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Beilage M' „Neuen Tage szeit ung
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virdenklliye.
.11. Februar. 1751 I. H. Voß. Dichter, geb. Mecklenburg, tH 1 fl Andreas Hofer erschossen. — 1878 Leo XIII. wird
Papst.
Wirr i)rn ünliilfn dts ruls. gRäMtiluiM*.
2. & H. Bruthru O. T„ den 13. Febr.
Vor der diesigen Strafkammer wird zur Zeit gegen einen „ennjlVn Saiuncl Lubcl? k i a»S Myslowitz ein Prozeß ge- tiil it wegen versuchten und getverbsmäßigen Mädckienbandel. ferner wegen Vergebens gegen das Aiiswanderergeseb und schließlich wegen versuchter Beamtenbcstechung. die der An- »klagte sich dem Polizciwachtmeister Selle und dem Gcn- darineriewachlmcistcr Wonek gegenüber schuldig gemacht fall. Vubelski. ein Mann von 45 Jahren, war .,r- prilNglich Gastwirt in eine,» russisch-polnischen Nest. Tort ernte er die Einträglichkeit des Schmiiggelgcscktzistes kennen, geilte aber bald, da« der Menschenschmuggel ei» noch reiche- rn Gewinn abwcrse. Als der Vorsitzende der Strafkamnier den Angeklagte» bei seiner Vernehmung in die Enge trieb, inugtc er zugeben. daß sein Einkommen zulebt iiiindestenS tl, (ion ,K vro Jahr betrage» habe, obgleich er sehr bescheiden in Muslowitz in einem kleinen Hotel wohnte und seinen Lebensunterhalt recht wenig wie nur möglich kostspielig gestaltete. Lnbclski war von der russischen Regierung wegen Mädchenhandels bereits nach Sibirien deportiert worden, -s gelang il»n aber, nach dreijährigem Ausenthaltc in Archangelsk zu entfliehen, und er N>aiiderte nach Oesterreich. Jedoch auch» doit wurde er ebenfalls wegen Mädchenhandels »alb ausgewiesen und nabi» vor etwa drei Jahre» seinen Wohnsitz in MtiSlowttz. Die AnN.rge wegen deij vollendeten Mädchenhandels stiiht sich hauptsächlich aus Indizien. Diese Indizien Imd Bezirbungen LubelskiS zu überführten Mädchen Händlern, wie es B. auch sein Bruder tvar. zu einen, gewissen Kngelsresscr, ferner aber der Umstand, daß er und seine Angestellten in Begleitung junger, aus Rusiland stam- meiider M-ädchen betroffen wurden. Einen Stich ins Sen- iationellc erhielt die Angelegenheit dadurch. daf> der polnische 21 bgeordncte Korfanty in der letzten Sitzung de» Abge- oid»etcnhauses dir Behauptung aufstellte, das, sowohl der Regierungspräsident als auch der Leiter der Polizei in M»>4- lowitz batten willen mülle». daß Liibelski rin gefährlicher Bloöckvnlüinbler war. andernfalls seien die Beamten eben nicht in der Lage, ihr Amt voll und ganz auszusütlen. Der polnische Abgeordnete warf die ironische Frage auf. ob Lu- lul-.vfi Spionagedienste in R>,bland zu Gunsten Deutichlnnd« igelleicht soviel wert tvare», dah man von einer HuS» »nisiing absab. Der al» Zeuge vernommene (Gendarmerie- ivachtmcrster Wanek gab zu. daß er sich etwa 5 Mal von Lu- b'.lski bat freibalten lassen, al» er bei gelegentlichen Reviiio- • oi! in die Gaslwirtschast von Cohn in Mvslowitz. wo der An- . eklagte zuletzt geivobnt habe, gekomemn sei. Diese Rcvisio- vei Ecbn. dessen Lokal eben nicht gut beleumundet ge- ii.sen sei. hätten nicht Lubclr-ki. sonder» anderen Pcrsönlich- te ten gegolten, die unter dem Verdacht des Mädchenhandcls slaudeu. (siegen Lubelski habe nicht der geringste Verdacht iu»gelegt,I Plötzlich meldet sich ein Zeuge Halcmba ,,'l liiend der AuSiage des Macht»,eisters zum Wort «nd be- fguktz-t. d h ", Mvolaimtz die Ansicht aeberrsckst stabe. Lnbesteki
In Tokio ist der bekannte japanische Claalsiiianu. der frühere Gesandte in Berlin, im Alter von 70 Jahren gestorben. Graf Aoki gehörte zu den ersten Japanern, die sich mib der europäischen Kultur vertraut gcniacht haben.
treibe in Rußland zu Gunsten Deutschlands Spionage und genieste deshalb weitgehenden Schutz. Vielfach siebt sich da» Gericht genötigt, wegen Gefährdung der Staatssicherheit bei Besprechung dieser Punkte, die Oesscntlichleit auszuschliesten. Die Verhandlung gegen den raffinierten Mädchenhaadler schreitet nur langsam fort. Ein Kronzeuge namens Owzv G o l d b e r g , hat sich den weiteren Verbandlungeu entzogen. Der bereit? erirähnte Zeuge. Polizeibeamter Äalemba aus Myslowitz sagte folgendes ans: Er müsse jetzt, >iachde,n ihm ein gewisser Wcichmann vor Gericht in seiner Beamten- eigentslkiaft koinprimittiert habe. Interna au» der Polizeiver- waltung Myslowitz an da» Tageslicht bringen. Schon vor Jahre» habe Weichmann de» Mgslowitzer Polizeibeamtci, Weihnachtsgratisikationen gegeben. Er selbst habe eine solckie vor etwa 10 Jahre» in Höbe von 25 <4! von Weichniaun auf der Strahe bekommen. Als er Meldung erstattete, habe ihm Polizeinspektor Kraensel gesagt. Halemba. seien Sie doch nickst so dumm. Weichniaun gibt seine Zuwendungen an Polizcibeanite im allgeineinen zu, behauptet aber, dafür keine Gefälligkeiten beansprucht zu habe», llebrigens ivurde ei» vorher vernommener Zeuge. Getreideipediteur Miroweki, unter den, Verdacht des Meineids verhaktes.
(fine 5on-krllilirt nodi t>nn likiliytn ftv-k
hat im vergangenen Jahre die G rä sin Marie von SolniS-Roedelheini niitgemac.it. lieber diese Reise lut sie uns Auszeichnungen zur Verfügung gcsietlt, die tuir in der nächsten Zeit allwöchentlich veröfsenttichrn werden. Die Stätten, wo einst der Heiland geivaudelt. übten von jeher einen zauberhaften Einjlust auf uns aus. die Renchelchrri- bnng ist frisch und lebendig gebalte,, und von tiefinne>licher Religiosität durchdrungen, so diist ihre Lektüre eine Freude für unser Leser bedeute» wrrd. Wir werden ani Samstag mit dem Abdruck beginnest.
ns iirr fskimat.
* Kiesten, 20. Febr. An, Samstag, de» 14. Februar I'.ll l send d,c erste Hauptversammlung des bessisckiei, Lau- dckvereins für Krebsforschung in Darmstad« statt. Aus dem Bericht des Vorsitzenden über die bisherige Tätigkeit sei her- rorgehoben. dast es dem Verein durck, eine Stiftung ermög- licht wurde, zunächst 200 Milligramm Radium zu belchassen sowie einen neue» Röntgenapparat aufzusteNeii und eine Strahlen Heilstätte zu eröffnen, die der Frauenklinik in Giesten angegliedert ist „nd Ende Januar ihre Tätigkeit aus- genommen bat. E» steht schon eine gröstere Anzahl von Pa» l»nten in Behandlung. Für den Ausbau der Strahlenbeil- statte ieblen noch groste Miltel. für die die Hilfe des Staate» der Gemeinden »nd wohltätige Private erbeten wird: den» cs sollen unbemittelle Kranke unentgeltlich behandelt werden. Sehr b<ild ist die Notwendigkeit zu erwarten, die cstrablenheilslälte zu vergrößern) den» obwohl bisher keine Bekanntmachungen erfolgt sind, ist die Zahl de, bilsesuckien- den Kranken etzt recht grost. lieber eigene Ersahrungen konnte nicht mehr berichtet werden, als dast sich hier — wie schon längere Zeit an anderen Stellen — unter dem Einslust der Bestrahlung günstige Veränderungen »nd wenigsten» schenitzarc Heilung selbst bei hossnungslosen Krebskranken manchmal haben erziele» lasse». Die Strahlciiheilstätte ist natürlich in erster Linie siir Einwohner de» Großberzogtiims Hellen bestimmt. Hilfsbedürftige — sowohl Frauen wi, Männer — wollen sich an den Leiter der Strahlenhcilstätte in der llniversitätsklinik in (hießen wende».
* Kleben, 20. Febr. Hier tritt der Keuchhusten eben zu der nassen Jahreszeit epidemisch ouk, so datz die Kinder der Bcwoh. „er einiger Strotzen fnst sämtlich von diesem Nebel helmgesuch! worden sind.
* K etzen, 20. Febr Der Betrieb unserer elektrischen Stra stcnbahn Hai osscnsichtlich kein« Zunahme, sondern «ine Ab. »ahme erfahren. Man sieht oiele Wagen vollständig l»«r von und nach der Bah» fahren, auch ist dieses der Fall bei den Zii- gcn, mit denen »ormitlag» hundert« von Arbeitern und Tchü- lern hier «intresien und nackpuiliags ober abends wieder 8>i«< sie» verlosten. Hier muht« unbedingt durch Einführung «ine» Abonnements, gegen welches sich unsere Stadtverordneten b>»- 1*1 strickt« ablehnend verhielten, abgeholfen iveiden Der Krund, dost dann eine Kontrolle seitens der Fahrer unmöglich sei. ist voisitändig hintallig. Es mutzten nämlich Monatsabonnementskarten elngesührt werden, für jeden Monat von anderer Farbe, s« batz sie schon aus den ersten Blick al, gültig »der ungültig zu erkennen wären. So gut wie setzt der Fahrer kontrollieren mutz, ob jeder Fahrgast sein« 10 Psg einwirst, könnt« r, auch im Vorbeigehen von jedem die Kor!« vorzetgen lasten. Wenn so Schüler, und Arbeiterkarten, sür zweimallg« Fahrt jeden Werktag, sür vlestelcht Mk. 2.5>0 und sür Erwachsen« zu Mk » gültig sür all« Wagen ausgcgcben würden, dann wäre anzuneh. »len. datz bei den viele» Haltestellen unserer Elektrischen «ln ganz anderer Verkehr rinsetzte. Auch könnt« man Jahreskarten oi-sgeben. Durch die verschiedenen Vergünstigungen könnt« di« Bahn, trotz de» billigen Preise», durch größer« Frenenz «ine Mehr«innahme erzielen. Jedenfalls wäre es günstiger für di« Bahn, ihre leerlausenden Wagen, wem auch zu einem billig«»» Preis«, besetzt zu haben, al, gar nicht, einzunehmen. Der Versuch ist nicht strasbar und miitzt« gemacht werden. Vielleicht
! würden di« zuständigen Stellen autzer der Meheeinnahme auch
* des Dankes vieler die beute zu Futz taujen sich«, jrin.
J»»m Ptinfleiten.
Roma» von M. Prigge-Brook.
28 (Fortsetzung!.
AI» es ihm ein wenig besser ging, sckrleppt« er ihn selbst mit dm Steward a»ss Deck, schirmte den sckuierzenbc» Kops vor den breitenden Sonnenstrahlen und war glücklich, als der Maser endlich aufstcben konnte.
„Siehst D,i. Kind. daS vergesse ich ihm nie. Er bat sich mir alS wahrer Freund der Not gezeigt", schloß Ea -enno.
Seitdem umgaben des Mädckzens Phantasien de? j»n- . n Manne» Bild mit eine mHeiligenschcin. Nicht länger war er ihr ein Fremder, sic liebte ihn wie einen Brnder. sagte sie zu sich leibst, ohne z» ahnen, daß es nicht Schwesternliebe war. die ihr Herz ersüllle.
"hm war er gekommen und sie konnte täglich um ihn sein. Beide empfanden ibr Ztisamnicnsrln als Wonne. Mar» ging dein Doktor Heinz, wie sie ihn »ach des Vaters Beispiel nannte. z»r Hand. Sie »raren sehr fleißig, ordnelen „nd verpackten »nd verschickten die Skizzen und PbotoS so säuberlich und schön, daß der Maler seine Freude batte und beruhigt in die Zukunft sah. Der Arzt drängte zur Abreise, de, Zustand de» Kranken ängstigte ihn. Carcnno batte in den letzten Tagen sckstvere Anfälle von Atemnot z» bestehen.
„Sein Herz ist durch das Fieber so geschwächt, daß ich da? Schlimmste fürchte", gestand der Doktor Heinz auf dessen dringende Bitte. „Wenn er nicht bald abrcist, kommt e> schwerlich nach Graz."
. Wozu tvollen Sie de» todkranken Mann den überhaupt noch ans Neise» schicken?" fragte Heinz empört. Der Schrecken batte ihn übcrnonimcn. In banger Sorge dachte er an das geliebte Kind Was würde Marv sagen?"
„AIS ich Graz vorschlug, hatte ich Hoffnung, jetzt ober l'.-.t die Krankheit reißende Fortschritte gemacht. Doch da ich. doS Earenno uninöglich sagen kann, bleibt mir nur »och
- meine erst- Verordn,,„o aiite'cht «» erboste» "
Heinz Sebatd senszte.
Er sah i» die nächste Zukunft ivie in ein Ebaos voll Not »nd Verwirrrliig. Wenn ei nur die so beiß Gelieble batte sckuitzeii tonne»!
Bedrückt tKrahschiedete er den Doktor »nd begab sich zu seinem Freunde. Er fand ihn am Schreibtisch.
„(steht's Ihnen besser?" fragte er überrascht.
Earenno lächelte, ein Lächet». Es schnitt
Heinz ins Herz.
„Ich täusche nrick, nicht", begann der Kianke, „meine Zeit ist »m. Bciiiiihen Sie sich iri-.bl He'n.z. ick' sehe, Sie wisse» alles. Ihr jiisige? G.-sicht h.st die Berftellimg >>ick>t oft geübt. Sie sehen aus. wie einer, der soeben das Todesurteil seines besten Freundes mit ai'gehört %'t. Sollte ich mich täuschen?"
„Sie haben gehorcht, Mar?'
' fragte Doktor
Heinz nun
gequält.
Earenno verneinte
„Dessen bedaes es »ach de. I.
Nack t nicht
mehr. Ich
habe zwei Semester Mrdiz>» siudi
er!, bevor ick, M
cker wurde.
und weiß, was ich von den Anfäl
II ,-it zu ballen Tk
ibe. Mehr
als einmal hält inein Her; nick-t
an,-."
„Sie täuschen sich. Mar. Sie
» üssen Geduld
haben. Es
werden bcssre Tage komnien "
„Nicht für mich. Freund. D
ocki in» mich hau
d.It es sich
doch auch nicht. Ich habe mich !>
ergesalleppt. weil
l ich meine
Angelegenheiten ordnen möchte. 1
io lauge ick, »ocki
Zeit dazu
habe."
Er bedeutete Heinz, der etwas einwendcn wollte, durch eine .Handbewegung, zu schivcigen. dann fuhr er leise, oft unterbrochen durch seine Atemnot, die ihn jetzt ständig quälte, zu sprechen fort:
„Mein Testament habe ich bereits vor vier Iah een gemacht. als meine Fra» mich verließ. Ich wollte dadurch verhindern, daß sic nach meinem Tode Anspruch aus meine Hinterlassenschaft erbeben könne. Was ich besitze, gehört Mary. Es ist nicht viel, doch ick, hokie. mein Kind wird bei einfach:»
Anspiiiche» lebe» könne», »nd nun» sic. nu» ich nicht ver- »nite. unverheiratet bleibt. Sie- ist indessen noch zu jung, ui» allein zn leben mich quält die Sorge, wem ich sie anver- trane» könntet Bei Hofrais hat sie sich nicht heimisch ge- sinilt. nahe Verwandte, die ich bitten könnte, besitzen wir lückit. So iiobe ich die größte Angst, datz meine verflossene F, >: sich ihres Kinde? erinnert »nd Mary bestimmt, z» ihr „n ziehe:,."
„Da? ist »»möglich", unterbrach Heinz ihn erregt.
„Natürlich, mehr als das, »nd doch, was wollen Sic? Sie ist und bleibt die Müller, das Kind hing an ihr. Sie weiß noch nicht. >»»' tief die Frau gesunken ist. sonst brauchte ich nichts zu sülchten. Ick) habe ibr domals nur gesagt, ivas ich sür gut besaiid. daß schwerwiegende MciniingSverschie- de..steilen »nS das Zusammenleben unmöglich machten nnd daß wie auöeiiiandergeben müsiteii. tingesragt entschied Marys Henz sin micki."
Sie tum fieilirti auch istck'I i» Dcrsiichung, zivisckien dem Balcr »nd der Mutier wühlen zu iiuissen, denn ehe die ge- richtliche Eatickwidnng kain, entisok, inclne Fra» mit eine,» anderer'. Ich habe Ihne» schon davon erzählt, Heinz. Ich ahnte nicht, daß sie mich binkerging, sie hatte es nicht nötig gehabt. Ich war ja ganz fest eutschlasscn, sie frei zn geben, weil unkeic Ebc schon längst n'lbt mehr bestand. Wir paßte» nicht zusnmnik»."
„Und Mai» ahnt.' nickst»?"
„Wer weiß, was sie ahnte. Friedlich ging es nicht bei uns zu. das können Sic sich vorsiellen Obgleich ich es der Frau nachsager, »»iß. d>ß sie den, Kinde nach Krasten feru- hielt. was sich fernhalten ließ.
Marv ging tumals in eine Schule in Halbpension, schlief eigentlich nur zu .Hause. Sonntags war sie bei mir im Al - licr. So lange sic sich erinnert, hat sie eigentlich in» ei neu Vater gehabt."
„Folglich hängt sie nicht an der Mutter"'
Der Maler schüttelte den Kops.
(Fortsetzung solgt.I


