Ausgabe 
4.2.1914
 
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Beilage zurNeuen Tageszeitung

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Mittwoch, den 1 . Lebr»»ar 1911 .

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Viedenktayr.

I. iti 6 ruar 16 RclbiiiaridjoU Derfslinger t- l7Sü ( S.iifrol v. Harlmann neb. 1S71 Fürst v. Päckler-Mus- Um t. Dichter. J8j7 Vibt Sallentin t.

3nm (l)kdäi1i!ilis fioilrr fiarl des OSroftrn.

Aachen, 1. Febr 3um Kedächtnir des elfhundertjährigen Todesiages Kaiser Karls des Kienen, ihres Schutzpatrons, bat die Stadt seitlichen Schmuck angelegt. besonders der Marktplatz bietet «inen prächtigen Anblick. Die Feier eroftnets ein Ponli- sitalamt im Münster, das von dem Kölner Erzbischof Dr von Kartmann, zelebriert wurde, an dem Weibbischos Müller Köln und der Bischos von Lüttich teilnahmen. Daraus bewegte sich ei» gewaltiger Aeftzng, an dem etwa 12V Verein« und über r.noo Personen teilnahmen, durch di« Strotzen der Altstadt zum Nathan», wo die vereinigten Mannergesangvereine r n Stand bild Karls des Kratzen di«Hymne an Karl den Kretzen" von Di W. Hermanns vorlrugcn. Dann sangen die den Marktplatz jüllenden Tausend« das Lied:Urbs Aquensis". Im Krönung»- saal des Rathauses versammelten sich di« Spitzen der Behörde», di« Bischöfe, die Stadtvertretung und Abordnungen der Ver- einr. Dort hielt nach den Vorträgen des städtischen Orchesters der Stadt.Archivar huyskens die Festrede, in der er «in Lebens­bild Karls des Krohen gab und aus unsere Zelt übergehend, der Segnungen gedachte, deren sich Aachen und das ganz« Reich an dessen Spitze wieder «in mächtiger Kaiser stehe, heute «rsreut, Am Abend sand im Kratzen Saal« de» Kurhauses ein« Dorsüh- rung von Bildern au» Karl, de, Kratzen Leben mit Musilbe > citung und Erläuterung durch Dichtungen statt, E» ist dar ->t« Mal seit 1711. datz Aachen das Kedächtni» des gretzcn kai- irrr feiert.

Per |nl)n?njln(litigr als Aaabinäi-kr nnH fiirdifnräubfc.

S. ». h Dhorn, 21, Jan. vor dem Kriegsgericht der !» Division zu Ihorn hatte sich unter der Anklage des zweisachen Raubmorde», de» Kirchen- . ubes, de» Stratzenraube». der Bedrohung, de» Diebstahls, des bundlaube« und der Fahnenflucht der Musketier Josef Etra». lnwicz vom 21, Infanterieregiment zu Thor» zu verantworten. Der 22jährige Angeklagte hat trotz seiner Jugend bereit, «in tewegle» Verbrecherleben hinter sich, Rochdem er im Alter von k Jahren sein« Mutter verloren hatte, wurde er von seinem Pklegevater Jordan in Bienkowo im Kreis« Culm erzogen und machte diesem durch sein« diebisch« Veranlagung schon damals viel« Sorgen. Er trieb sich viel in den Wäldern herum und kührte dort «in wahres Räuberlcben, Al, er dann der Obhut seine» Pslegevater, entwachsen war, verlor er den letzten Rest seine» sittlichen halt». Einen eigentlichen Berus halte «I nicht, er arbeitete mal hier mal dort al» landwirtschastlicher Arbei­ter, Flutzschisker und in der Umgegend von Berlin als Kanal- »rbeiter Während dieser Zeit macht« er sich verschiedener Ein- iuchsdiebstähle schuldig, indem er nachts in di« Arbeiterbarat- ten eindrang, wo er Kleidungsstücke, Wertsachen und Bargeld .lautete. Er wurde schlichlich als unsicherer heercspflichtiger o> gehoben und in das 61. Infanterieregiment zu Ihorn ein- f! ritt. Anfangs konnten seine Vorgesetzten über di« Führung de» Angeklagten nicht klagen, nachdem er aber mit einem ihm Vorgesetzten Kcsreitcn Streitigkeiten gehabt hatte, «ntschlotz er sich kurzerhand zur Fahncnslucht. hierbei kam ihm zuautc, datz

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er in seinem Schroirk in der Kaserne «inen Zivilanzug verborgen gehalte» hatte. Die Flucht unternahm er, ohne «inen PjeNnig Geld zu haben. Er begab sich zunächst zu Futz zu seinem Pjlege- vater, der ihn anfänglich ausnahm und ihm riet, wieder zu sei­nem Regiment zurückzukehren. Als der Angellagi« der Ermah­nungen indetz lein« Folge leistete, vcrwictz Jordan ihn au» dem Hause, um sich nicht selbst strasbar zu machen. Der völlig mit­tellos« Augetlagt« sucht« sich nun aus verbrecherisch« Weise Keld zu verschafsen. Aus dem Wege zwischen Eulm und Briese» i. Svestpr. traf er einen alten Rentner, bei dem ei Keld vermu­tete, Er verwundete den alten Mann durch mehier« Stein- würfe schwer und raubt« ihn dann au». An Bargeld erbeutet« er nur 12.4V Mk,. da» er aber in der nächsten Stadt in einer Animierkneipe verjubelt«. Nachdem der Angeklagte bei mehre­ren Einbrüchen teils nur ganz geringe Eeldbeträg« erbeutet hatte, satzl« er den Plan, in Althausen den Organisten Syran- kowsti und dessen Wirtschaiterin zu ermorden, um dann unge­stört da» ganze hau; durchsuck>en zu können. Er besorgt« sich «ine Axt und drang nachts in da» Haus de» Organisten ein. Ohne überhaupt nach Keld zu suchen, ging er in die Schlosst»,,« und versetzt« dem schlafenden Syrankowski mit der Axt mehrere Schläge gegen den Kopf, durch die er sofort getötet wurde. Da­nach stürzt« er sich aus di« durch da» Keräusch geweckte Wirt­schafterin und ermordete st« gleichfalls durch mehier« Beilhieb«. Dann mach!« sich der Angeklagte mit größter Seelenruhe an »i« Durchsuchung der Räum«, fand aber nur «in Portemoniurie mit ganzen 80 Psg. Er entfloh dann aus einem gestohlenen Fahr­rad« und unternahm noch mehrere Einbrüche, bei denen er mehrKlück" hatte. Selbst vor kircheneinbrüchen schreckte er nicht zurück und raubt« die Opserkösten in der Sophienkirche in Posen und in der Marienkirche in Knesen aus. Als er in Kne- sen einen Eisenbahnzug besteigen wollt«, wurde er erkannt und verhaftet. Der Angeklagte, der zuerst hartnäckig geleugnet hatte, legt« in der Verhandlung ei» umfassende» Keständni» ab, Da» Kriegsgericht verurteilt« ihn wegen sämtlicher ihm zur Last gelegten Verbrechen zweimal zum lob«, zu acht Jahren Zuchthaus, Versetzung in die 2. Klasi« des Soldatenstandes,

Ausstotzung aus de», Heere, dauernden Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaussicht.

KimiMi» für d»>h pirrkllaiiiinlniii).

Di« Termine der Körungen für da» Pserdestammbuch wer- den alljähtlich im Frühjahr an den Orten »er 'üestüt,sloti»nen

1- org«»ommen.

Bei etwa einem Drittel dieser Termine werden und zwar alljährlich wechselnd, im Anschlutz a» di« Körungen Versamni. lungcn zu gegenseitiger Aussprache abgehalten, so daß etwa all«

2 3 Jahr« an den gleichen Orten Versammlungen de, Pferde, Züchter vorgesehen sind.

Di« diesjährigen Körtermine in de» Provinzen Rheinhesien und Starkenburg werden nachstehend bekannt gegeben. In Ober- Hessen finden di« Körungen im April statt. Ihre Bckannt 'abe erfolgt später,

Provinz Rheinhessen,

Alsheim, Freitag, den 27. Febr., vorm. 9K Uhr.

Nieder Olm, Freitag, den 27, Febr., nachm. 2K Uhr,

Alzey, Samstag, den 28. Febr., vorm, halb in Uhr. Ansihlietzend Versammlung im KalthausDrei Könige".

Provinz Startenburg.

Babenhausen, Montag, den 2. März, vorm. 8K Uhr. Anschliehnd Versammlung tm Kasthau» von Kraft, Stockhcim i. O., Montag, den 2. März. »achm. halb 2 Uhr.

ZUM PUnyeilen.

Roman von M. Prigge-Brook.

14 (Fortsetzung!.

Beruhigt schlafe er seine Schatulle ab »nd nahm sich vor, über den Teil des Dramas, der sich im Pflugeisen abge­spielt. z» schweigen. Er konnte es mit gutem Gewissen tun.

Im P'lugeisen ging alles wieder den alten Gang. Lang­sam vernarbte die Wunde in Roses Herzen. Niemand rührte daran. Selbst Heinz, der nicht mehr so wild war, seit seine Schwester um ibn war. schien Schm-dt vergessen zu haben. Er sprach wenigstens nicht von ihm. Den Bürgermeister bauette seine Nichte.

Nachdem die äuhere Trauer um den Grotzvater vorbei war. zwang er sie. an Bällen und Festen teilzunebmen, die die Gesellschaft gab. Sie fügte sich willig. Ihr Herz war aber »ichl dabei. Trotzdem hatte sie Erfolg bei den Männern, so datz sie im ersten Winter mehrere Körbe ansteile» mutzte. tlv sich dies in den folgenden Jahren wiederholte, sprach sie sich mit Onkel aus.

,Ich glaube, ich tauge nickst für die Ebe". sagte sie ernst. .Mir sagt eigentlich niemand zu. Spricht einer freundlich .»> mir und fragt nach meinen Wünschen, so denke ich gleich, er mein! nicht mich, sondern mrin lsield. Ist das nicht

schlickst von rnkr?"

..Sck-l.-.ht niast. aber traurig. Kind", antwortete ,Hart K-u . Mir ich.'int. Tu bist nickst eingebildet. Hältst Tu': N; n sür unmöglich, datz einer Dich selbst zum Wcibe

Si lchlng die Auge» nieder.

Ich wcitz es nicht. Ich vermisse nichts, babc ich doch i 1 . Tn Heinz »ad die Firma Sebald."

Tie Firn'a war ihr Ideal, ihr Auf und Rieder, der Aus­gang ihrer Gedanken. Der Bube entwickelte sich prächtig. Seit Ostern ging er in die Latcinscknilend bcba»p>ete den drillen Platz unter den Mitschülern. Es war »och immer wie esi -fc «.

Im Pslugeisen sammelte sich die Knabensck-ar, im Pflug, eisen wurde gelernt, geturnt und gespielt, so datz Rosemarie oft Hören und Sehen verging. Ihre bange Seele sah auch im Sport Gefahren, und Heinz fand es oft schiver, seine» Dillen durchzusetzen, wo es sich um holsbreckjerische Spiele handelte.

Sanft liefe sie ihn. Was er sagte und tat, war gut und vollkommen, Hhr Herz klammerte sich an das einzige, was ihr lieb, an dieses Kind, das Vater »nd Mutter ihr auf die Seele gelegt, an den Elbe., der Firma.

Als Rosemarie im Lause der Jahre auf Reisen einen Juristen kennen lernte, der sich von ihrer zarten Anmut niächtig aiigezogen fühlte, hatte sie noch einmal Gelegenheit, ihre oft geübte Fertigkeit im Korbausteilen zu erneuern. Diesmal fiel sie ihr schwer. Sie war nun fünfundzwanzig geworden, ein vollbewuhtes Weib, das die Sützigkeit eigenen Herdes ermessen konnte.

Hätte der Bewerber ihr die Wahl des Aufenthaltes ge­lassen, hätte er ihr folgen können, statt sie ihm. wer weih, »vas sie getan. So aber sollte sie ihm folgen und Heinz und die Firma verlassen. Sie hätte gewählt. Sie liefe sie nicht. Blutenden Herzens rife sie sich los. kehrte ins Pslugeisc» zu­rück und wurde »och stiller. Aus Bälle und Gesellschaften ging sie fortan nicht mehr. Die Verwandten liefeen sie.

Als Rosemarie ihr dreifeigstes Jahr vollendet, trat ei» Ereignis ein, das ihrem stillen Lebe» ein Ende machte. Amts- rat »kern, Luises Bruder, berief die Schwester plötzlich zu sich. Seine Frau lag auf dem Sterbebett, dci grofee Land­haushalt konnte der sorgenden Hand nicht entbehren. Schweren Herzens verliefe Luise die Sebaldscheu Kinder, um dem Bruder Hausfrau zu ersetzen, die nach kurzer Zeit schweren Leidens starb.

Der fassungslose Mann mit seinem Kinde verzweifelte und klammerte sich an die Sehwester. Gewohnt, andere» zu dienen, nahm Luise willig die grofee Last des Haushaltes aus sich, bemutterte die zehnjährige Erna und bezwang ihr Herz »ach den geliebten Kindern im Pslugeisen, die sie vcr- aebens zurückriefen

Sic stand jedock) der ungewohnlen Arbeitslast ratlo. gegenüber, trotzdem sie sich die gröfele Mühe gab. Der Amt« rat. so gern er die Sck>wester behielt, inufele (<t)licfelid) selbs einsehen, bafe ihre Anwesenheit eher Lost al» Hilfe war. Ti, Mamsell wurde aufsässig, die Mägde veiwildertcn. Es gal Verdrufe über Verdrufe, bis Luise den Bruder dringend bat,

Lafe mich ziehe». Ji» Pslugeisen vermifet »mir mich und hier kann ich Dir nichts nützen."

Bergifet Du das Kind?" fragte er ärgerlich.

Das Kind, die kleine Erna, die sich der Tante zärtlich an- geschlossen, war nicht vergessen. Uiu Ernas willen bestand Luise aus einem Plan, der ihrem Bruder schliefelich auch eiu- leuchlete.

Erna ging ins elfte Jahr und brauchte besseren Schul­unterricht, als ihn die Dorfschule hergnb. Es galt nur, Rose- morie sür die Idee zu gewinnen, Erna einstweilen hei sich auszunehmen.

Luise schrieb an ihre Pflegetochter.

Rosemarie antwortete unigehend da» Kind sei herzlich willkomnien. ,

Heinz rümpstr die Rose. Ein kleines Mädckien das Mit den gaiizen Tag an den Röcken hing, batte ihm grad' gefehlt.

Er liebte seine Schwester mit eiserltichtiger Zärtlichkeit und hörte es gern, dafe man in der Familie RosemarieS Ehe- scheu als eine Tatsache besprach a» der nicht zu rütteln war. Ackitzehn Jahre alt, war Heinz ein prächtiger Bursche, ein echter Sebald.

An L:ib »nd Seele gesund, dem Studium ergeben, holte er sür den hohen Berus, der seiner wartete, nicht bas geringste Verständnis. Wohl sah er mit heimliche,» Stolz ans bas stattliche Patrizierhau» bas dir Jahreszahl Ui'*) über d.'r Eingangstüre trug; der Wohlstand in dem er aufwnchs, er­freute ihn, aber er iniponierte ihm nicht, so wenig es ihn künimerte. bofe dos Geschäft in den letzten Jahren verlor. Mit den Milliarden, die der Sieg über die westlichen Rock- bariiln; Land gebracht, war ein neuer Geist in Tciitschlnud eingezogen, der Geist der Betriebsamkeit. Neue Gesckiäsle taten sich auf, das Breiiiae der PVhnlh* mar vorbei. Dazu