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Beilage zurNeuen Tageszeitung

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Wontng. beit 9 Februar 1914.

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töcbrnhtnre.

Februar. 1789 Fr. Xav. Wobi'lsbcrgct gib., Stenograph.

- 1801 Friede von Luix-oillc zwilchen Frankreich und Deutschland IH.ll Felir Lahn. Dichter, ged. 1905 Maler Adolf v Menzel f, Berlin.

fit grokre Fandwirtlchaftswoche.

S. A H. Berlin, 5. Februar.

I» Gegenwart des preußischen LandiwrtsckiaftSminister» Freiherrn v. S ch o r l e m e r - L i c f e r und von Vertretern »ller landwirtschastlicktza Verwaltungen und gröberen land- wirtschastliklie» Vereinigungen begannen heute vormittag im Festsaalc der Preußilck>cii Abgeordnetenhauses die Ver­handlungen der 13. Hauptversammlung der Königlich vreiißischen LandeS-Oclonomie-KollcgiumS, da» die amtliche Vertretung der gesamten Landwirtschaft im Königreich Preußen darstcllt.

Präsident deS Abgeordnetenhauses Graf,v. Schwe­rin- Löwitz. der durch Zuruf zum Vorsihende» gelvählt wurde, brachte das Kaiscrhoch aus und begrüßte die Erschie­nenen. Der Landwirtscliostsniinister betonte in seiner Ve- grüßuiigSaiisvrache. das die Tagung sich wieder mit wichtigen Fragen zu beschästigen habe, so mit der Beseitigung des Ar- lciterniangcls und der Besserung der WolwungSverhältnissc nns dem Lande. Diese Ausgaben treten um so dringender an die Staatvregiernng und die deutsllic Landwirtscliast heran. «18 bisher die Abwanderung vom Lande »och nicht zum Stillstand gekomnie» ist und in der lebten Zeit gewichtige klnzeillien dnsür hervorgrtreten sind, daß die Beschaffung von >,t>eitokräftr.n ans dem Ausland. besonders aus Galizien und Rußland. in -de« ruichstcn Jabreu keiuessalls erleichtert Weiden wild. Wenn man int übrigen auf das verflossene Jahr mit Vertrauen zuriiikbliiken und ebenso in die Zu­kunst schauen könne, so sei das ein Erfolg unserer bisherigen Wirtlä>aftSpoIitik; das tniisse zugleich ein Ansporn sein, den Schutz, der bisher unserer Produktion zu teil geworden ist, auch weiterhin zu erhalten. Der Minister schlob mit dem Dünsche, datz die Verhandlungen der dentschen Landwirt­schaft und damit dem Vaterlande zum Segen gereichen möchten.

Der Vorsitzende Graf Schwerin- Läwitz dankte dem Minister, versicherte ihn des Vertrauens der deutschen Land­wirtschaft und sprach die Hoffnung aus, daß er er noch lange aus seinem Posten auSbarren möge.

Hierauf wurde i» die Tagesordnung eingetretcn. An erster Stelle sprach Landrat o. D. v. tt l itzing (Niedcr- zauche) überdie Förderung des Wohnungsbaues auf den, Lande mit besonderer Berücksichtigung der Geldbeschaffung." Der Referent erklärte, er habe sich bisher nicht davon über­zeugen köiincu, daß die Wohnungen in den Städten besser li ien als aus dem Lande. Wenn man aber einen Ausbau der Urbeiterwvhnungen aus dem Lande teilweise als wünschens­wert bezeichne, so sei diese Frage lediglich als Geld- oder Kreditsragc zu behandelii. Ta Htzpothekengelder für Privat­personen schwer zu erhalten seien, mülsc men die öffentlichen Kassen z» Hilfe nehmen. -Hier kämen in erster Linie die Sparkassen in Betracht, scrner die Komniinalverbünde und dir Träger der sozialen Versickerung. Von Lenen der Jnva- tid-iul» rficherung sind bisher nirtit weniger als 30 2 Millionen , ........

na ' .'um ftonatprnfrht ßer/m'Lc/pzjg.

Von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung it ein Bro» Kft, tvelches augenblicklich die tkreife Miüetöeaitschii»tz, be­schäftigt. ES handelt sich um eine Verbindung Berlin Leipzig auf dem Wasserwege, ähnlich wie die Großschisfahrt BerlinStettin.

für den Bau von Arbeitcrwohnungen auf dem Lande. Die Arbeiter wollen mitunter auch gar nickst ihre engen, aber ge­mütlichen Wohnungen aufgcben, sie wollen nicht höher ziehen, als ins Erdgeschotz, sodaß die guten Oberwohnugen vielfach leer stehen. Hüten müsse man sich davor, die ganze Angelegenheit zu schematisieren.

In der D i S k u s s i o n bezeichnet« Gras Schwerin- Löwitz den Bau von guten Arbciterwohnungen auf dem Lande als ein Mittel, die Landflucht der Arbeiter z» beheben. Jetzt in einer Zeit, wo viele Bauarbeiter in den Städten bcscl)ästigungSlos sind, könnnte» diese bei dem Bau von Ar- beiterwohnungcn beschäftigt werden.

Die Versammlung einigte sich schließlich auf folgenden Antrag v. Rantzau: Der Herr Landwirtschaftsminister möge eine Kommission einberusen zur Prüfung der Frage, wie größere Mittel slllssig zu machen sind zur Förderung de» Reubaues von Arbeiterwohnungcn dort, wo ein Bedürfnis dafür vorlicgt.

Geh. Regierungsrat Professor vr. Aereboe (Ober- nigk) sprach sodann über das ThemaDie Hebung der Arbeitsleistungen als Mittel gegen den Arbeitermangel." Die empfahl u. a. die Einführung der Akkordarbeit in land­wirtschaftliche Betriebe. Rach finT Panse t>atwadelte der Direktor der landwirtschastlickien Versuckisstatüur I»'.

L e m in e r nt o n u (Berlin) den gcgenn>ärligei' Stand der gesetzlichen Regelung de» HiindclS v>it Futtermitteln. Diiuge- mittcln und Sämereien. Es wurde hierzu ei» Antrag ange- NlNiui ii. in dem der Landwirtschastsminister ersucht wird, aus baldige reichsgesetzlichc Regelung der Materie beim Reichskanzler binzinvirken.

Das folgende Riscrat betraf die Frage der Bekainpsnng d>r Arbeitslosigkeit durch Urbarmachung von Oedland und Schassung von Ankiedelungeu Erster ReterenI>ar der Schriftführer des Verein» für soziale innere Kolonisation Hans O st w a l d (Zehlendorf). Er ging davon aus. boft w'r uns in einer Zeit großer Arbeitslosigkeit beiinden. die von Woche zu Woche drückender wird, die Handel und In­dustrie ebenso schadet wie der arbeiteudcn Bevölkerung. Stach der Statistik sind in guten Zeiten von rund 2 Millionen or- ganisiertrn Gewerkschaftler» 4050000 arbeitslos. Da» beißt, von 10 bi« 18 Millionen Mensche», die in H>mdel unk <bewerbe lättg sind, haben ständig 5-000 000 keine Arbeit. Die einzig wtrklicke. volkswirtsckmttlich und inenschlich ritb- tigr Hilfe ist eine großzügige ArbeitSbesckiassung. Sir ließe sich leicht durch eine vernlliistige Jniienkolonilatien erreich'». Der Redner schildert dann die Erfolge, die lei» Verein mit der Beschäftigung von Arbeitslosen auf Oedland erreicht liabr.

Der Mitberichterslatter Le.ndrat a. D. v. K l i n h i n a begründete eine Entsckstießuiig. die betagt'

Die zeitweise. Im wesentlickien i» Großstädten oitf tretende Arbeitslosigkeit spricht da» LantzeS-Oekonomie. Kellegiimi als eine Folge der modernen industrielle» Wirt- schaftsentwickclung an. Da jede Barunterstühiing an Ar- t-eitslose als rin schweiee Fetter anzsfrHe« «v>-ne. enw'et l ,-n sich als Miltes zur Beseitigung der großüichtücheu älrbois. losigkeit: 1) mögsichst« Erhaltung der Landgrborenr» aus dem Lande (weitgehende menschlicke Fürsorge. Kinderhe- sckiäftigung auf dem Lande zu guten Löhnen, die auch an« allgemeinen sozialen Gründen wünsckenSwerte GesetzeSbe- ftimmung, daß Jugendlich« unter 17 Jahren nicht in Fabri­ken arbeiten dürfen); 2) ziclbewußter Ausbau und groß­zügige zentrale Organisierung der össentllckie» und gemein­nützigen Arbeitsnachweise; 3) Arbeitsbeschrssung für die Arbeitslose» durch Zuweisung von Land- und ttolonisations- arbeit sowie von Arbeit in Außenindustrien, denen eS an Arbeitern inangelt. Hierfür erscheint Beihilse de» Staate» durch Gewährung namhafter Fahrpreisermäßigung er­wünscht. Bei ziclbewußter Anwendung vorgenannter Mittel wird eine weitere Landflucht unbedingl fördernd, grundsätzlich als schädlich erachtet."

In der Besprechung erklärte sich der Präsident des Ober- landcskulturgerichts Geh. Oberregierungsrat I»r. Me tz - Perlin mit den Zielen des Verein» für innere soziale Kolo­nisation einverstanden.

Die Ausführungen der Referenten wurden von der Ver­sammlung lediglich zur Kenntnis genommen und sodann die weitere Beratung auf morgen vertagt.

S. & H. Berlin, 6. Februar

In der heutigen zweiten Sitzung deö Königlich Preußn scheu Landes-Oekonomie-KollegiumS wurden die üblichen Berichte eutgegcngcnommen. Freiherr v. M a r e n h o l h SGr. Schwiilper) rrttettete den bmilil tn Lrmtiwirtfttzatt». Iiiiinii'rn ,iber Pferdezuckil. Er konü.ckoite ein Auwochieu

Zum Pflngrisrtt.

Roman von M. P r i g g r - B r o o k.

18 (Fortletzuag).

Bon Heinz war nicht die Rede. Taute Luise aber bc- rncrkle. daß Roscniarie ihrem Liebling böse war. Sic sprach fast nie von dem Bruder, und es war zweiselhast, ob er die Osterferien, die vor der Türe standen, im Pslugeisen ver­leben würde.

Er weiß, was er zu tun hat", beantwortete die Schtvestrr die schüchterne Frage der mütterlichen Freundin, ob man Heinz dürfe das Zimmer richten!

Ganz »»erwartet traf Heinz am Vorabend des Feste? nun dach ei».

Roleniarie war im Garte». Sic schrak zusaiuuicu. als er plötzlich vor ibr stand.

Dir ist doch nichts passiert?" fragte sie unruhig, wäh­rend fi. an seiner Seite über den Hof ins Hans schritt.

WaS soll passiert sein?" antwortete er gut gelaunt, kr kam mit der besten Absicht, er wollt- Roiemaric sür sich xewilineii. sie mußte cinsebc», daß sie kein Recht batte, böse zu sein

Klug vermied er jede Bemerkung, zärtlich zog er ihren Ai ni durch den seine».

Im Hofe hantierte» wieder Auslader »nd Fuhrleute >uic ehedem. c5 roch nach frisch gebranntem Kasfee. aus dem Lagerraum drang der brenzliche Genich i» Schwaden durch Sic Tür. Ganz betroffen blieb der junge Student slcbc».

Die neuen Maschinen mit Dauipsdrtrieb". erklärte ihm lloseinarie gelassen.

Seit ii>ann, »nd wer bat» getan", fragte Heinz, ci- biclt indes nur ungenügende Antwort. Flüchtig zog ihm der Gedanke durch den Sinn, daß vielleicht ein anderer an des Ohms Stelle im Kontor schalte und das Gcsck>äft vcr- 'ausi sei.

Che er fragen konnte, hielt ein alter Man» Rose auf.

«wie sich von dis Bruder Arm, folgte dem Arbeiter »i

einen Schuppe» und kehrte gleich daraus zurück. Zwei Leiiie mit Säcken folgten thr.

Tragen Sic sie da hinein", bestinrmte das Mädchen. AntonS läßt nochmals wiegen, es muß ein Irrtum sein."

Seit wann bekümmerst Du Dich um Teesäcke und die Kaftccballen?" fragte Heinz erstaunt.

Seit mein Bruder sich der Wissenschaft ergibt", out- wartete >'ie, drückte ihm aber zugleich die Hand. Sic wollte nicht streiten, es bals doch nichts mebr.

Tis Geschwister verkehrte» zusammen, als ob sie nie eine Differenz gehabt, nachdem die erste Fremdheit überwunden und Heinz sich an dem ungewohnten Anblick der Schwestcr auf dem Kontorstiibl gegenüber dem Ohm gewöhnt hatte.

Es gab ibm anfangs einen Stich ins Herz, bann aber sah er, wie Rosemarie in den Gcscl-asten aufging und sich tatsächlich alles zum Besten gewandt. Dieder tummelte» sich im Hof und Speicher die Arbeiter, fuhren die Frachtwagen beladen zur Balm und leer zurück.

Wieder nahm die alte Firnia Jobst Heinrich Sebald die ibr gcbllbrcube erste Stelle unter den Handelshäusern der Stadt ein.

Elilcrs alterte immer inehr. Er ging aus den Stock ge­stutzt. den greisen Kopf gebeugt, die Hände zitternd. Trotz­dem behauptete er seinen Platz im Kontor. Rosemarie, seine gelehrige Schülerin, nahm ibm ab, was sie konnte, in Wahr­heit führte sie das große Geschäft.

Es war keine Sorge, daß sie es halten konnte, wenn Jakob Cblcr» die müde« Augen schloß. Heinz sah und er­kannte alles. Seine Liebe zu der Schwester wuchs und festigte sich noch dadurch. Er dankte ihr im stillen de» großen Liebesdienst »nd hütete sich, ihr weh zu tun. Freilich, von seinem Studium wollte sic noch inimer nichts wissen. sie hielt | cs so ziemlich für das Unnützcste. was ein Mann untcr- j nehmen konnte.

Gclangweilt hörte sie den Jukunstsplänen zu. die Heinz dem Bürgermeister ausbr.itcte, der auf den strebsamen Nes­te» stolz war. Als er nach dreiwöchigem Autenlbaltc voi»

Hause schied, durfte er sich beruhigt sagen, er habe die Schwester wieder.

Wenn cs auch nie mehr wurde wie einst, welligsten» nach RosrmarieS Meinung. Sie suchte in der Arbeit Ver­gessenheit. Sr'ac Bahn war frei.

Sein drittes Studienjahr verbrachte der junge Sebald in der Hauptstadt. Zum Herbst machte er seinen Doktor und schon im Februar des nächste» Jahres konnte er seiner Schwester melden, daß ihn eine Expedition, die zur Ersor- schung der Landes nach Afrika reise, engagiert habe. Die Gesellschaft beabsichtigte, in unbewohnte Gegenden zu drin­gen. Niemand war glücklickier. als der neugebackene Doktor selber der alle Vorbereitungen mit fieberhastein Eifer be­trieb. Im April sollten die Teilnehmer sich zusammenfin- de». Ende März kehrte Heinz Sebald hciin.

Diesmal wurde er jubelnd kinpsangen. Verwandte unk Bekannte waren stolz auf den jungen Mann, dem die Aus­zeichnung geworden, sich der Expedition anzuschließen.

Selbst den Ohm interessierten Zweck und Ziel dieser weiten Fahrt, für die zwei Jahre vorgesehen waren. Tante Julie, die immer noch slattlick>e Bürgermeisterin, ließ «4 sich nicht nehmen, zu Ehren des Ressen die ganze Verwandt' schaft zu versammeln.

TerDoktor" erfüllte sie mit berechtigtem Stolz. Sie nannte ihn nur noch Doktor Heinz, der Name blieb ihm. Es war ein großer Kreis, den Frau Halt geladen. Von den Alten fehlten schon viele, dafür hatte das junge Volk sich stark vermehrt. Töchter und Söhne geheiratet, WaS neuen Anhang nach sich zog.

Hein» sah viele fremde Gesichter, darunter manche». ;» dem er in keinem Verhältnis stand. Rosemarie eiging cs ähnlich. Gelangweilt saß sie hinter dem großen Albuni > n Tische im Salon.

Findest Du's auch so furchtbar amüsant, Mu?" neck > ibr Brud'r n« leise.

fFortsetzung folgt.)