Ausgabe 
21.2.1914
 
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2. Beilage zurNeuen Tageszeitung

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i!r. 44

Samstag, den 31. Februar 1914.

7» Jahrgang

Gedenktage.

21. Februar 1785 K. A. Varnhagen v. Ense gcb. 1828 I. Miguel, Minister, gcb. 1861 E. Friedrich August Rictschcl f. 1862 Justinus Kerner +, Weinsberg.

22. Februar. 1788 A. Schoppcnhauer gcb. 1804 I. T. v. Beck, Thcol., geb. 1805 R. Rcinick, Maler und Dichter, geb. 1817 O. Wildermuth geb. 1840 F. A. Bebel, Sozialistenslihrer. geb.

Für Zeit und Ewigkeit.

Sonntag Esiohimi.

T; sei denn eure Ecrechtlglcit bester denn der kchristgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in las Himmelreich kommen. Matth. 5, Lg.

Bor Menschen kann man wohl gerecht scheine», und gar »ancher denkt, gerecht zu sein, weil er noch nicht gerichtlich be­last ist, weil er einen äußerlich ehrbaren Wandel gesührt hat. 8cwitz ist diese bürg«rlich« Gerechtigkeit ein großes Gut und hat vor Menschen «inen hohen Wert. Aber Gott sieht das Herz an, er sieht aus di« innerste Gesinnung, nicht bloß aus di« äußere Tat. Sein Gebot lautet: Zhr sollt heilig sei», denn ich bin beilig. Line völlig« Erneuerung des Menschen in Buße und Glauben ist di« Vorbedingung für seinen Eintritt ins Gottes, reich. Und das ist viel, sehr viel. Mit dem äußeren Halten der bürgerlichen Ordnung ists da nicht getan. Nicht einmal die Gerechtigkeit der Pharisäer und Schristgelehrten genügt da­zu. Und sie taten doch mehr als die Selbstgerechten unserer Tage. Cie begnügten sich nicht damit, grobe Sünden zu meiden, sic nahmen es ernst mit dem Gesetz und mühten sich redlich ab, di« Hunderte von Geboten z» halten, di« sic für den Ausdruck de» göttlichen Willens ansahcn. Aber all dies« Gerechtigkeit reicht nicht aus, um in das Reich Gottes zu kommen. Sie ist unnütz, denn sie erwächst nicht aus der Wurzel dankbarer Lieb«, sondern aus d«m Eigennutz, der um schnöden Lohnes willen die Gebote Gottes hält. Gott sieht auf den Beweggrund des Han­delns, und so lang« die Triebseder unseres Tuns noch die Selbstsucht ist, so lange ist unsere Gerechtigkeit nicht als Unge­rechtigkeit in Gottes Augen. Und wäre cs wahrhaftige Eerech- tlgkeit, sie würde uns doch den Himmel nicht erschlichen, denn das Reich Gottes ist nicht käuflich, am allerwenigsten um de» Preis menschlichen Tuns. Es ist eine Gabe Gottes. Wer meint, es kaufrn oder verdienen zu können, der versteht noch nichts von seiner Herrlichkeit, die alles Irdische übersteigt. Je. sus Christus ist allein ganz heilig und gerecht, und wer von sei­ner crgenen Eereckstigkeit völlig absieht, und sich im Glauben ganz aus ihn verläßt, der ist gerecht um Christi willen, allein > aus Gnaden, allein durch den Glauben. Er hat das, was d«n Himmel ausschließt, di« Gerechtigkeit, di« besser ist als di« des alten Bundes, nicht ein« erworben«, sondern eine geschenkte Ge. rrchtigkeit. Er hat aber zugleich auch die Krost, in Gottes Kraft aufzustehen und vor ihm in rcchtschafsener Gerechtigkeit und Heiligkeit ewiglich zu leben.

Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehren. Neid;

Damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel werd eingehn. Amen.

hundert Jahren.

22. bis 28. Februar 1814.

(Löschon man ja nach wie vor mitten im Kriege war, glaubte man im Hauptquartier immer noch, daß Verhand­lungen zunr Frieden führen könnten: es wurde in C h a i i l - Ion von Bevollmächtigten der Verbündeten eine Erklärung abgeg.ben, daß Napoleon bis zuni 10. März zu einer Ant-

Wort auf hie Friedensvorschläge Zc.t gelassen werde, dar­nach sollten alle Verhandlungen abgebrochen werden.)

Auf Schwarzenbergs Maßnahnien bei der Haupt- arniee waren alle diplomatischen und militätischen Veih.rnd- lungen wirkungslos. Ohne hier aus Einzelheiten eiuzn- gehen, sei einfach die Tatsache erwähnt, daß Schwarzenberg, ohschon ec Napoleon die doppelte Anzahl Truppen cntgegen- stcllcn konnte, am 23. Februar seine Armee nach L a n g r e s znriickdirigierte « nachden, am selben Tage um Trotzes Wiede mit den Franzosen heftige Kämpfe gehabt hatte. Am 25. Februar fand K r i c g s r a t i» Bar s n r A u b e statt, an dem alle mnßgeblichen Persönlichkeiten ieilnahmen; zwar sah nun endlich die Friede,ispartci ein, daß nur mit deni cndgiltigen Sturze Napoleons Ruhe zu erhoffen sei, aber alles beugte sich dem unfaßbaren Ansinnen Schwarzenbergs, einer großen Schlacht aus dem Wege z» gehen »nd den Rückzug a n z u t r e t e n I (Der Unwille der Einzel- komniandiercnden in der Haupkarmee war so groß, daß Schwarzenberg zur Beruhigung offenbare Unwahrheiten an- arben mußte. Das Gute hatte der KriegSrat, daß nian Blücher frei Hand zu lassen beschloß.) Indes gingen die Er- eignisse selbst über die Schlasshcit eines Schwarzenbergs hinweg. Am 26. Februar, als bereits ein Teil der Haupt- armec wieder in Langres angckomnien war und die sonst so tüchtige und kanipfesfreudige Armee in dein Gedanken, wie­der über den Rhein zurückgehe» zu müssen, mutlos und wütend zu werden begann, kanien Nachrichten, daß im Norden Blücher bereits wieder die französische Armee angegriffen habe. Der Jubel war groß, als man nun wieder nmkchrie und gegen Napoleon marschierte. Im A » b e t a l stand £} u b i n o t mit 30000 Mann: diese zu vernichten, wäre Schwarzenberg leicht gewesen, allein er war nur dazu zu be- wegen, Wittgenstein, Wrede und dem Kronprinzen von W ü r t t c ni b e r g einen Angriff zu gestatten. So kani cs zu einem schweren Gefecht bei Bar sur Anbe am 27. Februar, in welchem die Franzosen völlig geschlagen wurden und nur durch glückliche Zufälligkeiten der Vernichtung ent­gingen: sic verloren 3500 Mann, die Verbündeten 1000. In diesem Kampfe wirkte persönlich mit und oft im heftigsten Feuer der König von Preußen und der 16ährigc Prinz Wilhelm, der spätere deutsche Kaiser, der an diesem Tage die Feuertaufe empfing und sich das eiserne Kreuz verdiente.

Napoleon hatte ani 24. Februar Trotzes besetzt. Cr triumphierte bereits, denn er glaubte, die Hauptarniee und Blücher seien in slnchtähnlichem Rückzüge. Da mußte er am 27. Fcbr. erkennen, daß sein alter Hauptfeind Blücher > wieder sehr lebendig sei lind gegen ihn marschiere; so ließ er denn Truppen gegen die Hguptarmec zurück und wandte sich sofort gegen Blücher auf S e z n n n e zu.

Blücher hatte kaum von deni beabsichtigten Rückzuge der Hanptarmee erfahren, als er sich an die Monarchen wandte, diesen klar legend, daß er das nicht mittun könne. Die sich geltend »lachenden Unterströmungen hier zu schil- gern, ginge zu weit; genug, Blücher erreichte die Erlaubnis zum Vorwärtsgehen und in einem Schreiben des preußischen Königs vom 25. Februar hieß es:Ter Ansgang des Feld- zuges liegt von nun an zunächst in Ihrer Hand ... von der Sicherheit Ihrer Erfolge ist das Wohl aller Staaten abhän- gig." Blücher aber zog vorwärts und hatte bereits ain 26. Februar einen kleinen Kampf gegen Mar m o»t bei M e a u x. Inzwischen rückten die aus Holland gekommenen und nun der Bliicherschen Armee zugoteilten Korps B ll l o w und Wintzigerode heran, die sich am 24. Februar in Laon bereits vereinigt hatten.

Wochen sch an.

Das deutsch srnnzösischc Abkomme». Der Fürst von Albanien. Rüstungen des Zwcibnndes. Schweden'o Wehrmacht.

Die seit Monaten zwischen deutschen »nd französischen Fiiianzgruppcn geführten Verhandlungen über vorderasia­tische Eisenbahnkonzcssionen haben nunmehr endlich zu einem greisbaren Resultat geführt, die betreffenden Verträge sind in, Laufe dieser Woche in Berlin paraphicri worden. Dar- nach verzichtet Frankreich, wie schon früher bekannt gewcr- den ist, auf seine gesamte finanzielle Beteiligung an der Bag- dadbahn, dafür erhält cs aber freie Hand in Syrien unter Zusicherung des Anschlusses des dort zu bauenden Eisenbahn­netzes an die Bagdadbahn, ebenso dürfen sich die Franzosen Eisenbahnkonzessionen am Schwarze» Mecr-Vccken von der Türkei geben lassen. Zweifellos macht Frankreich damit ein ganz gutes Geschäft, indessen genügt das den Herrschaften an der Seine nicht, man schreit und tobt und nennt die leiten­den Stellen Dummköpfe, die sich hätten übertölpeln lassen; n:an nennt es den größten Fehler, auf die Bagdadbahn zu verzichte», weil dann Deutschland und mit ihin England, ins Vordertressen geraten. Gleichzeitig ergibt sich daraus der Schluß, daß nian die Bedeutung des deutsch-sranzösischen Abkonimens nicht gar zu hoch einscksiihen darf. Gewiß wird dadurch eine Reibnngssläche beseitigt, in der Hauptsache aber handelt cs sich hier um eine Verständigung auf wirtschaft­lichem Gebiete, die für die Gesamtpolitik Frankreichs gegen­über Deutschland kaum ausschlaggebend sein dürste. Man will an der Seine ein für allemal von Deutschland nichts wissen, die Beziehungen werden nach wie vor Wohl korrekte, aber herzlich kühle bleiben, gleichviel, ob Kaiser Wilhelm oder Herr Poincarü beim Botschafter der anderen Macht zu Tische gehen.

Die Parlamentsmaschine ist weiter im Gange, sie ar beitet ziemlich ruhig, wenn cs auch gelegentlich einmal einen kleinen Radau gibt. Im Reichstage ist die mchrwöchentii.sie Lesung des Etats des Reichsaints des Innern z» Ende ,u langt, die Erörterung des Reichsjustizamtes bot weiter » Arifregendes. Am Mittwoch ist auch zum ersten Male >ü sogenannte Zaberii-Koinmission znsammcngctrctcn, ein L a treter des Reichsanits wohnte auch den Verhandlung,-,, : . aber Herr von Bethmann-Hollweg hat durch Staat,-selreiai Delbrück ausdrücklich hierzu bcoustragt.

Wilhelm dgr Eilige" diesen Beinamen haben Pa, , r Blätter de», Prinzen z» Wied gegeben, der mit fast »ngl. . Fd;« Schnelligkeit in London und Paris Besuch,- nßftol;,, um sich den Staatsoberhäuptern vorziistellen und mit a » maßgebenden Persönlichkeiten z» konferieren. Ter Prin.-.

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