus. Jbr Bruder beachtet« sie nicht. An ihr vorbei schritt er aus dem Zimmer in sein eigenes Gemach, in dem er den Vorinittag verbrachte. lFortsetzllng folgt)


