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Beilage
zur „Neuen Tageszeitung".
Samslng, den re ft, Januar 101 I. 7 . lnifr«vn-
<*»cbcnl:tnge.
24. Januar. 1712 Hrii - t>ri(tt N?c WrolV neb. - 1797 jtarf vv Holte», Dichlor, fleO.. Br>: lau. 1S24 Heinr. Friedr. JCtto Aböl. Historiker. <sob. IHT.l Professor Marlin Lanqenbeck 4, Göttingcu.
»'». Januar. 103.5 Phil. Jak. Si>en«r ges 1833 Minister Vronsart v. Sck>ell>ndors geh.
ftfiii L!riet oum attru tiödtrl.
ü i 1 1» ( Freunde!
Stlir.fll kling! luftig töat das Schellengeläute der S: stften non der Landstrabe herüber. Weil und breit ist sie Wen in Schnee und Reif gebullt. Eo gebt ans den Abend. 1 ab linkt die Dänimernug bernieder und still wird's überall. Ja» bade in meinen» Stichle»»» ein Oscniener angemakbt. da? b.jtia klackert. Dunkler wird'? und dunkler, iiur der Schein d. . F»uer? leuchtet durch da? Dunkel.
Da werd»n Erinnerungen wach. Bilder au? längst verdungener .steil zieben an meiner Erle voriiber, ich gedenke d» , b c! s i i ch e n Volksbewegung — — lang, lang ist s ber — ob tvobl diealtenMilkümpker noch leben? J e Köre sebr selten etwa? von ibuen. Gewib sind viele tot. ;...t groben Hrcrschiau entboten, dabin ich vielleicht auch bald algebe — wer weis;? Vielleicht lebt auch noch Mancher und bat mich vergessen. Andere sind abgefallen, gleichgültig geworden, wer weift?
Inzwischen ist? ganz dunkel geworden. Der Schimmer de? LleuleuerS lvielt aul dem Fuftboden meiner St»ibe. — Da. was ist das? Drauben auk der Treppe schallen Tritte, e? klavlt au die Tiirc. ...Verein!" Ter Briefträger tritt ein und überreicht mir einen Brief. Er gebt, ich offne den Bries- unischlag. der Brief kommt au? H e s i e n , von einem lieben sti runde, den ich auch längst zu den Toten gerechnet batte. Er schreibt so sreundlich und bat sogar, damit e? nicht blos lei Worten bleibe, etwa? Papiergeld angcfügt. Wenig ist ?, aber f • kommt von Herzen und das ist die Hauptsache. Wie wich da? freute! nicht allein um de» (beide? willen! webr noch, viel mebr als steichen treuer Anhänglichkeit und alter Freundschaft.
„Sa best d» wirklich nicht umsonst gelebt, nicht vergeblich gelitten!" spreche ich zu mir. Diese steilen, die von Herzen konimen in ibrer schlichten Svrach« reden tröstend zum Herzen. Dank dir Freund, dank Euch Allen, ihr Freunde, die ihr in diesen Tugen meiner gedacht babt: Herzlichen Dank!
Wenn auch die Kr a » kbei t, eine Folge meiner 30- sübrigen aufreibenden, öffentlichen Tätigkeit, meine Gesundheit untergraben bat und die Nabrnngssorge» und Ent- täulchungen am Leben zehren, so bleibe ich doch der Alte, dem Bauernstände gekört noch immer mein Wirken, wie einst. Da? betveist »achst'beiide? Gedicht, da? ich alle Freunde zu lesen bitte. Allen lieben MfifAcn Freunds n in allen Treue herzlichen Grus;
De. Otto Bickel,
Michendorf
(Mark.)
per deutsche SaueruKand.
Mein Bauernstand, du Herrenstaud,
Wie stellst du stolz im Feld.
Am Schwert die Faust am Pflug die Hand,
Ter Sckwlle tapferer Held.
Und ob auch ring? der Feind umtobt De? Vaterlandes Mark,
Du bast im Deller dich erprobt.
Du siebst im S t» r ,n e swrk.
Wer bot des Korsen Rieien,nacht Mit mächtigem Arme Halt?
Wer bat in blutiger Völkerschlacht sterschmettert die Gewalt,
De? Manne? der der Welt gebot.
Die er mit Fiifte» trat?
Das »vor in st impf, in Sieg und Tod De? freien Bauern Tat.
Ans freiem Grund ein freier Mann,
Bleib. Bauer allezeit.
Du bost aus ickm-mer Frobudcn Zwang Dich und dein Dolk befreit.
Tie Bauernkrast der Fellein los Gab Preufteu neuen Mut.
Und Preufteu wurde wieder groß Durch dreier Bauern Blut.
So lang du aus der Schalle flehst.
Hat Deutschland keine Not.
So lnug du deine Saaten säst.
Hat unser Volk sein Brot.
Von Saat zu Ernte, deine Dahn,
Dein gotlbeichieden Los.
Geüst du getreu, wie einst dein Aba.
In stillem Schaffen graft.
In harter Zeiten schwerem Drang
Hast frisch du dir bewahrt
Die denttckv Sage. Sitt und Sana
Und deiner Väter Art;
Was einst in Hutten uud Palas»
Al? Volkslied wicderklaug.
Die Schätze wohl behütet hast Du manch Jahrhundert lang.
Mein Baueruswnd. bleib treu und fest.
Du trägst gar schwere Last,
Du Anker, der sein Schiff ni»ht läftt.
Der fester nur es faßt In Sturmesdrobn und Wetternot:
Du Deutschland? er st er Stand .Halt aus, als letzte? Aufgebot Ruft dich da? Vaterland.
Dann, deutsche Bauern, fuhrt da? Schwert.
Wenn euch der Kaiser rust,
steigt euch in gleicher Kraft bewährt.
Vitt der ihr Werte schuft:
Dir Kraft, die au? der Scholle quillt,
Hat Deutschland graft grmacht:
Heil Bauernstand, du Deutschland? Schild In unsrer letzten Sck'lachtl
Wochenschau.
Au? dr» Parlameute«, — Nord uud ©üb. — Der Krupp-
Prozrft. — J-anzösischc Farge». — Balkansrageu.
Die parlamentarische Hochflut ist da und eifrig wird allerort? geschwatzt und geredet. In» Reichstage hat die zweite Etalrlesung eingesetzt, und zwar mit dem Etat de? Innern, jenem groben Reisort. tu da? alle? hineingestopst ist. wa? man anderweitig nicht »mterbringen konnte. Da ist e? denn bei dem groben Umfange de? Stoffe? nicht verwunderlich. wenn nicht nur die Erörterung eine reckst ausgiebige zu sein pflegt, sondern auch die verschiedenartigsten Tbemen Non mehr oder minder Wichtigkeit in den Bereich der Betrachtungen gezogen werden. In den ersten Tagen der Debatte fand allerdings eine grobzugige allgemeine A»s- Ipralbe über unsere Sozial- und Wirtschaftspolitik statt. Auch die Wirtsibaftspositik der Reick>?regierimg hat ibre Gegner. Herr Delbrück erklärte, dah die Regierung an den jetzigen Tarifen sestbalten wolle, w»nn sie onck, geneigt sei, einzelne Unebenmäbigkeiten zu beseitigen. Andererseits »vill man die Handelsverträge nicht kündigen, sondern die Bertrags- schliebenden Staaten an sich herantreten lassen. Wenn auch in den Griindzügen die Regierung eine Mel,»beit hinter sich haben dürfte, so wird es bei den Beratnnaen doch nickst so platt abgehen, denn die Parteien der Rechten werden, der Forderung der Gerechtigkeit folgend, einen stall auf Obst und Gemüse und einen solchen ans Rahm und Milch fordern. Auch die Linke tvird mit Anträgen ans Herabsetzung de? Tarife? und Beseitignna der Einfubrsibeine kommen. Wenn vielleicht auch nicht solche Stürme wiederkebren, wie bei der letzten Tarifberatung, so wird die Arbeit für die Regierung doch keine leichte sein.
Nord und Süd! Die Mainarenze erlstiert noch immer, und damit auch die Empfindlichkeit, Die Verbandlunaen de? Prenbentages. über dir mir ein ziemlich nnznlänglickvr Bericht veröstentlickst worden ist. haben in Bayern viel böte? Blut gemackit, und selbst die offizielle „Bnverilche Staats- ze'tnnn" bat sich zum Mort pemlldet, und auch im Landtag ist die Anaeleaenbeit zur Sprache gekomnien, wobei an? dem Munde de? Kriegsniinister? recht herbe Worte gekästen sind. Nun wird van Sei'-m der in Fraae kommenden Bar- innen zweiKls^oi festa"stes0. dob irgendwelche gehässige Worte gesellen sei"n und dab die Bewegung irgendwelchen partikulnristiichen Ebarnfter trage. Die „Baneriiche Staats- " ' -> >:•>!, g"ch iofo-'* anerkannt »nd die Anaelegen- beit tür ersediat o-riö-s. Gseichwobl stnd die Gemüter zu erregt, gl? dab d>e Aftäre so schnell in Veraessenbeit aeraten »r-ird. zumal a'-ch d°e Betonung de? Vreubentmn? bei den innasten n>f,^wn im Laud'aae in den and«»"» Bnnde-»- stagten N'ck't gern perme-st morden ist. E? mögen da manche Mibnerstä"dnill» mit iinterfauken. immerhin sollte man aber gerade »n den sst-m!er»a°u Letten. wie den seb'aen. alle? vermeid"» »na? solche Miftlickcheiten herauf zu beschwören, geeignet ist.
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nach nW einmal so fange ber. dab die sogenannte Grnvv- ock'äre die Gemüter ans da? bestiaste erreate »nd im Reichstag tza? Wort von einem deutschen Panama fiel. Schon die erste »- rMpnaiirriif»», d-r —an mit so-ae-issi-a»», '"nterella entgeaeusab, erbracht: den Beweis, dab man.'o? übertrieben worden war lind da? Jnterclle flaute daher um (-»mein schnell ab. Jetzt bat die Beriissverbrndlima var d"m Db"r'r!eoaaerick't stattgesunden und siebe da. man schenkte in der groben Oeftentsickckeit dem nenen Proi-st; nur aorrnae A„kmerksamke!t, »nd der in dieser Wockie erkolgte milde llr- t-is?s»'Nich findet ebenfalls »venig Beachtung, nachdem be- 'auut morden war. dab der Vertreter der A »ftagebebörde sei'-ki hie Sch"»dsrone wegen Verrat? miltärischer Gebei»»- n'ste batte fallen lassen. Gew ist sind linregelmäftiqkesten - *' 't finden ibre Sübne. und vor allem dürfte die HeresveNnaltung oeeignete Mobnabme» inzwischen getroffen b'ben. um einer Wiederkehr derartiger Vorkommnisse varzubeiiaen.
Interne Soraen bat lebt auch Enalan? w™ mnn es
mirt) bestreitet, so bestehen doch im Ministerium Dilteronui iibor de» tveiteren Ausbau der Flotte, zwei Lager stellen eia ander gegenüber, ans der einen Seite ElmrcküII >md mit »lim luotil auch Edniard Gretz. die kräftig weiter verstärken w 'llen »stihrend Llopd EKorge mit seinen Freunden au? liuan- zicuen lstrunden Einbal« gebieten möchte BKIstie »on bei- den Richtungen Sieger bleiben »vird. siebt noch dabin möa- lich dab es zu einen» .llvnchiomib kommt, anderrrteit? w>ire der Ausbruch einer ÜdibineNskrist? kein Ding der llnmöa- lichkeit.
stur Rabe kommt »na» auch nicht aus d>-m Balkan. Die Frage der Militärmission scku-int ja jetzt durch de-utick«- Nach- gicbigkeit gegenüber den rusiilckx-u Forderungen erledigt sein, andererseits macht es aber den Eindruck al? wenn die Türken über knrz oder lang wieder losschlagen wollen ,„>d hierauf ist vielleicht da? Drängen der Petersburger Macht- baber »nrückzufiibren. die an der Spitze de? banptiächlich in Frage kominenden Armeekorps keinen denttckion General wollen. Rach allen au? Konstantinolu's kommenden Meldungen sind dort nmsangroiche militärische llllaterial- bestellunqen mit kurzer Lieferfrist ergangen und auch bin- hchtlich der Trnppenverstirkiin« werde» Ordre? erlalh-n. Gnu» ausgeschlossen ist es allerdings nick-t, dab man damit nur einen Druck ausüben will, »in sich die hauptsächlichsten Inseln in, ägäischen Me»-re zu erbalten. Veiworre» ist n»ck, noch immer die Lage in Albanien, wo allem hlnicheiiie nach türkische Ränke an der Arbeit ivaren, nm ans iraend eine Weise direkt oder indirekt da? Land wieder in lilrti'üv Macht 5 « bringen. Der Prinz z» Wied bat seine Reise nach Tm iv.e »och immer nicht angetreten. »nd wer weis;, ob er iiberbaiivk r.i..imr>n wird.
vor Ifiinberf 3 nljrcu.
25. Januar bi? 31. Jonunr IHM.
Im Hauptquartier war cs vor alle» Schwarzenberg, der sich den Absichten Blückier? widersetzte. Er sprach e? ganz ofsen aus. dab man Frieden mackieu uud die Vorrückung aus Pari? al? in, höchsten Grade »»militärisch auigebe» lalle. (Im Hauptquartier wurde» Gneilenau und seine Gesiu- niingsgenossen al? exzentrisch »nd exaltriert erachtet.) I» einer Denkschrift hatte Knesebeck am 27. Januar a»?eiu- ander gesetzt, daß nian sich in der Krlegssüliriing abwarlend verhalte» müsse. Die Versuche de? störe». Tchivaizenberg z„ einem tatkrästigen Handeln zu beioege», waren vergeblich gewesen. Auch zwischen Castlereapli und dem stare» konnte eine Einigiing nicht erzielt iverden. Alexaudrr uer> dorrte a»f seine»' Absicht, jede Unterhandlung mit Nnvoleoi» c,bz»lehne:i. den Marsch nacki Paris fortzulobe» und erst dort Frieden zu schlieben. Am 28. Januar batte» stch die Gegen- sähe im Hauptauartier derart ttcrfifWirft. dab lue Koalitiai» in Gefahr geriet: Metternich erklärte, dab die Oesterreiwer keinen Schritt weiter vorrücken tvürden, bevor »iibt die österreichischen Anlchauungen. sangsame Kriegsfübrung »nd bas- diger Friedenskongreb anerkannt würden, worauf der sta, antwortete, das; er nötigensalls den Krieg allein und atzne fremde Hilfe fortsetzen würde. Der prei,bische König er- klärte, mit dem Zaren geben z» wollen. A-u ?ll Januar wurde dann in einer Ministerkonserenz eine völlige Einignna berbeigesiibrt: kam dem Zar durch Fotlleiumg der Operation entgegen, während Oesterreich seinen Willen bekam indem Verhandlungen mit Napol-on eröffnet werden sollte».
Die Hauptarmee besetzte am 2ü. Januar Bar s» A„b, am selben Tage ging das Korps Eolleredo aus Diio» vor. (Schwarzenberg konnte es nicht über sich ge-'iunen. Blücher in bellen Operation zu Unterstufen, ja. er l>eb iicki sogar am 30. Januar nach dem Siege Blücher? de! Briegne z„ der Aenbernng binreiben: „Jck> bin etwa? tran-m d»b es für Blückier nicht eine kleine Niederlage gegeben
Am 25. Januar kam Napoleon in Cbalon? an. Es ae- börte die ganze Kübnbeit Dlückier? dam. nickst znrückzn- weichen. uieln>elir den Kampf geae» die >(>(??i Mann ^ran- zrsen auszunebmen. (E4 war klar, dab Navolea» (ich au' Blücher werken würde, um diesen zunächst z» lck,laa,-u »r> dann stch gegen die Hauptarmee zu »veudeu ) Au, 27. Jan batte der französische Geiieral Milhaud ?t. Di>»er auae- grissen und besetzt. Napaleon n»or in d»e Stadt eiuae»aaen. mit arobem Jubel begrübt. Blücher batte jetzt sei» Haupt- onartier in Brienne, gegen das Napo'eon am r " i . Januar an ruckt?. >ni 29. Januar kam es dann zur Schlacht bei Brienne, die Napoleon selbst leitete' das Gel-ckst »"»ake bin und ber u»d d»e Franzosen batten bereit? e'-iine V r» teile errmiaen, al? Bliiiber die Kavallerie ins Srefte» «"''-te und schlieblich da? blutige Ringe» imentlchied'n blieb. (Während Schwarzenberg in »venige» Meilen Ent»er»»»g keinen Finger rührte, um Blückier zu Hille zu fo»,m"n. e- kannte Drede die Sachlage b">ier, »nd wenn er auch ui 'l sofort eiiigreilen konnte, so rückte er dach am 31 J'unnr io weit vor. dab er bei der folgei'den Sckllachi mil tätig »eia konnte.) Blücher wäre in der Nacht des Schla^ttaae'» bei- nabe gelangen aenonimen worden, er und lein Ltab rei» '-u sich nur durch Geisiesgegeuwars au? dem Brienuer 'S ' 1 '■ Am 30. Januar zog kick Bliiiber ans Bar lur Anb zurück den Angrift' Napoleon? erwartend. Napoleon >nor. da e- Brienne al? einen Sieg anspr rch. voller Zuversicht
(Von der N o r d - A r m e e unter Bülow wurde am 20. Januar die Festunq Herzoqenbusch eingenommen »nd ansehnlich»'? Kriegsmaterial erbeutet.)


