Nummer 34 __. vicnslnfl. bcn 10. icumor 1014. 7. Hahrgans
1,1« ,.t>e»r - ag«-,e:i.«k- II chcinl „den WeiUag. Rcgetmätzlge Beilage» „ver <an»r a»» Dellen", ,,Y>« Kplnnllube". tteiugapre,»: Be, i-«n L> 0 !,an,i<i,«rn »iek.el,aoii>a> ult 1 «ifi t»i d«n »genten monollld) 00 ffp. Hnm tritt PsstgedShr od«r Trag«,,oh». GiuMne»« 2 ii Big.. total« 10 P,g„ «nitigcn v-n -uswiin» wceScn Dut t) Po Mach»-!,me «Oobcu
Erfüllungsort Jriedbeig. Zchriftieituaa UN» Verla, jriedbeig thesient, Honaiieritraße 12. Femlprechri 4N. Postichest-Lont» Sir. 4Nj*l, timt oronlfuit ». 511.
Nebrrstcht.
— Ai, Stelle des Dr. Petri ist Ministerialdirektor im »reubischen Justizininistcriuni Dr. Frrnken zum Untrr. ftaatesekretär in Elsaß Lothringen «rnaunt worden. Er ist
Rheinländer von Geburt und katholisch.
— Der Brannlager Mörder Plog wurde gestern noch mehrtägiger Verhandlung vom Schwurgericht Braunschweig wegen Mordes und schweren Raubes zuni Tode verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrelt>te wurden ihm dauernd aberkannt.
— Der von Budapest nach Kronstadt (Siebenbürgen) abgelassene Schnellzug ist nachts mit einein aus Kronstadt kommenden Personenzug zusammengcstohen. Der Heizer des Pcrsonenzuges wurde dabei lebensgefährlich verletzt, vier Bahnbcanite und mehrere Fahrgäste leichter verwundet.
— Nach einer Depesche aus Epinal sind im Lause deS gestrigen TagcS in den östlichen Garnisonen wieder sechs neue Tvdevsälle vorgekomm.n. Eine Bestätigung dieser tlachricht, die überall in Frankreich die gröhte Beunruhigung hervorgerusen hat, war bisher an maßgebender Stelle nicht zu erlangen.
— Die „Frankfurter Zeitung" meldet aus Konstantinopel: Zwischen der russischen Regierung und der Pforte ist gestern eine völlige Einigung erzielt worden. Die ostana- toliskl>c Hasensrage ist persekt.
— Blättermeldungen zufolge wird in Bukarest die Frage eine« neuen Balkanbunde» mit Ausschluß Bulgariens entschieden werden. Ter Zweek des neuen Balkanbundcs soll hauptsächlich die wirtschaftliche Annäherung sowie die Erleichterung des serbischen und runiänischcn Exportes über die griechischen.Häsen ieiu.
~ Der Schnellzug von St. Pani nach Omaha entgleiste, als er über die durch die starke Kälte geborstenen Schienen fuhr. Zahlreiche Tote und Verletzte wurden aus den Trümmern hrrvorgezogen.
— Wie aus San Diego in Kalifornien gemeldet wird, ist ein Fliegcrofsizier dort aus einer Höhe von zirka >50 Metern abgestürzt. Den Leichnam des unglücklichen Fliegers fand man eine Strecke weit von der Stelle vor, wo der Apparat zu Boden gestürzt war.
— Die „Newyork Times" nicldet, daß der anonpine Stizter von 50 000 Dollar für die antarktische Expedition Shacklctons, der bekannte amerikanische Autor und Roman- schrislstellcr Sir I. M. Marrie ist.
Zur Slcnerschen.
Trotzdem sich aus den Erklärungen zum Wehrbcitrag noch keinerlei endgültigen Schlüsse ziehen lassen, läßt sich jetzt schon mit Sicherheit feststcllen, daß seither in den Großstädten ungezählte Millionen einer Besteuerung entzogen worden sind. Wir konnten gestern berichten, daß in Frankfurt a. M. kereits 300 Millionen Mark mehr „entdeckt" worden sind und heute lesen wir. daß die Dezernenten der Steuerveranlagung.-Kommission zu Berlin nach einer oberflächlichen Berechnung der bisher für die Wehrsteuer eingegangencn Einschätzungen seststellten, daß mindestens vier Millionen Mark Steuern mehr cingchcn werden, als nach der vorjährigen Veranlagung zur Staatseinkommensteuer zu erwarten war. Tie Erganzungssteuer ergibt vermutlich einen nock> erheblich höheren Betrag.
Wohlgemcrkt handelt es sich hier um 4 Millionen Mark Stcuern . die alljährlich mehr eingehen werden. Die hin» terzogenen Vermögensbcstände belaufen sich also auch nach Hunderten von Millionen.
Recht interessant ist es auch, wie die „Frankfurter Nach- richten" den Steuerschwindel in Frankfurt zu rechtfertigen suck-en. Das jungliberalc Blatt schreibt nämlich:
„Abgesehen davon, daß die Nachricht von diesem Stencrerlrägnis falsch ist, (? D. Schrift!.) wäre auch ein Wachstum des steuerbaren Vermögens von 10 voin 100 in drei Jahren noch kein Beweis nennenswerter früherer Steuerhinterziehung. Weiterhin war bisher, so bemerkt die „Vossische Zeitung", jedoch niemand verpflichtet, das Vermögen anzugcbc», und viele Steuerzahler überließen es der Behörde, das Dwmögen zu sechätzeu."
Ganz abgesehen davon, daß die „Frankfurter Nachrichten" zugebii, daß die im Handel und der Industrie angeblichen Vermögen sich äußerst rasch vermehren, ist es auch bemerkenswert. wie diese Zeitung die steuerscheuen Großkapi- talisten in Schutz zu nehme» versucht.
Ilnjere Schirirlrnppcn.
Am Montag waren es 2.0 Jahre, daß der Grund zur deutsche» Kolonialarmec gelegt wurde, wenn man von einer ' :i angesichts d.r verhältnismäßig geringen Zahl unserer Tinppen in den Tchutzgebict.'n sprechen kann. Mag auch diese Periode verkstiltnisinäßig kurz sein, sc geziemt cs sich il dieses Tages zu gedenke», denn wackere Taten sind in > .1 Zeit-ui»» verrichtet worden, und so weit de»>ick>e
Staatsangehörige in Frage kamen, hat es sich gezeigt, daß der alte Heldengeist keineswegs «loschen ist und das» liniere braven Mannschaften auch »»tkr de» schwierigsten Pertiält- nisse» ihre» Man» gestanden habe». Wir verfügen ,ibee drei Gruppen von Cchutztruppe», die sänitlich in Afrika stativ niert sind. Die ostafrikanische, dir südafrikanische Schub- truppe und die von Kamerun. Vollständig aus Weißen fetzt sich nur die südasrikanische zusammen, und im Hinblick ans die unsicheren Verhältnisse im Lande durste cs damit vorläufig noch auf Jahre hinaus fein Bewenden haben, aber gerade diese Truppe ist es. die in die Lage gekommen ist. die schwierigsten Kämpfe durchzumachen. und ihre Taten werden in der Geschichte des dcntschen Heeres unvergeßlich bleiben. Hu»ger und Durst leidend, von einem grausameil Feinde fortwährend bedroht, haben die Mannschaften tapfer ausge- halten, schwere blutige Kstiiipfc mit größter Zähigkeit geliefert, bis endlich der Aufstand niedergeschlagen war. Auch heute noch sind die Soldaten dort »nte» nicht ans Rosen gebettet. Auch der Friedensdienft ist ein uiigrhrurer und on- strengender mid oft lauer» Gefahre» ringsum. Die älteste Schutzteuppe ist die ostafrikaiiische, a»S de» Maunschasten Wißmanns hcrvorgegangen, und auch ihre Kompagnien haben nianche» Strauß im Kampfe gegen ausständischc Eingeborene zu bekämpfen gehabt. In ihr sind nur die Ossi- ziere und der größere Teil der Unterossizieie Weiße, während die Maunschasten mit Rücksicht auf da« Kliiiia cbeiiso wie in Kamerun aus Neger» besteht. Tie oslasiatiiche» Besatzungstruppen könne» hier nicht mitzählen, sic gehören der Marine an. die sich aber gleichfalls in manche» Landkäinpsen trefflich bewährt hat. Für Samoa uiid die Insel» im australische» Archipel genügen die dortigen Polizeitruppcn. Eiiie Kolo- nialarmee haben wir eigentlich nur für kurze Zeit gehabt, damals, als wir mehrere Regimenter während des Boxeraus- standes nach China entlandte», uiid unter den Augen des Militärs der übrigen Großmächte habe» sich nufere Leute fo ausgezeichnet, daß sic sich allgemein der größten Hochachtung erfreuen. Unser Koloiiiolbesitz ist kein großer, und darum Ivird aiich die Stärke »iiscrer Schntztriivpeii eine beschrankte bleiben, das steht aber fest, daß sie stets de» dentjchei, Namen und de» Traditionen unseres Heeres Ebrc machen wird, auch in den fernsten Gegenden und iiiitcr den schwierigsten Verhältnissen.
Sd)nirbild)r lUfiirlrngr;
Köm lind MnistttpriMilf.
In der Kundgebung der schwedische» Bauer» zu Stock- Holm, deren Verlauf bereits mitgeteilt wurde, sollt die große und schcirs zuni Ausdruck gebrachte Meinungsverschiedenheit zwischen dem Könige und de,» Ministerpräsidenten Herrn Staasf auf. Ter König sagt, er teile keine-Swees die Meinung, daß die Frage über die Uebungszeit der Jnsanteric nicht jetzt gelöst werden dürfe. Er sei im Gegenteil der Ansicht der Bauern: daß die Vcrteidigungssrage als Ganzes und jetzt entschieden werden miisje ohne Verzögerung »nd un Zusammenhänge Er, der Kön-g. gebe nicht ab vo» de» Forderungen der Sack>verständigen. De»ige,iemiber steht der Ministerpräsident Staafs bekanntlich ans dem Standpiinkle, daß die Frage der Verlängerung der Uebungszeit nickst jetzt, sondern von riiicm sväteren Parlamente zu verbandeln und zu lösen sei. Hinsichtlich der Sachverständigen, deren Ansicht der König und die Bauern sich zu eigen machen, erklärte Herr Staasf, daß die Sachverständigen eine gewisse Einseitigkeit hätten und „die gesunde Laienauttalsung den Sachenverstän- digen ebenbürtig sei." Daß der Mnisteipräsident cs unternimmt. angesichts dieser großeii und beispiellosen nationalen Kiindgebiing »nd im Gegensätze zmn Könige inid z» den Wortsübrern der Bauern seinen engen »nd sachlich unrichtigen Partcistandpunkt so scharf zu betonen, macht einen peinlickien Eindriick, un: so mehr, als d>is Fehlen fachlicher Grundlagen für die Ansichten des Herrn Staasf stir jedes unbefangene Auge klar ist.
Unverständlich und erstaunlich ist schließlich, wen» Herr Staasf erklärt, daß die Geriichte über Spionage in Schweb'» „nicht wahr" seien. Angesichts der wiederholten Verhastun- gcn von Spionen, ferner der Vorgänge mit dem russischen Militärattache usw. würde auch für solche, die nicht über die seit Jahren in Schweden arbeitend - russische Spionage iiiiterrichtet sind, der heute schwer benunihigrnde Stand der Dinge unzweifelhaft sei». Gerade die tiefe Beunruhigung über diese erwiesenen Tatsachen hat ja znm Bauernzuge geführt, im Verein mit der Tattachc der rm'sitchen Truppenkon- zcntrationen »nd Vorbereitungen für solche an den Grenzen Schwedens.
Wir Deutschen wünsche» der befreundeten Macht und dem uns nahe verwandten Volke, daß cs so schnell wie möglich das Ziel erreiche, seine Rüstung zu Lande und zu Wasser genügend stark zu niachcn, um seine Selbständigkeit unter allen Umständen zu wahren und Staatsmäniicr findet, die ebenso ni.l Derständnis kür die drinaende-n Bedürtnisic des
Landes besitzen wie der König ,,„r> die opfern»«!,,»-,, Bauer »»lassen.
Uebrigens besitzt die sttgveditrbe- Landbevölkerung »:il -U Millionen die erdrückende Mehrheit gegeiiüder d»-i- Städtern mit nur einer Million! — Abz,.warten bleibt n»». welche Wirkung die Kundgebung aus die Melirbeitsvcrhatt »isse im schwedischen Reichstage hervorbringt und >vie sich in weiterer Folge die innerpolitische Entwickelung gestaltet. ES ist beinahe onzunehmeii. daß der Baueriizug und die Red, des König» einen Umschwung zur Folge haben werden.
Denllcher 1 !eichstaq.
B10. Sitziiiig von, 0. Februar, 2 Ubr.
Am Bimdesratstisitie: Dr. Drldrück.
Das Haus verschiebt Wege» schlechter Besetzung die Ab stiiiiiuiing über den Antrag zur Aussnhriing des Kaligesetzes aus Dienstag.
Die Einzelberatuug des Etats für da» Reichsauit des Innern wird bei», Kapitel „Slatistilches Amt" tortgcletzt.
-log. Tivkvvich (Fortschr.): Wir wünschen eine einlieit liche Statistik aus dem Gebiete des Schulwesens. Jetzt beruhen die Statistiken in den Einzelstaaten aus ganz verschiedene» Grundlage», so daß die Ergebnisse gar nicht verglichen werde» können. Notlvcndig ist eine eigentliche pädagogische Statistik und eine soziale Statistik des ganze» Lehrerstandel unter Einbeziehung der Hochschule». Die schulstatistischen Erhebungen von 10t 1 find ganz unzulänglich.
Abg. Rühle (Soz.): Warum sind die Erhebungen über die Besänftigung von Kinder» hauptseichlich in der Landwirt-' schast »och nicht vcrösseutlichl? In zehn vollen Jahren war unsere Bureankratic, deren Pflichttreue, Fleiß und Eifer hier immer in so Hellen Tönen gelobt worden, nicht imstande, das gewonnene Material zu beorbeiten. Man verzögert anschri- »kiid absichtlich die Vorlegung des Materials, denn eiu gesetzlicher Verbot der Kiiiderausbeiituiig in der Landwirlsckiaft >i-ärc nnzweifelhast die Folge. Darum schweigt inan im Jn- trresse der Agrarierl In Deutschland werden 2 Millionen Kinder i» der Landwirtschast belst>ält>gt. ES stehe» große sitttickic Werte auf dem Spiel. Die Behörden dulden das in geradezu gewissenloser Weise . (Präsident I>r. Kacnips rügt den Ausdruck und bittet den Redner, seine Rede Nicht zu »-erlesen. — Sehr richtig! rechls.) Die Kindersklaverei überhaupt muß beseitigt werden---
Präsident Dr. Kaemps: Ich bitte Sie, sich zu mäßige».
Abg Rühle (Soz.): Wenn »un der Präsident »och einige Werte erlauben will, niöchle ich doch sage» — — —
Präsident Ile. Kaemps: Ich verbitte mir eine Kritik mein« Amtsführung und ersuche Sie, sich meinen Anord »ilngen zu sllgen. (Beifall.)
Staatssekretär Dr. Delbrück: Bereits im Januar vorigen Jahres hat Direktor Caspar über das Schicksal der über die Kinderarbeit angeordneten Erhebungen hier Mitteilung gemacht. Das Material war damals noch nicht vollzäblig vo» bei Einzelstaaten «»gegangen. Inzwischen ist es von einein der sohlenden Staaten eingegangen, vo» zwei anbeicn steht es noch aus. (Hört, hört») Es liegt also nicht an mir. wen» die Erhebungen noch keinen Erfolg hatten. Ich denke aber, wir werden bald in der Lage sein, das Material liier vorzulegeii. Nicht bloß die Negierung hot ei» Jnleressc daran, sondern auch die Gesamtheit, schon damit den ungeheuerlichen Ue-bei lreibuiige» rutgrgengetrete» wird, die wir regelmäßig bei dieser Gelegenheit hören müssen. (Sehr richtig! und Beisall rechts.)
Abg. Dr. Pieper (Zentr.): Wir brauck>e» auch eine ge nauc Statistik über die Verhältnisse im Handel, Industrie und Gciverbe. Tie Statistik soll aber nicht bloß Zisscr» geben, sonder» auch Gutachten, sotvic Vergleiche ermöglichen. Absolut notwendig ist eine umfassende Statistik über die Ar. britcrschast.
Präsident Dr. Kaemps ruft den Abg. Rühle wegen der Ausdrucks „gctvisscitlos" nachträglich zur Ordnung. lBeifalk.l
Staatssekretär Dr. Delbrück: T>e Arbeiterstatistik wird , nicht eingeschränkt, sonder» eher erweitert und stärker bearbeitet werden. Es sind daher neue Stellen in der Abtriluiig, für Arbkiterslatistir vorgesehen. Daß die Statistik aus -Handel und Industrie ausgede hnt wird, ei scheint selbswerst-ind- lich. Uetcrhaupt werden die statistischeil Arbeiten v«mehrt werden.
Abg. Thiele (Soz): Eine Einbeziehung der Handels- statistik in die Produktiousc.'hebuiigeii^rrsckieint uns nol- wendig.
Nach weiter« kurzer Erörterung ivird da« Kapitel bewilligt.
Es folgt das Kapitcl Reiihegesundhriteamt.
Abg. Antrick (Soz.) besprich! in einstündiger Rede bi-- Arbcitsverhältnisse des Kraukenpfleger-PersonalS »nd empfiehlt eine entsprechende Resolution sowie eine solche, di e dic Regelung der Hebamnientvescn» fordert, zur Annahme Seit zehn Jahicn reden wir über diese Tiiige. Ta hätte Wohl etwas ermöglichen lassen, toen» der Wille dazu vor banden wäre.


